Marktchancen Energieeffizienz

Ländervergleich Marktchancen Energieeffizienz

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17.10.2016

Belgischer Energieeffizienz-Markt bietet Chancen

Der belgische Markt für energieeffiziente Industrielösungen eröffnet Anbietern aus Deutschland vielfältige Absatzmöglichkeiten. Dies gilt sowohl für Produzenten als auch für Ingenieure, Architekten, Baufirmen, Handwerker oder IT-Spezialisten. Deutsche Anbieter haben in Belgien in der Regel eine sehr gute Wettbewerbsposition, dank der Innovationskraft, Effizienz und Langlebigkeit ihrer Produkte und ihres hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses. Tendenziell ist das belgische Kostenniveau deutlich höher als das deutsche. So lagen die Verbraucherpreise in Belgien 2015 um 7,1% über dem EU-Durchschnitt, in Deutschland dagegen um 0,2% darunter.

Zum einen ist in Belgien mit einem steigenden Bedarf an energieeffizienteren Maschinen, Anlagen und sonstigen Lösungen zur Prozessautomation zu rechnen. Auch für Hersteller von modernster Heiz-, Kühl- und Klimatechnik eröffnet Belgien viele Geschäftschancen. Das Thema Industrie 4.0 wird dabei zunehmend eine Rolle spielen, da sich mit der digitalen Vernetzung von Logistik- und Produktionsprozessen ein großes Potenzial für weitere Energieeinsparungen ergeben kann.

Die wichtigsten Abnehmerbranchen ergeben sich aus der belgischen Industriestruktur. Diese sind neben der vor allem in Flandern präsenten (Petro-)Chemie der flämische und wallonische Pharmasektor, die vornehmlich wallonische Stahlindustrie, die landesweit verstreuten Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, die Kfz-Branche mit den Autowerken in Gent und Brüssel sowie die landesweiten Kunststoff- und Gummiverarbeiter, Baumaterialhersteller und Elektronikbetriebe. Auch das belgische Logistikgewerbe ist mit Europas zweitgrößtem Hafen Antwerpen ein sehr interessanter Kundensektor für Energieeffizienzlösungen. In Antwerpen befindet sich auch Europas größtes Chemiecluster. Ein Energiepreisvergleich der Standorte legt nahe, dass vor allem wallonische Verbraucher von Strom aufgrund des Wettbewerbsdrucks an Kosteneinsparungen interessiert sind.

Chancen auch in der Energieerzeugung

Die Energieerzeugung selber bietet ebenfalls viel Spielraum für Effizienzsteigerungen. Hier sind etwa moderne Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen für Betriebe sowie Wärmepumpen, Photovoltaik und sonstige erneuerbare Energieträger zu nennen. Auch die Netze zur Übertragung beziehungsweise Verteilung von Strom und Wärme sind in Belgien vielerorts modernisierungsbedürftig. Dabei werden die Möglichkeiten von Smart Grids und Smart Cities im Hinblick auf Energieeffizienzgewinne eine zunehmende Rolle spielen. Nicht zuletzt steigt auch in Belgien das Interesse an modernen Lösungen zur Speicherung von Energie rasch an.

Einen weiteren wichtigen Absatzmarkt bilden die Gebäude von Unternehmen. Viele belgische Fertigungsstätten, Lagerhallen und Büroflächen haben einen sehr hohen Energiebedarf und benötigen dringend moderne Wand- und Dachisolierungen, Fenster oder Zugangsbereiche. Im Jahr 2015 waren 68% aller belgischen Gebäude, die weder zu Wohn- noch zu Handelszwecken genutzt wurden, älter als 35 Jahre. Immerhin 16% aller Objekte sind sogar vor 1945 errichtet worden.

Im Jahr 2015 wurden in Belgien 5.109 Anträge zur Modernisierung von Nicht-Wohngebäuden bewilligt, das waren 9,7% mehr Projekte als 2014. Auch das Volumen der entsprechenden Neubau-Genehmigungen ist 2015 um 6,1% auf 39,5 Mio. cbm gestiegen. Bei neu zu errichtenden Wirtschaftsgebäuden gewinnen Passiv- und Nullenergiehäuser auch im Königreich zunehmend an Attraktivität. Zudem gewinnt der traditionelle Werkstoff Holz wieder mehr Wertschätzung. Diese Trends eröffnen deutschen Projektentwicklern mit ihrer oft langjährigen Erfahrung spezielle Geschäftschancen.

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Chancen in Italien bei Beleuchtung, Maschinen und Dämmung

Die Energy & Strategy Group des Mailänder Polytechnikums erwartet einen Anstieg der Investitionen in effizienzsteigernde Technologien von circa 5% pro Jahr bis 2020. Diese Entwicklung eröffnet Chancen für Zulieferer. Deutschland ist der größte Handelspartner Italiens und gilt für viele italienische Unternehmer als Vorbild im Bereich Energie und Umwelt. Vor diesem Hintergrund gibt es gute Marktchancen für deutsche Unternehmen in Italien.

Die italienische Industrie ist mit dem verarbeitenden Gewerbe in Deutschland eng verzahnt. Viele italienische Zulieferer der deutschen Industrie, beispielsweise im Maschinenbau und in der Kfz-Branche, sind auch beim Thema Energieeffizienz auf dem aktuellsten technologischen Stand. Doch längst nicht alle Firmen konnten mit der Entwicklung Schritt halten. Insbesondere die vielen kleinen Unternehmen aus Branchen, die von der Wirtschaftskrise stark getroffen sind, haben Nachholbedarf.

