Ausgangssituation Gebäudebau

Ländervergleich Ausgangssituation Gebäudebau

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17.11.2016

Ausgangssituation im Gebäudebereich in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Der Gebäudebestand in den Emiraten ist relativ jung. Ältere Gebäude werden tendenziell eher abgerissen als saniert. In Abu Dhabi entschied beispielsweise die Stadtverwaltung Ende 2015 mehr als 390 Wohn- und Gewerbegebäude, die älter als 25 Jahre waren, aus Sicherheitsgründen abzureißen.

In Dubai gibt es dem EGBC zufolge derzeit rund 120.000 Gebäude. Mehrheitlich (nach Fläche) dürften diese in den letzten zwanzig Jahren entstanden sein. Anders als Abu Dhabi setzt Dubai stärker auf die Renovierung von Gebäuden. Über 30.000 öffentliche Gebäude wurden bereits ausgewählt, die im Rahmen des Retrofitting Programms der DIES bis 2030 größerer Sanierungen bedürfen und deren Energieeffizienz um 10 bis 40% (je nach Alter und Design) verbessert werden soll.

Den Büroflächenbestand in Abu Dhabi schätzt der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle (JLL) Ende 2015 auf 3,5 Mio. m2 GLA (gross leasable area) und im Jahresverlauf 2016 sollen 145.000 m2 GLA hinzu kommen. Im Wohnungsmarkt sollen etwa 4.000 Wohnungseinheiten fertig gestellt werden und den Bestand bis Ende 2016 auf 246.000 erhöhen. Der Immobilienmarkt entwickelt sich wegen des Ölpreisverfalls derzeit vergleichsweise schwach. In Dubai erwartet JLL ein Plus der Bürofläche um 257.000 m2 GLA auf 8,5 Mio. m2 bis Jahresfrist 2016. Gleichzeitig sollen 23.000 Wohneinheiten hinzukommen und den Bestand auf 462.000 erhöhen.

Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten

Eine bessere Energieeffizienz könnte bis zu 20% des Energieverbrauchs eines Gebäudes einsparen, schätzt der EGBC. Die bestehenden Gebäude in den VAE würden derzeit jährlich zwischen 220 und 360 kWh/m2 verbrauchen. Der Richtwert für Neubauten beläuft sich auf 160 bis 260 kWh/m2 und viele Gebäude werden saniert, um ebenfalls diesen Standard zu erfüllen. Die energieeffizientesten Gebäude in den Emiraten hätten einen Verbrauch von 110 bis 160 kWh/m2.


Energetische Anforderungen im Neubau

Gebäude, Bauteil

Aktuelle Vorgabe

Best Practice

Gebäude

160-260 kWh/m2

110-160 kWh/m2

Undurchsichtige Wand

0,57 W/m2 K

0,2-0,3 E/m2 K

Dach

0,3 W/m2 K

0,15-0,2 W/m2 K

Fenster

2,1 W/m2 K

1,4-1,6 W/m2 K

Luftdichtigkeit

10 m3/h/m2 bei 50 Pa

5 m3/h/m2 bei 50 Pa

Quelle: Emirates Green Building Council; Okt. 2015


Ziel sei es jedoch, langfristig einen Energiebedarf von Gebäuden von nahezu Null zu erzielen, was unter den lokalen Gegebenheiten laut EGBC etwa 40 bis 60 kWh/m2 im Jahr entspräche und mit den vorhandenen Technologien umzusetzen sei. Einen Zeithorizont oder konkrete Pläne für die Umsetzung gibt es nicht.

Die Entwicklung eines Cleantech-Sektors in den VAE wird stark von der Implementierung verpflichtender, strikterer Maßnahmen abhängen. Viel getan hat sich beispielsweise im VAE Beleuchtungsmarkt. LED-Lampen ersetzen zügig konventionelle Glühbirnen, da diese seit 2015 im Handel nicht mehr angeboten werden dürfen. Energieeffiziente Technologien hatten im Beleuchtungsmarkt 2014 einen Anteil von nur 20%.

Auf der Internetseite des EGBC sind Richtlinien für energieeffizientes Bauen auf föderalen Ebene und der einzelnen Emirate einsehbar.


Text: Katrin Pasvantis

17.11.2016

Baugewerbe in den USA noch immer unter Normalniveau

Ausgangssituation im Gebäudebereich

Nach Angaben des U.S. Census gibt es im Land knapp 133 Mio. „Housing Units“. Davon sind rund 91 Mio. Einfamilienhäuser, circa 8,6 Mio. kleinere Fertighauseinheiten („manufactured“ oder „mobile homes“) und etwa 33 Mio. Mehrfamilienhauswohnungen. Derzeit werden im Jahr rund 1 Mio. Wohneinheiten neu fertiggestellt. Rund 15% des bewohnten Bestands sind nach der Jahrtausendwende errichtet worden.


Altersstruktur der Gebäude (Anzahl in 1.000 Einheiten, Anteile in %)

Baujahr

Anzahl Wohneinheiten(Stand: 2014)

Anteil (in %)

Anzahl kommerzielle und öffentliche Gebäude (Stand: 2012)

Anteil (in %)

Insgesamt

132.832

100,0

5.557

100,0

vor 1920

8.720

6,6

362

6,5

1920 bis 1990

88.649

66,7

3.324

59,8

nach 1990

35.463

26,7

1.871

33,7

Quellen: U.S. Energy Information Administration (EIA), U.S. Census Bureau


In den letzten Jahren war es vor allem das boomende Mehrfamilienhaussegment, das den Wohnneubau in den USA vorantrieb. Experten machen hier jedoch inzwischen, vor allem in gehobenen Lagen der Metropolen, eine zunehmende Marktsättigung aus. Bei Einfamilienhäusern wird dagegen noch viel Luft nach oben gesehen. Grund ist die noch aus Zeiten der Finanzkrise bestehende aufgestaute Nachfrage, die sich in den nächsten Jahren weiter auflösen sollte. Auch nach einer vierjährigen Expansionsphase lagen die Bauausgaben im Wohnsektor 2015 erst bei etwa 70% ihres Vorkrisenniveaus. Die jährlichen US-Wohnbaustarts bewegen sich Fachleuten zufolge noch um rund 500.000 unter einer für die USA als „normal“ erachteten Größenordnung.


Prognosen zum Neubau und zur Modernisierung von Gebäuden in den USA bis 2018 (Wert der Bauausgaben in Mio. US$, Veränderungen in %) 1)

Jahr

Wohngebäude Neubau

Veränd. zum Vorjahr

Modernisierung Wohngebäude

Veränd. zum Vorjahr

Nichtwohngebäude Neubau 2)

Veränd. zum Vorjahr

2016

299.215

8

153.174

3

477.395

6

2017

314.550

5

157.882

3

503.570

5

2018

325.632

4

161.439

2

526.830

5

1) Prognosen; 2) Angaben zu Modernisierungen im Nichtwohnsektor waren nicht verfügbar
Quelle: FMI's Construction Outlook, Second Quarter Report 2016


Das Wachstumstempo im Nichtwohnhochbau hat 2015 erstmals seit Jahren wieder dasjenige im Wohnsektor übertroffen. Verantwortlich waren dafür besonders kommerziell genutzte Gebäude, bei denen den Energieeffizienzeigenschaften ebenso wie bei öffentlichen Objekten ein vergleichsweise hoher Stellenwert eingeräumt wird. Im Wohnbau, der in den USA zu über 98% durch private Investoren finanziert wird, ist das Interesse für energetische Sanierungen und Energieeffizienzinvestitionen noch deutlich weniger ausgeprägt.

Standards für den energieeffizienten Gebäudebau

Eine maßgebliche Rolle bei der Verbesserung der Energieeffizienz im US-Gebäudesektor spielen energiebezogene Baustandards („Building Codes“). Diese beinhalten im Regelfall auch Mindestanforderungen für die Energieeffizienz neuer und substanziell renovierter Gebäude. Für die Festlegung dieser Standards sind hautsächlich die US-Bundesstaaten, zum Teil aber auch lokale Verwaltungen zuständig. Nationale Vorgaben gibt es außer bei Bundesgebäuden und mobilen Wohneinheiten nicht.

Die US-Bundesregierung partizipiert an der Entwicklung der Building Codes, indem sie die Verbreitung und Aktualisierung von Modellstandards unterstützt. Viele Bundesstaaten und Kommunen übernehmen diese früher oder später in ihr Baurecht, andere legen jedoch davon abweichende Bestimmungen fest. Die meisten lokalen Regelungen orientieren sich an den Standards des International Energy Conservation Code (IECC) und an dem Commercial Building Energy Code 90.1 der American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers (ASHRAE). Ausführliche Infos zum Thema finden sich beim Building Energy Codes Program des DOE.

Die örtlichen Building Codes beziehen sich auf relevante Gebäudebestandteile wie etwa die Gebäudeaußenhülle, Böden oder auch das Heiz- und Kühlsystem. Davon zu unterscheiden sind US-weit geltende Energieeffizienzstandards für Haustechnik und -geräte („Appliance and Equipment Standards“), die vom DOE festgelegt werden. Überschneidungen von Building Codes und Haustechnikstandards sind in manchen Bereichen möglich.

Vielzahl von Produktnormen

Bei den Vorgaben für Haustechnik hat sich die Obama-Regierung während ihrer Amtszeit sehr ambitioniert gezeigt. Die Palette der über 60 Produktnormen - von der Heiz- und Klimatechnik über Beleuchtungen bis hin zu den verschiedensten Hausgeräten - wurde vom DOE kontinuierlich aktualisiert und erweitert.

Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Gebäudeeffizienz haben in den USA auch freiwillige Zertifizierungssysteme für „grünes“ und/oder energieeffizientes Bauen. Zu nennen sind hier insbesondere das vom U.S. Green Building Council organisierte System des Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) und das Energy-Star-Programm der EPA.


Text: Martin Wiekert

17.11.2016

Bei Energieeffizienz im Gebäudebau gilt Thailand als Wachstumsmarkt

Thailands Bauwirtschaft verzeichnete 2015 nach zwei schwachen Jahren ein stolzes Wachstum um knapp 16% mit einem Produktionswert von 11,4 Mrd. US$, wie der National Social and Economic Development Board berichtete. Dies entsprach einem Beitrag von 3,0% zum Bruttoinlandsprodukt. Der Immobiliensektor verbuchte laut der Bank of Thailand Transaktionen über 32,2 Mrd. $, stark konzentriert auf die Metropole Bangkok und Umgebung mit einem Anteil von 62%.

