Energieeffizienz in der Produktion in Ägypten

Ägypten will mehr Effizienz, um Energiesubventionen zu senken

Allein durch eine Steigerung der Energieeffizienz kann der Energieverbrauch der ägyptischen Industrie um etwa 20% gesenkt werden. Trotz etlicher Einzelmaßnahmen und Programme existiert aber noch keine Gesamtstrategie. Ebenso steht die Ausbildung von Energieberatern noch am Anfang und es mangelt an gut ausgebildeten Technikern. Zur Optimierung von Prozessen und der Erneuerung ineffizienter Ausrüstung spielt ausländische Expertise und Technik eine wichtige Rolle.

17.10.2016

Ägyptens Industrie soll bis 2022 rund 20% Energie einsparen

Ägypten verfügt über keine Gesamtstrategie zum Thema Energieeffizienz. Beim interministeriellen Supreme Energy Council existiert eine Energy Efficiency Unit, die aber, dem Vernehmen nach, über geringe Ressourcen für ihre Arbeit verfügt. Bislang spielen sich die meisten Anstrengungen bei der Umstellung von Straßenbeleuchtungen und im Gebäudebereich ab. Zunehmend rückt jedoch das Einsparpotenzial in der Industrie ins Blickfeld.

Ägypten legte auf dem UN-Klimagipfel in Paris 2015 eine Zusage vor, die sich wesentlich auf Energieeffizienzmaßnahmen stützt. So soll in der Industrie Energie effizienter genutzt und Wasser mit Hilfe von Solarenergie erwärmt werden. Vorgesehen ist, die Produktion von Zement, Eisen und Stahl zu optimieren. Bereits im Juli 2015 richtete Ägypten per Dekret 1912/2015 des Premierministers einen National Council for Climate Change ein, der beim Umweltministerium angesiedelt ist. Er soll Daten sammeln, Strategien erarbeiten, Forschungsaktivitäten koordinieren und direkt an den Premierminister berichten.

Bis 2022 sind, laut Zahlen des Strom- und des Erdölministeriums, konkrete Energieeinsparungen anvisiert, deren Ziel für die Industrie 20% beträgt. Bei einem Industrieanteil von 47% am Endenergieverbrauch entspricht das einer Reduzierung des Gesamtverbrauchs um 9,4%. Als größtem Energiekonsumenten des Landes kommt dem Beitrag der Industrie eine Schlüsselrolle bei der Senkung des Verbrauchs zu.

Regierungsstellen beraten

Das Industrieministerium sowie zwei nachgeordnete Behörden unterstützen Unternehmen mit Analysen, Beratungen und Empfehlungen. Für eine effizientere Produktion engagiert sich auch das Erdölministerium. Entscheidend ist bei allen Initiativen die Umsetzung und Nachverfolgung der gesteckten Ziele. Gegenstand des von der EU und Ägypten gemeinsam umgesetzten Projekts TARES ist auch, einen einheitlicheren regulatorischen Rahmen für Energieeffizienz zu schaffen.

Strategische Ziele

Bereich

2022 (in %)

Energieintensität der Wirtschaft (Öläqivalent (ROE) in 1.000 kg pro 1.000 Einwohner

k. A.

Primärenergieverbrauch (in 1.000 toe))

k. A.

Reduktion des Endenergieverbrauchs, davon:

17,4

. Beitrag der Industrie

9,4

. Beitrag des Verkehrssektors

4,5

. Beitrag von Wohnen, Handel und Tourismus

3,0

. Beitrag des öffentlichen Sektors

0,45

. Beitrag der Landwirtschaft

0,05

Quelle: New and Renewable Energy Authority (NREA), Februar 2016

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Energieverbrauch der ägyptischen Industrie liegt über internationalem Durchschnitt

Ägypten ist das nach Südafrika am zweitstärksten industrialisierte Land Afrikas und verfügt über zahlreiche private und öffentliche Unternehmen. Zahlen der Internationalen Energieagentur von 2013 zufolge verbrauchte die Industrie 33% des Stroms und stand für 43% des Endenergieverbrauchs.

