Energieeffizienz im Gebäudebau in den USA

Energieeffizienz von US-Gebäuden ist noch stark ausbaufähig

Niedrige Energiepreise und vielerorts schwierige regulatorische Rahmenbedingungen stellen in den USA immer noch ein großes Investitionshemmnis für energieeffiziente Gebäudetechnologien dar. Dennoch sollten sich in dem Markt auch in den nächsten Jahren interessante Geschäftschancen ergeben. Ein wichtiger Markttreiber ist dabei auch das sich verändernde Verbraucherverhalten.

17.11.2016

US-Regierungswechsel verändert energiepolitische Prioritäten

Anders als in anderen Ländern gibt es in den USA kein spezielles nationales Ziel zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor oder zur Verminderung des Energieverbrauchs in diesem Bereich. Zwar wurden unter der Obama-Regierung verschiedene andere Zielsetzungen für eine effizientere Energienutzung verkündet, die auch die Gebäudeenergie mit einbeziehen. Zu nennen ist hier unter anderem die Vorgabe, die Energieproduktivität - gemessen als Wirtschaftsleistung pro verbrauchter Energieeinheit - zwischen 2010 und 2030 zu verdoppeln.

Trump sieht Klimaschutzbemühungen der Obama-Regierung skeptisch

Es ist jedoch damit zu rechnen, dass eine Regierung Trump bei der Verbesserung der Energieeffizienz weniger ambitioniert vorgehen wird. Die umwelt- und energiepolitischen Ziele der Obama-Regierung lehnt der designierte Präsident ab. So hat er bereits erklärt, sich aus dem Pariser UN-Klimaschutzabkommen von 2015 zurückzuziehen. Die Regierung Obama hatte in dessen Rahmen bis 2025 eine Verminderung der US-Treibhausgasemissionen von 26 bis 28% gegenüber 2005 zugesagt.

Ebenso sehr fraglich ist unter den neuen politischen Machtverhältnissen die Zukunft des Clean Power Plans (CPP) der US-Umweltschutzbehörde EPA. Mit dem Kernstück der Obamasch’en Klimaschutzpolitik sollte der CO2-Ausstoß im Stromsektor - bei einer möglichen Anrechnung von Programmen zur Steigerung der Gebäudeenergieeffizienz - bis 2030 um 32% gegenüber 2005 reduziert werden.

Speziell für den Gebäudesektor hat das U.S. Department of Energy (DOE) ein Mehrjahresprogramm des Buildings Technologies Office aufgelegt. Dieses hat unter anderem zum Ziel, die Energieintensität im US-Gebäudesektor - gemessen als Energieverbrauch pro Quadratfuß Bodenfläche - bis 2030 um 30% gegenüber 2010 zu vermindern. Die Ausrichtung und die budgetäre Ausstattung dieses Programms könnten sich jedoch künftig verändern.

Bundesstaaten haben weitreichende energiepolitische Gestaltungsbefugnisse

Zielsetzungen für die Steigerung der Energieeffizienz werden im föderalen System der USA jedoch ebenso auf den nachgeordneten Verwaltungsebenen erlassen. Die Bundestaaten und Kommunen verfügen in den USA über eine weitreichende politische Gestaltungsmacht. Dies betrifft unter anderem die Festlegung energiebezogener lokaler Baustandards („Building Codes“) oder auch die Regulierung der örtlichen Energieversorger (zum Beispiel bei der Ausgestaltung von Förderprogrammen für die Gebäudeeffizienz). Entsprechend können die regulatorischen Rahmenbedingungen für Gebäudeeffizienzmaßnahmen sehr unterschiedlich sein.


Text: Martin Wiekert

17.11.2016

Baugewerbe in den USA noch immer unter Normalniveau

Ausgangssituation im Gebäudebereich

Nach Angaben des U.S. Census gibt es im Land knapp 133 Mio. „Housing Units“. Davon sind rund 91 Mio. Einfamilienhäuser, circa 8,6 Mio. kleinere Fertighauseinheiten („manufactured“ oder „mobile homes“) und etwa 33 Mio. Mehrfamilienhauswohnungen. Derzeit werden im Jahr rund 1 Mio. Wohneinheiten neu fertiggestellt. Rund 15% des bewohnten Bestands sind nach der Jahrtausendwende errichtet worden.


