Energieeffizienz in der Produktion in Finnland

Finnlands Industrie investiert kräftig in energiesparende Technologien

In Finnland produzieren zahlreiche energieintensive Unternehmen, zum Beispiel in der Forstwirtschaft. Weil energieeffiziente Maßnahmen für sie ein Wettbewerbsvorteil sind, investieren sie auch trotz des niedrigen Strompreises im Land. Fördermittel für Energieaudits sensibilisieren den Mittelstand für die Energieeffizienz. Die neue Periode freiwilliger Energieeffizienzverträge beginnt 2017. Für deutsche Anbieter und Energieauditoren ist das ein günstiger Zeitpunkt für den Markteintritt.

17.10.2016

Finnland will den Energieverbrauch bis 2030 um 50% senken

Nach den EU 2020-Vorgaben müssen die EU-Mitgliedstaaten Maßnahmen durchführen, die bis zum Jahr 2020 im Klima- und Energiebereich die CO2-Einsparung um 20%, die Erhöhung des Anteiles erneuerbarer Energien am Energieverbrauch in der EU auf 20% und die Erhöhung der Energieeffizienz um 20% bis 2020 umsetzen. Die finnische Regierung verfolgt für die Erfüllung der Vorgaben eifrige Ziele, die für den Umweltbereich in der Nationalen Energie- und Klimastrategie von 2013 festgehalten wurden.

Bis 2020 wollte Finnland den Anteil seiner erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch auf 38% erhöhen, das dritthöchste Ziel in der EU nach Schweden und Lettland. Weil der Anteil 2014 aber bereits bei 38,7% lag, korrigierte die Regierung den Zielwert für 2030 kürzlich auf über 50%. Der strategische Rahmen für die Umsetzung der EU-2030 Ziele wird derzeit in einer neuen Nationalen Energie- und Klimastrategie 2016 vorbereitet und soll Ende des Jahres veröffentlicht werden.

25,4% der Energieersparnis soll aus der Industrie kommen

Die finnische Regierung setzt die EU-Effizienzrichtlinie mit nationalen Aktionsplänen um, deren aktuellste Version (NEEAP-3) Ende April 2014 veröffentlicht wurde und Ende April 2017 im planmäßigen dreijährigen Rhythmus durch den NEEAP-4 abgelöst wird. Danach plant Finnland für 2020 einen Primärenergieverbrauch von 35,9 Mtoe (beziehungsweise 417 TWh), was einem Endenergieverbrauch von 310 TWh entspricht. Das anvisierte Sparvolumen gegenüber 2007 umfasst 37,6 TWh im Endenergieverbrauch durch die Umsetzung der Energieeffizienz-Richtlinie und 14,3 TWh durch zusätzliche Maßnahmen. Die Energieeinsparungen sollen zu 40,5% in Gebäuden und zu 25,4% in der Industrie realisiert werden.

Ob das anvisierte Sparziel tatsächlich erreicht wird, ist aber wegen einer statistischen Revision der Daten für das Basisjahr 2007 schwer messbar. In 2014 lagen sowohl Primär- als auch Endenergieverbrauch bereits 10,3 und 5,2% unter dem 2020-Ziel. Das alte 9%-Sparziel bis 2016 aus der EU-Energieeffizienzrichtlinie (EDL-Richtlinie) wird Finnland voraussichtlich um 43% überschreiten. Allerdings gesteht die Regierung bereits in ihrer Strategie ein, dass vor allem die wirtschaftliche Schwäche Finnlands während und nach der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie derStrukturwandel in der Forstwirtschaft maßgeblich zur Energieeinsparung beitragen.

Finnland will in der EU mehr konkrete Effizienzziele

Finnlands parlamentarischer Ausschuss für Energie und Klimaangelegenheiten betrachtet aber das EU-Vorhaben der Energieeffizienzsteigerung durch eine absolute Energieeinsparung kritisch. In seiner Klima-und-Energie-Roadmap 2050 aus dem Jahr 2014 schätzt er zwar die Verbesserung der Energieeffizienz als wichtiges Ziel ein. Gemessen werden sollte diese aber nicht, wie von der EU vorgesehen, über den Endenergieverbrauch oder die Energieintensität, weil ein großer Energieverbrauch nicht automatisch für eine ineffiziente Nutzung stünde. Der parlamentarische Ausschuss hat jedoch zum einen erkannt, dass energieeffiziente Maßnahmen im eigenen Interesse energieintensiver Industrien sind, die dadurch Kosten einsparen können. Zum anderen sieht er aber auch die Gefahr der Abwanderung jener energieintensiven Unternehmen ins Ausland, wenn der Druck auf die Unternehmen zur CO2-Einsparung zu groß ist.