Dem Wohnungsmarkt im Großraum Bangkok prophezeit die Immobiliengesellschaft CBRE 2016 einen „Stresstest“, insofern zahlreiche Kondominiumprojekte mit insgesamt 61.000 neuen Wohneinheiten nach Verzögerung auf den Markt kommen. Längerfristig über die nächsten drei bis fünf Jahre soll das Neuangebot kontinuierlich in der Größenordnung von 50.000 bis 60.000 Einheiten weiterwachsen.

Bangkoks Büromarkt wuchs im ersten Quartal 2016 laut CBRE um 0,2% beziehungsweise 13.540 qm auf insgesamt 8,5 Mio. qm. Der Einzelhandel verfügte über eine etwas geringere Gesamtfläche von 7,2 Mio. qm, verzeichnete dafür aber das stärkere Wachstum um immerhin 7,0% auf Jahresbasis. Der Hotelbestand soll sich von aktuell 42.000 Zimmern bis 2020 auf 50.000 Zimmer hochschrauben, der Großteil in der First Class-Kategorie.


Anforderungen an den EEDP zur durchschnittlichen Energieersparnis (in ktoe pro Jahr)

Sektor

in fünf Jahren

in 20 Jahren

Transport

1.300

6.400

Industrie

1.120

5.500

Große Geschäftsgebäude

220

1.100

Kleine Geschäftsgebäude und Wohnungen

320

1.500

Gesamt

2.960

14.500

Quelle: Ministry of Energy


Text: Waldemar Duscha

17.11.2016

Britischer Gebäudebestand bietet großes Potenzial für Energieeffizienzsanierungen

Wenn es um den Gebäudebestand geht, ist das Vereinigte Königreich ein Land der Extreme. Einerseits entstehen in den großen Städten und ganz besonders in London ständig neue hochmoderne Bürotürme nach dem allerneuesten Stand der Technik.

Doch andererseits ist der Großteil des britischen Wohnungsbestandes immer noch mit einfach verglasten Fenstern ausgerüstet. In einer normalen Londoner Wohnung zieht es in der kalten Jahreszeit durch sämtliche Fugen, Ritzen und Fenster. Genauso übrigens auch in einigen Gebäuden der Königsfamilie, wie dem Buckingham Palace oder dem Kensington Palace.

Der hohe Altbaubestand mag für deutsche Beobachter auf den ersten Blick ein ganz gewaltiges Potenzial an Energieeinsparmöglichkeiten darstellen. Nicht wenige Briten möchten jedoch schon allein aus ästhetischen Gründen an ihren einfachverglasten Holzfenstern festhalten, anstatt sie durch moderne, energiesparende Kunststofflösungen zu ersetzen.

Deutsche Firmen sollten ästhetische Vorlieben der Briten berücksichtigen

Deutsche Firmen und Handwerksbetriebe sollten britische Kunden also nicht nur von dem finanziellen und dem praktischen (klimafreundlichen) Nutzen von Energieeffizienzmaßnahmen überzeugen. Sie sollten  vor allem auch die Liebe der Briten zu ihren alten Gebäuden sowie den etwas anderen Geschmack bezüglich der Optik berücksichtigen. Wer den britischen Baubestand und insbesondere die typischen Fenstertypen kennt, weiß, dass dies zwar einfach klingt, aber in der Praxis nicht immer leicht umzusetzen ist.


Altersstruktur britischer Wohnungen (Anteil in %)

Baujahr

Anteil 2012

Baujahr vor 1919

20

Baujahr 1919 bis 1990

66

Baujahr nach 1990

14

Quelle: Department for Communities and Local Government


Bei denkmalgeschützten Häusern ist die Herausforderung besonders hoch. Die extrem strengen britischen Denkmalschutzauflagen sehen vor, dass die ursprünglich verwendeten Materialen wieder eingesetzt werden, auch original Pferdehaar und echter angerührter Knochenleim. Zu ersetzende Fenster von denkmalgeschützten Häusern müssen ebenso wieder einfach verglast werden. Hier liegt die Priorität also eindeutig beim Denkmal- und nicht beim Klimaschutz.

Doch auch wenn britische Haus- und Wohnungseigentümer zum Teil bewusst an ihren Einfachverglasungen festhalten, gelten die Briten insgesamt gesehen als äußerst aufgeschlossen gegenüber neuen Entwicklungen. An britischen Universitäten wird zum Thema Energieeffizienz geforscht, derzeit beispielsweise an der Newcastle University zum Thema „smart bricks“.


Bauwirtschaft Vereinigtes Königreich: Entwicklung und Prognosen (reales Wachstum gegenüber Vorjahr in %)

 

2015

2016

2017

Bauwirtschaft insgesamt

4,2

0,4

-0,6

Wohnungsbau

3,2

1,2

-2,0

Privater Wohnungsbau

8,3

3,0

-2,0

Öffentlicher Wohnungsbau

-16,9

-8,0

-2,0

Industriebau

10,6

-5,3

-4,5

Geschäftsbau (Büros, Handel  etc.)

1,3

1,8

-2,8

Quelle: Construction Products Association (CPA); Stand: 7.9.16


Bauwirtschaft in Großbritannien (Auftragswert in Mio. £; nominale Veränderung in %) 1)

 

2015

2. Quartal 2016

Veränderung 2. Quartal 2016 / 2. Quartal 2015

Bauaufträge insgesamt (inklusive Reparaturen und Instandhaltung)

144.769

37.362

3,2

Neubauprojekte insgesamt

93.910

24.722

3,9

Öffentlicher Wohnungsbau

4.892

1.152

-15,2

Privater Wohnungsbau

26.312

7.769

12,2

Infrastrukturbau

20.501

4.800

-7,0

sonstiger öffentlicher Bau 2)

10.527

2.725

5,8

Industriebau

4.735

1.178

2,3

Geschäftsbau

26.942

7.098

7,1

Reparatur und Instandhaltung

50.860

12.640

2,0

1) Baudaten für Großbritannien (Vereinigtes Königreich ohne Nordirland); zu laufenden Preisen; 2) ohne Infrastrukturbau
Quelle: Office for National Statistics (ONS); Jahresdurchschnittskurs der Bank of England 2015: 1 £ = 1,3782 Euro


Sämtliche Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten werden in den Building Regulations erläutert (siehe Abschnitt „Gesetzliche Grundlagen“). Detaillierte Informationen zu den energetischen Anforderungen für Neubauten (U-values) befinden sich in dem „approved Document L1A“, Seite 15, Link siehe ebenfalls Abschnitt „Gesetzliche Grundlagen“.


Text: Annika Pattberg

17.11.2016

Dynamik bei Bau von Wohnungen, Hotels, Lagerhallen und Industrieanlagen in Polen

Etwa jedes fünfte der über 6 Mio. Wohngebäude in Polen entstand nach der Wende. Innerhalb des Jahres 2015 wurden laut dem Statistischen Hauptamt (GUS) knapp 77.000 Immobilien gebaut, 5% mehr als im Vorjahr. Bei 93% der Investitionen handelte es sich um Einfamilienhäuser. Über 57% der knapp 884.000 erbauten Wohneinheiten wurden von Privatpersonen realisiert, knapp 40% waren für den Verkauf oder die Vermietung vorgesehen.

Baugenehmigungen steigen um 14%

Die gute Konjunktur hielt auch im 1. Halbjahr 2016 an: Die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 14% auf 98.100 Wohneinheiten. Die Anzahl der fertiggestellten Immobilien legte um über einen Prozentpunkt zu. Zur Mitte des Jahres befanden sich 733.200 Wohngebäude im Bau.


Altersstruktur der Wohngebäude (Stand: 2011; Anteile in %)

Baujahr

Wohngebäude *)

Wohneinheiten *)

vor 1918

7,3

9,0

1918 bis 1988

64,6

67,9

nach 1988

21,6

19,5

*) von 6,5% der Gebäude und 3,6% der Wohneinheiten konnte kein Baujahr ermittelt werden oder sie befanden sich im Bau
Quelle. Statistisches Hauptamt


Sehr erfolgreich entwickelten sich 2015 Investitionen im Bereich des Industrie- und Lagerbaus. Die Anzahl der Gebäudefertigstellungen nahm gegenüber dem Vorjahr um 17% zu. Hotel- und Wohnheimbau legte um ein Viertel zu. Nahezu um den gleichen Faktor auf 825 Einheiten ging hingegen die Anzahl fertiggestellter öffentlicher Nutzbauten zurück. Mit 3.399 Gebäuden für Einzelhandel und Dienstleistungen wurde das Vorjahresergebnis um knapp 6% unterboten. Auf dem Niveau des Vorjahres entwickelte sich der Bau neuer Bürohäuser.


Neubau von Gebäuden

Jahr

2013

2014

2015

Gebäude insgesamt, darunter

99.606

96.345

100.492

Einfamilienhäuser

73.663

68.880

71.558

Mehrfamilienhäuser

3.852

4.137

5.044

Hotels, Herbergen

1.051

1.075

1.342

Bürohäuser

593

650

649

Einzelhandels-, Dienstleistungsgebäude

3.237

3.606

3.399

Gebäude für Transport und Fernmeldewesen

6.926

6.470

6.544

Industrie-, Lagerbauten

3.250

3.085

3.611

Öffentliche Bauten

920

1.065

825

Sonstige nicht bewohnbare Gebäude

6.054

7.322

7.459

Quelle: GUS


Im 2. Quartal 2016 befanden sich laut der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle knapp 1,5 Mio. qm Büroflächen im Bau, etwa 45% davon in der Hauptstadt Warschau. Die Hotelmarktexperten von STR Global sehen in Polen nach der Anzahl geplanter oder sich in der Realisierung befindlicher Vorhaben den europaweit fünftgrößten Bauplatz für Markenhotels. Darunter befinden sich 23 neue Häuser, welche die Hotelgruppe Orbisbis 2018 eröffnen will. Die Hotelkette Starwood will 2019 einen weiteren Standort in Warschau eröffnen und gab im August grünes Licht für die Modernisierung des ehemaligen Hotels Bristol in der polnischen Winterhauptstadt Zakopane. Bereits 2017 sollen zwei neue Hilton-Hotels  in Lublin und Gdansk eröffnet werden.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten:

Maximaler Primärenergieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser, in kWh/qm im Jahr

Gebäudeart

Ab 1.1.2014

Ab 1.1.2017

Ab 1.1.2021

Einfamilienhaus

120

95

70

Mehrfamilienhaus

110

90

70

Hotels, Wohnheime

110

90

70

Gesundheitseinrichtungen

390

290

190

Andere öffentliche Gebäude

80

70

60

Wirtschafts-, Lager- u. Produktionsbauten

110

90

70

Quelle: Landesplan für die Steigerung der Anzahl von Gebäuden mit niedrigem Energiebedarf (im Originallaut)


Schwächephase im Einzelhandel

Weniger erfreulich sind die kurzfristigen Perspektiven in den übrigen Hochbaubereichen. Nach einem Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen um knapp 6% im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr, brachte das 1. Quartal 2016 einen Rückgang von fast 9%. Bauaktivitäten sanken sogar um über 10%. Angespannt ist ebenfalls die Lage im Einzelhandel. Er profitiert zwar von den neu eingeführten Sozialleistungen für Kinder, muss gleichzeitig aber steigende Kosten durch neue sektorale Steuern stemmen. Die Anzahl von Verkaufsläden sinkt in Polen zudem alljährlich im mittleren vierstelligen Bereich. Die sich weiterhin verzögernde Vergabe von EU-Mitteln aus der EU-Förderperiode 2014-2020 hemmt derweil Bauvorhaben im öffentlichen Sektor und im Transportbereich.