Altersstruktur der Gebäude (Anzahl in 1.000 Einheiten, Anteile in %)

Baujahr

Anzahl Wohneinheiten(Stand: 2014)

Anteil (in %)

Anzahl kommerzielle und öffentliche Gebäude (Stand: 2012)

Anteil (in %)

Insgesamt

132.832

100,0

5.557

100,0

vor 1920

8.720

6,6

362

6,5

1920 bis 1990

88.649

66,7

3.324

59,8

nach 1990

35.463

26,7

1.871

33,7

Quellen: U.S. Energy Information Administration (EIA), U.S. Census Bureau


In den letzten Jahren war es vor allem das boomende Mehrfamilienhaussegment, das den Wohnneubau in den USA vorantrieb. Experten machen hier jedoch inzwischen, vor allem in gehobenen Lagen der Metropolen, eine zunehmende Marktsättigung aus. Bei Einfamilienhäusern wird dagegen noch viel Luft nach oben gesehen. Grund ist die noch aus Zeiten der Finanzkrise bestehende aufgestaute Nachfrage, die sich in den nächsten Jahren weiter auflösen sollte. Auch nach einer vierjährigen Expansionsphase lagen die Bauausgaben im Wohnsektor 2015 erst bei etwa 70% ihres Vorkrisenniveaus. Die jährlichen US-Wohnbaustarts bewegen sich Fachleuten zufolge noch um rund 500.000 unter einer für die USA als „normal“ erachteten Größenordnung.


Prognosen zum Neubau und zur Modernisierung von Gebäuden in den USA bis 2018 (Wert der Bauausgaben in Mio. US$, Veränderungen in %) 1)

Jahr

Wohngebäude Neubau

Veränd. zum Vorjahr

Modernisierung Wohngebäude

Veränd. zum Vorjahr

Nichtwohngebäude Neubau 2)

Veränd. zum Vorjahr

2016

299.215

8

153.174

3

477.395

6

2017

314.550

5

157.882

3

503.570

5

2018

325.632

4

161.439

2

526.830

5

1) Prognosen; 2) Angaben zu Modernisierungen im Nichtwohnsektor waren nicht verfügbar
Quelle: FMI's Construction Outlook, Second Quarter Report 2016


Das Wachstumstempo im Nichtwohnhochbau hat 2015 erstmals seit Jahren wieder dasjenige im Wohnsektor übertroffen. Verantwortlich waren dafür besonders kommerziell genutzte Gebäude, bei denen den Energieeffizienzeigenschaften ebenso wie bei öffentlichen Objekten ein vergleichsweise hoher Stellenwert eingeräumt wird. Im Wohnbau, der in den USA zu über 98% durch private Investoren finanziert wird, ist das Interesse für energetische Sanierungen und Energieeffizienzinvestitionen noch deutlich weniger ausgeprägt.

Standards für den energieeffizienten Gebäudebau

Eine maßgebliche Rolle bei der Verbesserung der Energieeffizienz im US-Gebäudesektor spielen energiebezogene Baustandards („Building Codes“). Diese beinhalten im Regelfall auch Mindestanforderungen für die Energieeffizienz neuer und substanziell renovierter Gebäude. Für die Festlegung dieser Standards sind hautsächlich die US-Bundesstaaten, zum Teil aber auch lokale Verwaltungen zuständig. Nationale Vorgaben gibt es außer bei Bundesgebäuden und mobilen Wohneinheiten nicht.

Die US-Bundesregierung partizipiert an der Entwicklung der Building Codes, indem sie die Verbreitung und Aktualisierung von Modellstandards unterstützt. Viele Bundesstaaten und Kommunen übernehmen diese früher oder später in ihr Baurecht, andere legen jedoch davon abweichende Bestimmungen fest. Die meisten lokalen Regelungen orientieren sich an den Standards des International Energy Conservation Code (IECC) und an dem Commercial Building Energy Code 90.1 der American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers (ASHRAE). Ausführliche Infos zum Thema finden sich beim Building Energy Codes Program des DOE.