Die ägyptische Behörde New and Renewable Energy Authority (NREA) erwartet, dass die Industrie 2020 rund 50 Mtoe (Megatonnen Öleinheiten) Erdölprodukte, Erdgas und Strom benötigen wird, gegenüber 40 Mtoe in 2016. Der spezifische Energieverbrauch je produzierter Einheit lag 2010 laut einer Studie um 10 bis 50% über dem internationalen Durchschnitt, wurde aber durch die heruntersubventionierten Strompreise abgefedert.

Besonders energieintensive Zweige in Ägypten sind die Produktion von Stahl und Zement sowie Düngemitteln. Umweltminister Khaled Fahmy zufolge stellen die energieintensiven Branchen nur 1% der Betriebe des Landes, verbrauchen aber 65% des Stroms. Der Leiter des National Cleaner Production Centre schätzte im Februar 2016, dass allein durch mehr Energieeffizienz der Energiebedarf der Industrie um 20% gesenkt werden könnte.

Stromsubventionen werden mittelfristig voraussichtlich sinken

Bis zum Sommer 2014 steuerte Ägypten auf eine handfeste Energiekrise zu. Bevölkerung und Wirtschaftsleistung legten zu, während die Kraftwerkskapazitäten nicht mehr ausreichten und das veraltete Stromnetz die Anforderungen immer schlechter bewältigen konnte. Als Nettoimporteur von Erdgas und Erdöl musste Ägypten nun Devisen aufwenden, um den Brennstoffbedarf der Kraftwerke decken zu können. Zugleich belasteten Subventionen unter anderem der Strompreise, für Erdgas und Erdölprodukte den Staatshaushalt. In den vergangenen Jahren entfielen circa 25% des Etats auf Subventionen. Trotz einer Kürzung um 6,4% sieht das Budget für das  Finanzjahr 1.7.16 bis 30.6.17 noch immer 2,9 Mrd. Euro allein für Stromsubventionen vor.

In der auch politisch brisanten Stromkrise ließ die ägyptische Regierung alle Kraftwerke warten und plante umfangreiche neue Kapazitäten. Drei Großkraftwerke und ein Windpark von Siemens werden mit zusätzlichen 14,4 GW die Stromerzeugung des Landes um mehr als 50% steigern. Zudem erfolgt eine Modernisierung des Stromnetzes. Die Ausbeutung großer neuer Erdgasvorkommen dürfte ab 2018 schrittweise die Brennstoffversorgung der vorherrschenden Gaskraftwerke erleichtern.

Ein „weiter so“ in Sachen Energieverbrauch ist dennoch unwahrscheinlich. Von 2014 bis 2019 sollten die Stromsubventionen ursprünglich abgebaut werden, um zumindest die Erzeugungskosten decken zu können. Neuesten Plänen zufolge sollen die Stromtarife allerdings erst 2026 ganz ohne Subventionen auskommen. Dass an Beschlüssen immer wieder gerüttelt wird, erschwert auch eine genaue Berechnung der Amortisationszeit von Effizienzmaßnahmen.

Eine Orientierung zu den Energiepreisen bietet das Dekret 1257/2014, in dem die Entwicklung über fünf Jahre festgeschrieben wurde. Die Tarife für industrielle Stromkunden betrugen demnach im Finanzjahr 2014/15 zwischen 2,3 und 5,8 Cent pro Kilowattstunde. Bis 2018/19 sollten sie demnach auf 4 bis 6,9 Cent ansteigen. Damit ging auch eine stärkere Spreizung der Tarife zwischen Spitzenlastzeiten und Nebenzeiten einher. Das Dekret sah auch am Ende des Subventionsabbaus noch Sondertarife für den Chemieriesen KIMA und die Metro in Kairo vor.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Ägyptische Regierung und EBRD unterstützen

Ägypten fördert Energieeffizienz in der Industrie vor allem über die Beratungsangebote von Industrial Modernisation Centre (IMC) und das ENCPC, die zum Industrieministerium gehören. Im März 2015 kündigte die Regierung einen Fünfjahresplan mit Effizienzprogrammen für energieintensive Unternehmen an. Bislang lassen die Förderpläne unter Federführung des interministeriellen Supreme Energy Council auf sich warten.

