Energieeffizienz in der Produktion in der Türkei

Hoher Energieverbrauch in der Türkei rückt Energieeffizienz in den Vordergrund

Wegen der hohen Importabhängigkeit bei fossilen Energieträgern fördert die türkische Regierung erneuerbare Energien und Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz. Ziel ist es, den Energieverbrauch, der für die Erzeugung einer BIP-Einheit benötigt wird, bis 2023 um 20% zu senken. Vor allem in energieintensiven Industriezweigen wie Zement, Stahl und Keramik sollen durch energiesparende Technologien und Verfahren Kosten gesenkt werden. Gefragt sind insbesondere moderne Elektromotoren.

17.10.2016

Türkische Industrie soll Energieverbrauch bis 2023 um 10 bis 15% drosseln

Die Verbesserung der Energieeffizienz ist eines der strategischen Ziele der türkischen Regierung für das Jahr 2023, dem 100-jährigen Jubiläum der Republik. Der hohe Stellenwert dieses Themas ergibt sich aus dem steigenden Energieverbrauch und der negativen Energiebilanz des Landes.

Bis 2020 prognostiziert das Energieministerium einen jährlichen Anstieg des Stromverbrauches um durchschnittlich 5,5% (Zunahme 2015: +2,7%). Da Erdöl und Erdgas in der Türkei kaum vorhanden sind, sind Energieimporte maßgeblich für das hohe Handelsbilanzdefizit des Landes verantwortlich. Trotz gesunkener Rohölpreise machten Kohlenwasserstoffeinfuhren 2015 immer noch knapp 60% des Defizits von 63 Mrd. US$ aus.

Strategieplan 2023

Die qualitativen Ziele und Maßnahmen im Bereich der Energieeffizienz sind dem „Strategiedokument für Energieeffizienz 2012 bis 2023“ der türkischen Regierung zu entnehmen. Demnach soll der Energieverbrauch für die Erzeugung eines Bruttoinlandsproduktes  von einem US-Dollar bis 2023 um ein Fünftel gesenkt werden, von 0,53 kWh im Jahr 2008 auf 0,42 kWh.

Im Dokument, das als Beschluss Nr. 2012/1 des Hohen Planungsrates vom 20.2.12 im Staatsanzeiger „Resmi Gazete“ Nr. 28215 vom 25.2.12 verkündet wurde, gibt es Einsparpotenzial bei folgenden industriellen Anwendungen: Ofensysteme, Kesselsysteme, Dampfsysteme, Trocknungsanlagen, Kühlsysteme, Klima- und Lüftungsanlagen, Kühltürme, Ventilatoren, Druckluftanlagen, Pumpen, Stromgeräte, elektrische Motoren und Beleuchtungssysteme.

Das Strategiedokument enthält sieben Hauptziele:

  • Senkung der Energieintensität und der Energieverluste in der Industrie und im Dienstleistungssektor,
  • Verbreitung des Baus von Gebäuden mit hoher Energieeffizienz und mit Nutzung erneuerbarer Energien,
  • Markteinführung von energieeffizienten Produkten,
  • Erhöhung der Effizienz in der Produktion, im Transport und in der Verteilung von Elektrizität sowie Senkung der Energieverluste und umweltschädigender Emissionen,
  • Reduzierung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen durch Kraftfahrzeuge sowie Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs,
  • Effizienter und wirksamer Energieverbrauch in öffentlichen Einrichtungen,
  • Stärkung der institutionellen Kapazitäten, Förderung des Einsatzes fortgeschrittener Technologien, Auffinden von Finanzierungquellen außerhalb des öffentlichen Sektors.

Im Rahmen der erstgenannten Zielsetzung ist vorgesehen, bei Betrieben mit einem jährlichen Primärenergieverbrauch von mehr als 50.000 t Erdöläquivalent (toe) bis 2023 eine Senkung der Energieintensität gegenüber 2012 um mindestens 15% herbeizuführen. Für Produktionsstätten mit einem Primärenergieverbrauch von 1.000 bis 50.000 toe soll die Energieintensität bis 2023 um mindestens 10% reduziert werden.

