Energieeffizienz im Gebäudebau in Rumänien

Gebäude stehen im Mittelpunkt von Rumäniens Politik für mehr Energieeffizienz

Die Erhöhung der Energieeffizienz im Gebäudebereich hat wegen  der großen Einsparpotenziale hohe politische Priorität. Die energetische Sanierung von Wohngebäuden bleibt eine erhebliche Herausforderung. Ehrgeizige Effizienzvorgaben werden zusehends im Gebäudeneubau umgesetzt. Dem Büro- und Gewerbebau folgt verstärkt der Wohnungsbau. Mit der guten Wirtschaftsentwicklung und zahlreichen Fördermöglichkeiten eröffnet sich ein breites Betätigungsfeld für Produkte, Technologien und Beratung.

17.11.2016

Thermische Sanierung von Gebäuden ist ein Hauptziel Rumäniens

Rumänien soll bis 2020 im Rahmen der EU-Richtlinie allgemeine Energieeffizienz-Maßnahmen zur Reduktion des Primärenergieverbrauchs um 19% im Vergleich zu 2007 umsetzen. Dies entspräche einem Bedarf an Primärenergie von 1.800 Petajoule (PJ) im Jahr 2020. Übernimmt das Land die EU-Zielsetzung einer Reduzierung des Energiebedarfs um 27 bis 30% bis 2030, dann läge der Bedarf bei 1.550 bis 1.635 PJ. Bereits heute sind diese Ziele auf Grund des Strukturwandels und Schließungen alter Industriekombinate formal erfüllt. Nach vorläufigen Angaben des Statistikamtes lag der Verbrauch 2015 bei gerade 1.380 PJ.


Energiedaten Rumänien

Energiedaten

2010

2014

Gesamtstromverbrauch (in TWh)

50,52

49,25

Private Haushalte (in TWh)

11,20

11,59

Gesamtwärmeverbrauch (in 1.000 t Rohöleinheiten)

1.654,34

1.272,80

Private Haushalte (in 1.000 t Rohöleinheiten)

1.134,74

799,08

Dienstleistungen (in 1.000 t Rohöleinheiten)

214,08

185,33

Endenergieverbrauch der privaten Haushalte (in Mio. t Rohöleinheiten)

8,10

7,40

Anteil am Endenergieverbrauch des Landes (in %)

35,8%

34,1%

Strompreis Haushalt mittlerer Größe in Euro/kWh

0,1052

0,1248

Quellen: Rumänisches Statistikamt INS; Eurostat; Berechnung von GTAI


Gebäude stehen im Mittelpunkt der Regierungspolitik für Energieeffizienz, da der Wohnungs- und Dienstleistungssektor 45% des Energieverbrauchs ausmacht und dort die höchsten Energieverluste von 40 bis 50% auftreten. Die durchschnittliche Energierechnung eines Haushalts wird durch die Heizkosten (Anteil: 57%) dominiert. Auf sanitäres Warmwasser entfallen 25%, auf Strom 11%, andere Verbrauchsformen liegen bei 7%.

Ein Großprojekt zur thermischen Sanierung von Wohnblöcken läuft seit über sieben Jahren in Bukarest, derzeit für 140 Gebäude mit 9.500 Wohnungen. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat das Vorhaben bisher mit rund 400 Mio. Euro unterstützt. Der Investitionsbedarf für die thermische Gebäudesanierung in Rumänien wird von Fachleuten für die kommenden 15 Jahre auf 5 Mrd. Euro veranschlagt, davon die Hälfte bis zum Jahr 2020, jeweils ein Viertel bis 2025 beziehungsweise 2030.

Die im Aktionsplan im Bereich der Energieeffizienz der Regierung genannten Maßnahmen führen zu Gesamtersparnissen im Gebäudebau bis 2020 von 2.475 toe, davon 1.432 toe im Wohnungsbau und 1.043 toe für Gebäude im Dienstleistungssektor.

Im Wohnungsbau sind folgende Maßnahmen geplant: thermische Sanierung der Wohnblöcke (Energieersparnis von 544 toe), thermische Sanierung der Einfamilienhäuser (356 toe), Anschaffung von energieeffizienten Geräten (462 toe) und Energieaudit und -Management (70 toe).

