Energieeffizienz in der Produktion in Frankreich

Energieeffizienz spielt zentrale Rolle in Frankreichs Energiewende

Drei Faktoren geben den Anstrengungen zur Erhöhung der Energieeffizienz in der französischen Industrie Anschub. Das Gesetz zur Energiewende von 2015 setzt eine Halbierung des Primärenergieverbrauchs bis 2050 als Ziel. Das Programm Industrie der Zukunft beinhaltet eine durchgreifende Modernisierung des Produktionsapparates. Auch das übergeordnete Ziel der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft verlangt nach Verbesserung von Produktivität und Effizienz.

17.10.2016

Frankreich will Primärenergieverbrauch bis 2030 um 20% verringern

Das im Sommer 2015 beschlossene französische Energiewendegesetz (Loi relative à la transition énergétique pour la croissance verte) definiert mehrere Schwerpunkte der Energiepolitik der kommenden Jahrzehnte, darunter der Ausbau der erneuerbaren Energien, die Verringerung des Anteils der Kernkraft am Energiemix und ein deutlich reduzierter Verbrauch fossiler Brennstoffe. Eine zentrale Rolle spielt die Erhöhung der Energieeffizienz in allen Wirtschaftsbereichen.

Globales Ziel ist, den Primärenergieverbrauch bis 2050 um die Hälfte zu reduzieren. Das Referenzjahr hierfür ist 2012. Als Zwischenziel wird per Gesetz eine Verringerung um 20% bis 2030 angestrebt. Das größte Potenzial zur Erreichung dieser Ziele wird in der energetischen Sanierung der Gebäude gesehen. Zweiter großer Arbeitsbereich ist der Transportsektor. Hier soll zum Beispiel die öffentliche Hand Vorbild sein, indem vor allem emissions- und verbrauchsarme Fahrzeuge beschafft werden.

Energieplan in Vorbereitung

Das dritte große Aufgabenfeld ist der effiziente Einsatz von Ressourcen in der Produktion einschließlich der Ausweitung der Kreislaufwirtschaft. Die detaillierten Zielsetzungen und Prioritäten für die praktische Umsetzung sollen nach Maßgabe des Gesetzes in einer mehrjährigen Energieplanung (programmation pluriannuelle de l'énergie) definiert werden. Die erste Programmplanung für die Jahre 2016 bis 2023 befindet sich im Sommer 2016 allerdings immer noch in der Beratungsphase. Kritikern zufolge weist der Entwurf noch einige Inkohärenzen auf, etwa in Bezug auf die Energiemarktprognosen oder die Vergleichbarkeit verschiedener Energieträger. Eine Verabschiedung ist nun für den Herbst 2016 vorgesehen.

Auf Ebene der Regionen sollen regionale Programme für die Energieeffizienz (programme régional pour l'efficacité énergétique) erarbeitet werden, die sich jedoch vor allem auf den Gebäudebereich konzentrieren.

Strategische Ziele zum Energieverbrauch in Frankreich

Indikator

2012

2030 1)

2050 1)

Energieintensität der Wirtschaft (Öläquivalent (ROE) in kg pro 1.000 Euro) 2)

126,1

-

-

Primärenergieverbrauch (in Mio. toe)

258,8

207,0

129,4

Reduktion des Primärenergieverbrauchs

-

-20%

-50%

1) gegenüber 2012; 2) Bruttoinlandsverbrauch an Energie geteilt durch BIP
Quellen: Französisches Umweltministerium; Energiewendegesetz von 2015; Eurostat

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Anteil der Industrie am Endenergieverbrauch Frankreichs deutlich gesunken

Der spezifische Energieverbrauch in der französischen Industrie ist seit Jahren rückläufig. Das liegt zum einen an der Verbesserung der Effizienz der Fertigung, zum anderen aber auch am Wegfall großer Verbraucher etwa in der Eisen- und Stahlindustrie oder der Metallverarbeitung. In den Jahren 2001 bis 2012 hat sich Energieintensität in der französischen Industrie, also das Verhältnis von Energieverbrauch zur Produktion, nach Berechnungen des Generalkommissariats für nachhaltige Entwicklung am französischen Umweltministerium um 11,1% verringert. Dieser Wert ergibt sich aus einer Reduzierung des Endverbrauchs von Energie um 21,1% von 36,8 Mtoe auf 29,0 Mtoe bei einem gleichzeitigen Rückgang der Industrieproduktion um 11,2%. Im Jahr 2014 hatte die Industrie einen Anteil von 19,2% am Energieverbrauch in Frankreich.

