Energieeffizienz in der Produktion in Belgien

Atomausstieg und Energieimport drängen Belgiens Industrie zu mehr Energieeffizienz

Von 2010 bis 2030 könnte Belgiens Industrie 5 Mrd. Euro in Energieeffizienzsteigerungen investieren, so eine Studie von McKinsey. Dies eröffnet deutschen Anbietern sehr viele Chancen. Der belgische Sektor ist sehr energieintensiv und muss schon wegen des internationalen Konkurrenzdrucks weitere hohe Einsparanstrengungen vornehmen. Auch Belgiens Energieeffizienz-Aktionsplan fordert von der Industrie, den Endenergieverbrauch von 2012 bis 2020 um 18,1% zu senken.

17.10.2016

Bis 2020 will Belgien 17,8% Energie einsparen

Belgien hat 2014 einen dritten Nationalen Energieeffizienz-Aktionsplan (NEEAP) vorgelegt, der die Version von 2011 ersetzt. Demnach soll der landesweite Endenergieverbrauch 2020 durch Effizienzsteigerungen um 17,8% geringer ausfallen als ohne diese Maßnahmen, wobei 2007 das Ausgangsjahr der Projektionen ist. Somit sollen 7,1 Mio. t Rohöleinheiten (toe) eingespart werden, davon 1,5 Mio. toe durch freiwillige Vereinbarungen der Industrie. Einen niedrigeren Energieverbrauch benötigt Belgien schon wegen seines Importdefizits bei Energie. Dieses hat 2014 etwa 47,1 Mio. toe oder 88,2% des Bruttoinlandsverbrauchs erreicht. Das Problem verstärkt der geplante Atomausstieg. Belgiens Nuklearmeiler sollen 2025 vom Netz gehen, haben aber 2014 noch 45,7% des landesweit erzeugten Stroms bereitgestellt. Daher hat Belgien die Laufzeit auch alter Reaktoren trotz erheblicher Pannen von ursprünglich 2012 beziehungsweise 2015 auf 2025 verlängert.

Belgien gliedert sich in drei autonome Regionen, die auch für die Formulierung und Erreichung der Energieeffizienzziele verantwortlich sind. Hierbei handelt es sich um das niederländischsprachige Flandern, das frankophone Wallonien und die bilinguale Hauptstadtregion Brüssel. Alle drei Regionen haben 2014 ebenfalls ihre dritten Energieeffizienz-Aktionspläne vorgelegt. Demnach will Flandern 2020 einen um 19,1% geringeren Energieendverbrauch erreichen. Brüssel hat sich eine Verbesserung um 19,0% zum Ziel gesetzt und Wallonien von 12,9%. Auf nationaler Ebene besteht eine Arbeitsgruppe zwischen dem Föderalstaat und den Regionen zu Energiefragen, die unter anderem regionale Maßnahmen und überregionale Vorhaben abstimmt und auch belgische Positionen gegenüber Dritten - etwa der Europäischen Kommission - vorbereitet.

Industrie muss ihren Energieverbrauch stärker drosseln als Haushalte

Im Jahr 2012 hat sich Belgiens Endenergieverbrauch auf 36,6 Mio. toe summiert. Daran hatte die Industrie mit 10,9 Mio. toe einen größeren Anteil als Haushalte, der Verkehr oder der Dienstleistungssektor. Der Gesamtenergiebedarf soll bis 2020 laut NEEAP um 4,4% sinken. Dabei soll die Industrie ihren Verbrauch um 18,1% und damit stärker als andere Sektoren reduzieren. Diese Kennwerte zu Belgiens NEEAP hat das Föderale Planungsbüro auf Grundlage der drei regionalen Aktionspläne ausgearbeitet.

Strategische Ziele

Belgien

2012

2020

Veränderung 2020/2012 (in %)

Primärenergieverbrauch (in Mio. toe)

48,7

49,3

1,2

Endenergieverbrauch (in Mio. toe), darunter

36,6

35,0

-4,4

.in der Industrie

13,3

10,9

-18,1

.im Verkehr

9,8

9,8

0,0

.von Haushalten

7,4

8,6

16,2

.von Dienstleistern, Landwirtschaft

6,0

5,6

-6,7

Quellen: Föderales Planungsbüro, 3. Nationaler Energieeffizienz-Aktionsplan

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Belgien besitzt viele energieintensive Branchen

Belgiens Industrie hat 2014 etwa 9,3% weniger Energie verbraucht als 2010, obwohl ihre Bruttowertschöpfung im selben Zeitraum preisbereinigt um 4,9% gestiegen ist. Dennoch ist die Energieintensität im internationalen Vergleich hoch. Laut Eurostat fiel 2014 in Belgien ein Energieverbrauch von 141,4 kg an Öläquivalenten je 1.000 Euro  erwirtschaftetem BIP an. Das ist mehr als im Schnitt der EU (122,0 kg) und Eurozone (117,4 kg) und der nach Finnland höchste Wert aller Volkswirtschaften, die bereits vor der ersten Osterweiterung 2004 EU-Mitglied waren.