Im Dienstleistungssektor sind folgende Maßnahmen vorgesehen: thermische Sanierung von Regierungsgebäuden und Anschaffung von energieeffizienten Geräten (24 toe), thermische Sanierung von öffentlichen Gebäuden und Anschaffung von energieeffizienten Geräten (121 toe), Modernisierung des öffentlichen Beleuchtungssystems (48 toe), Modernisierung der Wasserversorgungsysteme (4 toe), thermische Sanierung von Büros, gewerblichen Räumen und Anschaffung von energieeffizienten Geräten (232 toe) sowie Entwicklung der Energiedienstleistungen beziehungsweise eines Marktes für Energiedienstleistungen, Energieberatungen und Energieaudits sowie Effizienzmaßnahmen (641 toe).


Text: Michael Marks

17.11.2016

Rumänien baut ab 2020 nur noch Niedrigenergiehäuser

Laut Nationalem Aktionsplan für Energieeffizienz gibt es eine bebaute Fläche von 493 Mio. qm, davon 86% Wohngebäude. Rund 67,2 Mio. qm entfallen auf den Nicht-Wohnungsbau. Von den 8,7 Mio. Wohnungen befinden sich 47,5% im ländlichen Raum. In den Städten sind 72% der Wohnungen in Wohnblöcken angelegt (mit circa je 40 Wohnungen). Rund 60% der Wohnblöcke haben Erdgeschoss und vier beziehungsweise 16% zehn Stockwerke. Der Bestand der Zentralverwaltung liegt bei 2.953 beheizten und/oder gekühlten Gebäuden oder 6,74 Mio. qm. Für die Lokalverwaltung sind es bei 86.613 Gebäuden rund 27 Mio. qm.

Wachstumszentren bildeten gemessen an den erteilten Baugenehmigungen für Wohngebäude im 1.Halbjahr 2016 (in absoluten Zahlen) die Regionen Nord-Ost (4.192), Süd-Muntenien (3.251), Bukarest-Ilfov (2.940) und Nord-West (3.480). In Bukarest und Umgebung sollen 2016 über 14.000 Wohnungen gebaut werden, zudem 336.000 qm Bürofläche. Regionalstädte wie Cluj-Napoca, Iasi, Timisoara und Brasov hingegen verzeichnen eine Rekordnachfrage nach Bürofläche.

Der Großteil des Gebäudebestands wurde mit niedrigen oder fehlenden Baustandards in kommunistischer Zeit gebaut, eine Sanierung vernachlässigt. Die Energieeffizienz ist entsprechend gering.


Altersstruktur der Wohnungen (Anteil in %)

Baujahr

Wohnungen

Anteile

Vor 1919

298.142

3,4

Von 1919 bis 1990, davon

7.023.121

80,5

.von 1919 bis 1945

680.934

7,8

.von 1946 bis 1960

1.371.011

15,7

.von 1961 bis 1970

2.054.242

23,6

.von 1971 bis 1980

1.730.409

19,8

.von 1981 bis 1990

1.186.525

13,6

Von 1990 bis 2011

1.166.487

13,4

Undatiert

234.648

2,7

Gesamt

8.722.398

100,0

Quelle: Nationale Statistik, Volks- und Wohnungszählung 2011; Berechnung von GTAI


In Rumänien gibt es keine Anforderungen an die Energieleistung weder für Neu- noch Altbauten ausgedrückt in End- oder Primärenergie. Allerdings sehen die Bauregelungen Mindestanforderungen bei der thermischen Dämmung für die Bauteile vor. Im Rahmen des Nationalprogramms für die thermische Sanierung der Wohngebäude soll sichergestellt werden, dass der jährliche Wärmeverbrauch unter 100 kWh pro qm Nutzfläche fällt.

Der Aktionsplan für Energieeffizienz setzt sich als Ziel die Förderung von „Fast-Nullenergiegebäuden“ (nearly Zero Energy Buildings/nZEB). Alle Gebäude, deren Baugenehmigung nach dem 31.12.20 ausgestellt wird, sollen Niedrigstenergiegebäude sein, öffentliche Gebäude in Eigentum oder Verwaltung der Regierung bereits nach dem 31.12.18.


Primärenergieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser für nZEB (in kWh/qm/Jahr)

Gebäudeart

2015 Klimagebiete I/II/III/IV/V *)

Bis 31.12. 2018 Klimagebiete I/II/III/IV/V 1)

Bis 31.12.2020 Klimagebiete I/II/III/IV/V 1)

Einfamilienhaus

131/147/172/226/248

115/121/155/201/229

98/111/145/189/217

Wohnblöcke, Wohnheime

105/112/130/152/178

100/105/122/144/152

93/100/111/127/135

Bürogebäude

75/93/110/107/127

50/57/69/89/98

45/57/69/83/89

Schulen

115/135/154/192/210

100/120/136/172/192

92/115/136/170/185

Kliniken

135/155/171/190/214

79/97/115/149/174

76/97/115/142/167

*) Einteilung Rumäniens nach Klimagebieten beziehungsweise konventionellen Temperaturen im Winter: I: -12°C, II: -15°C, III: -18°C, IV: -21°C, V: -24°C
Quelle: Anordnung Nr. 386/2016 des Ministeriums für Regionalentwicklung und Öffentliche Verwaltung


Für die Renovierung bestehender Gebäude gibt es keine Mindestanforderungen, jedoch sind die U-Werte (Wärmedurchgangskoeffizienten) bei Neubauten zu beachten:


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau

Bauteile

Maximaler-U-Wert

Außenwand

0,56

Außenwand von beheiztem Keller

0,35

Bodenplatte

0,22

Bodenplatte von beheizten Keller

0,21

Bodenplatte von nicht beheiztem Keller

0,35

Dach

0,20

Fenster

1,30

Dach

0,20

U – Wärmedämmungskoeffizient (W/m2K)
Quelle: ZEBRA, http://bpie.eu/


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau (U ab 1.1.21; Klimagebiet II) 1)

Bauteil

Büro 2)

Büro 3)

Wohnung 4) 

Wohnung 5)

Wand

0,6158

0,1936

0,5567

0,3960

Dach

0,2355

0,1531

0,1976

0,1970

Bodenplatte

0,5419

0,3858

0,3521

0,3510

Fenster

1,9937

0,7741

1,3491

0,8270

U – Wärmedämmungskoeffizient (W/m2K)
1) Durchschnittswert; 2) Dämmungsstandard : Bürogebäude mit reduzierter Glasfensterfläche; 3) Wärmedämmung hoher Qualität; 4) Dämmungsstandard: Wohnblock; 5) Wärmedämmung hoher Qualität
Quelle: Ministerium für Regionalentwicklung und Öffentliche Verwaltung


Ab 1.1.14 sind die Ministerien, die der Regierung unterstellten Institutionen und weitere Behörden laut EU-Vorgaben verpflichtet, jährlich 3% der Gesamtfläche (von 202.200 qm) der beheizten/gekühlten Gebäude der Zentralverwaltung zu sanieren, um den Mindestanforderungen zur Energieleistung der Richtlinie 2010/31/EU zu entsprechen. Bis zum 31.12.16 sollen alle Wohnungen einen Wärmezähler installiert haben.


Text: Michael Marks

17.11.2016

Rumäniens Staat zahlt bis zu 80% der energetischen Sanierung von Altbauten

Es gibt mehrere Programme zur Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden: Das jährliche Nationalprogramm zur thermischen Sanierung von Wohnblöcken (Eilerlass der Regierung Nr. 18/2009) wird vom Ministerium für Regionalentwicklung und öffentliche Verwaltung koordiniert. Begünstigte sind Eigentümergemeinschaften in Wohnblöcken der Baujahre 1950 bis 1990. Gefördert werden unter anderem Wärmedämmungsarbeiten einschließlich Verglasung, Modernisierung von Einrichtungen für Wärme und Warmwasser, Systeme mit erneuerbaren Energiequellen. Ganze 50% der Sanierungsarbeiten werden vom Staatsbudget übernommen, weitere 30% durch die Lokalbehörden. Die restlichen 20% entfallen auf die Eigentümergemeinschaften.