Die European Bank für Reconstruction and Development (EBRD) will verstärkt Projekte für mehr Energieeffizienz in der Produktion durch Kredite zu marktgerechten Konditionen fördern. Kredite werden auch in Euro und US-Dollar vergeben, was in Zeiten des Devisenmangels den Import von Komponenten erleichtert. Die EBRD legt Wert darauf, dass Unternehmen Technik von guter Qualität beschaffen und Ersatzteile sowie After-Sales-Service verfügbar sind. Über die Initiative EgyptSEFF steht die Kreditlinie in Kooperation mit der National Bank of Egypt Kunden zur Verfügung.

Darlehen bis zu 300.000 Euro

Im Rahmen des Projektes ERECI zur Steigerung der Effizienz der ägyptischen Industrie können Unternehmen zinsverbilligte Darlehen von bis zu 300.000 Euro für neue Ausrüstung erhalten. Zugang erhalten Interessierte über das Beratungsunternehmen Environmental Compliance Office (ECO), das seinen Sitz beim Industriedachverband FEI in Kairo hat.

Zusammen mit der EBRD erarbeitet das ägyptische Industrieministerium eine Strategie für Zementhersteller und begreift die Erteilung von Lizenzen auch als Steuerungsmechanismus für den CO2-Ausstoß. Richtlinien und Benchmarks entwickelt das Ministerium derzeit auch für Stahl- und Keramikproduzenten. Zudem hat es sich die Unterstützung von Dienstleistern und den Aufbau lokaler Hersteller von effizienzbezogenen Produkten auf die Fahnen geschrieben.

Das IMC bietet Unternehmen ein Energiemanagement-Audit an. Zudem setzt die Behörde die Initiativen Grow Green (unter anderem zur Ressourceneffizienz) und Cost Reduction Programme für mehr Wettbewerbsfähigkeit um. Letzteres umfasst detaillierte Audits zu Energiesparen und Energieeffizienz, einer sauberen Produktion und ein Energiemanagement nach ISO 50001.

ENCPC führt sowohl Schnellscans als auch detaillierte Energieaudits, Schulungen und Verbrauchsmessungen durch. Hinzu kommt ein Programm zur Förderung von emissionsarmen Heiztechnologien für die Industrie. Eine weitere Initiative dient effizienteren elektrischen Antriebssystemen und deren lokaler Herstellung.

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte (Internet: http://german-energy-solutions.de).

Text: Oliver Idem

17.10.2016

In Ägypten befindet sich Energieaudit noch im Anfangsstadium

Energieaudits und -beratung finden in Ägypten statt, allerdings nicht auf der koordinierten Basis einer einzelnen Richtlinie. Die meisten Aktivitäten basieren auf dem Standard ISO 50001. Einzelne Initiativen für eine energieeeffizientere Produktion entstanden bereits in den 1990er Jahren, setzten sich aber nicht systematisch und flächendeckend durch. Aus Deutschland engagieren sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und die Kreditanstalt für Wiederaufbau für mehr Energieeffizienz in Ägypten.

Tendenziell nehmen eher große als kleine und eher international als lokal ausgerichtete Unternehmen Beratungs- und Auditierungsleistungen in Anspruch. Kleinunternehmen sind aus personellen und finanziellen Kapazitätsgründen oft zurückhaltend. Größere Unternehmen können leichter aufwendige und dauerhafte Programme in ihre Abläufe integrieren.

Energieeffizienz hat noch zu selten Priorität bei Banken und Industrie

Häufig verfügen Industriebetriebe nicht über detaillierte Daten zu ihrem Energieverbrauch, was zeitaufwendige Analysen erforderlich machen kann. Da Energieeffizienz nicht direkt greifbar ist und sich erst nachgelagert in einem niedrigeren Ressourcenverbrauch niederschlägt, sind manche Unternehmen nur schwer zu dieser Art von Investitionen zu motivieren.

Ein Engpassfaktor ist die Finanzierung von Investitionen über lokale Banken, zu deren Prioritäten Energieeffizienz bislang nicht gehört. Manche Analysen der Energiesituation von Unternehmen sind sehr ausführlich. Damit eignen sie sich weniger dazu, den Sinn geplanter Investitionen knapp und schlüssig zu dokumentieren. Bei einigen Banken zeichnet sich jedoch ein Sinneswandel ab und sie schulen Mitarbeiter zum Thema Energieeffizienz.