Industrie 4.0 gibt Impulse

Das Thema Energieeffizienz wird auch durch die steigenden Investitionen in die Industrie 4.0 einen Schub bekommen. Italien verbessert die Rahmenbedingungen für seine zukunftsorientierte Industrie. Vor diesem Hintergrund können zum Beispiel deutsche Anbieter von Soft- und Hardware ihre Produkte gleichzeitig unter dem Blickpunkt der Energieeffizienz und der Industrie 4.0 positionieren. Pilotprojekte und regionale Projekte sind bereits gestartet, eine nationale Strategie wird derzeit erarbeitet.

Branchenexperten erwarten auch, dass die Nachfrage nach deutschen Produkten insbesondere in den Sparten energiesparende Beleuchtung, Maschinen und Dämmung steigt. Hier haben deutsche Anbieter in Italien einen sehr guten Ruf.

Italienische Unternehmer legen viel Wert auf Qualität, allerdings spielen auch Preis und Flexibilität eine wichtige Rolle bei der Investitionsentscheidung. Deutsche Unternehmen stehen dabei im Wettbewerb mit Unternehmen aus Frankreich, den USA, Asien und Italien selbst.

Text: Robert Scheid

17.10.2016

Energieeffizienzmaßnahmen bieten in Deutschland viele Chancen

Die meisten deutschen Firmen beabsichtigten zur Jahresmitte 2016 laut Umfrage des Instituts für Energieeffizienz der Universität Stuttgart, die Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen zu erhöhen. Gleichzeitig verringerte sich aber auch der Energieeffizienzindex, den das Institut alle sechs Monate errechnet. Der Index ging Mitte 2016 im Vergleich zum Ende 2015 von 2,80 auf 1,84 Punkte zurück. EEP-Mitarbeiter interpretierten das Resultat dahingehend, dass sich das Klima für Energieeffizienzsteigerungen wieder eingetrübt habe.

Andererseits vermerkte der "Branchenmonitor 2016“ der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff), die Absatzaussichten für Güter und Dienstleistungen im Bereich der Energieeffizienz seien nach Auffassung von Marktteilnehmern "sehr attraktiv“. Unter anderem bekundete nahezu die Hälfte von befragten Firmen, dass sich unter Kostengesichtspunkten ein wirkungsvollerer Energieverbrauch unbedingt lohne. Immerhin stiegen 2015 die Umsätze in der Branche um rund 10% auf geschätzte 135 Mrd. Euro.

Zukunftstrend intelligente und bedarfsgerechte Steuerung 

Die Hürden für einen Marktzutritt liegen in Deutschland niedrig, ergab die Deneff-Umfrage unter 190 Unternehmen. Ein Drittel der Mitbewerber ist erst vor kurzem im Bereich tätig geworden. Etwa 77% der konsultierten Marktteilnehmer beabsichtigten, in der Energieeffizienz weiter zu expandieren. Marktexperten rechnen mit einer Zunahme des Wettbewerbs. Als zentraler technischer Trend kristallisierte sich unter anderem die intelligente und bedarfsgerechte Steuerung energieverbrauchender Anlagen heraus, obwohl hier laut Marktexperten noch ein hoher Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht.

Chancen in der Digitalisierung sind noch Zukunftsmusik. Für rund 44% der großen und mittelgroßen Firmen ließ sich 2016 die Verknüpfung von Energieeffizienz und Digitaltechnik gemäß EEP noch nicht praxisnah beurteilen. Weitere circa 15% sahen erst zu einem späteren Zeitpunkt Möglichkeiten für eine Verwendung von IT. 22% hielten schon sofort Digitalisierungsmaßnahmen für notwendig. Kleinere Firmen gaben sich skeptisch. Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) gab schon 2014 an, für 62% seiner Mitgliedsfirmen Chancen auf dem Gebiet der Elektro- und Informationstechnik innerhalb der Energieeffizienz zu sehen.

Zurzeit wenig große Neuinvestitionen

Starke Impulse für den Verkauf von energieeffizienten Lösungen beobachtete IREES Fraunhofer zu Zeiten eines konjunkturellen Aufschwungs. Dann werden in der Regel neue Anlagen mit fortgeschrittenen Technologien errichtet; damit nimmt auch die durchschnittliche Effizienz im Anlagenbestand zu. Im Wesentlichen beruht ein Anstieg der Energieproduktivität auf dem Einsatz neuer Anlagen im normalen Investitionszyklus. Generell begünstigen Energiemanagementsysteme eine Effizienzsteigerung durch eine bessere Koordination der einzelnen Systemkomponenten.

Andererseits gehen die IREES-Analysten von einer anhaltenden Stagnation in den meisten energieintensiven Branchen Deutschlands aus. Fertigungsabläufe werden daher vorwiegend im Zuge von Reinvestitionen verändert. Ohnehin verlieren künftig Produktionszweige wie Gewinnung von Steinen und Erden, Bergbau, Grundstoffchemie, Gießereien sowie Herstellung von Papier, Glas, Keramik, Ziegeln, Zement, Beton, Steinen, Roheisen, Stahl, Ferrolegierungen und NE-Metallen an Bedeutung, pflichteten Vertreter von Prognos, IEW und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung bei.