Die örtlichen Building Codes beziehen sich auf relevante Gebäudebestandteile wie etwa die Gebäudeaußenhülle, Böden oder auch das Heiz- und Kühlsystem. Davon zu unterscheiden sind US-weit geltende Energieeffizienzstandards für Haustechnik und -geräte („Appliance and Equipment Standards“), die vom DOE festgelegt werden. Überschneidungen von Building Codes und Haustechnikstandards sind in manchen Bereichen möglich.

Vielzahl von Produktnormen

Bei den Vorgaben für Haustechnik hat sich die Obama-Regierung während ihrer Amtszeit sehr ambitioniert gezeigt. Die Palette der über 60 Produktnormen - von der Heiz- und Klimatechnik über Beleuchtungen bis hin zu den verschiedensten Hausgeräten - wurde vom DOE kontinuierlich aktualisiert und erweitert.

Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Gebäudeeffizienz haben in den USA auch freiwillige Zertifizierungssysteme für „grünes“ und/oder energieeffizientes Bauen. Zu nennen sind hier insbesondere das vom U.S. Green Building Council organisierte System des Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) und das Energy-Star-Programm der EPA.


Text: Martin Wiekert

17.11.2016

Zahlreiche US-Förderinstrumente auf föderalen Ebenen

Die Energieeffizienz im Gebäudesektor wird in den USA auf nationaler, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene durch ein Vielzahl von Aktivitäten gefördert. Dazu gehören neben Haustechnikstandards und Building Codes auch eine breite Palette finanzieller Fördermaßnahmen, wie etwa die Gewährung von Steuervorteilen, Förderkrediten oder Investitionszuschüssen. Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe nicht-finanzieller Förderinitiativen. Beispiele auf der Bundesebene sind das Energy-Star-Programm oder auch die prominente Better-Buildings-Initiative.

Im August 2016 listete die Database of State Incentives for Renewables & Efficiency (DSIRE) auf ihrer Website 28 relevante Bundesaktivitäten auf. Der Großteil davon betraf Förderdarlehen und Steueranreize. Wichtige steuerliche Instrumente laufen allerdings nur noch bis zum Jahresende 2016. Ob und wann es hier zu einer möglichen Verlängerung kommen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Haushaltsstreitigkeiten im US-Kongress haben in der Vergangenheit immer wieder für Diskontinuitäten in der Energieeffizienzförderung gesorgt.


Wichtige Bundesförderinstrumente für Investitionen in die Gebäudeenergieeffizienz

Maßnahme

Förderung

Geförderte Technologie

Weitere Informationen

Residential Energy Efficiency Tax Credit

Personal Tax Credit in Höhe von maximal 500 US$

Biomasseöfen, Wasserheizungen, Kessel, Wärmepumpen, A/C, Wärmedämmung, Fenster, Dächer

http://programs.dsireusa.org/system/program/detail/1274

Residential Renewable Energy Tax Credit

Personal Tax Credit in Höhe von 30% der Kosten

Solarenergiesysteme, geothermische Wärmepumpen, Brennstoffzellen, Kleinwindkraft

http://programs.dsireusa.org/system/program/detail/1235

Business Energy Investment Tax Credit (ITC)

Corporate Tax Credit von 10 bis 30% der Kosten

Solarenergiesysteme, geothermische Wärmepumpen, KWK, Brennstoffzellen, Kleinwindkraft

http://programs.dsireusa.org/system/program/detail/658

Energy-Efficient New Homes Tax Credit for Home Builders

Corporate Tax Credit, 1.000 bis 2.000 US$ (abhängig von Energieeinsparung und Gebäudetyp)

variabel (maßgeblich ist die Effizienz des Gesamtgebäudes)

http://programs.dsireusa.org/system/program/detail/1272

Energy-Efficient Commercial Buildings Tax Deduction

Corporate Tax Deduction, 0,30 bis 1,80 US$/Quadratfuß (abhängig von Energieeinsparung und Technologie)

