Energieeffizienz im Gebäudebau in Japan

Energieeffizienz im Gebäudebereich steht in Japan hoch im Kurs

Obwohl sich der japanische Markt für Energieeffizienz noch weitgehend in den Startlöchern befindet, wird bereits seit Jahren ausführlich über das vorhandene Potenzial diskutiert. Die sich langsam vollziehenden staatlichen Reglementierungen im Gebäudebereich dürften in Zukunft zu einer nachhaltigeren Umsetzung führen. Ausländische Unternehmen sollten die Hürden beim Einstieg in den bisherigen Nischen- und künftigen Wachstumsmarkt jedoch nicht unterschätzen.

17.11.2016

Japan will Nullenergiehäuser ab 2020

Das Thema Energieeffizienz steht bei der japanischen Regierung hoch im Kurs. Allerdings erhöhte die Dreifachkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 den Druck nach nachhaltigem Handlungsbedarf deutlich. Dementsprechend besteht noch viel Nachholbedarf. Das Energiebewusstsein der Bevölkerung ist die eine Seite, jedoch müssen geplante staatliche Verschärfungen im Gebäudebereich rasch durchgesetzt werden, um dort nachhaltigere Fortschritte erzielen zu können.

Das Wirtschaftsministerium METI (Ministry of Economy, Trade and Industry) strebt mittlerweile an, die Treibhausgasemissionen Japans bis 2030 im Vergleich zu 2013 um bis zu 26% zu reduzieren. Dies entspräche einer Verminderung um 18% gemessen an den Ausstößen des Jahres 1990. Die durch Privatwohnungen verursachten Kohlenstoffdioxidemissionen sollen im Vergleichszeitraum etwa halbiert werden.

Der künftige Energiemix spielt bei den Plänen, in denen letztendlich auch eine Verdoppelung der Selbstversorgungsquote angestrebt wird, eine entscheidende Rolle. Auf Kernkraft kann dabei trotz bestehender Widerstände nicht verzichtet werden: Ihr für 2030 anvisierter Anteil im Energiemix beläuft sich auf ein Fünftel. Erneuerbare Energien sollen dann zu 22 bis 24% beteiligt sein.

Gebäudebereich bislang im Abseits

Das Thema Energieeffizienz bleibt bei den staatlichen Vorgaben nicht ausgeklammert, allerdings wurde der Gebäudebereich dabei tendenziell vernachlässigt. Die „New National Energy Strategy to Promote Energy Conservation Measures“ von 2006 beinhaltet das Ziel, die Energieeffizienz allgemein bis 2030 um mindestens 30% gegenüber 2003 zu verbessern.

Während in der Industrie und im Transportsektor Energieverbrauchssteigerungen in der Vergangenheit relativ erfolgreich in Schach gehalten werden konnten, war dies im Gebäudebereich nicht der Fall. Statistiken des Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism (MLIT) zufolge entfiel 2015 ein Anteil von etwas mehr als einem Drittel des Energieverbrauchs auf die Gebäudekategorie. Dies verdeutlicht das Gewicht des Sektors und die Herausforderungen, die energiepolitisch damit verbunden sind.

Im Privatsektor soll das Konzept der Nullenergiehäuser (Net Zero Energy Houses, ZEH) spätestens ab 2020 bei Neubauten zum Tragen kommen. Ab 2030 könne die Strategie dann komplett umgesetzt sein, lautet das bereits 2014 formulierte Regierungsziel. Für die Planung wurde im METI das ZEH Road Map Review Panel eingerichtet. Im Bereich der gewerblichen Bauten verlaufen die Pläne analog mit identischen Zeitvorgaben für Net Zero Energy Buildings (ZEB).

Japan im Effizienzranking hinter Deutschland auf Platz zwei

Im Energieeffizienzranking des American Council for an Energy-Efficient Economy (ACEEE) konnte sich Japan indes in den letzten Jahren kontinuierlich verbessern und rangierte 2016 bereits hinter Deutschland zusammen mit Italien auf Rang zwei. Dabei schnitt allerdings die Kategorie Energieeffizienz in Gebäuden bei den berücksichtigten Kategorien am schlechtesten ab. Besonders gute Bewertungen erhielt Japan in den Bereichen Industrie und Transport.