 

Strategische Ziele (in TWh)

Finnland

2010

2016 1)

2020 1)

Energieintensität der Wirtschaft (Öläqivalent (ROE) in kg pro 1.000 Euro) 2)

198,5

-

-

Primärenergieverbrauch

418

-

417

Endenergieverbrauch

326

-

310

Jährliche Reduktion des Endenergieverbrauchs durch Steigerung der Energieeffizienz

21,3

37,4

51,8

in Gebäuden

6,6

15,1

21,0

in der Industrie, durch

10,8

11,8

13,2

Energieaudits

2,8

1,7

1,6

Energieeffizienz-Verträge durch Mittelständler

0,3

0,7

0,8

Energieeffizienz-Verträge in energieintensiven Industrien

7,7

9,5

10,7

im Verkehr

1,5

3,5

5,7

im Energiesektor

0,6

2,3

3,5

Sonstige

1,8

4,7

8,4

1) Zielwerte für die Reduktion des Endenergieverbrauchs gemäß Nationaler Energie- und Klimastrategie 2013 und NEEAP-3; 2) Bruttoinlandsverbrauch an Energie geteilt durch BIP
Quellen: Eurostat, Nationale Energie- und Klimastrategie 2013, NEEAP-3, Finnisches Statistikamt

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Freiwillige Energieeffizienz-Verträge mit finnischer Industrie

Energieeffizienz ist in Finnland ein bekanntes Thema, sowohl in mittelständischen als auch in energieintensiven Großunternehmen, aber auch im Verkehrs- und Gebäudebereich sowie im öffentlichen Sektor. Freiwillige Verträge zur Verbesserung der Energieeffizienz werden in Finnland bereits seit 1997 geschlossen und von der staatlichen Energieeffizienzagentur Motiva koordiniert. In den freiwilligen Verträgen zwischen dem Wirtschaftsministerium und den Verbänden streben die teilnehmenden Unternehmen nach einem vom Verband vorgegebenen Energiesparziel.

Neue Vertragsperiode ab 2017

Nach den Plänen der Regierung soll die neue, ebenfalls auf dem Freiwilligkeitsprinzip aufbauende Energieeffizienz-Vertragsperiode von 2017 bis 2025 das Kerninstrument für die Energiesparmaßnahmen in der Industrie bis 2025 darstellen. Aktuell bereitet federführend der Zentralverband der finnischen Wirtschaft (EK) die Unterzeichnung der neuen Verträge mit dem Wirtschaftsministerium für Mitte Oktober 2016 vor. Folglich werben die Industrieverbände, wie der Verband der Technologieindustrien (Teknologiateollisuus), nun bei den Unternehmen für eine Teilnahme. Diese sollen bis 2025 etwa 7,5% ihres derzeitigen Energieverbrauchs einsparen.

Für deutsche Unternehmen lohnt es sich gerade jetzt, auf den finnischen Markt zu schauen, wie aus der Einschätzung von Kati Ruohomäki, Expertin für Klima, Energie und Materialeffizienz bei EK hervorgeht: „Die meisten Unternehmen beteiligen sich jetzt an den Verträgen für die neue Periode. Durch den Start in 2017 ist das Thema im Moment wieder sehr präsent.“

Freiwillige Verträge führten zu Investitionen etwa 300 Mio. Euro in Effizienz

Die Erfahrungen mit den freiwilligen Energieeffizienz-Verträgen sind gut. Einer Auswertung von Motiva für 2014 zufolge investierten die teilnehmenden Industrieunternehmen seit 2008 bereits circa 301 Mio. Euro in effizienzsteigernde Maßnahmen und sparen dadurch jährlich bereits 8,8 TWh. Die energieintensiven Industrien, vor allem die Papier- und Metallhersteller sowie Bergbau- und Chemieunternehmen, verantworten nach EK-Informationen mit circa 69% den größten Anteil der Energieeinsparungen.