Text: Siegfried Ellermann

17.10.2016

Größte Chancen in Mexiko bei Beleuchtung, Klima und Pumpen

Die GIZ führte 2012 eine Studie über die Energiesparpotenziale von mittelgroßen Unternehmen (31 bis 250 Mitarbeiter) in Mexiko durch. Danach lasse sich der Energieverbrauch der Beleuchtung mit 30% am stärksten reduzieren. Nach dem LED-Boom geht die Nachfrage langsam hin zu Plasmaleuchtmitteln. Es folgen Klimaanlagen (20%) sowie Druckluftgeräte und Pumpen (jeweils 15%). Kühlgeräte und Elektromotoren kommen auf Einsparpotenziale von 10 beziehungsweise 5%.

Hinsichtlich der Chancen in verschiedenen Industriesektoren besteht einer Einschätzung des Konzerns ABB zufolge in Mexiko das größte Absatzpotenzial für energieeffiziente Produkte in den folgenden Branchen:

  • Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie: Pump-, Belüftungs- und Kühlgeräte
  • Automobilindustrie und Metallverarbeitung: Pump- und Belüftungsgeräte, Druckluft- und hydraulische Einspritzsysteme
  • Bergbau: Pump- und Belüftungsgeräte
  • Kunststoffindustrie: Pump- und Belüftungsgeräte, Spritzgussmaschinen
  • Papierherstellung: Pump- und Belüftungsgeräte, Dampfkessel.

Die folgenden beiden Branchen haben laut ABB ebenfalls einen hohen Ausrüstungsbedarf, jedoch sind sie in Mexiko größtenteils in staatlicher Hand. Dies erschwert den Markteinstieg, insbesondere für mittelständische Equipmentanbieter:

  • Petrochemie: Pump- und Belüftungsgeräte, Druckluftsysteme
  • Wasser und Abwasser: Wasserreinigungsanlagen, Pumpsysteme.

Bedeutung energieeffizienter Baumaterialien nimmt zu

Daneben bestehen interessante Absatzchancen in weiteren Bereichen: „Effizienzsteigernde Baumaterialien können im Industriebau künftig eine wichtige Rolle spielen“, so Lucía Martínez, Environmental & Renewable Energy Manager des Energieberaters Iniciativa Energía. Unter anderem der US-Konzern Dupont bietet in Mexiko Polymere und andere Stoffe für energieeffiziente Fabrikbauten an.

Industrieunternehmen können nicht nur als Stromkunden, sondern auch als -erzeuger tätig werden, zum Beispiel durch Investitionen in die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Hinsichtlich der Anlagengröße und dem Nutzungsschwerpunkt (Strom oder Wärme) gibt es in Mexiko eine breite Palette an Projekten. Unter den großen Anlagen (über 100 MW) befinden sich vor allem Projekte von Pemex, wofür der Staatskonzern eigens das Tochterunternehmen Pemex Cogeneración y Servicios gegründet hat. Im verarbeitenden Gewerbe besteht laut einer Studie des Energieministeriums Sener aus dem Jahr 2012 ein KWK-Potenzial von rund 6 GW. Dampfbedarf wird verstärkt durch Motoren und Turbinen mit Generatoren bedient. Auch große Kühl- und Gewächshäuser setzen verstärkt Wärmetauscher ein. Der Ausbau des Pipelinenetzes in ganz Mexiko und verstärkter Einsatz von Biogas fördern diesen Trend.

Die Preisvolatilität und der Stromhandel stimulieren voraussichtlich den Bedarf an Sensorik und Gebäudesteuerung: „Betriebe, die ihren Strombedarf nennenswert  kontrollieren und anpassen können, sind im Vorteil. Sie können auf die volatilen Preise reagieren und gegebenenfalls überschüssige Kapazitäten an der Strombörse verkaufen“, sagt Hans Kohlsdorf von Energy 2 Market. Bislang bieten Kohlsdorf zufolge unter anderem Siemens, Pepperl+Fuchs, Rockwell Automation und Schneider Electric entsprechende Systeme an.

Bewusstsein ändert sich nur langsam

Im Gespräch mit Germany Trade & Invest betonen alle befragten Experten, dass sich das Bewusstsein für Energieeffizienz in Mexiko erst nach und nach entwickelt. „Besonders die mittelgroßen Unternehmen sind sehr umsatzorientiert. Investitionen in die Energieeffizienz stehen unternehmensintern in Konkurrenz zu anderen Zielen, wie der Produktionsausweitung. Ein hoher Return of Investment ist sehr wichtig, wir rechnen in der Regel mit einem Amortisationszeit von maximal zwei Jahren,“ sagt Edgar Sánchez von ABB. Darüber hinaus seien attraktive Finanzierungsbedingungen ein wichtiges Verkaufsargument.

Für den Markteinstieg rät Hendrick Muñoz von Kinenergy zu einer Doppelstrategie: „Für Technologielieferanten macht es Sinn, sowohl den Kontakt zu Energieberatungsfirmen und anderen Integratoren als auch zu den Endkunden zu suchen. Bei einem Projekt geben die beauftragten Energieberater oft Produktempfehlungen ab. Die Entscheidung wird aber vom Kunden selbst getroffen. Man sollte daher auf dessen Lieferantenliste stehen.“

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Gute Aussichten für Klima- und Belüftungstechnik, Elektromotoren und Energiemanagementsysteme in der Türkei

Die hohe Wertschätzung für Know-how und Technik aus Deutschland sowie die intensiven Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland stellen eine gute Grundlage für eine Zusammenarbeit im Bereich der Energieeffizienz dar. Neue gesetzliche Vorschriften der türkischen Regierung zur Anpassung an die EU-Normen sowie das steigende Bewusstsein der Unternehmer und Verbraucher für Energieeffizienz führen zu vielfältigen Investitionen mit Liefer- und Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Technologie- und Dienstleistungsfirmen.