Einen Ausblick auf die künftige Energieversorgung und -nachfrage wurde vom METI mit Stand Juli 2015 veröffentlicht.


Strategische Ziele der Energieeffizienz in Japans bis 2030

 

2010

2014

2030

Endenergieverbrauch der privaten Haushalte (in Petajoule)

2.174

1.937

-26 1)

Anteil am Endenergieverbrauch des Landes (in %)

14,8

14,3

13

Stromverbrauch der Privathaushalte (in Petajoule)

1.099

986

-2 1)

Strompreis für Haushalt mittlerer Größe (je kWh)

20,37 Yen (0,176 Euro)

25,51 Yen (0,182 Euro)

k.A. 2)

Zielstellungen des Landes zur Reduktion Stromverbrauch (in %)

-

-

-1,5

1) Einsparungen gegenüber 2013 in %; 2) k.A.: keine Angaben
Quelle: Agency for Natural Resources and Energy


Text: Michael Sauermost

17.11.2016

Japan verschärft schrittweise die bislang niedrigen Standards

Japans Ansatz bei der Energieeffizienz im Bausektor war in der Vergangenheit stark auf aktive Komponenten fokussiert. Beispielsweise ging es hauptsächlich darum, den Energieverbrauch von Klimageräten einzudämmen. Erst langsam weitet sich das Spektrum auch auf passive Baumaßnahmen aus.

Energieeffizientes Bauen mit Dämmmaterialien kam bislang kaum zur Anwendung. Allerdings müssen in diesem Zusammenhang klimatische Unterschiede zur Erwähnung kommen: So gehört die Isolierung beispielsweise im nördlichen Tohoku oder in Hokkaido durchaus zum Standard. Diese Region ist separat von den Ballungsgebieten rund um den Großraum Tokio oder Osaka zu betrachten.

Erfolg setzt Ökostandards voraus

Die bisherige Entwicklung muss als Resultat der bislang vergleichsweise niedrigen und nicht verpflichtenden Standards (Energy Efficiency Standard for Housing and Buildings, EESHB) betrachtet werden. Nach und nach kommt es zu Verschärfungen - allerdings in kleinen Schritten.

Das METI verkündete im März 2015 derartige Modifizierungen: In Zukunft sollen zunächst alle großen Nichtwohngebäude strengeren Ökostandards entsprechen. Bislang geschah dies auf freiwilliger Basis. Betroffen sind allerdings erst Vorhaben, deren Bau ab 2017 beginnt. Als „groß“ gelten dabei Gebäude mit einer Etagengröße von mindestens 2.000 qm.

Für kleinere gewerbliche Bauten sowie Wohnungen mit einer Fläche von mehr als 300 qm soll eine Berichtspflicht gegenüber der Kommunalverwaltung über energiesparende Baumaßnahmen eingeführt werden. Strenge Sanktionsmechanismen werden bislang indes vermisst.

Bausektor behält sein Gewicht

Der Bausektor Japans spielt trotz schrumpfender Bevölkerung weiter eine gewichtige Rolle. Er macht circa 10% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus und garantiert etwa ein Zehntel der Arbeitsplätze. Auch wenn der Markt in den letzten Jahren mehr oder weniger stagnierte; das Volumen des Sektors bleibt mit knapp 50 Bill. Yen (circa 373 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 134 Yen; im Jahresdurchschnitt 2015) beeindruckend.

Bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio blickt die Baubranche zuversichtlich nach vorn. Bis dann will die Regierung auch nachhaltige Öko-Konzepte erfüllt wissen. Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8 auf 10% wurde auf 2019 verlegt. Der Branche bleibt diese Konjunkturbremse also vorerst erspart.