Von 2009 bis 2015 wurden 92.335 Wohnungen in 2.299 Wohnblöcken im Programm erfasst, mit Fertigstellung von 58.738 Wohnungen in 1.530 Wohnblöcken. Für 2016 beträgt das Budget 25 Mio. Lei (1 Lei/RON = rund 0,225 Euro, Stand 16.9.16). Mit den umgerechnet rund 5,6 Mio. Euro sollen 28.854 Wohnungen bezuschusst werden.

EU stellt rund 1,2 Mrd. Euro für Energieeffizienz von Gebäuden zur Verfügung

Im Rahmen des Operationellen Programms (OP) Regionalentwicklung 2014 bis 2020 (Prioritätsachse 3.1) stellt die EU 1.187 Mio. Euro für Energieeffizienzmaßnahmen für öffentliche Gebäude (Krankenhäuser, Schulen, Verwaltungsgebäude und Haftanstalten; insgesamt 484 Mio. Euro) und Wohngebäude (668 Mio. Euro) sowie für öffentliche Beleuchtung (35 Mio. Euro) zur Verfügung. Die förderungswürdigen Maßnahmen im Bereich der energieeffizienten Gebäudesanierung sind: Wärmedämmung (Wände, PVC Fenster), Sanierung der Heizanlagen, Heizung und Warmwasserbereitung aus alternativen Energiequellen, Energieeinsparung bei Gebäudebeleuchtung.

Die Projekte werden wie folgt gefördert: Projektwerte ab 100.000 bis 5 Mio. Euro für Wohngebäude und Straßenbeleuchtung und ab 100.000 bis 25 Mio. Euro im Falle öffentlicher Gebäude. Die Projekte für öffentliche Gebäude werden durch die Stadtverwaltungen vorbereitet und eingereicht, die für Wohngebäude durch Stadtverwaltungen und Eigentümergemeinschaften. Im Falle der Wohngebäude kann ein Finanzierungsantrag maximal 10 Wohnblöcke einschließen. Die förderfähigen Kosten werden wie folgt geteilt: 60% OP und Staatsbudget, 15% Gemeinde und 25% Eigentümergemeinschaft. Für Wohngebäude läuft bis zum 16.11.16 ein Projektaufruf mit einem Gesamtbudget von 447,75 Mio. Euro (EU-Beitrag: 362,05 Mio. Euro).

Anreize für Heizen aus erneuerbaren Quellen

Energieeffizienzmaßnahmen unterstützen auch die Programme Casa Verde (Grünes Haus) und Casa Verde Plus (Grünes Haus Plus), die im Herbst 2016 in Kraft treten sollen. Casa Verde (Gesamtbudget für 2016: 138 Mio. Lei/ 31 Mio. Euro) besteht seit mehreren Jahren und unterstützt Privatpersonen mit Sitz in Rumänien und öffentliche Stellen bei Ergänzung/Ersetzung konventioneller Heizungssysteme mit solchen für Erneuerbare Energien.

Für die Anschaffung von Sonnenkollektoren erhalten Privatpersonen bis 6.000 Lei und für Wärmepumpen bis zu 8.000 Lei. Für öffentliche Stellen kann der Projektwert nicht mehr als 2 Mio. Lei überschreiten und für territoriale Verwaltungseinheiten (Bürgermeisterämter) mit mehr als 100.000 Einwohnern nicht mehr als 4 Mio. Lei je Einheit. Casa Verde Plus (Gesamtbudget 2016: umgerechnet 10 Mio. Euro) wurde 2016 initiiert und bietet sowohl Privatpersonen (maximal 40.000 Lei) als auch öffentlichen Stellen (maximal 500.000 Lei) wie Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen Finanzierungen für Wärmedämmungsmaßnahmen.

Die Exportinitiative Energie des BMWi unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.


Text: Michael Marks

17.11.2016

Rumänien setzt auf BREEAM-Zertifikat aber auch LEED und DGNB

In Rumänien ist vor allem die BREEAM-Zertifizierung für umweltfreundliche Gebäude  verbreitet. LEED und DGNB sind auch vertreten, zum Beispiel DGNB mit dem Verwaltungsgebäude des österreichischen Holzproduzenten Egger. Am meisten zertifiziert werden Bürogebäude, gefolgt in kleinerem Umfang von Einkaufszentren, danach Wohngebäuden und Logistikzentren. Vor kurzem hat der Entwickler Immochan Romania in Partnerschaft mit dem Beratungsunternehmen BuildGreen die Zertifizierung BREEAM Excellent für das Einkaufszentrum Coresi Shopping Resort in Brasov erhalten. Die Zertifizierung war die erste dieser Art in Rumänien und die zweite in Südosteuropa. Zur Unterstützung der Immobilienentwickler bietet Romania Green Building Council ein Zertifizierungsprogramm für umweltfreundliche Wohngebäude.