Wärmedämmung, Wasserheizungen, Beleuchtung, Heiz-, Klima- und Belüftungstechnik Fenster, Dächer, etc.

http://programs.dsireusa.org/system/program/detail/1271

Energy-Efficient Mortgages

Förderdarlehen für neue und bestehende Häuser

Solarenergie, aktiv und passiv

http://programs.dsireusa.org/system/program/detail/742

Quelle: DSIRE (Datenbankabruf am 22.8.16)


Kaum zu überschauen ist die Vielzahl an Fördermaßnahmen, die von den Bundesstaaten, Kommunen und örtlichen Energieversorgern offeriert werden. Eine umfassende Zusammenstellung mit Suchmechanismus findet sich in der bereits erwähnten DSIRE-Datenbank.

Immerhin 25 US-Staaten hatten sich per Stand Mai 2016 spezielle Energieeffizienzziele auferlegt. Besonders ambitioniert in Sachen Energieeffizienz sind nach der „Scorecard“ des American Council for an Energy-Efficient Economy (ACEEE) Massachusetts, Kalifornien, Vermont, Rhode Island und Oregon. Im Ranking der Städte sieht der ACEEE Boston, New York City, Washington D.C., San Francisco und Seattle als sehr vorbildlich.

Die Exportinitiative Energie des BMWi unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.


Text: Martin Wiekert

17.11.2016

Energieeffizienzzertifikate werden im kommerziellen Hochbau zum Standard

Energiebezogene Gebäudezertifizierungen werden in den USA bislang vor allem im Nichtwohnsektor nachgefragt. Der in den USA führende Standard für „grünes“ und energieeffizientes Bauen ist das vom UGSBC entwickelte LEED-System. Neben dem Energiekonsum bezieht es auch Aspekte wie den Wasserverbrauch oder die Umweltfreundlichkeit der verwendeten Materialien mit ein. Obgleich sie eigentlich freiwillig ist, wird eine LEED-Zertifizierung (oder zumindest eine LEED-konforme Bauweise) bei vielen US-Bauausschreibungen vorgegeben. Dies wirkt sich auch auf die Beschaffung von Bauprodukten aus, da diese für die Vergabe von LEED-Punkten bestimmte Anforderungen erfüllen müssen.

Nach Angaben des USGBC gab es in den USA am 2.8.16 rund 59.000 LEED-zertifizierte oder -registrierte Objekte mit einer Gesamtfläche von circa 805 Mio. Quadratmetern. Die zwei höchsten Einstufungen, LEED Platinum und Gold hatten rund 11.000 Objekte erhalten. Zertifizierungen dürfen in dem System nur von akkreditierten Fachleuten vorgenommen werden.

Neben dem LEED haben auch die von der EPA entwickelten Energy Stars im Bereich der Gebäudeenergieeffizienz eine größere Bedeutung erlangt. Energy Stars können für im US-Maßstab besonders energieeffiziente Bauprodukte und Hausgeräte, aber auch für ganze Gebäude vergeben werden. Der EPA zufolge waren in den USA 2014 rund 1.600 Wohnhäuser und etwa 25.000 Industrie- und Geschäftsgebäude mit dem Label ausgezeichnet. Darüber wurden in dem Jahr mehr als 320 Mio. Energy-Star-Produkte in über 70 Warenkategorien verkauft. Für die Kennzeichnung arbeitet die EPA mit einem umfassenden Partnernetzwerk zusammen.

Neben LEED und Energy Star gibt es noch eine Reihe weiterer Gütezeichen, die im Hinblick auf die Gebäudeenergieeffizienz eine Rolle spielen. Hierzu gehören der von der National Association of Home Builders propagierte National Green Building Standard, das vom Residential Energy Services Network entwickelte Home Energy Rating System und auch das von einigen Industriegruppen unterstützte Green Globes Rating der Green Buildings Initiative. Hinzu kommen produktbezogene Kennzeichnungen wie die des National Fenestration Rating Councils oder das Cool-Roofs-Label.