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau (in Umax)

Bauteil

Ab 1.1.2014

Ab 1.1.2017

Ab 1.1.2021*)

Außenwand (t>16̊C)

0,25

0,23

0,20

Dach (t>16̊C)

0,20

0,18

0,15

Bodenplatte (t>16̊C)

0,30

0,30

0,30

Fenster (t>16̊C)

1,3

1,1

0,9

Dachfenster (t>16̊C)

1,5

1,3

1,1

Türen und Tore

1,7

1,5

1,3

U = Wärmedämmungskoeffizient
*) gelten für öffentliche Einrichtungen ab 2019
Quelle: Landesplan für die Steigerung der Anzahl von Gebäuden mit niedrigem Energiebedarf


Von der Verzögerung wird auch der Tiefbau beeinträchtigt, was sichtbare Spuren auf der Bilanz der gesamten Baubranche hinterlässt: In den ersten sieben Monaten 2016 sank die Bauleistung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 14%. Im Gesamtjahr 2015 wurden Bauinvestitionen im Wert von 88,6 Mrd. Zloty (Zl; etwa 21,2 Mrd. Euro; 1 Euro = 4,1841 Zl; Jahresdurchschnittskurs 2015) durchgeführt. Der Hochbaubereich strich die Hälfte dieser Summe ein, der Wohnungsbau alleine 12 Mrd. Zl. Auf mehr als das Doppelte beliefen sich die Kosten der durchgeführten Renovierungen.


Text: Michal Wozniak

17.11.2016

Energetische Sanierung in der Schweiz kaum verbreitet

Ende 2014 bestand der Schweizer Gebäudepark aus rund 1,7 Mio. Gebäuden, die ganz oder teilweise zu Wohnzwecken genutzt wurden. Dies entspricht einer Zunahme von 16% gegenüber der Volkszählung von 2000 und einem Plus von 3% gegenüber 2010. Etwas mehr als 57% dieser Gebäude sind Einfamilienhäuser.


Altersstruktur der Gebäude (Ende 2014, Anteile in %)

Baujahr

Wohngebäude

Öffentliche Gebäude

vor 1919

19,8

k.A.

1919 bis 1990

56,5

k.A.

nach 1990

23,6

k.A

Quelle. BfS - Bundesamt für Statistik


Im Jahr 2015 lag die energetische Sanierungsquote von Wohngebäuden bei lediglich 0,9%. Für viele Hauseigentümer ist Energieeffizienz kein Renovierungsanlass und wird oft gar nicht berücksichtigt.

Trotz Abkühlung 2016 bleibt Wohnbauaktivität auf hohem Niveau

Im Wohnungsbau ist laut dem Institut Bakbasel 2016 mit einem Rückgang zu rechnen. Dies war bereits 2015 der Fall. Die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative (Begrenzung des Neubaus in Tourismusregionen) bremsen den Wohnungsneubau im Alpenraum massiv, aber auch in den anderen Schweizer Regionen ist nach dem Wohnbauboom der letzten Jahre sowohl im Neubau- als auch im Umbausegment kurzfristig von einer Abkühlung auszugehen. Dabei dürfte das Minus im Einfamilienhausbau stärker als im Mehrfamilienhausbau ausfallen. Trotz eines deutlichen Rückgangs bleibt die Wohnbautätigkeit im historischen Vergleich auf hohem Niveau.


Wohnbauprognosen: Wohnbauaufwendungen und fertiggestellte Wohnungen

 

2015

Veränd. 1)

2016

Veränd. 1)

2017

Veränd. 1)

Einfamilienhäuser

 

 

 

 

 

 

.in Mio. sfr 2)

7.684

-6,6

7.370

-4,1

7.366

0,0

.Wohneinheiten

7.249

-5,7

6.873

-5,2

6.801

-1,0

Mehrfamilienhäuser

 

 

 

 

 

 

.in Mio. sfr 2)

24.038

-2,3

23.824

-1,1

24.088

1,1

.Wohnungen

42.436

2,3

40.221

-5,2

39.078

-2,8

Insgesamt

 

 

 

 

 

 

.in Mio. sfr 2)

31.767

-3,3

31.194

-1,8

31.454

0,8

.Wohnungen

49.685

1,0

47.094

-5,2

45.879

-2,6

1) reale Veränderung zum Vorjahr in Prozent, 2) Preise von 2013, einschließlich Unterhaltsarbeiten
Quelle: Bakbasel, "Hochbauprognose 2015-2021"


Laut Verfassung sind für den Energieverbrauch in Gebäuden die Kantone zuständig. Bund und Kantone verfolgen indes eine abgestimmte Strategie für die Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energie. Die Kantone haben sich auf die sogenannten MuKEn (Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich) verständigt, die jeder Kanton eigenständig in verbindliches kantonales Recht überführen muss. Konkret werden in den MuKEn folgende Ziele verfolgt:

  • Neue Gebäude versorgen sich ab 2020 ganzjährig möglichst selbst mit Wärme aus erneuerbaren Quellen und teilweise mit eigenproduziertem Strom.
  • Die Quote an energetischen Sanierungen im bestehenden Gebäudepark wird durch mehr Förderung deutlich erhöht.
  • Widerstandsheizungen und Elektroboiler kommen nicht mehr zum Einsatz.
  • Gebäudetechnische Anlagen werden energieeffizient betrieben.
  • Für öffentliche Gebäude gilt: Die Wärmeversorgung wird bis 2050 zu 100% ohne fossile Brennstoffe ausgestaltet. Der Stromverbrauch wird bis 2030 durch Betriebsoptimierungen und Erneuerungsmaßnahmen um 20% gesenkt oder mit bei staatlichen Bauten neu zugebauten erneuerbaren Energien gedeckt.

Das erste Maßnahmenpaket des Bundes, das noch Ende 2016 Gesetzeskraft erhalten soll, sieht folgende Maßnahmen vor: Erhöhung der CO2-Abgabe und Verstärkung des Gebäudeprogramms, um die Sanierungsrate anzuheben; verbesserte steuerliche Absetzbarkeit. Parallel dazu sollen die Kantone mit einer Revision der MuKEn die verbindlichen Vorgaben für Neubauten verschärfen.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten
(Maximaler Primärenergieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser, in kWh/qm/Jahr)

Gebäudeart

kWh/qm/Jahr

Wohngebäude (EFH, MFH)

35

Verwaltung, Büro

40

Schulen

35

Krankenhäuser

70

Restaurants

45

Industrie: Wirtschafts-, Lager- u. Produktionsgebäude

20

Quelle: MuKEn 2014


Energetische Anforderungen an Bauteile in Neubauten

Bauteil

U (max) für Bauteile gegen das Außenklima oder weniger als 2 m im Erdreich

U (max) für Bauteile gegen unbeheizte Räume oder mehr als 2 m im Erdreich

Opake Bauteile: Außenwand, Dach, Bodenplatte

0,17

0,25

Fenster

1,0

1,3

Tür

1,2

1,5

Tor

1,7

2,0

Storen-, Rolladenkasten

0,5

0,5

U - Wärmedämmungskoeffizient = W/(m²K)
Quelle: MuKEn 2014


"Minergie"-Label als Basisstandard für Energieeffizienz im Gebäudebau

Rechtlich verbindlich sind für Schweizer Bauherren allein diese MuKEn, auf die sich die 26 Kantone verständigt haben. In der Schweiz ist Energieeffizienz allerdings fast gleichzusetzten mit "Minergie". Minergie ist in der Eidgenossenschaft das Maß aller Dinge - und das, obwohl sich Minergie nur auf den Gebäudebau bezieht und zudem lediglich ein freiwilliger Baustandard ist. Minergie ist zugleich Name der Organisation, die das Label vermarktet und Basisstandard, der weitgehend den gesetzlichen Anforderungen der Kantone entspricht.


Minergie-Standards im Vergleich

 

Minergie

Minergie-P

Minergie-A

Anforderung an den Heizwärmebedarf, also die Qualität der Gebäudehülle

90% der gesetzlichen Anforderung

60% der gesetzlichen Anforderung

90% der gesetzlichen Anforderung

Dichtigkeit der Gebäudehülle (n50)

Keine Vorgabe

Luftwechsel unter 0,6/h

Luftwechsel unter 0,6/h

Außenluftzufuhr

Kontrollierbar

Kontrollierbar

Kontrollierbar

Grenzwert für Raumheizung und Wassererwärmung, in kWh/qm/Jahr

38

30

0

Quelle: Minergie


Minergie-A ist eine präzise definierte Form des Null- oder Plusenergiehauses. Der Standard ist nur mit Einsatz erneuerbarer Energien erreichbar. Hohe Dämmwerte sind nicht mit jedem Konzept notwendig. Minergie-P ist eine Niedrigenergiebauweise, die eine sehr gute Gebäudehülle voraussetzt. Aufgrund des geringen Wärmebedarfs kommt der Standard dem von der EU proklamierten Nearly Zero Energy Building sehr nahe. Der Zusatz ECO bezeichnet Minergie-Gebäude, bei denen auch bauökologische und gesundheitliche Aspekte berücksichtigt sind. Damit bietet Minergie sowohl Standards für die technologische Avantgarde wie auch für die breite Marktdurchdringung.