Bei Consulting-Diensten im Bereich Zertifizierung von Gebäuden sind Komplettpakete wie auch individuelle Dienstleistungen im Angebot. Sie reichen vom Assessment als Teil des Designprozesses über eigenständige Unterstützungsdienste bis hin zum Audit für bestehende Gebäude (BREEAM In-use).

Der Markt für Energieeffizienzdienstleistungen (ESCO - Energy Service Companies und EPC - Energy Performance Contracts) ist ausbaufähig. Oft fehlt es an systematischen Informationen, zum Teil gibt es Qualitäts- und Kostenvorbehalte. Dennoch spielen ESCO eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung von Sanierungsprogrammen und der Energieeinsparung.

Energieausweis bei Verkauf oder Vermietung Pflicht

Seit Juli 2013 ist eine Bescheinigung der Energieeffizienz von Gebäuden durch das Gesetz Nr. 159/2013 verpflichtend. Der Eigentümer ist verpflichtet, bei Verkauf oder Vermietung eines Objektes dem Kunden den Energieausweis vorzulegen. Der Ausweis belegt die Energieleistung des Gebäudes und die Einstufung in eine Energieeffizienzklasse (A ist höchst effizient). Er gilt 10 Jahre ab Ausstellung und ist für Ein- und Mehrfamilienhäuser, Bürogebäude, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, Sportanlagen und Gewerbeimmobilien erforderlich. Ohne den Ausweis kann die Transaktion nicht stattfinden. Im Falle von öffentlichen Gebäuden muss der Ausweis sichtbar ausgehängt sein.

Für die Ausstellung des Energieausweises sind die vom Ministerium für Regionalentwicklung zugelassenen Energiegutachter (auditor energetic) zuständig. Diese können entweder selbstständig oder angestellt tätig sein.

Verzeichnis von Beratern abrufbar

Ein Verzeichnis der in Rumänien zugelassenen Energiegutachter für Gebäude mit Stand Juli 2016 ist beim Ministerium für Regionalentwicklung abzurufen. Ebenfalls erhältlich sind eine bibliographische Liste für die Zulassungsprüfung sowie Prüfungsankündigungen. Kurse (allerdings nicht verpflichtend) werden online vom Verband der Energiegutachter für Gebäude in Rumänien angeboten, sowie von den technischen Universitäten in Rumänien beziehungsweise von der Architekturuniversität in Bukarest. Prüfungsberechtigt sind Architekten oder Ingenieure im Bereich Bauwesen, Installationen, Mechanik oder Energie.


Text: Michael Marks

17.11.2016

Marktchancen für deutsche Unternehmen und Handwerker

Der rumänische Markt für Energieeffizienz hat laut EU-Kommission ein starkes Investitionspotenzial. Er ist aber noch klein, fragmentiert, gilt als risikoreich und stützt sich besonders bei umfassenden Sanierungen vorwiegend auf direkte und indirekte Subventionen. Dies führt zu niedrigen Sanierungsraten beim Wohnungsbestand. Mit Anziehung internationaler Investoren geht eine Stärkung nachhaltiger Entwicklungen einher. Nach Büro- und gewerblichen Gebäuden, vor allem in Industrie und Einzelhandel, tendieren immer mehr Wohngebäude in Richtung nachhaltiger Baupraktiken. Dies folgt den steigenden Anforderungen von Mietern und Eigentümern, die die Entwickler zu Investitionen in moderne Technik veranlassen.