Generell gilt weiterhin: Da Grund und Boden kostspielig sind, wird bei Baumaterialien tendenziell gespart. Gebäude mit Holzfundament bleiben am weitesten verbreitet. Sie machen etwa 55% der Neubauten aus; ein Viertel entfällt auf Stahlbeton, ein Fünftel auf Stahlgerüste. Allgemein sind Fertighäuser in Japan außerordentlich beliebt.

Kein Mangel an Nachholbedarf

Einer Umfrage des MLIT zufolge entbehrt ein Anteil von 40% des lokalen Hausbestands jeglicher energieeffizienter Vorkehrungen. Etwa 80% der Häuser und Wohnungen dürften lediglich mit Einfachverglasungen und Aluminiumrahmen ausgestattet sein. Erst bei Neubauten geht der Trend langsam zur Doppelverglasung.

Auf der anderen Seite geht das Ministerium davon aus, dass bei immerhin 85% der neuen Bauvorhaben die Standards von 1999 eingehalten werden. Allerdings erschreckt bislang noch die Statistik, dass große Gebäude erst 6% des gesamten Bauflächenbestands ausmachen, dabei jedoch für 36% des entsprechenden Energieverbrauchs verantwortlich sind.


Altersstruktur der Gebäude (in %)

Baujahr

Wohngebäude

Öffentliche und körperschaftliche Gebäude

Insgesamt

100,0

100,0

vor 1950

3,8

1,8

1951 bis 1990

41,8

47,3

1990 bis 2014

48,3

46,8

unbekannt

6,0

4,0

Quelle: Ministry of Internal Affairs and Communications (MIC)


Bislang hatten ausländische Unternehmen neue Projekte im Visier: Während bei Modernisierungsmaßnahmen im Land tendenziell auf bekannte Standardlösungen zurückgegriffen werde, dürften bei Neubauten eher neue Konzepte für eine ökologische Bauweise eine Chance erhalten, lautete die Einschätzung. Dies könne sich jedoch in den kommenden Jahren tendenziell verschieben.


Vorgesehene Modernisierung und vorgesehener Neubau von Gebäuden

 

2016

2020

2025

2030

Wohngebäude Neubau (in 1.000 Einheiten)

954

853-899

688-714

522-559

Nichtwohngebäude Neubau(in 1.000 qm), davon

 

 

 

 

Büros

5.753

5.779

5.956

6.174

Geschäfte

6.546

6.081

5.790

5.504

Fabriken

8.753

8.650

8.673

8.733

Lagerhäuser

8.203

8.323

8.580

8.918

Potentielle Modernisierung bestehender Wohnhäuser (in 1.000 Einheiten)

250

280

310

340

Quellen: Research Institute of Construction and Economy, Nomura Research Institute


Demographische Einflussfaktoren werden in Zukunft den japanischen Bausektor maßgeblich beeinflussen. So dürften Baumaßnahmen zunehmend auf die Bedürfnisse der alternden Bevölkerung zugeschnitten sein. Der Trend geht schon seit langem weg von der klassischen Familienwohnkultur. Die Entscheidung über energiesparende Baumaßnahmen sowie -materialien dürfte auch in Zukunft bei den Architekten beziehungsweise den Bauunternehmern liegen.

Die Lebensdauer von Japans Einfamilienhäusern ist sehr limitiert. Das typische Eigenheim wird nach 30 Jahren abgerissen und komplett neu aufgebaut. Dies hält die Baubranche am Leben, begrenzt gleichzeitig jedoch den Markt im Renovierungs- und Modernisierungssegment beziehungsweise bei Instandhaltungen stark.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten: Maximaler Primärenergieverbrauch

Gebäudeart

2015 (in Megajoule/qm im Jahr)

Reduktion Endenergieverbrauch bis 2020

Öffentliche Gebäude, Hotels, Krankenhäuser, Büros etc.