Trotz der bisher erreichten Erfolge ist die Energieeffizienz gerade für Industrieunternehmen kein Selbstläufer. Das Strompreisniveau ist im europäischen Vergleich äußerst niedrig. Bei einem Jahresverbrauch von 20 bis 70 GWh zahlten finnische Betriebe mit 5,34 Euro-Cent pro kWh 2015 den drittniedrigsten Durchschnittspreis in der Europa. Günstiger sind nur Schweden und Norwegen, die durch ihre Stromexporte nach Finnland mitverantwortlich für das niedrige Kostenniveau sind.

Hinzu kommt, dass energieintensive Unternehmen gemeinschaftliche Energieprojekte realisieren, um sich Strompreise zum Produktionspreis zu sichern. Dazu gehört auch das seit kurzem in Bauvorbereitungen befindliche Kernkraftwerk Hanhikivi I von Fennovoima im nordfinnischen Pyhäjoki. An dem Joint Venture ist unter anderem der Stahlhersteller Outokumpu beteiligt.

Papier- und Zellstoffindustrie größter industrieller Energiekonsument

Andererseits sorgt der Strukturwandel in der finnischen Forstwirtschaft, die immerhin 55,4% des industriellen Endenergieverbrauchs 2014 ausmachte, für ein neues Interesse an der Energieeffizienz. Unter dem internationalen Kostendruck rüsten immer mehr Zellstoffproduktionsanlagen auf energiesparendere Verfahren um. In Äänekoski investiert der Hersteller Metsä Fibre derzeit etwa 1,2 Mrd. Euro in eine effizientere Zellstoffproduktion, die durch die energetische Verwendung der Produktionsabfälle nach Fertigstellung 2017 das 2,4-fache des eigenen Energiebedarfs erzeugt, also Strom in das finnische Netz einspeisen wird. Die geplante Zellstofffabrik von Finnpulp in Kuopio soll ab 2019 etwa 1 TWh Strom in das Netz einspeisen.

Energieverbrauch in ausgewählten Industriezweigen

Industriezweige

Anteil an industrieller Bruttowertschöpfung 2014 (in %) *)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in %)

Herstellung von Papier, Pappe, Zellstoff und Druckerzeugnissen

7,1

54,5

55,4

Metallerzeugung und -bearbeitung

2,6

15,9

13,2

Herstellung chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse

6,5

8,5

9,1

Herstellung von Holzwaren

2,5

4,6

4,9

Bauwirtschaft

23,4

3,1

3,8

Herstellung von Lebensmitteln, Getränken und Tabak

5,6

3,5

3,6

*) Industrie umfasst die NACE-Kategorien B-F, also Bergbau (B), verarbeitendes Gewerbe (C), Energieversorgung (D), Wasserversorgung (E) und Bauwirtschaft (F)
Quellen: Eurostat, Finnisches Statistikamt

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Finnland bietet diverse Förderprogramme in der Energieeffizienz

Fördermittel spielen eine wichtige Rolle beim Absatz energieeffizienter Produkte. Deutsche Hersteller sollten idealerweise die Förderfähigkeit ihrer Produkte kennen. Patrick Frostell, der für den Energieeffizienzvertrag des Verbands der Technologieindustrien (Teknologiateollisuus) zuständig ist, erklärt, warum: „Viele Anbieter weisen finnische Mittelständler auf die Fördermöglichkeiten hin. Damit bewerben sie ihre Produkte und indirekt auch die Vorteile einer Teilnahme an den Energieeffizienzverträgen.“        

KMU erhalten monetäre Unterstützung für Energieaudits

Kleine und mittelgroße Unternehmen nach EU-Definition erhalten eine Förderung für Energieaudits, sofern diese die Anforderungen der staatlichen Agentur Motiva erfüllen. Danach werden Mittelständlern bis zu 40% der Arbeitskosten eines durchgeführten Audits erstattet. Von 2008 bis 2014 investierte das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft etwa 12,4 Mio. Euro in die geförderten Audits. Zuständig für die Bearbeitung der Förderanträge sind die regionalen Zentren für Wirtschaft, Verkehr und Umwelt (ELY-keskus). In 2014 erhielten die 385 Energieaudits durchschnittlich je 6.753 Euro.