Text: Axel Simer

17.11.2016

Großteil der tschechischen Wohngebäude muss energetisch saniert werden

Laut Aktionsplan für Energieeffizienz gibt es in Tschechien 1,77 Mio. Wohnhäuser, davon rund 1,5 Mio. Eigenheime und 211.000 Mehrfamilienhäuser. Das Regionalministerium schätzt das Durchschnittsalter der Mehrfamilienhäuser auf rund 52 Jahre, der Einfamilienhäuser auf 49 Jahre. Damit ist der Gebäudebestand etwas älter als im EU-Durchschnitt.

Drei Viertel aller Wohngebäude wurden vor 1990 gebaut, als Energieeffizienz nur eine untergeordnete Rolle spielte. Bis 2014 sollen 25% der Eigenheime und 40% der Mehrfamilienhäuser energetisch saniert worden sein. Allerdings bezog sich das in der Regel nur auf die Wärmedämmung der Fassade und den Austausch der Fenster.


Altersstruktur der Gebäude (Anteile in %)

Baujahr

Wohngebäude (bewohnt)

Öffentliche Gebäude

bis 1919

13,0

k.A.

1920 bis 1990

62,5

k.A.

1991 bis 2011

22,5

k.A.

unbekannt

2,0

k.A.

Insgesamt (Anzahl)

1.772.909

600.567

Quellen: Tschechisches Statistikamt - Zensus 2011, Fachverband Sance pro budovy 2014


Im Nichtwohnungssektor ist die Datenlage schwieriger. Dem Aktionsplan für Energieeffizienz zufolge gibt es über 600.000 Gebäude im Land, die nicht als ständiger Wohnsitz genutzt werden. Dazu gehören etwa 280.000 Wochenend- und Ferienhäuser, 90.000 Garagen sowie mehr als 78.000 öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Sportstätten oder Forschungszentren. Die gesamte Gebäudefläche im Nichtwohnungssektor wird auf über 260 Mio. qm geschätzt, wovon etwa die Hälfte beheizt wird.

Wohnungsbau weit entfernt von früheren Volumina

Zu sozialistischen Zeiten wurden auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik jährlich bis zu 100.000 Wohnungen fertiggestellt. Dieses Niveau wird inzwischen bei weitem nicht mehr erreicht. Auf dem Höhepunkt des Wirtschaftsbooms nach dem EU-Beitritt wurden pro Jahr maximal rund 40.000 Wohneinheiten übergeben. Inzwischen liegt der Wert bei unter 25.000.


Vorgesehene Modernisierung und Neubau von Gebäuden (Anzahl und Wert der erteilten Baugenehmigungen in Mio. Euro) *)

Jahr

Neubau

Modernisierung

Wohngebäude

Nichtwohngebäude

Wohngebäude

 

Nichtwohngebäude

 

Anzahl

Wert

Anzahl

Wert

Anzahl

Wert

Anzahl

Wert

2014

11.929

2.009

6.180

1.345

16.198

777

11.347

1.276

2015

12.926

2.208

5.893

1.371

15.960

782

10.896

1.512

1. Hj. 2016

6.861

1.070

3.159

993

8.632

381

5.779

988

*) Wechselkurs 2014: 1 Euro = 27,533 Kc, 2015 = 27,283 Kc, 1. Halbjahr 2016 = 27,039 Kc
Quellen: Tschechisches Statistikamt, Tschechische Nationalbank


Seit 1.1.16 sollen alle neuen öffentlichen Gebäude mit mehr als 1.500 qm Fläche dem Standard eines Niedrigenergiehauses („Fast-Nullenergiehaus“) entsprechen. Der Großteil des Energiebedarfs soll aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Ab 2020 müssen alle neuen Gebäude Niedrigenergiestandards einhalten.


Zeitplan für die Verpflichtung, ausschließlich Niedrigenergiehäuser zu bauen *)

Gesamte energiebezogene Fläche des Gebäudes

Öffentliche Gebäude

Sonstige Gebäude

Mehr als 1.500 qm

1.1.16

1.1.18

Mehr als 350 qm

1.1.17

1.1.19

Weniger als 350 qm

1.1.18

1.1.20

*) definiert als „Gebäude mit fast Nullenergieverbrauch“, das heißt Gebäude mit sehr niedrigem Energieverbrauch, der zu einem großen Teil aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt wird
Quelle: Gesetz über die Energiewirtschaft 406/2000


Eine konkrete Definition des maximalen Energieverbrauchs in verschiedenen Gebäudetypen gibt es bislang nicht. Bei Neubauten von Wohngebäuden, Hotels oder Produktionsgebäuden findet die Verordnung 78/2013 über den Energieverbrauch von Gebäuden Anwendung. Sie legt fest, dass der Wärmekoeffizient neuer Gebäude höchstens 80% des Referenzwertes ähnlicher bestehender Gebäude betragen darf. Bei „Fast-Nullenergiehäusern“ liegt der Höchswert bei 70%.


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau (Stand 2016) *)

Bauteil

U (max) Anforderung

U Passivhaus empfohlen

Außenwand

0,30

0,18 – 0,12

Dach bis 45 Grad Neigung / über 45 Grad

0,24 / 0,30

0,15 – 0,10 / 0,18 – 0,12

Bodenplatte ohne Erdeinfluss / mit Erdeinfluss

0,45 / 0,85

0,22 – 0,15 /

0,45 – 0,30

Fenster im beheizten Raum

1,50

0,80 – 0,60

Dachfenster im beheizten Raum / im temperierten Raum

1,40 / 2,6

0,9 / 1,40

Türen und Tore im beheizten Raum

1,7

0,90

*) U = Wärmedurchgangskoeffizient (Watt pro qm und Kelvin; W/K qm), Reduktionskoeffizient des durchschnittlichen Wärmedurchgangskoeffizienten für Neubau 0,8 und für Gebäude mit fast Nullenergieverbrauch 0,7 des Referenzwertes
Quelle: Technische Norm CSN 73 0540-2:2011, Portal TZB-info


Die Regierung hat für ihre Strategie zur Sanierung des nationalen Gebäudebestandes das Einsparpotenzial durchrechnen lassen. So könnte bei einer durchschnittlichen energetischen Sanierung der Wohngebäude allein der Aufwand für Heizung um 45% gesenkt werden. Zusammen mit Warmwasseraufbereitung und Beleuchtung läge der Einspareffekt jährlich bei über 92 PJ. Bei einer Renovierung aller Wohngebäude nach Passivhausstandard könnte der Energieverbrauch sogar um 155 PJ sinken.
Die Investitionen dafür sind enorm. Wie der Fachverband Sance pro budovy im Auftrag der Regierung ermittelt hat, kostet allein die Standardmodernisierung der äußeren Hülle aller bislang nicht sanierten Wohngebäude 915 Mrd. Kc (34 Mrd. Euro). Weitere 218 Mrd. Kc (8 Mrd. Euro) müssen in Heizungs-, Lüftungs-, Mess- und Regeltechnik fließen. 

Außerhalb des Wohnungssektors gibt es ähnlich viel Potenzial. Die Gebäude des Dienstleistungssektors und der Landwirtschaft verbrauchen pro Jahr 124 PJ Energie. Davon entfallen 85% auf Wärmeerzeugung, 7% auf Beleuchtung und 6% auf die Warmwasseraufbereitung. Etwa 55 PJ Verbrauch könnten jährlich durch Investitionen in effizientere Gebäude eingespart werden. Sance pro budovy erwartet mindestens 400 Mrd. Kc (fast 15 Mrd. Euro) Investitionsaufwand.


Text: Gerit Schulze

17.11.2016

Hohes Sanierungspotenzial beim Alt-Wohnungsbestand in Spanien

Weitere Maßnahmen ergeben sich aus der langfristigen Strategie zur energetischen Rehabilitierung des Gebäudesektors. Diese wurde Artikel 4 der EU-Richtlinie folgend im Juni 2014 vorgelegt. Von der Erfüllung der Vorgaben her war sie die am besten bewertete von allen EU-Ländern, weil sie den Gebäudebestand und den Verbrauch detailliert darstellt und verschiedene Szenarien für Sanierungsoptionen vorstellt. Bemängelt wurde indes das Fehlen eines Zeitplans für die aufgeführten Maßnahmen. Ein Zielszenario ist darin nicht definiert.

Je nachdem, wie viel Finanzierung mobilisiert werden kann, ließen sich 2014 bis 2020 rund 360.000 Wohneinheiten (Basisszenario) sanieren oder bis zu 2,0 Mio. (Bestszenario). Die Spanne der Investitionen liegt zwischen 9,8 Mrd. Euro und 45,4 Mrd. Euro. Entsprechend reichen die möglichen kumulierten Einsparungen in dem Zeitraum von 1,0 Mio. t RÖE bis zu 5,1 Mio. t. RÖE. Bezogen auf den Endenergieverbrauchsdurchschnitt der Jahre 2010 bis 2012 entspräche dies Einsparungen von 7 bis 32%. Bei den Gebäuden des Dienstleistungssektors könnten je nach Szenario 1,6 Mio. t RÖE bis 2,0 Mio. t RÖE (16 und 20%) eingespart werden. Das hängt davon ab, ob an 7 oder 10% der circa 1,7 Mio. Gebäude energetische Sanierungen durchgeführt werden.

Während die Zukunft also mit Fragezeichen behaftet ist, steht die Gegenwart ziemlich genau fest. Von den 25,5 Mio. Wohneinheiten in Spanien im Jahr 2015 waren laut dem Ministerium für öffentliches Bauwesen rund 19,0 Mio. Hauptwohnungen und 6,6 Mio. Zweit- oder leerstehende Wohnungen. Und was für die Umsetzung einer Energieeffizienzpolitik nicht unwichtig ist: Mehr als drei Viertel der Hauptwohnungen sind Eigentum, nur 13,5% werden gemietet.