1.693

Mehr als 50%

Häuser

38.013

Mehr als 75%

Quelle: Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism (MLIT)


Bei den Außenfassaden der Eigenheime entscheiden sich mehr als zwei Drittel der Bauherren für kostengünstige faserverstärkte Zementplatten. Erdbebensicherheit sowie Feuerfestigkeit stehen beim Wohnungsbau zwar besonders im Fokus. Das Thema Brandschutz komme bislang bei der Materialauswahl allerdings trotzdem zu kurz, beklagen Kritiker.


Energetische Anforderungen an die Dicke der Isoliermaterialen im Neubau für Hokkaido (in mm)

Bauteil

Wärmedurchgangswiderstandswert
(in (qm·K)/W = 1/U)

A1 *)

A2 *)

B *)

C *)

D *)

E *)

F *)

Dach

6,6

345

330

300

265

225

185

150

Decke

5,7

300

285

260

230

195

160

130

Wand

3,3

175

165

150

135

115

95

75

Boden/Außenluft

5,2

275

260

235

210

180

150

115

Boden/andere

3,3

175

165

150

135

115

95

75

*) Wärmeleitfähigkeit von Isoliermaterial: λ (in W/(m·K)); A1: λ = 0,052-0,051, A2: λ = 0,050-0,046, B: λ = 0,045-0,041, C: λ = 0,040-0,035, D: λ = 0,034-0,029, E: λ = 0,028-0,023, F: λ = unter 0,022
Quelle: MLIT


Text: Michael Sauermost

17.11.2016

Zahl der japanischen Förderprogramme nimmt allmählich zu

Bislang existieren für den Gebäudebereich hauptsächlich Vorgaben auf freiwilliger Basis, was sich allerdings in den kommenden Jahren ändern soll. Ferner erfolgt die Förderung insbesondere auf regionaler Ebene (in Präfekturen sowie auf kommunaler Ebene) nicht immer einheitlich.

Verschiedene Formen von Steuererleichterungen und günstigen Krediten existieren in unterschiedlichem Ausmaß in den einzelnen Präfekturen und Städten. Beispielsweise handelt es sich dabei um Anreize für neue Gebäude, die mindestens 10% unterhalb der im Energy Conservation Law vorgegebenen Energiesparstandards liegen.

Im Jahr 2013 richtete das METI einen Fonds für die Nutzung von energieeffizientem Baumaterial sowie die Förderung von Zero Energy Houses sowie Zero Energy Buildings in Höhe von 11,0 Mrd. Yen ein. Die jährlich zur Verfügung stehenden Subventionsgelder werden jeweils neu festgelegt.

Top Runner-Programm integriert Baumaterialien

Das Top Runner-Programm wurde im Jahr 1999 initiiert und war in den ersten Jahren hauptsächlich darauf ausgerichtet, die Effizienz in der Industrie sowie im Transportsektor zu erhöhen. Standards für Energieeffizienz für zahlreiche Elektroerzeugnisse wurden zunächst aufgenommen und danach modifiziert.

Seit 2012 sind Baumaterialien Teil des Top Runner-Programms. Im November 2014 nahm die Regierung auch Fenster und Fensterrahmen auf. Dies wurde als wichtige Maßnahme gesehen, um im Gebäudesektor auch im passiven Bereich die Energieeffizienz zu erhöhen und auch einen ersten Schritt in Richtung Nullenergie- oder Passivhäuser zu nehmen, denen bislang eher der Charakter von Vorzeigemodellen vorenthalten bleibt. Dämmmaterialien gehören bislang noch nicht zum Programm.

Ökopunkte für gutes Klima

Das bekannteste staatliche Förderprogramm im Rahmen der Energieeffizienz ist das im Jahr 2010 zusammen von MLIT, METI sowie dem Ministry of the Environment gestartete Eco Point Program. Dies beinhaltet die Vergabe von Ökopunkten, sobald bei einem Neubau oder einer Modernisierung energiesparende Maßnahmen wie Dämmung, Solaranlagen oder Doppelverglasung zur Anwendung kommen.

Die Punkte können dann im Gegenzug gegen Gutscheine beispielsweise für energiesparende Elektrogeräte eingetauscht werden. Gelder für das Eco Point Program stehen bei Haushaltsdiskussionen auf dem Prüfstand. Sie sind teilweise auch Bestandteil von Konjunkturpaketen der Regierung.