Investitionszuschüsse durch Wirtschaftsministerium

Unternehmen egal welcher Größe können zudem für energieeffiziente Maßnahmen auf Investitionszuschüsse des Wirtschaftsministeriums zurückgreifen. Vorrangig werden Investitionen in neue Projekte und Systeme gefördert, die neue Technologien einsetzen. Obwohl der maximale Fördersatz bei 40% der förderfähigen Kosten liegt, erhalten die meisten Anträge von der Energieabteilung des Ministeriums einen Zuschlag in Höhe von 25 bis 35%. Die investierenden Unternehmen müssen dabei anhand der Ergebnisse eines Energieaudits begründen, welchen energiesparenden Effekt die Maßnahme erreichen wird. Die maximale Fördersumme ist unklar.

Herkömmliche Technik zur Förderung der Energieeffizienz ist in der Regel dann förderfähig, wenn der Wert zwischen 10.000 Euro und 5 Mio. Euro liegt und die Amortisationsdauer länger als drei Jahre beträgt. Auch Investitionen über 5 Mio. Euro sind in Ausnahmefällen förderfähig, sofern das Wirtschaftsministerium zustimmt. Für die Investitionsförderung gelten zusätzliche Einschränkungen, zum Beispiel für bestimmte Produkte oder Unternehmen, die am Emissionshandel teilnehmen. Zudem haben die ELY-Zentren und das Ministerium einen großen Ermessensspielraum. Von 2008 bis 2014 förderte das Ministerium über 700 energieeffiziente Investitionsprojekte mit 72,2 Mio. Euro.

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Geringe Anzahl an Energieaudit-Dienstleistern im finnischen Markt aktiv

Energieaudits werden in Finnland bereits seit 1994, also schon weit vor der Einführung der EU-Energieeffizienzrichtlinie, durchgeführt. Trotzdem ist die Anzahl der Dienstleister im Industriebereich verhältnismäßig klein und konzentriert sich auf große, technische Beratungsunternehmen wie AF Consult, Pöyry oder Rejlers, die über kleine Auditteams verfügen. Jetzt ist ein günstiger Zeitpunkt für den Markteinstieg. „Zu Beginn der neuen Energieeffizienzverträge 2017 bis 2025 werden viele Unternehmen mit Energieaudits starten, weil sie sich dazu verpflichtet haben. Daher ist zwischen 2017-2029 mit zahlreichen Audits zu rechnen“, sagt Hille Hyytiä, Abteilungsleiterin „ressourceneffiziente Produktion“ bei der staatlichen Agentur Motiva.

Berater müssen finnisch sprechen

Chancen für deutsche Energieaudit-Anbieter ergeben sich zum einen durch die verpflichtenden Energieaudits von Großunternehmen und die freiwilligen subventionierten Audits für Mittelständler. Durch die Subventionierung für Mittelständler wird von externen Auditoren allerdings eine Autorisierung verlangt, die nach einem dreitägigen Kurs der staatlichen Agentur Motiva im Auftrag der Energiebehörde verliehen wird und auf Finnisch durchgeführt wird. Deutsche Dienstleister von Energieaudits sollten folglich entweder mit finnischsprachigem Personal vor Ort sein oder mit einem lokalen Partner kooperieren.

Großunternehmen müssen umfangreiche Energieaudits durchführen und der finnischen Energiebehörde (Energieavirasto) einen verantwortlichen Ansprechpartner nennen, der auch diese Audits koordiniert und ihren Schwerpunkt bestimmt. Das kann auch von einem externen Dienstleister übernommen werden, der aber durch eine eintägige, ebenfalls finnischsprachige Schulung autorisiert sein muss. Für das Audit selbst können auch ausländische Dienstleister ohne finnische Auditautorisierung beauftragt werden.

Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem externe Energieaudits durchgeführt worden sind, wird von Branchenexperten erwartet, dass Großunternehmen vor allem alternative Zertifizierungen nutzen werden. Um die gesetzliche Auditpflicht für Großunternehmen zu erfüllen, genügt statt des klassischen Energieaudits entweder die ISO 50001, die ISO 14001 in Kombination mit einem zertifizierten finnischen ETJ+ Energieeffizienzsystem (ETJ+ ist ein spezielles Zertifikat, das in Finnland entwickelt und angewendet wird) oder die Teilnahme an einem branchenweiten Energieeffizienzvertrag in Kombination mit einem unzertifizierten ETJ+. Das Energieeffizienzsystem nach ETJ+ ist mit einem abgeschwächten ISO 50001-Standard vergleichbar.

 

Ausgewählte Anbieter von Energieaudits in Finnland *)

Unternehmen

Homepage

Pöyry Oy

www.poyry.fi

AF-Consult Oy

www.afconsult.com

Elomatic Oy

www.elomatic.com

Rejlers Oy

www.rejlers.fi

Caverion Oyj

www.caverion.fi

Are Oy

www.are.fi

*) Diese Anbieter sind auch für die Energieauditkoordination in Großunternehmen qualifiziert
Quelle: Recherche Germany Trade & Invest

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Energieaudits führen in Finnland zum Bau effizienterer, firmeneigener Kraftwerke

Vor allem bei energieintensiven Großunternehmen sorgen effizienzsteigernde Maßnahmen für deutliche Kostenvorteile. Viele Betriebe tragen ihre Erfolge wegen des starken Wettbewerbs jedoch nicht nach außen. Dagegen nutzen einige Unternehmen ihr Engagement, um sich positiv zu bewerben. Dazu gehört auch die petrochemische Produktion von Borealis Polymers in Kilpilahti, östlich von Helsinki. Dort beschäftigt das Unternehmen etwa 900 Mitarbeiter und verbraucht rund 3.700 GWh Energie jährlich. Im Dezember 2015 gab das Unternehmen bekannt, ein gemeinschaftliches Dampfkraftwerk mit Neste zubauen, das das bisherige Kraftwerk ersetzt. Mit der Investition von 400 Mio. Euro sollen 20% der aktuellen CO2-Emissionen eingespart werden. Das Dampfkraftwerk wird nach Fertigstellung von Veolia betrieben. Es soll voraussichtlich 2018 in Betrieb genommen werden und insgesamt etwa 480 MW erzeugen.

Borealis nimmt mit einem Energieeffizienzvertrag an der derzeit laufenden Vertragsperiode 2008 bis 2016 teil und setzt bei der Energieeffizienz vor allem auf die Ausbildung und den Beitrag der Mitarbeiter. In einem betrieblichen Vorschlagswesen werden die Angestellten für umgesetzte Sparmaßnahmen belohnt. Als Beispiele nennt das Unternehmen angepasste Laufzeiten von Geräten oder verbesserte Methoden beim Aufspüren von Kondensatableitern. Über die Echtzeit-Überwachung des Stromverbrauchs bleibt Energieeffizienz bei den Mitarbeitern präsent.

Auch bei Saint Gobain in Kirkkonummi wird ein Echtzeitsystem für den Stromverbrauch verwendet. Die Kalzinierungsanlage gehört zu den weltweit mehr als 100 Gips-Produktionsstandorten des Konzerns. Der Energieverbrauch macht etwa ein Drittel der Produktionskosten aus. Saint Gobain wendet seit 2011 ein ISO 500001-zertifiziertes Energiemanagementsystem mit einem zuständigen Team an. Dazu gehören monatliche Audits in je einem von zwölf Produktionsbereichen. Durch die Audits wurden auch Investitionen in eigene Bioenergie- und Windkraftanlagen interessant, um den Gas- und Stromverbrauch zu vergünstigen.

Zusätzlich stieß das Team durch die Audits auf die Einsparpotenziale durch Wärmerückgewinnung in der energieintensiven Trocknungsanlage. Durch den Einsatz eines verbesserten Systems konnte der vormals genutzte Gasheizkessel eingespart werden und dient nun als Standby-Lösung für Unterbrechungen im Winter.