Energie-Einspar-Contracting mit großem Potenzial

Die Popularität des grünes und energieeffizienten Bauens hat in den USA dazu geführt, dass sich in diesem Bereich bereits eine respektable Beratungsbranche herausgebildet hat. Für örtliche Energieberater ist es dabei unerlässlich, Kenntnisse der wichtigsten Produktratings und Zertifizierungssysteme zu besitzen.

Noch viel Potenzial sehen Experten in den USA beim sogenannten Energie-Einspar-Contracting. Nach einer Studie von Navigant Research erreichte das Geschäftsvolumen der in diesem Bereich spezialisierter Energiedienstleister 2015 rund 6,3 Mrd. US$. Wegen der anziehenden Nachfrage aus dem privaten Sektor hält das Institut bis 2024 eine Zunahme auf rund 11,5 Mrd. US$ für möglich. Bislang waren es vor allem öffentliche Auftraggeber und Energieversorgungsunternehmen, die die Entwicklung der Sparte vorantrieben.


Text: Martin Wiekert

17.11.2016

Trotz billiger Energie und Kostenscheu viel Potenzial in den USA

Bei der Energieeffizienz von Gebäuden liegen die USA in vielen Bereichen noch Jahre hinter dem bundesdeutschen Niveau zurück. Hauptverantwortlich sind dafür die niedrigeren US-Energiepreise, aber auch die unterschiedlichen bau- und energiepolitischen Rahmenbedingungen.

Prinzipiell gibt es für leistungsfähige deutsche Produkte und Dienstleistungen zur Steigerung der Gebäudeenergieeffizienz schon allein wegen der Größe des US-Markts ein immenses Absatzpotenzial. Dies gilt für die gesamte Palette einschlägiger Technologien - von Heiz-, Kühl- und Klimatechnik über wärmedämmende Baukomponenten bis hin zu „smarten“ Beleuchtungs- und Hausautomatisationskonzepten. Deutschen Unternehmen kommt dabei in den USA zugute, dass ihnen im Energieeffizienzbereich häufig ein Know-how-Vorsprung attestiert wird.

Langfristiges Rechnen nicht die Regel

Nichtsdestotrotz reichen innovative Ideen und technologische Kompetenz alleine nicht aus, um im US-Markt erfolgreich zu sein. Entscheidend bei der Anschaffung von Energieeffizienztechnik ist für die meisten US-Kunden die Wirtschaftlichkeit. Hinderlich sind gerade für Anbieter höherwertigerer und teurerer Erzeugnisse die niedrigen Energiekosten im Land. Hinzu kommt die nur geringe Bereitschaft vieler Amerikaner, längere Amortisationszeiträume zu akzeptieren. Viele Investoren schrecken vor den Investitionskosten zurück, wenn sie sich nicht innerhalb weniger Jahre wieder einbringen lassen. Hier spielt auch eine Rolle, dass US-Immobilien in vielen Marktbereichen schneller wieder verkauft werden als in anderen Ländern.

Neben einem wettbewerbsfähigen Preis ist im US-Geschäft zumeist eine Anpassung des Angebots an örtliche Standards, Kundenpräferenzen und Marktusancen erforderlich. Ein umfassender Service gilt gerade bei komplexerer Technik als unerlässlich. Für deutsche Newcomer im US-Markt kann es zur Bewältigung dieser Hürden sinnvoll sein, zunächst mit einem ortskundigen Partner zusammenzuarbeiten.

Trotz der erschwerten Rahmenbedingungen sollte der US-Markt für deutsche Unternehmen auch in den nächsten Jahren interessante Geschäftschancen  bieten. So wird die Energieeffizienz im Gebäudesektor weiter durch Marktfaktoren und durch die vielfältigen Fördermaßnahmen der US-Bundesstaaten und Kommunen vorangetrieben. Mit einer völligen Einstellung der Energieeffizienzförderung ist auch unter einer Regierung Trump nicht zu rechnen. Schließlich genießt letztere im Land eine breite und überparteiliche Unterstützung.