Erst 2015 wurde das Programm neu aufgelegt. Dabei geht es auch um die regionale Wirtschaftsförderung, indem Eco Points gegen lokale Produkte eingetauscht werden. Kritikern zufolge reichen diese Anreize bislang bei weitem nicht aus. Außerdem wird gefordert, im Rahmen des Programms an Stelle von Anreizen lieber mit verbindlichen Vorgaben zu arbeiten.

Die Exportinitiative Energie des BMWi unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.


Text: Michael Sauermost

17.11.2016

Japan setzt bei Energieeffizienz auf das CASBEE-Zertifikat

Für die Zertifizierung im Gebäudebereich sowie für ein Ratingverfahren startete im Jahr 2002 unter der Aufsicht des METI das CASBEE-Programm (Comprehensive Assessment System for Built Environment Efficiency). Entwickelt wurde das System vom Institute for Building Environment and Energy Conservation (IBEC); es ist vergleichbar beispielsweise mit dem britischen Nachhaltigkeitszertifikat BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method).

Allerdings kommt CASBEE bislang hauptsächlich in Japan zum Einsatz. Jedoch kam es im Jahr 2014 zu einer ersten internationalen Zertifizierung in der VR China. Eine Neuerung stellt das Programm CASBEE for Cities dar, das vom IBEC im Jahr 2015 als Pilotprojekt für den Städtebereich gestartet wurde.

Mit CASBEE werden Punktzahlen für energieeffiziente Gebäude vergeben, um Anreize bei der Gebäudeentwicklung zu schaffen. Das System arbeitet mit vier Bewertungsfeldern: der Energieeffizienz, der Effizienz eingesetzter Ressourcen, der unmittelbaren Umgebung sowie dem Innenraumklima. Das System soll den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes vor, während und nach der Entstehung evaluieren.

Zusätzlich zu dem CASBEE-System wurde im April 2014 das Building Energy-efficieny Labeling System (BELS) durch das MLIT eingeführt. Dies kommt bei Nichtwohngebäuden zur Anwendung. In Anlehnung an den Energy Saving Act kann die Zertifizierung sowohl bei neuen als auch bei bestehenden Gebäuden erfolgen.


Text: Michael Sauermost

17.11.2016

Großer Nachholbedarf schafft Chancen für deutsche Firmen und Handwerker in Japan

Das Marktpotenzial auch für europäische Firmen auf dem Markt ist unumstritten, denn Nachholbedarf ist vorhanden. Die Entwicklung gehe erst langsam los, bewerten ausländische Branchenvertreter. Vor allem im Renovierungsbereich schlummern Geschäftsmöglichkeiten.

Allerdings wartet die Branche noch auf verbesserte Rahmenbedingungen. Diese könnten durch zügigere sowie konsequentere Vorgaben von Seiten der Regierung geschaffen werden. Bevorstehende Änderungen der Gesetzeslage dürften zwangsläufig auch bei der Bevölkerung das Energiebewusstsein im privaten Eigenheim maßgeblich erhöhen.

Mit dem Erfahrungsvorsprung punkten

Ausländische Anbieter von effizienten sowie innovativen Branchenerzeugnissen oder Komplettlösungen dürften in Zukunft vor allem mit ihrem Erfahrungsvorsprung punkten. Dies gilt nicht nur bei Neubauten, sondern auch im Renovierungsbereich, wenn sich der Trend zu Wohnhäusern mit einer längeren Lebensdauer, für die auch in qualitativ hochwertige Baumaterialien investiert wird, bestätigt. Beratungsdienstleistungen von internationalen Anbietern sollten dann ebenfalls gefragt sein.

Bislang ist der Marktzutritt jedoch schwierig. Diese Situation dürfte sich tendenziell verbessern, wenn allgemein etwas mehr Bewegung in entsprechende Projekte gekommen sei, ist von Branchenvertretern zu hören. Auch dann sei es ratsam über einen lokalen Partner oder Experten vor Ort aktiv zu werden.