Energiedaten und strategische Ziele

Türkei

2006

2020

Energienachfrage (GWh)

174.637

355.880

Stromerzeugungskapazität (MW)

40.565

100.000

Energieintensität der Wirtschaft (toe/1.000 $)

0,288

0,243

Primärenergieverbrauch (mtoe)

99,6

222,3

Industrie

31,0

78,7

Einsparpotenzial (in %) *)

 

13,3

Gebäude

23,7

47,5

Einsparpotenzial (in %) *)

 

34,7

Verkehr/Transport

14,9

34,0

Einsparpotenzial (in %) *)

 

14,7

Landwirtschaft

3,6

6,8

Einsparpotenzial (in %) *)

 

k. A.

Petrochemie

4,2

3,2

Einsparpotenzial (in %) *)

 

k. A.

Kraftwerke

22,2

52,1

Einsparpotenzial (in %) *)

 

48,0

*) gegenüber 2006

Quellen: Energieministerium, Generaldirektion für erneuerbare Energien (YEGM), Stromtransportunternehmen TETAS

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Hoher Modernisierungsbedarf in verschiedenen Industriezweigen der Türkei

Die Industrie ist am gesamten Primärenergieverbrauch des Landes zu 24% und am Elektrizitätsverbrauch zu 47% beteiligt, so die Angaben der Generaldirektion für erneuerbare Energien (YEGM), die auch für Fragen der Energieeffizienz zuständig ist. Vom industriellen Stromverbrauch werden wiederum rund 70% für den Antrieb von elektrischen Motoren verwendet. Der Einsatz von Elektromotoren erfolgt vornehmlich beim Betrieb von Pumpen (29%), Ventilatoren (22%) und Kompressoren (7%). Schätzungsweise 90% der zurzeit eingesetzten Motoren sind nicht energieeffizient. Der Modernisierungs- und Rationalisierungsbedarf ist dementsprechend groß. Aufgrund dieser Erkenntnis konzentrieren sich die Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung in der Industrie auf Elektromotoren, die in verschiedenen Produktionszweigen eingesetzt werden.

Hohe Präsenz energieintensiver Branchen

Energieintensive Branchen wie die Zement-, die Glas- und Keramik- sowie die Eisen- und Stahlindustrie nehmen im produzierenden Gewerbe des Landes eine wichtige Stellung ein. Der Anteil der Energiekosten an den gesamten Produktionskosten bewegt sich in diesen Betrieben zwischen 20 und 55%. Die Lebensmittel- und Textilindustrie weisen dagegen vergleichsweise geringe Anteile von 10 bis 12% auf.

Anteil der Energiekosten an den gesamten Produktionskosten nach Branchen (in %)

Branche/Produktgruppe

Energiekostenanteil

Zement

55

Ammoniak

49

Aluminium

30

Eisen und Stahl

30

Glas

30

Düngemittel

25

Papier

25

Keramik

20

Metallurgie

15

Textil

12

Lebensmittel

10

Ölraffination

8

Quelle: Koc-Universität

Die Zementindustrie, die in den letzten Jahren massiv vom Bauboom profitierte, verfügte 2015 über Produktionskapazitäten von 126,1 Mio. t Zement und 76,5 Mio. t Klinker. Der Umsatz der Branche wird mit 3,2 Mrd. $ beziffert, wobei 550 Mio. $ durch Exporte erwirtschaftet werden. Landesweit gibt es 71 Zementfabriken (darunter 52 integrierte Anlagen). Größere Branchenunternehmen sind Akcansa (Joint Venture zwischen Sabanci Holding und HeidelbergCement), Oyak Cimento, As Cimento, Adocim, Cimsa, Cimentas, Nuh Cimento und Baticim.