Gute Chancen für deutsche Unternehmen bieten sich vor allem in den Bereichen Kühlungs-, Heizungs- und Lüftungssysteme, energieeffiziente Elektromotoren, Lösungen für Energiemanagementsysteme, Drucklufttechnologien, Pumpensysteme, Prozesswärmenutzung und Wärmerückgewinnung, energieeffiziente Beleuchtung sowie Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Zusätzlich zu den Vorhaben, die Firmen aus eigenen Mitteln oder lokalen Krediten finanzieren, können sich auch in Verbindung mit international mitfinanzierten Projekten Lieferchancen für deutsche Hersteller und Dienstleister ergeben.

Neben der direkten Lieferung von Ausrüstungen und Technologien besteht für deutsche Firmen auch die Möglichkeit der Fertigungskooperation mit türkischen Partnern. Damit können in bestimmten Fällen die Nachhaltigkeit von Lieferungen und die Dauerhaftigkeit von Geschäftsbeziehungen gesichert werden.

Die örtliche Präsenz bringt wertvolle Wettbewerbsvorteile und ist deswegen für den langlebigen Markterfolg von großer Bedeutung, wenn sie auch anfänglich mit höheren Kosten verbunden ist. Sie kann je nach Umsatzerwartungen durch eine eigene Tochterfirma oder eine Vertretung erfolgen, die durch einen aus Deutschland entsandten Delegierten unterstützt werden kann. Über eine gute lokale Vertretung können die aktuellen Entwicklungen am Markt zeitnah verfolgt, detaillierte Informationen über Investitionspläne eingeholt, Kontakte gepflegt und rechtzeitig Vorbereitungen für die Mitwirkung an Projekten getroffen werden.

Die Türkei bietet deutschen Firmen eine gute industrielle Basis, niedrige Produktionskosten und eine Produktivität, die höher ist als in Bulgarien und Rumänien. Die seit 1996 bestehende Zollunion zwischen der EU und dem Land sowie das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Türkei sind wichtige Elemente, die die Türkei zu einem attraktiven Geschäftspartner und Investitionsstandort machen. Die Regierung führte in den zurückliegenden Jahren Reformen im Wirtschafts-, Arbeits- und Ausländerrecht durch, um internationale Investitionen und Technologietransfers zu erleichtern. Ausländische Unternehmen sind investitionsrechtlich lokalen Firmen gleichgestellt. Es bedarf keiner gesonderten Investitionsgenehmigung. Ausländische Firmen können in der Türkei Grundstücke erwerben und Firmen gründen. Die einst verlangten Mindestkapitalanforderungen wurden inzwischen abgeschafft.

Trotz der verbesserten Bedingungen stellen die Korruption in der öffentlichen Verwaltung, die schwerfällige Bürokatie und die Rechtspraxis immer noch bedeutende Hindernisse dar. Die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen geopolitischen Risiken, innenpolitischen Spannungen und terroristischen Bedrohungen sind weitere Probleme, die den Investitionsstandort Türkei, insbesondere hinsichtlich der Sicherheit, gefährden.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Innovativen Unternehmen steht der französische Markt offen

Mit der Initiative "Industrie du Futur" (Industrie der Zukunft), dem Gegenstück zum deutschen Programm Industrie 4.0, will auch Frankreich seine Industrie auf die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte einstellen. Dazu gehören verstärkte Anstrengungen zur Modernisierung der oft veralteten Anlagen in französischen Fabriken sowie die Aufholjagd in Sachen Automatisierung und Einsatz von Industrierobotern vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen. Unter den neuen Vorzeichen beginnt die Industrie verstärkt ihre Anlagen zu erneuern.

Sparsamer Umgang mit Energie spielt dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Mit dem Gesetz zur Energiewende von 2015 erhält das Thema zusätzlichen Anschub. Einstiegmöglichkeiten für deutsche Unternehmen gibt es auf allen Ebenen des Optimierungsprozesses. Die in vielen Punkten infolge der gemeinsamen EU-Rechtsbestimmungen parallele Entwicklung, etwa bei Energieaudits, ist dabei eine Erleichterung.

Wachsender Beratungsbedarf

Das Spektrum möglicher Ansatzpunkte erweitert sich mit der Bandbreite von Unternehmen, die das Thema Energieeffizienz auf die Agenda setzen. Im Vorfeld besteht, gefördert durch die steigende Zahl von Zertifizierungen und Audits, ein wachsender Bedarf an Beratungsleistungen, sei es zur Ist-Analyse, zur Erarbeitung von Plänen zur Effizienzsteigerung oder zum kontinuierlichen Monitoring des Erreichten. Im EU-Land Frankreich steht der Markt grundsätzlich auch deutschen Unternehmen offen. Energieberater müssen sich allerdings bei einer der anerkannten französischen Zertifizierungsstellen registrieren. Eine Liste dieser Stellen ist auf der Webseite des französischen Umweltministeriums zu finden.