Chemiesektor ist größter Energieverbraucher

Der höchste Anteil am Gesamtverbrauch entfällt mit über einem Viertel der in der französischen Industrie eingesetzten Energie auf die Chemiebranche einschließlich der Düngemittelherstellung vor der Eisen- und Stahlindustrie. Die hohe Position der Nahrungsmittelindustrie in der Aufstellung liegt nicht nur an der großen Bedeutung des Sektors in Frankreich, sondern auch an der Einbeziehung vorgelagerter Bereiche wie Zuckerfabriken oder der Molkereiwirtschaft.

Energieverbrauch der Industrie (Anteile in %)

Industriezweige

Anteil an der Bruttowertschöpfung 2014 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 *)

Chemie

2,18

26,2

28,0

Metalle

0,29

17,3

22,2

Nahrungsmittel

2,31

14,4

12,4

Mineralstoffe

0,38

k.A.

10,8

Papier und Pappe

0,21

9,7

9,2

Metallverarbeitung

1,02

4,4

2,8

*) Vergleichbarkeit ist eingeschränkt, da ab 2013 neue statistische Methode
Quelle: Insee

Preisregulierung auf dem Energiemarkt wird schrittweise aufgehoben

Im Zuge der Liberalisierung des französischen Energiemarktes seit dem Jahr 2000 werden die staatlich festgelegten "regulierten" Preise mehr und mehr zurückgefahren. Während private Verbraucher bisher noch die Wahl haben zwischen den stabilen regulierten Preisen und eventuell günstigeren freien Marktpreisen verschiedener Anbieter, müssen seit dem 1.1.16 gewerbliche Abnehmer grundsätzlich auf Angebote des nicht-regulierten Energiemarktes zurückgreifen.

Um die Versorgung zu stabilen Preisen zu gewährleisten, haben Unternehmen besonders energieintensiver Industriesparten 2007 das Konsortium Exeltium gegründet. Der Zusammenschluss von mittlerweile 27 Firmen hat mit dem Stromversorger EDF die Abnahme von 7 TWh im Jahr zu festgelegten Konditionen über eine Laufzeit von 24 Jahren vereinbart. Erste Stromlieferungen erfolgten 2010, der Preis ist orientiert an den Produktionskosten indexiert, wurde jedoch 2014 an die veränderten Marktpreise angepasst.

Nach Ansicht der Umweltagentur Ademe müssten sich insbesondere energieintensive Sparten mehr auf die Stellgröße Effizienz verlegen, anstatt sich vorrangig auf den Preis zu konzentrieren. Nach einer Studie der Agentur sind die größten Effizienzgewinne kurzfristig allerdings in der mechanischen Industrie (Fahrzeugbau, Maschinenbau, Metallverarbeitung) und in der Nahrungsmittelindustrie zu erreichen. Dort schätzt Ademe das Potenzial für Einsparungen bis 2030 auf rund 30%, während energieintensive Branchen wie Eisen- und Stahl (-8,1%) Baustoffe (-14,5%) oder Chemie (-18,0%) dahinter zurückfallen. Im Durchschnitt sieht Ademe das Sparpotenzial bei den im Gesetz geforderten 20% bis 2030.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Frankreich bietet Investitionshilfen und Subventionen für Energiesparmaßnahmen

Die französische Umweltagentur Ademe unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz mit Informationen und finanzieller Hilfe. Neben der Publikation technischer Referenzen veröffentlicht Ademe auch methodologische Vorlagen für die Diagnose der Energiesituation im Betrieb. Die Durchführung von Vorstudien, detaillierten Analysen des Status quo sowie die Aufstellung von Projektplänen unterstützt die Agentur mit maximal 100.000 Euro.

Ademe bietet Online-Beratungsplattform

Um interessierte Unternehmen und spezialisierte Dienstleister für die Beratung und die Durchführung von Studien zusammenzuführen, hat Ademe die Plattform Diagademe ins Leben gerufen. Direkte Investitionshilfen stehen im Rahmen regionaler Projekte (Informationen über die Regionaldirektionen von Ademe) sowie im Rahmen des "Fonds Chaleur" zur Verfügung, der die Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie die Rückgewinnung von Wärmeenergie fördert. In den Jahren 2009 bis 2015 wurden aus dem Fonds rund 3.000 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 1,12 Mrd. Euro unterstützt. Die Förderung kann dabei alle Phasen eines Vorhabens betreffen von Vorstudien und Projektplanung bis zu Fortbildungen und Investitionshilfen.