Die Stahlproduktion dürfte bis 2025 von circa 40 Mio. t (2014) auf 68 Mio. t steigen, schätzt der Fachverband TCÜD, wenn auch die jüngste Entwicklung dieses Ziel fraglich erscheinen lässt. Im Vergleich zu internationalen Konkurrenten wie  der VR China, Brasilien, Russland und der Ukraine leidet die Branche unter höheren Energiekosten. Mehr als 70% des türkischen Rohstahls werden in elektrischen Lichtbogenöfen erzeugt, der Rest in integrierten Werken. Die größten Branchenunternehmen sind Erdemir, Ictas und Colakoglu.

Die Keramik- und Glasbranche ist ein bedeutender Industriezweig in der Türkei. Bei keramischen Boden- und Wandplatten sowie Kacheln und Fliesen gehört das Land zu den zehn größten Produzenten weltweit. Nach Angaben der Keramikföderation SERFED fertigen landesweit 28 Firmen Platten, Kacheln und Fliesen aus Keramik. Die gesamte Jahreskapazität beträgt 406 Mio. qm. Auf dem Inlandsmarkt wurden 2015 rund 230 Mio. qm Wand- und Bodenplatten, Kacheln und Fliesen sowie 11 Mio. sanitäre Keramikprodukte abgesetzt. Wichtige Kachel- und Plattenhersteller sind Eczacibasi (Vitra), Kale Seramik, Ege Seramik, Yurtbay Seramik, Kütahya Seramik, Usak Seramik, Yüksel Seramik und Hitit Seramik.

Textilindustrie setzt auf Kraft-Wärme-Kopplung

Wichtiges Element zur Steigerung der Energieeffizienz ist der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Bei der sektoralen Aufteilung der eingesetzten Anlagen liegt die Textilindustrie mit einem Kapazitätsanteil von 41% an erster Stelle, gefolgt von der Keramikindustrie (25%), der Lebensmittelindustrie (13%), der holzbearbeitenden Industrie (13%) und der Papierindustrie (8%), so eine Studie der Gazi-Universität in Ankara.

Unternehmen in der Türkei können ihre Elektrizitätskosten durch zeitliche Anpassungen reduzieren. Neben dem zeitunabhängigen Stromtarif gibt es drei tageszeitabhängige Tarife, die beim Vorliegen der technischen Voraussetzungen in Anspruch genommen werden können. Zwischen 17:00 und 22:00 Uhr gilt der teuerste und zwischen 22:00 und 6:00 Uhr der preisgünstigste Tarif. Der Strompreis für Industriebetriebe beträgt im zeitunabhängigen Tarif 0,31 TL/kWh.

Durch die günstige geografische Lage als Transitland können türkische Energieunternehmen ihren Kunden einen günstigen Erdgaspreis anbieten, der für industrielle Kunden im einfachen Tarif umgerechnet 32,01 Euro-Cent/kWh beträgt.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Türkei fördert Erhöhung der Energieeffizienz in der Industrie

Investitionen in den Energiesektor werden im Rahmen der allgemeinen Förderung staatlich subventioniert. Diese beinhaltet Zollbefreiungen beim Import (bezieht sich auch auf Maschinen und Ausrüstungen, die für das Projekt benötigt werden), Mehrwertsteuerbefreiung und Zinszuschüsse.

Zur Feststellung der Förderfähigkeit werden unter anderem der Standort eines Projektes und die erforderliche Mindestinvestition berücksichtigt. Voraussetzung für eine Förderung in den wirtschaftlich stärkeren Provinzen (Förderzonen 1 und 2) ist ein Investitionsbetrag von mindestens 1 Mio. TL. In den Zonen 3 bis 6 sind mindestens 0,5 Mio. TL vorgeschrieben. Projekte, die vom Wirtschaftsministerium als förderungsfähig anerkannt sind, erhalten ein Investitionsförderungszertifikat (Yatirim Tesvik Belgesi). Ferner gilt, dass die in der Förderzone 6 (Provinzen mit geringster Wirtschaftskraft) neu geschaffenen Arbeitsplätze für zehn Jahre nicht der Lohnsteuer unterliegen. Die Listen der geförderten Firmen/Projekte werden vom Wirtschaftsministerium im Staatanzeiger „Resmi Gazete“ veröffentlicht.