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Jahreswechsel 2016/2017 optimaler Zeitpunkt für Markteintritt in Finnland

Nach Ansicht des Energieauditors Janne Kala, Senior Consultant bei AF-Consult, liegen die größten Energieeinsparpotenziale vor allem in der Belüftungstechnik, der intelligenten Steuerung von Druckluftanlagen und -systemen, der Umstellung auf LED-Beleuchtung und dem Einsatz von Wärmepumpen zur Nutzung überschüssiger Produktionswärme. „Nicht zu verkennen sind auch Fehler in der Bedienung und Wartung von Maschinen. Falsche Maschineneinstellungen können zu erheblichen Energiefallen werden. Für Abhilfe sorgen dann Schulungen der Mitarbeiter oder eine zunehmende Automatisierung“, erklärt Kala.

Die Investitionsneigung der Unternehmen ist allerdings sehr unterschiedlich. Mittelständische Industrieunternehmen favorisieren Maßnahmen mit kurzer Amortisation, nach Experteneinschätzung sogar unter drei Jahren. An der aktuellen Vertragsperiode nehmen 2014 laut Motiva-Auswertung 277 mittelgroße Unternehmen teil, die mit 9 Mio. Euro im selben Jahr nur 18% der gesamten industriellen Energieeffizienz-Investitionen ausmachten. Anders ist es bei den 38 teilnehmenden energieintensiven Unternehmen, die mit einem Investitionsvolumen von 41 Mio. Euro 2014 den größten Teil der gesamten 50 Mio. Euro Industrieinvestitionen in energieeffiziente Maßnahmen ausmachten.

Bei der Vermarktung von energieeffizienzsteigernden Produkten lohnt sich nicht nur die Werbung bei Unternehmern, sondern auch bei Energieauditoren, weil sie die technische Expertise besitzen und die investierenden Firmen dahingehend beraten.

Deutsch-finnische Forschungskooperation für Energiespeicherung

Forschungsinteressierten deutschen Unternehmen eröffnen sich in Kürze mit einer neuen bilateralen Forschungsförderung neue Projektmöglichkeiten in Finnland. Bekannt ist bisher, dass die finnische Förderagentur Tekes im Herbst 2016 eine deutsch-finnische Forschungsförderung im Bereich Energiespeicherung und Smart Grids veröffentlicht, die auch für Projekte in der Energieeffizienz nutzbar sein wird.

Um in ein Forschungskonsortium aufgenommen zu werden, sollten sich deutsche Unternehmen im engen Netzwerk der finnischen Energieeffizienzszene vernetzen oder den Kontakt zum erfahrenen staatlichen Forschungsinstitut VTT aufnehmen. Die Chancen, Teil eines Konsortiums zu werden, sind gut, wenn das Unternehmen in die Wertschöpfungskette der Partner passt. Bisher ist aber noch unklar, welche Forschungsschwerpunkte sich in der industriellen Energieeffizienz abzeichnen werden. 

Dass sich auch ausländische Unternehmen an finnischen Forschungskonsortien beteiligen, unterstreicht das zum Ende des Jahres 2016 auslaufende fünfjährige Forschungsprogramm „Efficient Energy Use (EFEU) Programme“, in dem sich elf Industriepartner und fünf Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen haben, um über fluidtechnische Systeme und regionale Energiesysteme zu forschen. Daran sind neben dem schwedischen Kugellagerproduzenten SKF sowohl der Antriebshersteller ABB, als auch der Pumpenhersteller Sulzer aus der Schweiz beteiligt.

Dieses in den letzten Jahren größte finnische Forschungsprojekt zur Energieeffizienz in der Produktion nutzt ein Budget von etwa 11 Mio. Euro und wird Ende 2016 abgeschlossen. „Durch die gemeinsame Forschung von Zulieferern, dem Pumpenhersteller und den Universitäten konnte ein neues energieeffizientes und platzsparendes Gerät entwickelt werden. Effizienzsteigerungen bei Pumpensystemen haben einen großen Effekt, da Pumpen etwa ein Fünftel des Weltstromverbrauchs verbrauchen. Energiekosten machen auch den Hauptanteil an den Lebenslaufkosten von Pumpsystemen aus. Daher zahlen sich energieeffiziente Lösungen besonders aus“, resümiert der EFEU-Programmkoordinator Juha Leppävuori vom staatlichen Forschungszentrum VTT.