In erster Linie an Industrieunternehmen der Branchen Chemie, Nahrungsmittel, Metall und Kunststoffe richtet sich das neue Programm PRO-SMEn der Vereinigung für Technik, Energie und Umwelt (Association Technique, Energie, Environnement, Atee), mit dem die Einrichtung eines Energie-Management-Systems nach der Norm ISO 50001 gefördert wird. Etwa 100 Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen können bei erfolgreicher Umsetzung eine Subvention von 20% ihrer Energiekosten erhalten (höchstens 40.000 Euro). Finanziert wird das Programm durch den Stromkonzern EDF. Die Laufzeit beginnt am 1.10.16 und endet am 15. 11.18.

Für erfolgreiche Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz können Energiespar-Zertifikate (Certificats d'économies d'énergie, CEE) vergeben werden. Verpflichtend ist dies für Energieversorger. Sie können die CEE durch eigene Einsparungen erhalten oder sie von anderen Akteuren erwerben, die ihrerseits Energiesparmaßnahmen durchgeführt haben. Im Zeitraum 1.1.15 bis 31.7.16 waren dies zu 19% Industrieunternehmen, die vornehmlich in die elektronische Regelung von Elektromotoren sowie in Techniken zur Rückgewinnung von Prozesswärme investiert haben.

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Rund 5.000 französische Großunternehmen von Auditpflicht betroffen

Die Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU vom 25.10.12 verpflichtet die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, bis zum 5.12.15 die obligatorische Durchführung von Energieaudits in größeren Unternehmen in lokales Recht umzusetzen. Mit dem Erlass der entsprechenden Durchführungsverordnung sind in Frankreich 2014 die Bedingungen für die rund 5.000 betroffenen Unternehmen mit über 250 Beschäftigten beziehungsweise 50 Mio. Euro Jahresumsatz sowie einer Bilanzsumme von mindestens 43 Mio. Euro festgesetzt worden.

Die Form des Audits wird durch die Norm EN 16247-1 geregelt. Es besteht demnach aus drei Teilen, einer Vorstudie, einer detaillierten Analyse und konkreten Handlungen zur Verbesserung der Energieeffizienz des Unternehmens. Grundsätzlich sollen mindestens 80% der im Unternehmen verwendeten Energie in die Untersuchung einbezogen werden. Weitere Teile der Normung beschreiben das genaue Verfahren für Gebäude (EN 16247-2), industrielle Prozesse (EN 16247-3) und Transporte (EN 16247-4).

Ein letzter Teil (EN 16247-5) regelt die Anforderungen an die Kompetenzen des Auditors. Dieser kann ein externer Experte sein (hier gilt die Norm NF X 50-091) oder aber auch ein entsprechend qualifizierter Mitarbeiter des Unternehmens, der allerdings nicht in dem untersuchten Betriebsbereich tätig sein darf. Um im Bereich Gebäude eine Förderung von Ademe zu erhalten, muss der durchführende Experte seit dem 1.1.15 nach den Regeln RGE (Reconnu Garant de l'Environnement) qualifiziert sein.

Ganz ausgenommen von der Verpflichtung zur Durchführung des Energieaudits sind Unternehmen, die ein nach der ISO-Norm 50001 zertifiziertes Energiemanagement eingeführt haben. Energieaudits, die gemäß den Anforderungen der ISO-Norm 14001 durchgeführt werden, gelten als mit den aktuellen Bestimmungen konform.

Bei der französischen Umweltagentur Ademe wurde ein Informationsportal eingerichtet, das Informationen zum Verfahren und Ansprechpartner für Nachfragen bereithält.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Großes Potenzial von Abwärmenutzung in Frankreich festgestellt

Das erste Energieaudit musste von den großen Unternehmen in Frankreich im Jahr 2015 durchgeführt werden. Die Abgabefrist hat das Umweltministerium jedoch von Dezember 2015 auf den 30.6.16 verlängert. Eine erste Analyse der Ergebnisse legte im September 2016 die Firma Schneider Electric vor, die über 350 Audits in 130 Unternehmen durchgeführt hat.

Fünf Einsparstrategien traten dabei als besonders effektiv hervor: Die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik, eine Optimierung der Kontrolle der Energieverbraucher sowohl im Gebäude als auch in den Prozessen, die Verbesserung der Heizung, Klimatisierung und Lüftung insbesondere durch die Nutzung von Prozesswärme, die Anpassung falsch dimensionierter oder schlecht gesteuerter Druckluftanlagen und schließlich die genaue Messung und Aufbereitung der Daten, die im Zuge der Sparmaßnahmen gewonnen werden.