Berater von sehr unterschiedlicher Qualität

Energieberatungen führen international bekannte Unternehmen ebenso durch wie die Organisationen IMC und ENCPC des Industrieministeriums. Hinzu kommen viele weitere Anbieter mit höchst unterschiedlicher Qualifikation und technischer Ausrüstung. Das liegt auch daran, dass das Berufsbild Energieberater in Ägypten noch im Entstehen begriffen ist und keine einheitlichen Standards existieren. Bedarf besteht an der Schulung von Energieberatern und an Fachkräften, die Lösungen implementieren und warten können. Elektriker, Installateure und Techniker werden gebraucht - doch auch für diese existiert kein festes Ausbildungssystem.

Zentrale Verzeichnisse über Energieberater existieren in Ägypten nicht. Einige Anbieter von Zertifizierungen sind SGS Egypt, TÜV Nord Egypt und TÜV Rheinland Egypt und URS Egypt.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Erste erfolgreiche Beispiele zur Umsetzung von ägyptischen Energieaudits

Auch ohne einheitlich organisierte Audits in Ägypten existieren Beispiele von Unternehmen, die durch Effizienzmaßnahmen Einsparungen erzielen konnten. Auf der Basis von EUREM-Projekten zur Energiemanagerausbildung sind Zahlen verfügbar. Im Mittel sparte jedes Vorhaben dieser Initiative jährlich 750 MWh beziehungsweise 30.000 Euro ein. Bei durchschnittlich 100.000 Euro Investitionssumme betrug die Amortisationszeit rund drei Jahre.

EUREM-Industrieprojekte wurden von Anfang 2012 bis Mitte 2013 bei sieben Unternehmen im Großraum Kairo umgesetzt. Die Energiemanager setzten an den Punkten elektrische Antriebe, Prozesswärme und Wärmerückgewinnung sowie bei nicht netzgebundener Fotovoltaik an. Vier dieser untersuchten Unternehmen waren Keramikhersteller, eines produzierte Teppiche und ein weiteres stellte Nahrungsmittel her.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) förderte über die Initiative EgyptSEFF unter anderem die Beschaffung eines neuen Ofens für einen führenden Glashersteller, mit dessen Hilfe der Energieverbrauch um zwei Drittel gesenkt wurde. Ein Produzent von Pappverpackungen für Getränke und Eiscreme reduzierte mit neuer Ausrüstung seinen Energiebedarf und erhöhte den Ausstoß deutlich. Ein Düngemittelhersteller leitet nun die entstehende thermische Energie in einen Abhitzekessel und deckt mittels Turbinen den Großteil seines Strombedarfs aus Dampf. Die Amortisationszeit dieses Vorhabens betrug weniger als ein Jahr.

Ein Pionier bei Energiemanagementzertifizierungen nach ISO 50001 in Ägypten war 2014 Sidi Kerir Petrochemicals. Der Ethylenhersteller schaffte es, 10% der in der Produktion eingesetzten Energie einzusparen. In der Presse lobte der Vorstandsvorsitzende die niedrigen Kosten und einfachen Maßnahmen, mit denen dieses Ergebnis erzielt werden konnte. Das International Roads Department des Bauunternehmens Arab Contractors besitzt ebenfalls eine entsprechende Zertifizierung. Diese Abteilung verarbeitet im Rahmen ihrer Aufträge große Mengen Asphalt und konnte diese Prozesse effizienter gestalten.

In punkto Kontinuität unterscheidet sich die Denkweise in ägyptischen Unternehmen dem Vernehmen nach stark. Während in manchen Fällen das Energiemanagement als eine dauerhafte Aufgabe gesehen wird, genügen anderen einmalige Maßnahmen oder das Aufhängen eines repräsentativen Zertifikats zur Imagepflege. Auch die Informationspolitik und -verfügbarkeit ist sehr verschieden. Manche Unternehmen gehen offensiv mit ihren Anstrengungen an die Öffentlichkeit, während andere lediglich als anonyme Beispiele zitiert werden.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Maschinensteuerung und neue Pumpen in Ägypten gefragt