Altersstruktur der Immobilien laut Kataster (Anteile in %)

Baujahr

Wohnimmobilien

Nichtwohnimmobilien 1)

Insgesamt in Einheiten (100%)

23.142.267

11.894.635

vor 1920

7,2

5,1

1921 bis 1990

56,7

34,3

nach 1991 bis 2013

36,1

54,6

1) umfasst alle Nichtwohnimmobilien mit Ausnahme der öffentlichen Gebäude
Quelle: Ministerio de Fomento


Der Blick auf die Statistik der Gebäudegenehmigungen zeigt eine Berg- und Talfahrt, die auf dem Höhepunkt 2006 Neubaugenehmigungen für 737.186 Wohneinheiten erreichte; 2015 waren es, trotz erster Zuwächse, 36.065 - mithin 5% des Spitzenjahres. Es gibt immer noch einen nicht verkauften Bestand von 510.000 Wohnungen aus den Zeiten des Wildwuchses. Seit 2012 werden zwar pro Jahr mehr Gebäude saniert als neu gebaut, was aber mit dem Einbruch des Neubaus und der geringeren Schrumpfung der Renovierungsprojekte zu tun hat. Wirklich gezündet hat der Sanierungsmarkt trotz der in ihn gesetzten Hoffnungen und Programme noch nicht; 2015 wurden sogar weniger Projekte zur Gebäudesanierung genehmigt (-1,2%), als im Jahr zuvor.


Modernisierung und Neubau von Gebäuden nach Baugenehmigungen

Jahr

Wohngebäude Neubau

Nichtwohngebäude Neubau

Gebäudesanierung

2000

142.035

15.973

25.727

2006

208.631

21.413

35.856

2010

35.110

9.671

31.910

2014

15.009

7.585

26.136

2015

17.707

7.746

25.825

Quelle: Ministerio de Fomento


Der Technische Baukodex (Código Técnico de la Edificación CTE) wurde 2013 hinsichtlich der Energieeffizienzvorgaben verschärft und ist in dieser Modifizierung seit März 2014 verpflichtend. Er teilt Spanien in fünf Klimazonen A bis E. Bei Wohnneubauten geht der CTE von einem aus konventionellen Energien stammenden Basisprimärenergieendverbrauch aus (je nach Klimazone 40 kWh/qm und Jahr bis 70 kWh/qm und Jahr), der je nach Fläche korrigiert wird. Dies ergibt den maximalen Primärenergieverbrauch für Heizung Lüftung und Warmwasser.


Beispiele für Anforderungen an die Energieeffizienz von Wohnneubauten (Maximaler Primärenergieverbrauch in kWh/qm im Jahr) 1)

Nutzfläche

Zone A

Zone B

Zone C

Zone D

Zone E

100 qm

50

55

65

90

110

500 qm

42

47

53

66

78

1.000 qm

41

46

52

63

74

5.000 qm

40

45

50

60

71

1) Die Beispiele beziehen sich auf die Klimazeit Winter; der Indikator betrifft Heizung/Kühlung und sanitäres Warmwasser
Quelle: CTE, DB-HE "Energieeinsparung" aus September 2013


Beim Neubau von Nichtwohngebäuden (ausgenommen Industrie-, Verteidigungs-, Landwirtschaftsgebäude, die nicht Verwaltungszwecken dienen), wird als Minimum für den Indikator des Primärenergiekonsums aus konventionellen Quellen des Gebäudes eine Effizienzklasse B erwartet, wie sie sich aus dem Gesetz zur Energieeffizienzzertifizierung von Gebäuden RD 235/2013 vom 5. April ergibt. Der Indikator erfasst Heizung, Kühlung, sanitäres Warmwasser und Beleuchtung.

Das eigentliche Potenzial für Einsparungen birgt in Spanien der Bestand. Denn große Teile des Wohnungsbestands (18,5 Mio. Einheiten) stammen von vor 2002, aus einer Zeit also, als Energieeffizienz und Nachhaltigkeit weitgehend Fremdwörter waren. Hinsichtlich der Energienachfrage setzt der CTE neben den Neubauten (und Erweiterungen) bei bestehenden Gebäuden auch im Fall von Renovierungen Grenzen (ausgenommen Instandhaltungsarbeiten). Diese hängen von der Klimazone und dem Nutzungszweck ab. Sobald mehr als 25% der Gebäudehülle betroffen sind oder wenn es um Umbauten mit Zweckänderung geht, muss die neue Energienachfrage die eines Referenzgebäudes unterschreiten.


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau nach dem Wärmedämmungskoeffizient (U-Wert) nach Klimazonen (A-E) und Jahr des Technischen Baukodex 1)

Bauteil

A

B

C

D

E

 

2006

2013

2006

2013

2006

2013

2006

2013

2006

2013

Außenwand

1,22

0,94

1,07

0,82

0,95

0,73

0,86

0,66

0,74

0,57

Dach

0,65

0,50

0,59

0,45

0,53

0,41

0,49

0,38

0,46

0,35

Bodenplatte

0,69

0,53

0,68

0,52

0,65

0,50

0,64

0,49

0,62

0,48

Fenster 2)

5,70

5,70

5,70

5,70

4,40

4,40

3,50

3,50

3,10

3,10

Dachfenster 2)

0,29

0,29

0,30

0,30

0,32

0,32

0,28

0,28

0,36

0,36

Türen und Tore 2)

5,70

5,70

5,70

5,70

4,40

4,40

3,50

3,50

3,10

3,10

1) 2006: Technischer Baukodex RD 314/2006 vom 17. März, 2013: Modifizierter Baukodex durch Orden FOM 1635/2013 vom 13. September, in Kraft seit 13.3.14;
2) Der Wärmeleitkoeffizient von Löchern wird auf Basis der Norm UNE EN ISO 10077 berechnet in Funktion der Leitfähigkeit der Materialien (Schreinerprodukte, Profile, Gläser und Solareinwirkung).
Quelle: Ministerio de Fomento, CTE, DE-HE "Energieeinsparung”, September 2013.


Im Laufe 2017 steht die nächste Überarbeitung des Technischen Baukodex an.

Eine landesspezifische Definition praktisch klimaneutraler Gebäude (Edificios de Energía Casi Nula EECN), die ab 1.1.19 im öffentlichen Sektor und ab 1.1.21 bei allen Neubauten Pflicht sein werden, liegt in Spanien noch nicht vor. Sie wird im Laufe des Jahres 2017 erwartet, spätestens 2018. Die Akteure des Sektors wünschen sie sich lieber heute als morgen. Dies war aus der dritten Konferenz über EECN, die im Juli 2016 in Madrid stattfand, deutlich herauszuhören.


Text: Miriam Neubert

17.11.2016

Japan verschärft schrittweise die bislang niedrigen Standards

Japans Ansatz bei der Energieeffizienz im Bausektor war in der Vergangenheit stark auf aktive Komponenten fokussiert. Beispielsweise ging es hauptsächlich darum, den Energieverbrauch von Klimageräten einzudämmen. Erst langsam weitet sich das Spektrum auch auf passive Baumaßnahmen aus.

Energieeffizientes Bauen mit Dämmmaterialien kam bislang kaum zur Anwendung. Allerdings müssen in diesem Zusammenhang klimatische Unterschiede zur Erwähnung kommen: So gehört die Isolierung beispielsweise im nördlichen Tohoku oder in Hokkaido durchaus zum Standard. Diese Region ist separat von den Ballungsgebieten rund um den Großraum Tokio oder Osaka zu betrachten.

Erfolg setzt Ökostandards voraus

Die bisherige Entwicklung muss als Resultat der bislang vergleichsweise niedrigen und nicht verpflichtenden Standards (Energy Efficiency Standard for Housing and Buildings, EESHB) betrachtet werden. Nach und nach kommt es zu Verschärfungen - allerdings in kleinen Schritten.

Das METI verkündete im März 2015 derartige Modifizierungen: In Zukunft sollen zunächst alle großen Nichtwohngebäude strengeren Ökostandards entsprechen. Bislang geschah dies auf freiwilliger Basis. Betroffen sind allerdings erst Vorhaben, deren Bau ab 2017 beginnt. Als „groß“ gelten dabei Gebäude mit einer Etagengröße von mindestens 2.000 qm.

Für kleinere gewerbliche Bauten sowie Wohnungen mit einer Fläche von mehr als 300 qm soll eine Berichtspflicht gegenüber der Kommunalverwaltung über energiesparende Baumaßnahmen eingeführt werden. Strenge Sanktionsmechanismen werden bislang indes vermisst.

Bausektor behält sein Gewicht

Der Bausektor Japans spielt trotz schrumpfender Bevölkerung weiter eine gewichtige Rolle. Er macht circa 10% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus und garantiert etwa ein Zehntel der Arbeitsplätze. Auch wenn der Markt in den letzten Jahren mehr oder weniger stagnierte; das Volumen des Sektors bleibt mit knapp 50 Bill. Yen (circa 373 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 134 Yen; im Jahresdurchschnitt 2015) beeindruckend.

Bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio blickt die Baubranche zuversichtlich nach vorn. Bis dann will die Regierung auch nachhaltige Öko-Konzepte erfüllt wissen. Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8 auf 10% wurde auf 2019 verlegt. Der Branche bleibt diese Konjunkturbremse also vorerst erspart.

Generell gilt weiterhin: Da Grund und Boden kostspielig sind, wird bei Baumaterialien tendenziell gespart. Gebäude mit Holzfundament bleiben am weitesten verbreitet. Sie machen etwa 55% der Neubauten aus; ein Viertel entfällt auf Stahlbeton, ein Fünftel auf Stahlgerüste. Allgemein sind Fertighäuser in Japan außerordentlich beliebt.

Kein Mangel an Nachholbedarf

Einer Umfrage des MLIT zufolge entbehrt ein Anteil von 40% des lokalen Hausbestands jeglicher energieeffizienter Vorkehrungen. Etwa 80% der Häuser und Wohnungen dürften lediglich mit Einfachverglasungen und Aluminiumrahmen ausgestattet sein. Erst bei Neubauten geht der Trend langsam zur Doppelverglasung.

Auf der anderen Seite geht das Ministerium davon aus, dass bei immerhin 85% der neuen Bauvorhaben die Standards von 1999 eingehalten werden. Allerdings erschreckt bislang noch die Statistik, dass große Gebäude erst 6% des gesamten Bauflächenbestands ausmachen, dabei jedoch für 36% des entsprechenden Energieverbrauchs verantwortlich sind.