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Finnland: Gesetzliche Grundlagen

Die zentralen Instrumente zur Förderung der Energieeffizienz in der Industrie sind Energieaudits sowie Energieeffizienzverträge. Eine Besonderheit des finnischen Systems besteht nach Ansicht von Claudia Greiner, Partnerin bei Bergmann Attorneys at Law, in der weitgehenden Freiwilligkeit der Beteiligung an entsprechenden Mechanismen.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Energieaudits sind im Gesetz zur Energieeffizienz (Energiatehokkuuslaki, 1429/2014) geregelt. Seit Inkrafttreten des Gesetzes in 2015 sind Energieaudits für Großunternehmen entsprechend der Vorgaben der Energieeffizienz-Richtlinie 2012/27/EU verpflichtend und müssen mindestens alle vier Jahre durchgeführt werden. Großunternehmen in diesem Sinne sind Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von über 50 Mio. Euro und einer Jahresbilanz von über 43 Mio. Euro. Kleine und mittlere Unternehmen können Energieaudits zum Beispiel für Gebäude oder Produktionslinien dagegen weiterhin auf freiwilliger Basis arrangieren und hierfür attraktive staatliche Förderungen nutzen.

Energieeffizienzverträge sind nicht näher gesetzlich geregelt, sondern es handelt sich um ein freiwilliges System von Verträgen und Maßnahmenplänen, die in Kooperation von Ministerien, Behörden und Branchenverbänden entwickelt werden. Mit dem Beitritt zu einem Energieeffizienzvertrag verpflichtet sich das Unternehmen, die im Maßnahmenkatalog für die jeweils einschlägige Branche vorgesehenen Vorgaben umzusetzen. Dazu gehört insbesondere die Einführung eines Energiemanagementsystems. Gleichzeitig setzt sich das Unternehmen eigene Ziele betreffend Energieeinsparung. Über die Ergebnisse ist jährlich zu berichten. Der Beitritt zum Vertrag ist freiwillig und auch bei den selbst gesetzten Zielen handelt es sich in erster Linie um Richtwerte. Die Verträge für verschiedene Sektoren für den Zeitraum 2017 bis 2025 treten demnächst in Kraft. Den breitesten Anwendungsbereich hat der Vertrag für den gewerblichen Sektor, der die Industrie-, Dienstleistungs- und Energiebranche abdeckt.

Vorgaben zur energieeffizienten Gestaltung und zur Kennzeichnung von Produkten finden sich im finnischen Ökodesign-Gesetz (1005/2008), welches auch die Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG sowie die Energielabel-Richtlinie 2010/30/EU umsetzt.

Schließlich spielt Energieeffizienz auch bei öffentlichen Ausschreibungen eine wichtige Rolle. Zum einen kann die Energieeffizienz als ein Auswahlkriterium im Rahmen der Vergabeentscheidung herangezogen werden. Außerdem müssen öffentlich ausgeschriebene Produkte und Leistungen in der Regel bestimmten Mindestanforderungen an die Energieeffizienz genügen.

Text: Claudia Greiner, Bergmann Attorneys at Law

17.10.2016

Finnland: Wichtige Messen und Internetadressen

 

Messen/Institutionen

 

Energia 2016, alle zwei Jahre stattfindende Energie-Fachmesse, nächster Termin vom 25.10. bis 27.10.16 in Tampere

www.energiamessut.fi

Deutsch-Finnische Handelskammer

www.dfhk.fi

Ministerium für Arbeit und Wirtschaft (Työ ja elinkeinoministeriö, TEM)

www.tem.fi

Motiva Oy

www.motiva.fi

Energiebehörde (Energiavirasto)

www.energiavirasto.fi

VTT (Technisches Forschungszentrum von Finnland)

www.vttresearch.com

Verband der Technologieindustrien (Teknologiateollisuus)

www.teknologiateollisuus.fi/en

EK (Hauptverband der finnischen Wirtschaft)

www.ek.fi/en

ELY-Zentren (Zentren für Wirtschaft, Verkehr und Umwelt)

www.ely-keskus.fi/en/web/ely-en

 

Text: Marc Lehnfeld

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