Bei der Erneuerung alter Maschinen und Anlagen durch sparsamere Ausrüstungen spielt Deutschland als mit Abstand wichtigster Maschinenlieferant Frankreichs naturgemäß eine große Rolle. Insgesamt sind in den Industrie- und Dienstleistungsbetrieben in Frankreich rund 12 Mio. Elektromotoren im Einsatz. Ihr Ersatz durch effizientere Aggregate oder die Aufrüstung für eine variable Geschwindigkeitsanpassung allein stellt ein beachtliches Abnehmervolumen dar. Auch im sekundären Bereich wie der Klimatisierung oder Beleuchtung von Industrieanlagen bietet der französische Markt ein großes Marktpotenzial. Vieles wird sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln, beeinflusst durch die Ergebnisse der Energieaudits, durch Innovationen und Trends bei der Förderung.

Auf dem Weg zur Industrie der Zukunft werden Steuerungen, Sensoren und Vernetzung im Produktionsprozess eine immer größere Rolle spielen, einschließlich der dazu gehörigen Hard- und Software. Während Frankreich in Bereichen wie Softwareentwicklung oder vernetzten Objekten sehr gut aufgestellt ist, stellt die deutsche Erfahrung in der praktischen Umsetzung und Anwendung einen Faktor dar, mit dem Anbieter punkten können. Interessant kann gerade hier auch die Zusammenarbeit mit französischen Partnern sein.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Jahreswechsel 2016/2017 optimaler Zeitpunkt für Markteintritt in Finnland

Nach Ansicht des Energieauditors Janne Kala, Senior Consultant bei AF-Consult, liegen die größten Energieeinsparpotenziale vor allem in der Belüftungstechnik, der intelligenten Steuerung von Druckluftanlagen und -systemen, der Umstellung auf LED-Beleuchtung und dem Einsatz von Wärmepumpen zur Nutzung überschüssiger Produktionswärme. „Nicht zu verkennen sind auch Fehler in der Bedienung und Wartung von Maschinen. Falsche Maschineneinstellungen können zu erheblichen Energiefallen werden. Für Abhilfe sorgen dann Schulungen der Mitarbeiter oder eine zunehmende Automatisierung“, erklärt Kala.

Die Investitionsneigung der Unternehmen ist allerdings sehr unterschiedlich. Mittelständische Industrieunternehmen favorisieren Maßnahmen mit kurzer Amortisation, nach Experteneinschätzung sogar unter drei Jahren. An der aktuellen Vertragsperiode nehmen 2014 laut Motiva-Auswertung 277 mittelgroße Unternehmen teil, die mit 9 Mio. Euro im selben Jahr nur 18% der gesamten industriellen Energieeffizienz-Investitionen ausmachten. Anders ist es bei den 38 teilnehmenden energieintensiven Unternehmen, die mit einem Investitionsvolumen von 41 Mio. Euro 2014 den größten Teil der gesamten 50 Mio. Euro Industrieinvestitionen in energieeffiziente Maßnahmen ausmachten.

Bei der Vermarktung von energieeffizienzsteigernden Produkten lohnt sich nicht nur die Werbung bei Unternehmern, sondern auch bei Energieauditoren, weil sie die technische Expertise besitzen und die investierenden Firmen dahingehend beraten.

Deutsch-finnische Forschungskooperation für Energiespeicherung

Forschungsinteressierten deutschen Unternehmen eröffnen sich in Kürze mit einer neuen bilateralen Forschungsförderung neue Projektmöglichkeiten in Finnland. Bekannt ist bisher, dass die finnische Förderagentur Tekes im Herbst 2016 eine deutsch-finnische Forschungsförderung im Bereich Energiespeicherung und Smart Grids veröffentlicht, die auch für Projekte in der Energieeffizienz nutzbar sein wird.

Um in ein Forschungskonsortium aufgenommen zu werden, sollten sich deutsche Unternehmen im engen Netzwerk der finnischen Energieeffizienzszene vernetzen oder den Kontakt zum erfahrenen staatlichen Forschungsinstitut VTT aufnehmen. Die Chancen, Teil eines Konsortiums zu werden, sind gut, wenn das Unternehmen in die Wertschöpfungskette der Partner passt. Bisher ist aber noch unklar, welche Forschungsschwerpunkte sich in der industriellen Energieeffizienz abzeichnen werden. 

Dass sich auch ausländische Unternehmen an finnischen Forschungskonsortien beteiligen, unterstreicht das zum Ende des Jahres 2016 auslaufende fünfjährige Forschungsprogramm „Efficient Energy Use (EFEU) Programme“, in dem sich elf Industriepartner und fünf Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen haben, um über fluidtechnische Systeme und regionale Energiesysteme zu forschen. Daran sind neben dem schwedischen Kugellagerproduzenten SKF sowohl der Antriebshersteller ABB, als auch der Pumpenhersteller Sulzer aus der Schweiz beteiligt.

Dieses in den letzten Jahren größte finnische Forschungsprojekt zur Energieeffizienz in der Produktion nutzt ein Budget von etwa 11 Mio. Euro und wird Ende 2016 abgeschlossen. „Durch die gemeinsame Forschung von Zulieferern, dem Pumpenhersteller und den Universitäten konnte ein neues energieeffizientes und platzsparendes Gerät entwickelt werden. Effizienzsteigerungen bei Pumpensystemen haben einen großen Effekt, da Pumpen etwa ein Fünftel des Weltstromverbrauchs verbrauchen. Energiekosten machen auch den Hauptanteil an den Lebenslaufkosten von Pumpsystemen aus. Daher zahlen sich energieeffiziente Lösungen besonders aus“, resümiert der EFEU-Programmkoordinator Juha Leppävuori vom staatlichen Forschungszentrum VTT.