Altersstruktur der Gebäude (in %)

Baujahr

Wohngebäude

Öffentliche und körperschaftliche Gebäude

Insgesamt

100,0

100,0

vor 1950

3,8

1,8

1951 bis 1990

41,8

47,3

1990 bis 2014

48,3

46,8

unbekannt

6,0

4,0

Quelle: Ministry of Internal Affairs and Communications (MIC)


Bislang hatten ausländische Unternehmen neue Projekte im Visier: Während bei Modernisierungsmaßnahmen im Land tendenziell auf bekannte Standardlösungen zurückgegriffen werde, dürften bei Neubauten eher neue Konzepte für eine ökologische Bauweise eine Chance erhalten, lautete die Einschätzung. Dies könne sich jedoch in den kommenden Jahren tendenziell verschieben.


Vorgesehene Modernisierung und vorgesehener Neubau von Gebäuden

 

2016

2020

2025

2030

Wohngebäude Neubau (in 1.000 Einheiten)

954

853-899

688-714

522-559

Nichtwohngebäude Neubau(in 1.000 qm), davon

 

 

 

 

Büros

5.753

5.779

5.956

6.174

Geschäfte

6.546

6.081

5.790

5.504

Fabriken

8.753

8.650

8.673

8.733

Lagerhäuser

8.203

8.323

8.580

8.918

Potentielle Modernisierung bestehender Wohnhäuser (in 1.000 Einheiten)

250

280

310

340

Quellen: Research Institute of Construction and Economy, Nomura Research Institute


Demographische Einflussfaktoren werden in Zukunft den japanischen Bausektor maßgeblich beeinflussen. So dürften Baumaßnahmen zunehmend auf die Bedürfnisse der alternden Bevölkerung zugeschnitten sein. Der Trend geht schon seit langem weg von der klassischen Familienwohnkultur. Die Entscheidung über energiesparende Baumaßnahmen sowie -materialien dürfte auch in Zukunft bei den Architekten beziehungsweise den Bauunternehmern liegen.

Die Lebensdauer von Japans Einfamilienhäusern ist sehr limitiert. Das typische Eigenheim wird nach 30 Jahren abgerissen und komplett neu aufgebaut. Dies hält die Baubranche am Leben, begrenzt gleichzeitig jedoch den Markt im Renovierungs- und Modernisierungssegment beziehungsweise bei Instandhaltungen stark.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten: Maximaler Primärenergieverbrauch

Gebäudeart

2015 (in Megajoule/qm im Jahr)

Reduktion Endenergieverbrauch bis 2020

Öffentliche Gebäude, Hotels, Krankenhäuser, Büros etc.

1.693

Mehr als 50%

Häuser

38.013

Mehr als 75%

Quelle: Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism (MLIT)


Bei den Außenfassaden der Eigenheime entscheiden sich mehr als zwei Drittel der Bauherren für kostengünstige faserverstärkte Zementplatten. Erdbebensicherheit sowie Feuerfestigkeit stehen beim Wohnungsbau zwar besonders im Fokus. Das Thema Brandschutz komme bislang bei der Materialauswahl allerdings trotzdem zu kurz, beklagen Kritiker.


Energetische Anforderungen an die Dicke der Isoliermaterialen im Neubau für Hokkaido (in mm)

Bauteil

Wärmedurchgangswiderstandswert
(in (qm·K)/W = 1/U)

A1 *)

A2 *)

B *)

C *)

D *)

E *)

F *)

Dach

6,6

345

330

300

265

225

185

150

Decke

5,7

300

285

260

230

195

160

130

Wand

3,3

175

165

150

135

115

95

75

Boden/Außenluft

5,2

275

260

235

210

180

150

115

Boden/andere

3,3

175

165

150

135

115

95

75

*) Wärmeleitfähigkeit von Isoliermaterial: λ (in W/(m·K)); A1: λ = 0,052-0,051, A2: λ = 0,050-0,046, B: λ = 0,045-0,041, C: λ = 0,040-0,035, D: λ = 0,034-0,029, E: λ = 0,028-0,023, F: λ = unter 0,022
Quelle: MLIT


Text: Michael Sauermost

17.11.2016

Koreas Bauindustrie setzt auf modernere Wohngebäude

Korea (Rep.) ist mit 509 Einwohnern pro qkm eines der am dichtesten besiedelten Länder weltweit und hochgradig urbanisiert. Mehr als 90% der Einwohner leben in Städten, wobei das Land dominiert wird von der Metropolregion Seoul. Dort lebt mit 25 Mio. Menschen fast die Hälfte der Einwohner des Landes, knapp 30% aller Gebäude befinden sich in Seoul. Insgesamt gab es 2014 laut koreanischem Statistikamt landesweit 6.986.913 Gebäude; davon 4.568.859 Wohngebäude, 1.198.932 Gewerbetrakte, 293.051 Industrieanlagen und 186.721 sonstige Gebäude (Bildung, Soziales, Kultur).


Altersstruktur der Gebäude (Anteil an der Gesamtfläche in %) *)

Baujahr

Wohngebäude

Öffentliche Gebäude

2007 bis 2015

24,3

27,6

2002 bis 2006

16,9

18,0

1997 bis 2001

15,0

16,6

1992 bis 1996

19,3

12,5

1987 bis 1991

9,4

5,8

1982 bis 1986

4,9

5,4

Bis 1981

8,3

7,6

*) Differenz ergibt sich aus Gebäuden, bei denen fehlerhafte oder nicht nachvollziehbare Altersangaben vorlagen
Quelle: MOLIT (Ministry of Land, Infrastructure and Transport)


Das Ministerium MOLIT zählte für 2014 rund 19 Mio. Wohneinheiten. Knapp die Hälfte der Baugenehmigungen entfiel 2015 auf Wohneinheiten zwischen 60 und 85 qm. Mehr als 50% der Bewohner lebten 2014 im eigenen Haus oder Appartement, der Rest mietete oder bezog die Wohnung über das für Korea (Rep.) typische Jeonse-System.

Rapide alternde Gesellschaft prägt auch neue Bauprojekte

Der Bausektor befindet sich an einem Wendepunkt. Bisher waren bauliche Maßnahmen vorwiegend wachstumsgetrieben, was zum Entstehen meist uniformer Hochhaussiedlungen führte. Aspekte wie kulturelle Identität der Wohnviertel, Lebensqualität oder Umweltfreundlichkeit wurden kaum berücksichtigt. Künftig dürften Belange der älteren Generationen ebenso mit in die Stadtplanung aufgenommen werden wie die Errichtung von Spielplätzen und Grünflächen sowie vor allem energiesparende und -effiziente Lösungen.

Zahlreiche Hausbesitzer planen Branchenvertretern zufolge, ihre Immobilien zu renovieren. Dabei kommen umweltfreundliche Materialien aufgrund von mittelfristigen Kostenerwägungen verstärkt in Mode.


Neubau sowie Modernisierung von Gebäuden (in Zahl der Häuser)

Jahr

Neubau Wohngebäude

Neubau Nichtwohngebäude

Energieeffiziente Modernisierung Wohngebäude

Energieeffiziente Modernisierung Nichtwohngebäude

2016 1)

57.613

27.887

110.426

72.550

2017

-

-

186.770 2)

22.910 2)

2018

-

-

192.223 2)

16.742 2)

1) Bis 1. Halbjahr; 2) vorgesehen
Quelle: MOLIT, Architectural Institute of Korea


Darüber hinaus geht der Trend gerade in der dicht besiedelten Metropolregion von Seoul dahin, ältere Einzelhäuser abzureißen und stattdessen moderne Appartementeinheiten oder Geschäftskomplexe zu errichten. Diese Entwicklung wie auch eine im Herbst 2014 beschlossene Verringerung der Fristen für den Neu- und Umbau von Gebäuden dürfte den Bedarf an energieeffizienten Materialien und Technologien in den kommenden Jahren erhöhen.


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau (in W/(K·qm))

Bauteil

U (max) ab 2016 (Mittelgebiet) *)

U (max) ab 2016 (Südgebiet) *)

Außenwand

0,210-0,360

0,260-0,450

Dach

0,150-0,220

0,180-0,260

Bodenplatte

0,180-0,300

0,220-0,350

Fenster/Türen

1,200-1,900

1,400-2,200

Tore

1,400-1,800

1,600-2,000

*) U: Wärmedämmungskoeffizient
Quelle: MOLIT, KEA (Korea Energy Agency)


Text: Alexander Hirschle

17.11.2016

Rumänien baut ab 2020 nur noch Niedrigenergiehäuser

Laut Nationalem Aktionsplan für Energieeffizienz gibt es eine bebaute Fläche von 493 Mio. qm, davon 86% Wohngebäude. Rund 67,2 Mio. qm entfallen auf den Nicht-Wohnungsbau. Von den 8,7 Mio. Wohnungen befinden sich 47,5% im ländlichen Raum. In den Städten sind 72% der Wohnungen in Wohnblöcken angelegt (mit circa je 40 Wohnungen). Rund 60% der Wohnblöcke haben Erdgeschoss und vier beziehungsweise 16% zehn Stockwerke. Der Bestand der Zentralverwaltung liegt bei 2.953 beheizten und/oder gekühlten Gebäuden oder 6,74 Mio. qm. Für die Lokalverwaltung sind es bei 86.613 Gebäuden rund 27 Mio. qm.

Wachstumszentren bildeten gemessen an den erteilten Baugenehmigungen für Wohngebäude im 1.Halbjahr 2016 (in absoluten Zahlen) die Regionen Nord-Ost (4.192), Süd-Muntenien (3.251), Bukarest-Ilfov (2.940) und Nord-West (3.480). In Bukarest und Umgebung sollen 2016 über 14.000 Wohnungen gebaut werden, zudem 336.000 qm Bürofläche. Regionalstädte wie Cluj-Napoca, Iasi, Timisoara und Brasov hingegen verzeichnen eine Rekordnachfrage nach Bürofläche.

Der Großteil des Gebäudebestands wurde mit niedrigen oder fehlenden Baustandards in kommunistischer Zeit gebaut, eine Sanierung vernachlässigt. Die Energieeffizienz ist entsprechend gering.