Darüber hinaus subventioniert die türkische Regierung seit 2009 sogenannte Effizienzsteigerungsvorhaben (Verimlilik Arttirici Projeler - VAP). Von dieser Förderung profitieren Unternehmen des produzierenden Gewerbes mit einem jährlichen Energieverbrauch von mindestens 1.000 toe. Unterstützt werden solche Projekte, deren Kosten 1 Mio. TL (ohne Mehrwertsteuer) nicht übersteigen und die eine Amortisationsdauer von weniger als fünf Jahren aufweisen, so die Angaben der Generaldirektion für erneuerbare Energien YEGM. Den Projektträgern wird dabei maximal eine Förderung von 30% der geplanten Investitionssumme gewährt. Anträge zur VAP-Förderung können bis Ende Januar eines jeden Jahres bei der YEGM gestellt werden. Dasselbe Unternehmen darf jährlich höchstens zwei Anträge einbringen.

Stromkostenrabatt im Gegenzug für Investitionen in die Energieeffizienz

Eine andere Möglichkeit Fördermittel in Anspruch zu nehmen besteht laut türkischem Energieeffizienzgesetz über den Abschluss von freiwilligen Verträgen zwischen dem Projektträger und der YEGM. Mit solchen Verträgen können Unternehmen, die sich dazu verpflichten, ihre Energieintensität in der Produktion binnen drei Jahren um mindestens 10% zu reduzieren, bei Erfüllung der Vertragsbedingungen 20% ihrer Energiekosten (maximal 200.000 TL) erstattet bekommen. Die Auszahlung erfolgt nach Ablauf der Vertragsdauer. Voraussetzung für diese Förderung ist ein Energieverbrauch von mindestens 1.000 toe pro Jahr.

Einige Banken bieten Kredite für Energieeffizienzprojekte an. Die türkische Industrie-Entwicklungsbank TSKB (Türkiye Sinai Kalkinma Bankasi) vergab seit 2010 insgesamt 50 Mio. Euro für Energieeffizienz- und Erneuerbare-Energien-Projekte, in Kooperation mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Darüber hinaus bietet die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) im Rahmen der „Sustainable Energy Financing Facility“ (SEFF) Finanzierungen an. Die Kreditvergabe erfolgt in Zusammenarbeit mit türkischen Geschäftsbanken wie Denizbank, Akbank, Türkiye Is Bankasi, Finansbank, Vakifbank und Yapi Kredi.

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Pflicht eines Energiemanagements für energieintensive Firmen in der Türkei

Wegen des hohen Nachholbedarfs in puncto Energieeffizienz benötigen viele türkische Industriebetriebe intensive Beratung für die Erstellung von Energieaudits und ein wirksames Energiemanagement. Nach geltendem Recht müssen Industrieunternehmen mit über 1.000 toe Primärenergieverbrauch und organisierte Gewerbegebiete (Organize Sanayi Bölgesi- ISO) mit mehr als 50 Betrieben ein Energiemanagement nachweisen. Beratungsdienste und Expertise für die Ausarbeitung von Checklisten für detaillierte Energieaudits und für die Durchführung von Anwenderschulungen werden auch im Rahmen von UN-Projekten in der Türkei benötigt. Solche Projekte, zum Beispiel des UNDP (United Nations Development Programme), werden in der Regel öffentlich ausgeschrieben.