Alle großen Entwickler haben effiziente Gebäude mit grüner Technik im Angebot. Hierbei spielen komfortable und gesundheitsförderliche Innenräume sowie verringerte Betriebskosten eine wichtige Rolle. Besonders größere Unternehmen sind bereit, höhere Mieten für Gebäude mit besseren technischen Spezifikationen zu zahlen. Die ins Rollen kommende „grüne Welle“ reicht mittlerweile über die Hauptstadt Bukarest hinaus und erfasst auch Sekundärstädte wie Cluj-Napoca, Timisoara, Brasov, Sibiu und Iasi. Marktchancen ergeben sich nicht nur aus der thermischen Sanierung bestehender städtischer Wohnblocks, sondern auch bei Neubauten.

Mehr Nachfrage nach Klimatechnik

Die lokalen Entwickler sind dabei zusehends vertraut mit modernen Lösungen. Wärmegedämmte Glasfassaden und moderne Lüftungstechnik breiten sich aus, auch innovative Isolation mit optimalem thermischen Verhalten, umfassende HLK-Lösungen (Heizung, Lüftung; Klimatechnik) mit Programmierung und Kontrolle durch Gebäudemanagementsysteme, verbesserte Tageslichtnutzung in Funktionsbereichen, LED Beleuchtungsanlagen mit Sensortechnik, nachhaltige Baustoffe sowie Vorhangfassaden aus Aluminium gehören zum Spektrum. Auch eine stärkere Nutzung alternativer Energiequellen etwa durch Solaranlagen, sowie Systeme zum Sammeln von Regenwasser und Grasdächer gelten als zukunftsträchtig. Im Wohnungsbau sind Passivhäuser mit Fernsteuerung verfügbar.

Aufgrund begrenzter Ressourcen gehört Rumänien nicht unbedingt zu den Vorreitern intelligenter Technik, aber das Potenzial für die kommenden Jahre ist vorhanden. Der Markt hofft dabei auf Preissenkungen, die einem breiteren einen Zugang ermöglichen. Die weitere Deregulierung lässt die Energiepreise ab 2017/18 steigen, was die Wirtschaftlichkeit von Effizienzmaßnahmen erhöht.

Eine Spezialisierung auf qualitativ anspruchsvolle Produkte, Dienstleistungen und Zielgruppen dürfte für deutsche Anbieter passend sein. Neue Technik mit Komplettlösungen schafft Vorteile. Der Markt für Energieeffizienz ist nicht neu, die lokale und internationale Konkurrenz durchaus hoch. Vielfach dominiert der Preis. Das Umweltbewusstsein ist nicht so stark entwickelt. Eine Kooperation mit branchenerprobten lokalen Anbietern erscheint zumindest am Anfang zweckdienlich. Öffentliche Ausschreibungen für häufig EU-kofinanzierte Projekte spielen eine wichtige Rolle. Der öffentliche Sektor ist mit Blick auf Qualität und Preis problematischer als private Kunden.

Potenzial bei besserer Wärmenutzung

Der Wohngebäudebestand ist generell alt und zeigt mangelhaftes Wärmeverhalten. Eine Reduzierung der effektiven Heizkosten um 40 bis 50% ist möglich. Die Verwendung energieineffizienter Materialien dominiert weiterhin den Neubau in ländlichen Gebieten. Ineffektive Heizsysteme basieren auf Holz, das noch 40% der Bevölkerung benutzen. Ineffizient arbeiten zahlreiche Fernwärmesysteme der Kommunen, die knapp 1,3 Mio. von insgesamt 8,7 Mio. Wohnungen versorgen. Zahlreiche Konsumenten sind daher in Wohnblocks auf alternative Heizungsanlagen umgestiegen. So schrumpfte die Zahl der Fernwärmenetze von 300 (1990) auf 64 (2015).


Text: Michael Marks

17.11.2016

Rumänien: Gesetzliche Grundlagen

Im August 2014 ist das rumänische Energieeffizienzgesetz Nr. 121/2014 in Kraft getreten. Das Gesetz (rumänische Originalbezeichnung: Legea 121/2014 privind eficienta energetica) wurde im Amtsblatt „Monitorul Oficial“ Nr. 574/2014 am 1.8.14 veröffentlicht. Das Gesetz setzt die Richtlinie 2012/27/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25.10.12 zur Energieeffizienz um.