Altersstruktur der Wohnungen (Anteil in %)

Baujahr

Wohnungen

Anteile

Vor 1919

298.142

3,4

Von 1919 bis 1990, davon

7.023.121

80,5

.von 1919 bis 1945

680.934

7,8

.von 1946 bis 1960

1.371.011

15,7

.von 1961 bis 1970

2.054.242

23,6

.von 1971 bis 1980

1.730.409

19,8

.von 1981 bis 1990

1.186.525

13,6

Von 1990 bis 2011

1.166.487

13,4

Undatiert

234.648

2,7

Gesamt

8.722.398

100,0

Quelle: Nationale Statistik, Volks- und Wohnungszählung 2011; Berechnung von GTAI


In Rumänien gibt es keine Anforderungen an die Energieleistung weder für Neu- noch Altbauten ausgedrückt in End- oder Primärenergie. Allerdings sehen die Bauregelungen Mindestanforderungen bei der thermischen Dämmung für die Bauteile vor. Im Rahmen des Nationalprogramms für die thermische Sanierung der Wohngebäude soll sichergestellt werden, dass der jährliche Wärmeverbrauch unter 100 kWh pro qm Nutzfläche fällt.

Der Aktionsplan für Energieeffizienz setzt sich als Ziel die Förderung von „Fast-Nullenergiegebäuden“ (nearly Zero Energy Buildings/nZEB). Alle Gebäude, deren Baugenehmigung nach dem 31.12.20 ausgestellt wird, sollen Niedrigstenergiegebäude sein, öffentliche Gebäude in Eigentum oder Verwaltung der Regierung bereits nach dem 31.12.18.


Primärenergieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser für nZEB (in kWh/qm/Jahr)

Gebäudeart

2015 Klimagebiete I/II/III/IV/V *)

Bis 31.12. 2018 Klimagebiete I/II/III/IV/V 1)

Bis 31.12.2020 Klimagebiete I/II/III/IV/V 1)

Einfamilienhaus

131/147/172/226/248

115/121/155/201/229

98/111/145/189/217

Wohnblöcke, Wohnheime

105/112/130/152/178

100/105/122/144/152

93/100/111/127/135

Bürogebäude

75/93/110/107/127

50/57/69/89/98

45/57/69/83/89

Schulen

115/135/154/192/210

100/120/136/172/192

92/115/136/170/185

Kliniken

135/155/171/190/214

79/97/115/149/174

76/97/115/142/167

*) Einteilung Rumäniens nach Klimagebieten beziehungsweise konventionellen Temperaturen im Winter: I: -12°C, II: -15°C, III: -18°C, IV: -21°C, V: -24°C
Quelle: Anordnung Nr. 386/2016 des Ministeriums für Regionalentwicklung und Öffentliche Verwaltung


Für die Renovierung bestehender Gebäude gibt es keine Mindestanforderungen, jedoch sind die U-Werte (Wärmedurchgangskoeffizienten) bei Neubauten zu beachten:


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau

Bauteile

Maximaler-U-Wert

Außenwand

0,56

Außenwand von beheiztem Keller

0,35

Bodenplatte

0,22

Bodenplatte von beheizten Keller

0,21

Bodenplatte von nicht beheiztem Keller

0,35

Dach

0,20

Fenster

1,30

Dach

0,20

U – Wärmedämmungskoeffizient (W/m2K)
Quelle: ZEBRA, http://bpie.eu/


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau (U ab 1.1.21; Klimagebiet II) 1)

Bauteil

Büro 2)

Büro 3)

Wohnung 4) 

Wohnung 5)

Wand

0,6158

0,1936

0,5567

0,3960

Dach

0,2355

0,1531

0,1976

0,1970

Bodenplatte

0,5419

0,3858

0,3521

0,3510

Fenster

1,9937

0,7741

1,3491

0,8270

U – Wärmedämmungskoeffizient (W/m2K)
1) Durchschnittswert; 2) Dämmungsstandard : Bürogebäude mit reduzierter Glasfensterfläche; 3) Wärmedämmung hoher Qualität; 4) Dämmungsstandard: Wohnblock; 5) Wärmedämmung hoher Qualität
Quelle: Ministerium für Regionalentwicklung und Öffentliche Verwaltung


Ab 1.1.14 sind die Ministerien, die der Regierung unterstellten Institutionen und weitere Behörden laut EU-Vorgaben verpflichtet, jährlich 3% der Gesamtfläche (von 202.200 qm) der beheizten/gekühlten Gebäude der Zentralverwaltung zu sanieren, um den Mindestanforderungen zur Energieleistung der Richtlinie 2010/31/EU zu entsprechen. Bis zum 31.12.16 sollen alle Wohnungen einen Wärmezähler installiert haben.


Text: Michael Marks

17.11.2016

Ungarns Gebäude verbrauchen 25% mehr Energie als der EU-Durchschnitt

Rund 80% der Wohnungen in Ungarn entsprechen hinsichtlich ihrer technischen Ausstattung (spezifischer Energieverbrauch von mehr als 300 kWh/qm) nicht den modernen Energieeffizienzanforderungen. Ähnliches gilt für den öffentlichen Gebäudebestand. Sehr geringes Energieeffizienzniveau weisen vor allem Bauten auf, die zwischen 1946 und 1980 errichtet wurden. Dies trifft auf den Großteil der ungarischen Gebäude zu. Der spezifische Energieverbrauch der Gebäude ist in Ungarn nach Schätzungen von Experten 25% höher als der EU-Durchschnitt.

In Ungarn gibt es insgesamt 4,3 Mio. Wohnungen, nur ein geringer Teil davon wurde bislang energetisch saniert. Nach Berechnungen von Energiaklub sind 23% der Einfamilienhäuser, 21% der Mehrfamilienhäuser und 39% der großen Wohnblöcke energieeffizient isoliert worden. Neue Fenster sind entsprechend bei 21%, 33% beziehungsweise 39% eingebaut worden. Mit neuen energiesparenden Heizungsanlagen wurden 13%, 20% beziehungsweise 19% der Gebäude ausgestattet.

In den 1970er Jahren wurden in Ungarn über 88.000 Wohnungen pro Jahr gebaut. Seinen Höhepunkt erreichte der Bausektor 1995 mit 99.588 neu errichteten Einheiten. Seitdem gehen die Wohnungsfertigstellungen jedoch kontinuierlich zurück. Seit 2012 sank diese Zahl auf unter 10.000 jährlich und belief sich 2015 auf nur noch 7.612. Der Bau neuer Wohnungen, die günstige Energieeffizienzeigenschaften aufweisen, ist noch relativ gering.


Altersstruktur der Gebäude (Stand: 2015)

Gebäudeart  und Baujahr

Anteil am Gesamtbestand in %

Einfamilienhäuser, davon

 

vor 1945

13,4

1946 bis 1980

29

1981 bis 1990

8,9

1991 bis 2000

5

nach 2001

5,2

Gebäude mit 4 bis 9 Wohnungen, davon

 

vor 2000

6,4

nach 2001

1

Gebäude mit mehr als 10 Wohnungen, davon

 

vor 1945

5,6

1946 bis 2000

4,4

nach 2001

5

Plattenbauten, davon

 

1946 bis 1980

7,6

nach 1981

4,3

keine Angabe

4,2

Quelle: National Building Energy Performance Strategy


Seit 2016 ist im Wohnungsbausektor allerdings eine leicht steigende Tendenz zu verzeichnen. Im 1. Halbjahr 2016 wurden landesweit 3.420 Wohnungen gebaut - ein Anstieg von rund 11% im Vergleich zur Vorjahresperiode. Das ungarische Wirtschaftsministerium rechnet für 2016 mit insgesamt 13.000 neuen Wohneinheiten. Der positive Trend wird durch das staatliche Förderprogramm „Vergünstigung zum Schaffen des Familienheims“ (CSOK) begünstigt. Die ungarische Regierung rechnet in den nächsten Jahren mit 15.000 bis 20.000 Wohnungsfertigstellungen pro Jahr.


Vorgesehene Modernisierung und Neubau von Gebäuden in Ungarn (Stand 2015)

 

Zielwert für die Primärenergieeinsparung 2020 (in PJ)

Anzahl von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden, die bis 2020 renoviert werden sollen

geschätzter Investitionswert bis 2020 (in Mrd. Ft)

Einfamilienhäuser

17,6

130.000

743

Plattenbauten

12,8

380.000

536

Mehrfamilienhäuser

8,0

190.000

329

Wohngebäude insgesamt

38,4

700.000

1.608

öffentliche Gebäude

1,6

2.400

152

Quelle: National Building Energy Performance Strategy


Hinsichtlich der Fortschritte zur Steigerung der Energieeffizienz bei privaten Haushalten lag Ungarn im Zeitraum 2008 bis 2012 deutlich unter dem EU-Durchschnitt.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten in Ungarn 1)

Gebäudeart

ab 1.1.16

Wohngebäude (ohne Beleuchtung)

100

Hotels, Wohnheime (ohne Beleuchtung)

100

Büros und Einzelhandelsflächen mit maximal 1.000 qm (mit Beleuchtung)

90

Gebäude für Ausbildung oder Gebäude mit Ausstellungsräumen

85

1) Maximaler Primärenergieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser (in kWh/qm pro Jahr)
Quelle: Verordnung über energetische Vorgaben für Gebäude Nr. 7/2006 (IV. 24.) TNM


Um das Energieeffizienzniveau an EU-Vorgaben anzupassen, müssten nach Schätzungen ungarischer Fachleute 40.000 bis 45.000 Wohnungen pro Jahr nach den Energieeffizienzvorschiften neu gebaut werden. Weitere 100.000 bestehende Einheiten müssten jährlich renoviert oder modernisiert werden. Davon ist der ungarische Bausektor derzeit jedoch noch weit entfernt.


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau in Ungarn (in Umax)

Bauteil

bis 31.12.14

ab 1.1.15

Außenwand

0,45

0,24

Dach

0,25

0,17

Bodenplatte

 

 

Kellerdecke

0,5

0,26

oberste Geschossdecke

0,3

0,17

Fenster

 

 

aus Holz oder PVC

1,6

1,15

aus Metall

2

1,4

Dachfenster

1,7

1,25

Türen und Tore

 

 

Türen

1,8

1,45

Tore

3

1,8

U - Wärmedämmungskoeffizient
Quelle: Verordnung über energetische Vorgaben für Gebäude Nr. 7/2006 (IV. 24.) TNM


Text: Waldemar Lichter

17.11.2016

Viele niederländische Wohnungen kaum gedämmt

Ungefähr 44% der insgesamt rund 7,6 Mio. Wohnimmobilien in den Niederlanden sind Mietwohnungen. Diese sind wiederum zu etwa 70% im Besitz von Baugenossenschaften. Rund die Hälfte des Wohnbestandes stammt aus der Zeit nach 1975, etwa 80% wurden nach dem zweiten Weltkrieg gebaut. Der größte Anteil (17%) wurde im Zeitraum 1965 bis 1974 erbaut. Es bestehen mehr Wohnungen, die nach 1995 erbaut wurden als in der Vorkriegszeit.