Strenge Auflagen an Energieberater

Die Lizenzierung für die Energieeffizienzberatung unterliegt in der Türkei einer strengen Prozedur. Unternehmen, die solche Dienste anbieten wollen, müssen bei der YEGM einen Antrag auf Zulassung stellen. Bei der Vergabe der Beratungslizenzen wird nach Industriebetrieben und Gebäuden differenziert. Es besteht die Möglichkeit, dass ein Unternehmen für beide Zielgruppen gleichzeitig zugelassen wird.

Nach Angaben der YEGM waren Mitte 2016 insgesamt 41 Energieeffizienz-Beratungsunternehmen zugelassen, davon 14 für Industriebetriebe und 36 für Gebäude. Neun Unternehmen waren in beiden Bereichen gleichzeitig zugelassen. Alle lizenzierten Firmen sind auf der Internetseite von YEGM aufgelistet.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Bedeutende Projekte in der türkischen Petrochemie und Zementindustrie

Die Erdölraffinerie-Gesellschaft Tüpras, ein Unternehmen der Koc-Holding, will zwischen 2016 und 2018 insgesamt 232 Mio. $ in die Steigerung der Energieeffizienz investieren. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) finanziert dieses Vorhaben mit 150 Mio. $. Experten bezeichnen das Projekt als das bisher größte Ressourcen-Effizienz-Programm in der türkischen Industrie: In den Raffinerien in Izmir und Kirikkale soll der CO2-Ausstoß insgesamt um 270.000 t (625.000 Barrel Erdöläquivalent) und der Wasserverbrauch um 120 Mio. cbm pro Jahr zurückgehen.

Das Programm umfasst darüber hinaus den Bau von neuen thermischen Kraftanlagen innerhalb der Raffinerie-Komplexe sowie die Errichtung von Wärmerückkopplungssystemen, Anlagen für die Abgasbehandlung und katalytische Cracking-Einheiten. Tüpras ist derzeit landesweit das einzige Ölraffinerie-Unternehmen und besitzt vier Werke in Izmit, Izmir, Kirikkale und Batman.

Das Zementunternehmen Cimsa (Sabanci Holding) führte in fünf Zementwerken Energie-Monitoring-Systeme ein, mit deren Hilfe die Lastspitzen reduziert wurden. Der Zementhersteller Akcansa (Joint Venture zwischen Sabanci Holding und HeidelbergCement) will durch den Einsatz von Mikroalgen bei der Rauchgasbehandlung die jährliche CO2-Emission um 500.000 t senken. Außerdem sollen mit fotosynthesefähigen Mikroalgen jährlich 365.000 t Sauerstoff gewonnen werden. Das Zementunternehmen Bursa Cimento konnte 2015 durch den Einsatz von 30.000 t Abfällen bei der Energieerzeugung den Verbrauch von Kohle um 15.000 t reduzieren. Etwa 25% der im Zementwerk von Bursa Cimento verbrauchten Elektrizität wird aus Wärmerückkopplungsanlagen gewonnen.

Auch einige Firmen aus der Lebensmittelindustrie haben Energieeffizienzprojekte abgeschlossen, wie die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer (AHK) berichtet. Dazu zählen unter anderem die Unternehmen Pakyürek Tarim Sanayi ve Ticaret (Fischereiprodukte) und Gülsan Gida (Fruchtsäfte, Milchprodukte), die im Rahmen des UNIDO Öko-Effizienzprogramms mit vergleichsweise geringen Investitionen in Technologien und Prozessverfahren innerhalb einer kurzen Amortisationsdauer erhebliche Einsparungen beim Wasser- und Stromverbrauch erzielt haben sollen.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Gute Aussichten für Klima- und Belüftungstechnik, Elektromotoren und Energiemanagementsysteme in der Türkei

Die hohe Wertschätzung für Know-how und Technik aus Deutschland sowie die intensiven Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland stellen eine gute Grundlage für eine Zusammenarbeit im Bereich der Energieeffizienz dar. Neue gesetzliche Vorschriften der türkischen Regierung zur Anpassung an die EU-Normen sowie das steigende Bewusstsein der Unternehmer und Verbraucher für Energieeffizienz führen zu vielfältigen Investitionen mit Liefer- und Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Technologie- und Dienstleistungsfirmen.