Einen guten Einblick in die gewählten Strategien der Unternehmen bietet auch das seit 2008 laufende Programm der Umweltagentur Ademe zusammen mit dem Energieunternehmen Total zur Förderung von Pilotprojekten im Bereich Verbesserung der Energieeffizienz in der Industrie. Angenommen zur Förderung wurden in den Jahren 2008 bis 2013 insgesamt 60 Projekte aus verschiedensten Branchen, eingereicht von großen wie kleinen Unternehmen und Planungsbüros. Unter den geförderten Projekten waren auch Vorschläge ausländischer Unternehmen wie Johnson Controls oder Kelvion. Thematisch wurde ein breites Feld von der Materialentwicklung bis zu konkret einsatzfertigen Aggregaten abgedeckt. Ein Schwerpunkt der Arbeiten ist die Nutzung der in der Produktion anfallenden Abwärme.

Nutzung von Prozesswärme

Mehrere Projekte widmen sich der Erzeugung von Elektrizität aus Prozesswärme. Eine Strategie ist die Verwendung des Organic Rankine Cycles (ORC). Die Firma Enogia hat dafür zusammen mit dem Forschungsinstitut Ifpen komplette Aggregate entwickelt, die in Industrieanlagen eingesetzt werden können. Weiter gehen die Arbeiten der Université François Rabelais und der Unternehmen Crismat und Hutchinson, die die Entwicklung thermo-elektrischer Materialien mit Nanostrukturen zum Ziel haben, mit deren Hilfe sich auch Wärme geringer Temperaturen (unter 200° C) nutzen lassen soll.

Die Verbesserung der thermischen Verhältnisse in Destillationsanlagen will die Firma LGC mit der Technik InTherCoMM erreichen, die hierzu Elemente aus Metallschaum verwendet. Einen geringen Wärmeaustausch sollen auch spezielle Rohre für Flüssiggas sichern, die im Rahmen des Projektes Diestra-Tubeside entwickelt werden. Koordinator ist hier der Energieanlagen-Spezialist Technip.

Bei etlichen Arbeiten steht die direkte Verbesserung der Energiebilanz der eingesetzten Maschinen im Vordergrund. So wollen die Firmen PCI Scemm und MPM zusammen mit den Forschungsinstituten Cetim und Ifma unter dem Titel Green HSM Werkzeugmaschinen sparsamer machen. Das Unternehmen Idhelio entwickelt eine Semisol genannte Trocknungsanlage, die auf Basis von Solarenergie arbeitet. Aixma Réfrigération hat sich die Verringerung des Energieverbrauchs von Kühlanlagen zum Ziel gesetzt.

Großes Einsparpotenzial ergibt sich aber in vielen Fällen schon ohne Investitionen in neue Anlagen durch Optimierung der Prozesse. Zu den geförderten Projekten gehört deshalb beispielsweise auch die Entwicklung von Analyse-Software, die speziell auf die Bedürfnisse von Produktionsanlagen zugeschnitten ist. Koordinator ist hier das Büro Prosim, Partner sind unter anderen Michelin und Total.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Innovativen Unternehmen steht der französische Markt offen

Mit der Initiative "Industrie du Futur" (Industrie der Zukunft), dem Gegenstück zum deutschen Programm Industrie 4.0, will auch Frankreich seine Industrie auf die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte einstellen. Dazu gehören verstärkte Anstrengungen zur Modernisierung der oft veralteten Anlagen in französischen Fabriken sowie die Aufholjagd in Sachen Automatisierung und Einsatz von Industrierobotern vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen. Unter den neuen Vorzeichen beginnt die Industrie verstärkt ihre Anlagen zu erneuern.

Sparsamer Umgang mit Energie spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Mit dem Gesetz zur Energiewende von 2015 erhält das Thema zusätzlichen Anschub. Einstiegmöglichkeiten für deutsche Unternehmen gibt es auf allen Ebenen des Optimierungsprozesses. Die in vielen Punkten infolge der gemeinsamen EU-Rechtsbestimmungen parallele Entwicklung, etwa bei Energieaudits, ist dabei eine Erleichterung.