Die meisten Häuser, die vor 1975 gebaut wurden, also etwa die Hälfte des niederländischen Wohnbestandes, wurden ohne jegliche Isolierung der Wände oder Dächer gebaut. Die Wohnungen aus dem Zeitraum 1976 bis 1988 besitzen oft Dämmungen von niedriger Qualität, während die Gebäude aus der Zeit nach 1988 größtenteils gut isoliert wurden.

Landestypische Bauweise führt zu hohem Energieverbrauch

Insbesondere die Gebäude der Jahrgänge 1946 bis 1980 sind Energiefresser. Durchschnittlich tragen diese das Energielabel C oder D. Das Label A ist für Bestandsimmobilien schwer zu realisieren. Nur mit Wärmerückgewinnungen und Sonnenenergie kommt diese Energieklasse in Reichweite. Durch die traditionelle niederländische Bauweise - hohe Decken und Fenster, keine Unterkellerung - haben niederländische Gebäude im Vergleich zum europäischen Durchschnitt einen sehr hohen Energieverbrauch. Bei rund 8% des Wohnbestandes wurde 2014 mindestens eine energieeffiziente Vorkehrung getroffen, im Gewerbebau bei 18%.

Der niederländische Bausektor ist nach jahrelanger Krise wieder auf Wachstumskurs. Zwar können alle Segmente wieder ein Plus verzeichnen, aber Impulse kommen vor allem vom Wohnungsmarkt. Die Nachfrage nach Neubauwohngen steigt nach langer Flaute wieder. Rund 48.000 Wohnimmobilien wurden 2015 gebaut, was einem Wachstum von etwa 0,6% des Bestandes entspricht. In den Städten Amsterdam und Utrecht war der Zuwachs am größten, in den Provinzen Limburg, Drenthe und Friesland am geringsten.

Eine von fünf Wohnungen in den Niederlanden ist kleiner als 75 qm. Etwa 64% des Bestandes sind Einfamilienhäuser, der Rest Apartments. Die Nachfrage nach Wohnungen wächst. Im ganzen Land werden zunehmend mehr Wohnungen und weniger Einfamilienhäuser gebaut. Dieser Trend ist nur in den vier großen Städten Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht umgekehrt. Hier wächst die Nachfrage nach Einfamilienhäusern stärker als nach kleineren Wohneinheiten.


Altersstruktur der Gebäude (Anteile in %)

Baujahr

Wohngebäude

vor 1925

10

1955 bis 1995

70

nach 1995

20

Quelle: CBS


Die niederländische Bauverordnung (bouwbesluit) stellt Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten von Wohn- und Nichtwohngebäuden. Die wichtigste Anforderung ist der sogenannte Energieleistungskoeffizient (energieprestatiecoëfficiënt, EPC), eine Methode mit der die Einhaltung der Energieeffizienzrichtlinien rechenmethodisch überprüft wird. Zum 1. Januar 2015 wurden die Vorschriften für Neubauten um 20 bis 50% weiter verschärft. Der Koeffizient für neue Wohnimmobilien muss nun 0,4 gegenüber 0,6 im Jahr 2014 betragen. Die Berechnung des Koeffizienten geschieht gemäß NEN 7120- Energieeffizienz von Gebäuden. Je niedriger der Wert desto höher ist die Energieeffizienz. 

Im öffentlichen Gebäudebau wurde 2015 eine Initiative begonnen, die die Energieeffizienz von Schulgebäuden vorantreiben soll. Die etwa 9.000 Schulgebäude haben zusammen einen Energieverbrauch von 800 Mio. kWh. Die Sanierung von rund 2.000 Schulen soll spätestens 2017 beginnen.

Auch im Gesundheitssektor ist das Einsparpotential groß. Studien haben ergeben, dass mit einfachen Maßnahmen bereits 15% des Energieverbrauches gespart werden können. Gesundheitseinrichtungen mit einem Elektrizitätsverbrauch von über 50.000 kWh oder 25.000 m³ Gas pro Jahr, sind daher verpflichtet die Effizienz zu verbessern, so lange sie die Investitionen innerhalb von fünf Jahren zurückverdienen können.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten 1)

Gebäudeart

2014

2015

Wohngebäude

0,4

0,6

Hotels, Wohnheime

1,8

1,0

Gebäude für Bildung

1,3

0,7

Bürogebäude

1,1

0,8

Verkaufsgebäude

2,6

1,7

1) EPC-Anforderungen (Energieleistungskoeffizient)
Quelle: RVO


Für den Neubau von Wohnungen und Büros mit einer Fläche von über 100 qm gelten Regeln für die Nachhaltigkeit der Baumaterialien.

Der Energieverbrauch aller Geschäfte in den Niederlanden entspricht dem von 725.000 Haushalten. Laut Angaben des nationalen Energieforschungszentrums (ECN) können die gesetzlich verankerten Maßnahmen im Gewerbebau zu einer Ersparnis von 29 PJ führen. Dies entspricht dem Jahresverbrauch von 450.000 Haushalten.


Text: Marte-Marie van den Bosch

17.11.2016

Öffentlicher Wohnungsbau im besonderen Fokus in Singapur

Singapur hatte 2015 einen Bestand an rund 1,2 Mio. Wohnungen. Davon hat das öffentliche Housing Development Board (HDB) seit seiner Gründung 1960 etwas über 1 Mio. errichtet. Mehr als 80% der Singapurer leben in staatlich subventionierten Wohnungen, den sogenannten HDB. Bisher war es Praxis, bestehende Gebäude teilweise schon nach 10 bis 15 Jahren abzureißen und neuzubauen. Dies ist mittlerweile zu teuer geworden, so dass nun Gebäude errichtet werden, die 50 Jahre und länger bestehen sollen.


Anzahl der Gebäude nach Altersstruktur

Baujahr

Wohngebäude

Kommerzielle Gebäude

1927 bis 1959

23.000

k.A.

1960 bis 1990

667.575

26.360

1991 bis 2014

414.201

1.961

Quelle: Housing and Development Board, Annual Report 2014/15


In den Jahren 2011 bis 2014 sind 72.218 Wohneinheiten gebaut worden und weitere folgen. Nach Regierungsprognosen soll bis 2030 die Ende 2015 gezählte Einwohnerzahl von 5,5 Mio. auf 6,9 Mio. steigen. Demnach werden bis zu 700.000 neue Wohnungen gebraucht, schätzt die Regierung. Sie werden vor allem im öffentlichen Wohnungsbau entstehen.

Energieeffizienzmaßnahmen (Erfassung und Verbesserung) haben sich bisher überwiegend auf gewerbliche Gebäude (Büros, Einzelhandelsgeschäfte, Hotels und gemischte Projekte) fokussiert. Die höchste Energieintensität und damit auch das höchste Einsparpotenzial haben Hotels und Shopping Malls gefolgt von Krankenhäusern und Büros. Weiteres Sparpotenzial liegt bei den rund 300 Supermärkten, deren Kühlung von Lebensmitteln bis zur Hälfte des Energieverbrauchs schluckt.

Bewusstsein für umweltbewusstes Bauen nimmt zu

Während Singapur als Gartenstadt in den Tropen mit seinen vielen Grünanlagen punktet, liegt das Land hinsichtlich Energieeffizienz in Gebäuden noch deutlich hinter westlichen Ländern zurück. So sind Doppelglasfenster wie auch wärmedämmende Baustoffe eine Neuheit. Solarkraft steht mit annähernd 100 MW installierten Fotovoltaikkapazitäten erst am Anfang. Bis 2020 sollen es 350 MW werden.

Bei effizienten Klimaanlagen, Beleuchtung und Begrünung tut sich hingegen schon mehr. Das Bewusstsein für ökologisches Bauen nimmt langsam zu. Hierbei hat sich der Inselstaat im Kreis der tropischen Länder bereits eine Leuchtturmfunktion aufgebaut. Nicht umsonst konzipieren und errichten singapurische Consulting- und Bauunternehmen ökologische Stadtteile in mehreren anderen asiatischen Ländern.

Wichtigster Punkt Klimatechnik

Vorreiter auf dem Feld des grünen Bauens ist wie in Singapur so häufig der Staat. In seiner langfristigen Planung setzt er die Eckpfeiler und Anreize. Den stärksten Antrieb geben staatliche Regeln, erklärte die Baubehörde Building Construction Authority (BCA). Laut Ausrüstungsherstellern ist die Betriebskosteneinsparung zudem ein wichtiges Argument. So werden 60 bis 65% der Energie in Singapurs Gebäuden von Klimaanlagen verbraucht, 15% von Beleuchtung, 7 bis 8% von Pumpen und Sprinkleranlagen und der Rest von mechanischen Ventilatoren und anderen Geräten.

Erste Priorität hat demnach für den Bauherrn, der in der Regel der Entwickler und Eigentümer ist, die Klimaanlage. Danach folgen Belüftungsanlagen, Beleuchtung  und andere Komponenten für Begrünung, Wassereffizienz etc., so Wilson Singarayar, Head of Building Performance & Sustainability of Siemens Singapore.

Seit 2008 gilt das Eingangsniveau des Green Mark Zertifizierungssystems - Green Mark Standard - verpflichtend für Neubauten sowie Renovierungen existierender Gebäude und Anbauten, wenn diese größer als 2.000 qm sind oder das Kühlsystem erneuert wird. Das Kühlsystem selbst muss auch Effizienzstandards einhalten, die regelmäßig einem Audit unterzogen werden.

Vorhandene öffentliche Gebäude mit einer klimatisierten Fläche zwischen 5.000 qm und 10.000 qm müssen bis 2020 dem Green Mark Gold Standard entsprechen. Liegt die Fläche über 10.000 qm wird der nächst höhere Standard Gold Plus verpflichtend. Bei neuen öffentliche Bauten mit einer klimatisierten Fläche von mehr als 5.000 qm wird der höchste Standard Platinum zur Pflicht. Darüber hinaus müssen alle neuen öffentlichen Bürogebäude sowie alle Büros, die sich einer größeren Renovierung unterziehen, dem Goldstandard entsprechen.


Text: Rainer Jaensch

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