Die Bereitschaft zu deutsch-japanischen Kooperationen ist gegeben. So kam es im Januar 2013 zu einer Vereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS; mittlerweile BMVI) sowie dem Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism zur Einrichtung einer japanisch-deutschen Konferenz über Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltleistung von Gebäuden. Im kontinuierlichen Austausch über gemeinsame Fortschritte im Bereich der Energieeffizienz sollen bilaterale Geschäftsbeziehungen entstehen.

Unter der Initiative des Öko-Zentrum NRW, das bereits seit 2008 in Japan aktiv ist, wurde im September 2012 die Japanese Energy Agency (JENA) gegründet. Das Beratungsunternehmen, das gemeinsam mit einem Konsortium japanischer Energieexperten ins Leben gerufen wurde, möchte deutschen Unternehmen den Einstieg in den schwierigen Markt erleichtern. Dämmung und Luftdichtheit, aber auch energetische Gebäudesanierungen stehen dabei besonders im Blickpunkt.


Text: Michael Sauermost

17.11.2016

Japan: Gesetzliche Grundlagen

Was den Bausektor allgemein angeht, so existiert eine Vielzahl an gesetzlichen Vorschriften. Gebäudestandards für Energieeffizienz wurden im Rahmen des Energy Conservation Law erstmals 1979 eingeführt und danach mehrfach modifiziert. Das Energy Conservation Law verpflichtet in seiner Ursprungsversion die Hersteller beziehungsweise Importeure für die Energieeffizienz ihrer Erzeugnisse Sorge zu tragen. Später wurde der Anwendungsbereich erweitert. Die letzte große Änderung gab es im Jahr 1999. In dem Jahr wurde auch der Standard EESHB eingeführt.

Für die Branche maßgeblich war die Aufnahme von Baumaterialien in das Top Runner-Programm im Jahr 2012. Die letzte Modifizierung im Gebäudebereich verkündete das METI im Jahr 2015 mit dem Bill for the Act for the Improvement of the Energy Saving Performance of Buildings, dessen Richtlinien neue Vorgaben für große Gebäude beinhaltet.


Relevante Baugesetze nach Verbindlichkeit

Bereich

Verpflichtung

Option

Baugesetz

Kenchikushi Law

-

Sicherheitskontrolle

Building Standard Law

Seismic Retrofitting Law

Brandschutz

Building Standard Law, Fire Service Law

-

Hygiene

Building Standard Law

Building Management Law

Barrierefreiheit

Barrier Free Law

Barrier Free Law

Energiesparen

-

Energy Saving Act

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest


Weitere relevante Gesetze sind auf der Webseite des MLIT auf Japanisch abrufbar.

 

Text: Michael Sauermost

17.11.2016

Japan: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

 

Japan Home Show

http://www.jma.or.jp/homeshow/en/

Smart Engineering Tokyo

http://www.jma.or.jp/set/en/

Japan Build

http://www.urban-innovation.jp/en/Home/

Smart Energy Japan

http://www.low-cf.jp/eng/index.html

Architecture + Construction Materials

https://messe.nikkei.co.jp/en/ac/

Agency for Natural Resources and Energy

http://www.enecho.meti.go.jp/

Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism (MLIT)

http://www.mlit.go.jp/en/index.html

Ministry of the Environment

http://www.env.go.jp/en/index.html

The Society of Heating, Air-Conditioning and Sanitary Engineers of Japan (SHASE)

http://www.shasej.org/English/

Building and Equipment Long-life Cycle Association (BELCA)

http://www.belca.or.jp/

The Japan Federation of Housing Organizations (Judanren)

http://www.judanren.or.jp/english/

Japan Sustainable Building Consortium (JSBC)

http://www.jsbc.or.jp/

Institute for Building Environment and Energy Conservation (IBEC)

http://www.ibec.or.jp/english/about_us.html

Sustainable open Innovation Initiative

https://sii.or.jp/


Text: Michael Sauermost

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