Ein mächtiger Markttreiber sind die in den USA bestehenden Potenziale zur Verbesserung der Gebäudeenergieeffizienz. Die bieten auch bei niedrigen Energiepreisen noch umfassende Investitionsanreize. Nach Angaben der EIA konsumieren Gebäude in den USA rund 40% der Primärenergie und mehr als 70% des Stroms. Insbesondere im Wohnsektor, wo über die Hälfte der Energie für Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik benötigt wird, bestehen noch wirtschaftlich lohnenswerte Effizienzsteigerungsmöglichkeiten.

Jedes zweite Gebäude im Nichtwohnungsbau zertifiziert

Vorangebracht wird die Marktentwicklung auch durch die sich zunehmend wandelnden Kundenpräferenzen. Die Beliebtheit des „grünen Bauens“ kommt den Anbietern von Energieeffizienztechnologien derzeit stark zugute. Im Nichtwohnhochbau wird nach Schätzungen bereits fast jedes zweite US-Vorhaben unter Berücksichtigung solcher Kriterien errichtet. Der jährliche Gesamtumsatz mit solchen Projekten bewegt sich nach Schätzungen des Fachmagazins Engineering News-Record (ENR) bei weit über 50 Mrd. US$.


Umsatz der jeweils 100 größten Firmen mit „grünen“ Bauprojekten, aufgeschlüsselt nach Sektoren (in Mrd. US$, Anteile und Veränderungen in %)

Sektor

Umsatz  2014

Umsatz

2015

Veränderung 2015/2014

Anteil

 2015

Green Contracting

insgesamt

48,71

52,58

8,0

100,0

Gewerbliche Bürogebäude

13,33

13,56

1,7

25,8

Mehrfamilienhäuser

6,37

8,54

33,9

16,2

Gebäude für Bildung und Erziehung

7,79

7,62

-2,2

14,5

Gesundheitseinrichtungen

7,16

6,32

-11,7

12,0

Öffentliche Bürogebäude

3,70

3,68

-0,7

7,0

Andere

10,35

12,87

24,3

24,5

Green Design insgesamt

5,21

5,37

3,1

100,0

Gewerbliche Bürogebäude

1,14

1,14

0,3

21,2

Gebäude für Bildung und Erziehung

0,76

0,76

0,0

14,1

Gesundheitseinrichtungen

0,62

0,59

-4,2

11,1

Öffentliche Bürogebäude

0,47

0,45

-3,9

8,5

Andere

2,22

2,43

10,3

45,4

Quelle: ENR, The Green Sourcebook, Aug. 2016

Regional betrachtet können die Marktbedingungen und Absatzchancen für deutsche Energieeffizienztechnik sehr unterschiedlich sein. Dabei ist nicht nur der regulatorische Rahmen ausschlaggebend, sondern auch die örtlichen klimatischen Verhältnisse. Viele deutsche Branchenprodukte kommen vor allem dort zum Einsatz, wo das Klima dem in Mitteleuropa ähnelt.

Text: Martin Wiekert

17.11.2016

USA: Gesetzliche Grundlagen

Die USA sind Mitglied diverser internationaler Abkommen, unter anderem des Pariser Klimaabkommens und der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. 

Energieeffizientes Bauen (Green Building) und nachhaltige Entwicklung im Bausektor werden in den USA durch Bestimmungen auf Bundesebene und Ebene der Einzelstaaten sowie Kommunen geregelt. Auf Bundesebene müssen nach dem sogenannten Energy Policy and Conservation Act (EPCA - 42 U.S.C. 77) bestimmte energieeffiziente Standards hinsichtlich der Heizungs-, Be- und Entlüftungs- sowie Klimaanlagen beachtet werden. Die einzelnen Standards sowie weitere Informationen stellt der Berufsverband der Ingenieure für Heizungs-, Kühlungs-, Lüftungs- und Klimaanlagenbau (American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers - ASHRAEA) auf seiner Homepage bereit. Weitere Regelungen finden sich zudem im Energy Policy Act (42 U.S.C. 149) und im Energy Independence and Security Act (42 U.S.C. 152).