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Komplexe Lösungen „made in Germany“ in China am Anfang

Chinas Unternehmen können sich bei der Anschaffung neuer energieeffizienter Technologien und Maschinen an staatlicherseits veröffentlichten Katalogen geeigneter Lösungen orientieren. Von deutschen Anbietern wiederum sollten die Listen als Bedarfsindikatoren gelesen werden. Ende 2015 veröffentlichte die NDRC einen Katalog mit 266 Produkten und Anlagen; das Ministerium MIIT gibt bereits seit 2012 Kataloge für energieeffiziente Lösungen in insgesamt elf Schwerpunktindustrien heraus (Stahl, Petrochemie, Nichteisen-Metalle, Baumaterialien, Automobilbau, Leichtindustrie, Textil, Elektronik- und Informationstechnologie, Maschinen und Anlagen, Schiffsbau und Pharmazie). Der jüngste Katalog in Chinesisch ist am 24.8.16 für die Kommunikationsindustrie erschienen.

Häufig liegt der Wirkungsgrad von Pumpen, Motoren, Kompressoren sowie anderer Komponenten und Anlagen deutscher Anbieter deutlich über dem inländischer Konkurrenzprodukte; allerdings sind sie auch entsprechend teurer. Für im Rahmen von EPC umgesetzten Energieeffizienzprojekten achten ESCO jedoch auf kurze Amortisationszeiten und greifen häufig zu billigeren Produkten heimischer Anbieter. Aber auch internationale Produzenten nutzen das EPC-Modell für den Vertrieb ihrer Anlagen. Relativ erfolgreich tun dies chinesischen Pressemeldungen zufolge Schneider Electrics SA, Johnson Controls Inc, Honeywell International Inc oder Siemens.

Erklärungsbedarf noch sehr hoch

Generell sei der Erklärungsbedarf für Energieeffizienzlösungen hoch und das Verständnis für nachhaltige energieeffiziente Lösungen in vielen Chefetagen immer noch gering, so ist sowohl aus der deutschen Beratungsbranche als auch von Technologieanbietern zu hören. Unmittelbar zu spüren sei dies beispielsweise, wenn es um komplexe Automatisierungslösungen gehe. Energieeffizienzaspekte blieben häufig auf der Strecke. Ebenfalls scheinen gerade chinesische Kunden cloudbasierten Lösungen großes Misstrauen entgegenzubringen.

Erst allmählich werden verpflichtende Minimum Energy Performance Standards (MEPS) in China auch auf (wenige) Industriemaschinen ausgedehnt. Seit 2005 unterliegen ausgewählte Elektrogeräte (seit 2012 auch einige Niedrigspannungsmotoren) der Kennzeichnungspflicht mit dem China Energy Label (CEL). Auf der jüngsten Liste vom Juli 2016 stehen jedoch immer noch nur 35 Produktgruppen.

Prinzipiell ist der Auditbereich ausländischen Anbietern nicht untersagt. Dennoch sind nur wenige für EMS-Audits in China zugelassen. Zu ihnen zählen SGS (Schweiz), TÜV Rheinland (Deutschland), Bureau Veritas (Frankreich), BSI (Vereinigtes Königreich), Lloyd´s Register (Vereinigtes Königreich) und DNV GL (Norwegen). Die von ihnen angebotene Auditierung erfolgt in der Regel gemäß dem internationalen Standard ISO 500001, häufig im Auftrag internationaler Firmen. Neue Geschäftschancen für Auditierung und Energieberatung könnten sich künftig durch das zum 1.1.17 landesweit anlaufende Emissionshandelssystem ergeben.

Im Rahmen der chinesisch-deutschen Energiepartnerschaft unterstützt und begleitet die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie den bilateralen Energiedialog zum Thema Energieeffizienz durch Workshops und Veranstaltungen. Sie stehen interessierten deutschen Unternehmen offen (Ansprechpartner in China: paul.recknagel@giz.de; in Deutschland: karin.franzen@giz.de).

Text: Corinne Abele

17.10.2016

Maschinensteuerung und neue Pumpen in Ägypten gefragt

Im Bereich Energieeffizienz bieten sich deutschen Unternehmen in Ägypten Chancen in einer ganzen Reihe von Bereichen. Der meiste Verbrauch in der Industrie entfällt auf Antriebsenergie. Geräte und Anlagen von einem Dauerbetrieb auf an die Produktion angepasste Laufzeiten umzustellen, ist eine Option für viele Betriebe. Effiziente Motoren und die Regulierung ihrer Drehzahl sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Die energieintensive Anlaufphase von Maschinen kann oft effizienter gestaltet werden. IKT-Lösungen können zur Optimierung der Verfügbarkeit von Maschinen und zur Erfassung und Steuerung des Energieverbrauchs beitragen.

Der Austausch veralteter Kompressoren und ineffizienter Pumpen und die Beseitigung von Druckluftleckagen kann ebenfalls den Energieverbrauch senken. Kessel, Heiz- und Kühlsysteme haben zudem oft Verbesserungspotenziale. Teilweise können Abwärme und Kondensate genutzt werden. Manchmal verbessert bereits die einfache Dämmung von Rohren und Leitungen die Energiebilanz, etwa wenn Textilbetriebe heißes Wasser über größere Entfernungen durch die Fabrik transportieren müssen.