Im Bereich Energieeffizienz bieten sich deutschen Unternehmen in Ägypten Chancen in einer ganzen Reihe von Bereichen. Der meiste Verbrauch in der Industrie entfällt auf Antriebsenergie. Geräte und Anlagen von einem Dauerbetrieb auf an die Produktion angepasste Laufzeiten umzustellen, ist eine Option für viele Betriebe. Effiziente Motoren und die Regulierung ihrer Drehzahl sind ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Die energieintensive Anlaufphase von Maschinen kann oft effizienter gestaltet werden. IKT-Lösungen können zur Optimierung der Verfügbarkeit von Maschinen und zur Erfassung und Steuerung des Energieverbrauchs beitragen.

Der Austausch veralteter Kompressoren und ineffizienter Pumpen und die Beseitigung von Druckluftleckagen kann ebenfalls den Energieverbrauch senken. Kessel, Heiz- und Kühlsysteme haben zudem oft Verbesserungspotenziale. Teilweise können Abwärme und Kondensate genutzt werden. Manchmal verbessert bereits die einfache Dämmung von Rohren und Leitungen die Energiebilanz, etwa wenn Textilbetriebe heißes Wasser über größere Entfernungen durch die Fabrik transportieren müssen.

Regierung fördert Solarthermie

Das Industrieministerium initiierte 2014 ein Programm, um die Nutzung von Solarthermie für industrielle Wärme und Kühlung zu unterstützen. Bislang werden trotz der exzellenten natürlichen Voraussetzungen in Ägypten derartige Anlagen vor allem im Tourismus und teils im Wohnungsbau eingesetzt. Das Erdölministerium schätzt die Einsparmöglichkeiten bei Raffinerien auf etwa 10% und plant darum Maßnahmen für solche Anlagen in Kairo und Alexandria. Gemeinsam mit der EBRD entwickelt das Ministerium außerdem bankfähige Projekte, um den Wirkungsgrad von Gasturbinen mit Hilfe von Turboexpandern zu steigern.

Generell ist eine Analyse des Maschinenparks sinnvoll, insbesondere bei gewachsenen Fertigungsstrukturen. Während neue Anlagen oft sparsam arbeiten, sieht die Situation bei alten oder nur punktuell modernisierten Produktionsstätten anders aus. Sind Unternehmen in Form von Clustern oder anderen Branchenschwerpunkten angesiedelt, kann auch ein übergreifender Ansatz gewählt werden, etwa zur effizienteren gemeinsamen Versorgung. Hierfür ist allerdings eine gemeinsame Kooperations- und Zahlungsbereitschaft eine Voraussetzung, die bei größeren Unternehmen am ehesten vorhanden sein dürfte.

Für exportorientierte ägyptische Unternehmen kann eine energieeffiziente Fertigung      ein Wettbewerbsvorteil oder sogar eine Notwendigkeit sein. Bei den wichtigen  Handelspartnern EU und USA ist das Thema bereits fest verankert. Lagern  internationale Unternehmen ihre Fertigung nach Ägypten aus, ist auch dort die Einhaltung ihrer internen Standards erforderlich.

Kauf von Importequipment leidet unter Devisenmangel

Die Rahmenbedingungen für den Import von Komponenten zur Steigerung der Energieeffizienz haben sich in den vergangenen Monaten verschlechtert. Zusätzlich zur Abwertung des ägyptischen Pfundes im März 2016 erschwert die unregelmäßige Verfügbarkeit von Devisen die Einfuhren auch in diesem Bereich. Ökonomen spekulieren in den Medien bereits über eine mögliche weitere Abwertung, da sich der Parallelmarktkurs des US-Dollars erneut um bis zu 25% vom offiziellen Wert entfernt hat. Für dauerhafte Unsicherheit sorgt, dass die Entwicklung des Subventionsabbaus beziehungsweise der Stromtarife kurzfristigen politischen Veränderungen unterliegt. Berechnungen zur Amortisierung von längerfristigen Energieeffizienzinvestitionen leiden entsprechend an einer gewissen Unschärfe.