Wachsender Beratungsbedarf

Das Spektrum möglicher Ansatzpunkte erweitert sich mit der Bandbreite von Unternehmen, die das Thema Energieeffizienz auf die Agenda setzen. Im Vorfeld besteht, gefördert durch die steigende Zahl von Zertifizierungen und Audits, ein wachsender Bedarf an Beratungsleistungen, sei es zur Ist-Analyse, zur Erarbeitung von Plänen zur Effizienzsteigerung oder zum kontinuierlichen Monitoring des Erreichten. Im EU-Land Frankreich steht der Markt grundsätzlich auch deutschen Unternehmen offen. Energieberater müssen sich allerdings bei einer der anerkannten französischen Zertifizierungsstellen registrieren. Eine Liste dieser Stellen ist auf der Webseite des französischen Umweltministeriums zu finden.

Bei der Erneuerung alter Maschinen und Anlagen durch sparsamere Ausrüstungen spielt Deutschland als mit Abstand wichtigster Maschinenlieferant Frankreichs naturgemäß eine große Rolle. Insgesamt sind in den Industrie- und Dienstleistungsbetrieben in Frankreich rund 12 Mio. Elektromotoren im Einsatz. Ihr Ersatz durch effizientere Aggregate oder die Aufrüstung für eine variable Geschwindigkeitsanpassung allein stellt ein beachtliches Abnehmervolumen dar. Auch im sekundären Bereich wie der Klimatisierung oder Beleuchtung von Industrieanlagen bietet der französische Markt ein großes Marktpotenzial. Vieles wird sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln, beeinflusst durch die Ergebnisse der Energieaudits, durch Innovationen und Trends bei der Förderung.

Auf dem Weg zur Industrie der Zukunft werden Steuerungen, Sensoren und Vernetzung im Produktionsprozess eine immer größere Rolle spielen, einschließlich der dazu gehörigen Hard- und Software. Während Frankreich in Bereichen wie Softwareentwicklung oder vernetzten Objekten sehr gut aufgestellt ist, stellt die deutsche Erfahrung in der praktischen Umsetzung und Anwendung einen Faktor dar, mit dem Anbieter punkten können. Interessant kann gerade hier auch die Zusammenarbeit mit französischen Partnern sein.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Frankreich: Gesetzliche Grundlagen

Frankreich hat am 15.6.2016  als erstes Industrieland das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Ebenfalls ratifiziert hat Frankreich die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen.

Seit dem 18.7.2015 ist in Frankreich das Gesetz zur Energiewende („loi relative à la transition énergétique pour la croissance verte“) in Kraft. Es setzt die EU-Energieeffizienzrichtlinie 2012/27 um und sieht  u.a. die Förderung des Ausbaus schadstoffarmer Verkehrsmittel vor. So gibt es bis zum 31.12.2016 für den Kauf oder Leasing eines neuen Fahrzeugs, da nur bis zu 20g CO“/km ausstößt (Elektroauto) eine Prämie bis zu 10.000 Euro. Bis 2020 sollen 10% der Verkehrsenergie aus erneuerbaren Quellen stammen.

Der Anteil des recyclebaren Mülls soll bis 2025 auf 50% reduziert werden. Zu diesem Zweck ist seit dem 1.1.2016 der Gebrauch von Einweg-Plastiktüten verboten, geplant ist dies auch für den Gebrauch von Wegwerf-Geschirr aus Plastik.

Mit dem Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen, sieht das Gesetz neue Fördermechanismen vor und vereinfacht die Konzessionserteilung für die Energieproduktion in Wasserkraftwerken.

Legen die Mitarbeiter eines Unternehmens ihren Arbeitsweg per Fahrrad zurück, so können sie vom Unternehmen eine Zulage in Höhe von 25 Cent/Kilometer erhalten. Im Gegenzug werden in diesem Fall die Unternehmen von den Sozialabgaben bis zu einer Höhe von 200 Euro/Jahr und Mitarbeiter befreit.

Daneben sieht das Gesetz Maßnahmen für den Gebäudesektor vor. Umfassende Sanierungen müssen energetisch erfolgen. Die Steuergutschrift „Energiewende“ (CITE) ermöglicht eine Rückerstattung von bis zu 30% für Renovierungsarbeiten an der Hauptwohnung.

 

Text: Achim Kampf

17.10.2016

Frankreich: Wichtige Messen und Internetadressen

 

Messen/Institutionen

 

Allgemeine Industriemesse (Leitmesse)

www.industrie-expo.com

World Efficiency

www.world-efficiency.com

Midest

www.midest.com

Ministerium für Umwelt, Energie und Meeresangelegenheiten

www.developpement-durable.gouv.fr

Umweltagentur Ademe

www.ademe.fr

Branchenvereinigung Atee

www.atee.fr

Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer (AHK)

www.francoallemand.com

Text: Marcus Knupp

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