Regierung fördert Solarthermie

Das Industrieministerium initiierte 2014 ein Programm, um die Nutzung von Solarthermie für industrielle Wärme und Kühlung zu unterstützen. Bislang werden trotz der exzellenten natürlichen Voraussetzungen in Ägypten derartige Anlagen vor allem im Tourismus und teils im Wohnungsbau eingesetzt. Das Erdölministerium schätzt die Einsparmöglichkeiten bei Raffinerien auf etwa 10% und plant darum Maßnahmen für solche Anlagen in Kairo und Alexandria. Gemeinsam mit der EBRD entwickelt das Ministerium außerdem bankfähige Projekte, um den Wirkungsgrad von Gasturbinen mit Hilfe von Turboexpandern zu steigern.

Generell ist eine Analyse des Maschinenparks sinnvoll, insbesondere bei gewachsenen Fertigungsstrukturen. Während neue Anlagen oft sparsam arbeiten, sieht die Situation bei alten oder nur punktuell modernisierten Produktionsstätten anders aus. Sind Unternehmen in Form von Clustern oder anderen Branchenschwerpunkten angesiedelt, kann auch ein übergreifender Ansatz gewählt werden, etwa zur effizienteren gemeinsamen Versorgung. Hierfür ist allerdings eine gemeinsame Kooperations- und Zahlungsbereitschaft eine Voraussetzung, die bei größeren Unternehmen am ehesten vorhanden sein dürfte.

Für exportorientierte ägyptische Unternehmen kann eine energieeffiziente Fertigung      ein Wettbewerbsvorteil oder sogar eine Notwendigkeit sein. Bei den wichtigen  Handelspartnern EU und USA ist das Thema bereits fest verankert. Lagern  internationale Unternehmen ihre Fertigung nach Ägypten aus, ist auch dort die Einhaltung ihrer internen Standards erforderlich.

Kauf von Importequipment leidet unter Devisenmangel

Die Rahmenbedingungen für den Import von Komponenten zur Steigerung der Energieeffizienz haben sich in den vergangenen Monaten verschlechtert. Zusätzlich zur Abwertung des ägyptischen Pfundes im März 2016 erschwert die unregelmäßige Verfügbarkeit von Devisen die Einfuhren auch in diesem Bereich. Ökonomen spekulieren in den Medien bereits über eine mögliche weitere Abwertung, da sich der Parallelmarktkurs des US-Dollars erneut um bis zu 25% vom offiziellen Wert entfernt hat. Für dauerhafte Unsicherheit sorgt, dass die Entwicklung des Subventionsabbaus beziehungsweise der Stromtarife kurzfristigen politischen Veränderungen unterliegt. Berechnungen zur Amortisierung von längerfristigen Energieeffizienzinvestitionen leiden entsprechend an einer gewissen Unschärfe.

Anbieter von Ausrüstungen zur Steigerung der Energieeffizienz in Ägypten sind unter anderem Siemens, ABB, Schneider Electric und Panasonic.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Schweden bietet Geschäftschancen bei der Optimierung von Prozesskomponenten

Anbieter innovativer Beratungs- und Dienstleistungen sowie von Geräten, Ausrüstungen und Technologien für die Verbesserung der Energieeffizienz haben in Schweden gute Chancen auf einen erfolgreichen Markteinstieg. Deutsche Unternehmen sind dabei in einer guten Startposition, da Know-how und Technik aus Deutschland in Schweden traditionell einen guten Ruf haben.

Bereits eine erste Bestandsaufnahme offenbart einen erheblichen Modernisierungsbedarf in den nächsten Jahren. So stammen nach einem Bericht der Deutsch-Schwedischen Handelskammer große Teile der Produktionsanlagen in Schweden noch aus den 1960er und 1970er Jahren.

Elektromotoren generieren laut der Energieagentur rund 70% der Stromversorgung innerhalb der schwedischen Industrie. Neben der Wahl der richtigen Motoren lassen sich auch durch geeignete Turbinen, Pumpen- und Steuerungstechnik sowie weitere Prozesskomponenten (Beleuchtung, Ventilation) erhebliche Energiemengen einsparen. Experten schätzen, dass sich der Stromverbrauch in der Industrie des nordischen Landes allein durch die Optimierung von Prozesskomponenten bis zu 50% reduzieren lässt.

Daher dürften schwedische Unternehmen in den nächsten Jahren noch stärker in Energieeinsparung und Nachhaltigkeit investieren. Einen wichtigen Aspekt in der Nachhaltigkeitsberatung bilden Lebenszyklusanalysen, welche die Stoff- und Energieströme für ein bestimmtes Produkt von der Herstellung über den Vertrieb, die Nutzung, Stilllegung bis hin zur Auflösung berücksichtigen. Die Deutsch-Schwedische Handelskammer verweist darauf, dass vor allem größere schwedische Firmen die energetische Analyse technischer Prozesse oft in die Hände ihrer Produktlieferanten legen und diese dann anschließend auch mit Verbesserungsmaßnahmen betrauen.

Wärmenutzung mit viel Potenzial

Auch Technologien der Wärmerückgewinnung und Abwärmenutzung werden in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen, wobei Nutzungsmöglichkeiten nicht nur innerhalb der Unternehmen bestehen. So soll zum Beispiel im Rahmen der Fernwärmeversorgung mehr Abwärme aus industriellen Prozessen genutzt werden. Energieerzeuger müssen im Rahmen bestimmter Investitionen Kosten-Nutzen-Analysen durchführen und dabei unter anderem zunächst prüfen, ob im Rahmen des Produktionsprozesses industrielle Abwärme genutzt werden kann, bevor neue Energie erzeugt wird.