Anbieter von Ausrüstungen zur Steigerung der Energieeffizienz in Ägypten sind unter anderem Siemens, ABB, Schneider Electric und Panasonic.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Ägypten: Gesetzliche Grundlagen

Anders als im Gebäudebereich existieren für die Energieeffizienz in der Produktion in Ägypten kaum rechtliche Vorgaben. Das Energiegesetz Nummer 87/2015 und die Ausführungsbestimmungen (veröffentlicht als Ministerialdekret 230/2016) beinhalten allerdings einige relevante Punkte. Stromkunden mit einem Verbrauch von mehr als 500 kW sollen Verantwortliche für eine effizientere Energienutzung benennen und Aufzeichnungen über den Verbrauch führen.

Für Netzbetreiber beziehungsweise Stromverteilungsunternehmen ist vorgesehen, jährlich einen Plan zu entwickeln, um die Verbraucher in vier Punkten zu unterstützen. Dabei handelt es sich um das Management der Stromnachfrage, die Verbesserung der Energieeffizienz, die Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien sowie die Stärkung des Bewusstseins für den Einsatz von Energie. Hersteller und Importeure von stromverbrauchenden Geräten und Ausrüstungen sollen auf diesen Hinweise zu ihrer Energieeffizienz anbringen.

Die Effizienzangaben und der Ausbau weiterer Spezifikationen sind auch als politisches Ziel im Gesetz festgehalten. Ebenso sollen die Behörden den Austausch ineffizienter Ausrüstungen und eine bessere Energienutzung in industriellen und gewerblichen Systemen forcieren. Zum Abfedern von Spitzenlasten erhalten Netzbetreiber ferner die Möglichkeit, mit ihren Kunden eine Reduzierung der Lasten in diesen Zeiträumen zu vereinbaren.

Es bleibt abzuwarten, wie schnell und umfassend die Vorgaben umgesetzt werden, zumal es sich um Soll-Bestimmungen handelt. Bereits zwischen der Veröffentlichung des Gesetzes und der Ausführungsbestimmungen verging verhältnismäßig viel Zeit. Zudem wird nicht jedes ägyptische Gesetz umfassend und flächendeckend implementiert. Ein Beispiel ist die Einführung des One-Stop-Shops für Investoren, der jahrelang nicht mit Leben gefüllt wurde. Dass Aspekte der Energieeffizienz Eingang in das neue Energiegesetz gefunden haben, verdeutlicht aber die wachsende politische Bedeutung des Themas.

Eine Analyse der Lebenszykluskosten spielt bei staatlichen Ausschreibungen und Beschaffungen in Ägypten bislang keine Rolle. Eine Berücksichtigung von Energieeffizienz, Wartungsaufwand und Lebensdauer von Anlagen könnte Vorbildcharakter haben, zeichnet sich aber noch nicht ab.

Eine zentrale kostenlose Zugriffsmöglichkeit auf Gesetze und Dekrete in englischer Sprache besteht nicht. Im Internetauftritt der Regulierungsbehörde EgyptERA können aber eine Reihe von Regelungen zum Energiesektor heruntergeladen werden.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Ägypten: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

 

Electricx Egypt, 4.12. bis 6.12.16, Kairo

www.electricxegypt.com

Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD)

www.ebrd.com/egypt.html

EgyptERA (Regulierungsbehörde)

http://egyptera.org/en

Egyptian German Joint Committee on Renewable Energy, Energy Efficiency and Environmental Protection (JCEE)

www.jcee-eg.net

Egyptian National Cleaner Production Centre (ENCPC)

www.encpc.org

Egyptian Organization for Standards & Quality (EOS)

www.eos.org.eg/en

EgyptSEFF

www.egyptseff.org

ERECI-Projekt (Environmental Compliance Office and Sustainable Development)

www.ereci.eu/en/consortium/9-federation-of-egyptian-industries.html

EUREM

http://eg.eurem.net

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

www.giz.de/en/worldwide/319.html

Industrial Modernisation Centre (IMC)

www.imc-egypt.org

Ministry of Electricity and Renewable Energy

www.moee.gov.eg

Ministry of Petroleum

www.petroleum.gov.eg

Ministry of Trade & Industry

www.mti.gov.eg/english/index.htm

New and Renewable Energy Authority (NREA)

www.nrea.gov.eg

Regional Center for Renewable Energy and Energy Efficiency

http://rcreee.org

Text: Oliver Idem

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