Gute Chancen für deutsche Unternehmen bieten sich vor allem in den Bereichen Kühlungs-, Heizungs- und Lüftungssysteme, energieeffiziente Elektromotoren, Lösungen für Energiemanagementsysteme, Drucklufttechnologien, Pumpensysteme, Prozesswärmenutzung und Wärmerückgewinnung, energieeffiziente Beleuchtung sowie Mess-, Steuer- und Regeltechnik. Zusätzlich zu den Vorhaben, die Firmen aus eigenen Mitteln oder lokalen Krediten finanzieren, können sich auch in Verbindung mit international mitfinanzierten Projekten Lieferchancen für deutsche Hersteller und Dienstleister ergeben.

Neben der direkten Lieferung von Ausrüstungen und Technologien besteht für deutsche Firmen auch die Möglichkeit der Fertigungskooperation mit türkischen Partnern. Damit können in bestimmten Fällen die Nachhaltigkeit von Lieferungen und die Dauerhaftigkeit von Geschäftsbeziehungen gesichert werden.

Die örtliche Präsenz bringt wertvolle Wettbewerbsvorteile und ist deswegen für den langlebigen Markterfolg von großer Bedeutung, wenn sie auch anfänglich mit höheren Kosten verbunden ist. Sie kann je nach Umsatzerwartungen durch eine eigene Tochterfirma oder eine Vertretung erfolgen, die durch einen aus Deutschland entsandten Delegierten unterstützt werden kann. Über eine gute lokale Vertretung können die aktuellen Entwicklungen am Markt zeitnah verfolgt, detaillierte Informationen über Investitionspläne eingeholt, Kontakte gepflegt und rechtzeitig Vorbereitungen für die Mitwirkung an Projekten getroffen werden.

Die Türkei bietet deutschen Firmen eine gute industrielle Basis, niedrige Produktionskosten und eine Produktivität, die höher ist als in Bulgarien und Rumänien. Die seit 1996 bestehende Zollunion zwischen der EU und dem Land sowie das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Türkei sind wichtige Elemente, die die Türkei zu einem attraktiven Geschäftspartner und Investitionsstandort machen. Die Regierung führte in den zurückliegenden Jahren Reformen im Wirtschafts-, Arbeits- und Ausländerrecht durch, um internationale Investitionen und Technologietransfers zu erleichtern. Ausländische Unternehmen sind investitionsrechtlich lokalen Firmen gleichgestellt. Es bedarf keiner gesonderten Investitionsgenehmigung. Ausländische Firmen können in der Türkei Grundstücke erwerben und Firmen gründen. Die einst verlangten Mindestkapitalanforderungen wurden inzwischen abgeschafft.

Trotz der verbesserten Bedingungen stellen die Korruption in der öffentlichen Verwaltung, die schwerfällige Bürokatie und die Rechtspraxis immer noch bedeutende Hindernisse dar. Die in den letzten Jahren deutlich gestiegenen geopolitischen Risiken, innenpolitischen Spannungen und terroristischen Bedrohungen sind weitere Probleme, die den Investitionsstandort Türkei, insbesondere hinsichtlich der Sicherheit, gefährden.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Türkei: Gesetzliche Grundlagen

Das am 18.4.07 verabschiedete und durch Verkündung im Staatsanzeiger „Resmi Gazete“ Nr. 26510 zum 2.5.07 in Kraft getretene Gesetz Nr. 5627 über Energieeffizienz (Enerji Verimliligi Kanunu) bildet die rechtliche Grundlage für Maßnahmen und Aktionen im Bereich der Energieeffizienz. Die erste Durchführungsverordnung zum Gesetz wurde im Staatsanzeiger Nr. 27035 vom 25.10.08 veröffentlicht, die danach im Staatsanzeiger Nr. 27181 vom 2.6.09 eine Ergänzung erfuhr.