Betroffen sind hiervon der Bau neuer sowie Umbauten an bestehenden Produktionsanlagen mit einer thermischen Nennleistung von mehr als 20 MW, die Heizenergie in bestehende Netze einspeisen, sowie der Bau neuer Fernwärme- und -kältenetze. Eine Studie zeigt, dass sich zum Beispiel im Raum Gävleborg die Systemkosten der Unternehmen durch Einspeisung industrieller Abwärme in Fernwärme- und Fernkältenetze deutlich senken ließen.

Immer mehr Player treten in den schwedischen Fernwärmemarkt ein. In den letzten Jahren haben insbesondere IT-Dienstleistungen und Softwarelösungen an Bedeutung gewonnen, zum Beispiel Alarmsysteme zur Leckageüberwachung an Rohrleitungen. Gerade hier besteht in Schweden großer Investitionsbedarf, da viele Netze aus den 1950er und 1960er Jahren stammen und daher nachgerüstet werden müssen.

Ein Einstieg in den schwedischen Markt sollte sorgfältig geplant sein. Trotz kultureller Nähe unterscheidet sich das Arbeits- und Führungsverhalten dort von dem in Deutschland. In den Unternehmen herrscht ein moderner, kollegialer Führungs- und Umgangsstil. Selbstständigkeit sowie Planungs- und Handlungsspielraum der Angestellten sind verhältnismäßig groß. Der Geschäftseinstieg sollte auf der Arbeitsebene zum Beispiel beim Projektleiter beginnen.

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Steigende Energiekosten und Auflagen machen Kanada interessanter

Der kanadische Markt für Energieeffizienz in der Industrie ist vom Volumen her im Vergleich zu Deutschland zwar kleiner, bietet wegen der steigenden Energiekosten und einer schrittweisen Verschärfung der Vorschriften zum Energieeinsatz in der Produktion allerdings Potenzial für deutsche Anbieter von Ausrüstung, technischen und IT-Lösungen sowie Beratungsdienstleistungen. Die Alberta Energy Efficiency Alliance (AEEA) schätzt, dass durch Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen zwischen 2014 bis 2020 Kosteneinsparungen von 650 Mio. kan$ im Industriesektor der Provinz realisiert werden können.

Vor allem in der Ölförderung dürfte die Nachfrage nach Energieeffizienzlösungen in den kommenden Jahren weiter wachsen. Denn bei der Bitumen-Gewinnung ist ein hoher Energieeinsatz nötig, um das Ölgemisch aus dem Boden zu extrahieren. Vor allem beim In-Situ-Verfahren besteht Einsparpotenzial, da die Ausrüstung oft auf veralteter Technik beruht und nicht für die Anforderungen der Ölsandindustrie optimiert ist. So könnte schon durch den Einsatz moderner Dampferzeuger, die auch unter den klimatischen Bedingungen in Alberta mit Temperaturen bis minus 40 Grad optimale Leistung erbringen, der Energieerbrauch deutlich gesenkt werden.

Chancen auch abseits von Erdöl und -gas

Aber auch in weniger energieintensiven Industriezweigen dürfte die Nachfrage nach effizienzsteigernder Ausrüstung und Lösungen wachsen. In Ontarios Kfz- und Zulieferbranche beispielsweise machen die Energiekosten nur zwischen 8 und 20% der gesamten Betriebskosten aus. Angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks ist aber auch in dieser Branche das Interesse an Energieeffizienzprojekten groß. Dabei sind schnell zu realisierende Maßnahmen wie die Installation von energiesparender Beleuchtung oder der Austausch von ineffizienten Klimaanlagen besonders gefragt. Auch die Überprüfung der Druckluftsysteme auf Lecks sowie die Nachrüstung der Geräte oder die Neuanschaffung effizienterer Anlagen bieten Geschäftschancen. Die Nachfrage nach Steuerungs- und Automatisierungstechnik ist vor allem bei Expansionsvorhaben groß. Unter anderem sind die deutschen Anbieter Festo und Siemens mit entsprechenden Produkten auf dem kanadischen Markt vertreten.

Einige Markteintrittsbarrieren

Kanadische Unternehmen sind nach Einschätzung der Canadian Energy Efficiency Alliance stark an Lösungen aus einer Hand interessiert. Idealerweise bietet das Unternehmen, das die technische Ausrüstung liefert, auch die Analyse der bestehenden Anlage und Prozesse sowie die regelmäßige Kontrolle des neuen effizienteren Systems an. Da die Themen Industrie 4.0 und Smart Manufacturing in Kanada zunehmend eine Rolle spielen, ist das Interesse auf Unternehmensseite an einer Integration von Energieeffizienzaspekten - sei es durch IT-Lösungen oder Beratungsdienstleistungen - in den Upgrade von Fabriken, ebenfalls groß.

Auch wenn der kanadische Markt für Energieeffizienz vielversprechend für deutsche Unternehmen ist, gibt es eine Reihe von Markteintrittsbarrieren. Die größte Hürde sind die von deutschen Normen abweichenden Produktstandards und die damit verbundene kosten- und zeitintensive Zertifizierung. Zudem ist angesichts der niedrigen Energiepreise die Bereitschaft der Unternehmen, in effizienzsteigernde Technologien zu investieren, geringer. Die hohen Kapitalkosten und in der Regel längeren Amortisationszeiten von Effizienzprojekten schrecken viele Unternehmen ab. Steigende Energiekosten und höhere Anforderungen an die Energieintensität in der Industrie dürften jedoch langfristig zu einem Umdenken führen.

Text: Boris Alex

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