Darüber hinaus haben einige US-Bundesstaaten und Gemeinden Vorschriften erlassen, wonach bei der Errichtung von Gebäuden energieeffiziente Standards eingehalten werden müssen. So hat etwa der Bundesstaat Kalifornien den sogenannten California Green Building Standards Code (CAL Green Code) verabschiedet, der entsprechende Standards sowohl bei der Errichtung von Wohngebäuden als auch von Gebäuden, die zu kommerziellen Zwecken genutzt werden, vorschreibt. Auf kommunaler Ebene sind ebenfalls Bauvorschriften zu beachten, deren Standards teilweise über die vom EPCA festgelegten Standards hinausgehen und zudem bestimmte Zertifizierungen vorsehen.

Die von den Bundesstaaten und Kommunen eingeführten Standards orientieren sich am sogenannten Leadership in Energy and Environmental Design (LEED-System) des U.S. Green Building Council (USGBC). Das LEED-System ist das in den USA anerkannte Standardregelwerk für die Errichtung von energieeffizienten Gebäuden. Zudem ist eine LEED-Zertifizierung möglich. Weitere Informationen sind auf der Homepage der USGBC erhältlich. Daneben gibt es als weiteres wichtiges Zertifizierungsprogramm den Energy Star der U.S. Environmental Protection Agency (EPA).

Interessant sind auch die vielfältigen Investitionsanreize, die auf nationaler, bundesstaatlicher und lokaler Ebene gewährt werden. Ein Beispiel dafür sind die Bundessteuergutschriften für den Einbau von energieeffizienten Gebäudeausstattungen. Informationen sind bei der Database for State Incentives for Renewables and Efficiency erhältlich.


Text: Corinna Päffgen

17.11.2016

USA: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen 
U.S. Department of Energy (DOE)www.energy.gov
U.S. Energy Information Administration (EIA) (Daten zur US-Energiewirtschaft)www.eia.gov
U.S. Environmental Protection Agency (EPA)www.epa.gov
Programm „Energy Star“ der U.S. Environmental Protection Agencywww.energystar.gov
Informationen der U.S. Environmental Protection Agency zum Clean Power Planwww.epa.gov/cleanpowerplan/clean-power-plan-existing-power-plants
Database for State Incentives for Renewables and Efficiency (DSIRE)www.dsireusa.org
U.S. Department of Housing and Urban Developmentwww.hud.gov
U.S. Census Bureau (Daten zur US-Bauwirtschaft)www.census.gov/econ/construction.html
American Council for an Energy-Efficient Economy (ACEEE)http://aceee.org
U.S. Green Building Councilwww.usgbc.org
Associated Builders and Contractors, Inc. (ABC)www.abc.org
National Association of Home Builders (NAHB)www.nahb.org
National Association of Realtors (NAR)www.realtor.org
American Society of Heating, Refrigerating, and Air-Conditioning Engineers (ASHRAE)www.ashrae.org
Air-Conditioning, Heating, and Refrigeration Institute (AHRI)www.ahrinet.org
Solar Energy Industries Association(SEIA)www.seia.org
Greenbuild International Conference and Expohttps://greenbuildexpo.com
International Air-Conditioning, Heating and Refrigerating Exposition (AHR Expo) (nächster Termin im Januar 2017 in Las Vegas)www.ahrexpo.com
Heating, Air-Conditioning & Refrigeration Distributors International (HARDI)www.hardinet.org

Intersolar North America 

(nächster Termin im Juli 2017 in Orlando)

www.intersolar.us

Solar Power International

(nächster Termin im September 2016 in Las Vegas)

www.solarpowerinternational.com

NAHB International Builders’ Show

(nächster Termin im Januar 2017 in Orlando)

www.buildersshow.com

Deutsch-Amerikanische Handelskammern (AHK USA)

(Anlaufstellen für deutsche Unternehmen in den USA)

www.ahk-usa.com
Der Delegierte der Deutschen Wirtschaft/ Representative of German Industry and Trade - RGITwww.rgit-usa.com

 

Text: Martin Wiekert

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