Das insgesamt 20 Artikel umfassende Gesetz Nr. 5627 regelt verschiedene Verfahren zur Steigerung der Energieeffizienz in der Industrie, in Gebäuden, in der Elektrizitätsproduktion und einigen anderen Bereichen. Ein zentraler Teil des Gesetzes behandelt die finanzielle Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen.

Nach dem Gesetz Nr. 5627 sind Industriebetriebe dazu verpflichtet, einen Energiemanager zu beschäftigen. Diese Vorschrift gilt für Betriebe, die einen jährlichen Primärenergieverbrauch von mindestens 1.000 toe aufweisen. Die Voraussetzung für die Eignung zum Energiemanager ist eine abgeschlossene Ingenieurausbildung und ein Industrie-Energie-Manager-Zertifikat. Bei einem jährlichen Primärenergieverbrauch von mindestens 50.000 toe verpflichtet das Gesetz Industrieunternehmen zum Einsatz eines Energie-Management-Teams. Dieses Team muss sich aus einem Elektro- oder Maschinenbauingenieur und mindestens drei weiteren Mitarbeitern zusammensetzen. Die Durchführungsverordnung zum Gesetz befasst sich mehrheitlich mit Effizienzsteigerungsmaßnahmen in Gebäuden und dem Energieverbrauch von elektrischen Haus- und Küchengeräten.

Mit dem Ziel der Angleichung der türkischen Bestimmungen an die EU-Richtlinien und internationalen Standards wurden in den vergangenen Jahren mehrere rechtliche Anpassungen vorgenommen. So trat Ende 2011 auch in der Türkei die Norm ISO 50001 als türkischer Standard „TS EN ISO 50001“ in Kraft, die als Wegweiser zum Aufbau eines betrieblichen Energiemanagementsystems dient. Die Einführung von „TS EN ISO 50001“ ist freiwillig, doch können Unternehmen mit einer fehlenden Zertifizierung nach einer Verordnung der YEGM nicht mehr an staatlich geförderten Energieeffizienzprojekten teilnehmen.

Eine wichtige Einrichtung im Bereich der Aufsicht und Marktzulassung ist die Regulierungsbehörde für den Energiemarkt EPDK (Enerji Piyasasi Düzenleme Kurumu - Energy Market Regulatory Authority). Aktuelle Fassungen von Gesetzen und Durchführungsverordnungen sowie Änderungsgesetzen, die den Energiesektor betreffen, können bei der EPDK abgerufen werden. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang unter anderem die Gesetze zum Elektrizitätsmarkt, zu erneuerbaren Energien sowie zum Flüssiggas-, Erdgas- und Erdölmarkt.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Türkei: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

 

Nationales Energieeffizienzforum und Fachmesse, EVF (11. - 12.1.17, Istanbul)

www.evf.gov.tr

Messe und Konferenz für Energie und Umwelt, ICCI (3. - 5.5.17, Istanbul)

www.icci.com.tr

Messe für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, RENSEF (17. - 19.11.16, Antalya)

www.rensef.org

Ministerium für Energie und Naturressourcen

www.enerji.gov.tr

Ministerium für Wissenschaft, Industrie und Technologie

www.sanayi.gov.tr

Generaldirektion für Erneuerbare Energien

www.yegm.gov.tr

Regulierungsbehörde für den Energiemarkt

www.epdk.gov.tr

Verband für Energieeffizienz

www.enver.org.tr

Verband der türkischen Stahlproduzenten

www.dcud.org.tr

Verband der türkischen Zementproduzenten

www.tcma.org.tr

Kammer der Elektroingenieure

www.emo.org.tr

Kammer der Umweltingenieure

www.cmo.org.tr

Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer (AHK)

www.dtr-ihk.de

 

Text: Necip C. Bagoglu

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