Das Gesetz legt den rechtlichen Rahmen für die Entwicklung und Anwendung der nationalen Energieeffizienzpolitik fest. Darin ist das Ziel enthalten, den Energieverbrauch um 19% bis 2020 zu verringern (Artikel 1.3). Ferner wurde auf Grundlage des Gesetzes bei der Nationalen Energieregulierungsbehörde (Autoritatea Nationala de Reglementare in domeniul Energiei – ANRE) eine Abteilung für Energieeffizienz eingerichtet. Diese Abteilung hat die Aufgabe, untergesetzliche Ausführungsbestimmungen zu gesetzlichen Vorgaben zu entwickeln und ihre Umsetzung zu überwachen. So hat die Abteilung für Energieeffizienz bereits eine Reihe von untergesetzlichen Akten erlassen. Die Energieeffizienzabteilung kooperiert mit der Nationalen Agentur für öffentliche Ausschreibungen (ANAP), damit im Vergabebereich bei der Auswahl von Waren, Dienstleistungen oder Gebäuden der Energieeffizienzaspekt Berücksichtigung findet.

Gemäß den Gesetzesbestimmungen müssen Gemeinden mit über 5.000 Einwohnern ein Energieeffizienzprogramm besitzen. Gemeinden mit einer Bevölkerungszahl von über 20.000 Einwohnern müssen auch einen Energiemanager ernennen (Artikel 9). Unternehmen müssen grundsätzlich alle vier Jahre ein Energieaudit (audit energetic) durchführen. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Unternehmen, die ein Energie- oder Umweltmanagementsystem besitzen, sind von der Pflicht zur Durchführung von Energieaudits befreit (Artikel 9). Das Gesetz legt ferner in Artikel 6 fest, dass Gebäude, die in Besitz der öffentlichen Verwaltung sind, renoviert werden müssen, um den gesetzlichen Vorgaben betreffend Energieeffizienz zu entsprechen. Und zwar sollen jedes Jahr 3% der Gesamtfläche solcher Gebäude entsprechend renoviert werden. 

Der Text des Energieeffizienzgesetzes ist im rumänischen Originalwortlaut auf der Internetseite der Nationalen Energieregulierungsbehörde (ANRE) abrufbar.

Der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz für die Jahre 2014 bis 2020 wurde mit Regierungsbeschluss Nr. 122/2015 erlassen (englische Fassung).

Die Maßnahmen des Aktionsplanes sind in elf nationale Energieeffizienzprogramme unterteilt, die fünf Branchen betreffen. Für die Energieeffizienz im Wohnsektor ist das Ministerium für Regionalentwicklung und öffentliche Verwaltung federführend zuständig.

Weitere Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Energieeffizienz in Rumänien finden Sie auf der Internetseite der Nationalen Energieregulierungsbehörde.


Text: Dmitry Markenkov

17.11.2016

Rumänien: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

 

Internationale Messe für erneuerbare Energien, konventionelle Energie, Ausrüstungen und Technologie für Öl- und Gasindustrie, 12. bis 15.10.16

www.eee-expo.ro

Internationale Messe für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Timisoara, 19. bis 21.10.16

http://timisoara.roenergy.eu

Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer (AHK Rumänien)

http://rumaenien.ahk.de

Econet: Informations-, Networking- & Marketingplattform für Bau, Energie und Umwelt der AHK Rumänien

www.econet-romania.com

Ministerium für Regionalentwicklung und öffentliche Verwaltung

www.mdrap.ro

Romanian Municipalities Association (AMR)

www.amr.ro

Verband der Energiegutachter für Gebäude in Rumänien

http://aaecr.ro

Rumänischer Verband für Förderung der Energieeffizienz

www.arpee.org.ro

Rumänischer Verband der Installationsingenieure in Rumänien

http://aiiro.ro

Romania Green Building Council

http://www.rogbc.org/ro

Bauunternehmerverband (ARACO)

www.araco.org

Arbeitgeberverband der Bauunternehmer (PSC)

www.psc.ro

Nationalagentur für Öffentliche Beschaffungen (ANAP)

www.anap.gov.ro

Bauaufsichtsbehörde (ISC)

www.isc-web.ro

Verband der Energiedienstleister in Rumänien (ESCOROM)

www.escorom.ro

BuildGreen Romania

www.buildgreen.ro

Europäische Investitionsbank EIB

www.eib.org


Text: Michael Marks

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