Belgiens Industrie prägen energieintensive Branchen. Raffinerien, Chemie- und Pharmahersteller haben 2014 etwa 2,0%, 15,4% und 12,6% der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe erzeugt. Dazu entfielen 15,4% auf Nahrungsmittel- und Getränkeverarbeiter und 12,2% auf Metallerzeuger und -bearbeiter. Diese Sparten haben 2014 zusammen 70% aller Energie in der Industrie verbraucht. Eine Analyse von McKinsey kommt zum Schluss, dass Belgiens Industrie mit Investitionen von 5 Mrd. Euro den Jahresprimärenergieverbrauch von 2010 bis 2030 um 15 Millionen boe (Barrel Öläquivalente) senken kann. Weitere 14 Millionen boe lassen sich durch kostenneutrale Verbesserungen einsparen. Der Energiebedarf wäre dann um 20% geringer als 2005.

Höhere Stromkosten in Wallonien

Die Preisanreize für Effizienzsteigerungen variieren. Im zweiten Halbjahr 2015 kostete Gas belgische Industrieabnehmer 1,8 und 5,6 Eurocent je Kilowattstunde, je nach abgenommener Menge. Das war weniger als im Durchschnitt von EU und Eurozone (jeweils 3,1 bis 6,3 Eurocent) und niedriger als die meisten deutschen, französischen und niederländischen Tarife. Gleichzeitig kostete Strom belgischen Industriekunden 7,7 bis 21,4 Eurocent je Kilowattstunde. Auch diese Spanne war niedriger als im Mittel von EU (10,2 bis 23,4 Eurocent), Eurozone (10,1 bis 25,0 Eurocent) und Deutschland (13,0 bis 27,8 Eurocent), doch teurer als in den Niederlanden (8,1 bis 16,2 Eurocent) und Frankreich (6,6 bis 18,2 Eurocent).

Hinzu kommen in Belgien regionale Unterschiede. So zahlen insbesondere kleinere Stromkunden in Wallonien wegen höherer Steuern und Abgaben teurere Tarife als in Flandern und den Nachbarländern, so eine Studie von PriceWaterhouseCoopers 2016. Dies beeinträchtigt etwa Nahrungsmittel- und Getränkebetriebe. Aber auch Belgiens Chemieverband Essenscia fordert die Regionalregierung von Wallonien dringend auf, die Energiekosten zu verringern.


Energieverbrauch in belgischen Industriezweigen

Industriezweige

Anteil am BIP 2014 (in %) 1)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %) 2)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in %) 2)

Chemische Industrie

2,1

34,9

40,8

Stahlindustrie

1,8 3) 4)

20,0

20,6

Nahrungs- und Genussmittelindustrie

2,1

11,5

8,8

Verarbeitung nichtmetallischer Mineralstoffe

0,6 4)

12,2

7,3

Papier- und Druckindustrie

0,6 4)

6,1

5,6

1) Bruttowertschöpfung; 2) an Elektrizität und Wärme in Tonnen Rohöleinheiten; 3) Metallerzeugung und -bearbeitung; 4) Angabe für 2013
Quelle: Eurostat

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Zuschüsse für Energieeinsparungen in Belgien regional geregelt

In Belgien gibt es auf föderaler, regionaler und Branchenebene Institutionen und Maßnahmen, um Energieeffizienzsteigerungen der Industrie zu fördern. Zum einen können Unternehmen ihre Investitionen in die Energieeffizienz oder den Umweltschutz landesweit auf die Gewinnsteuer anrechnen. Die Rate kann je nach Jahr variieren und liegt für 2015 bei 13,5%. Zuständig für Energieeffizienz auf gesamtstaatlicher Ebene ist das Generaldirektorat Energie im Föderalen Dienst für Wirtschaft, kleine und mittlere Betriebe, Mittelstand und Energie. Dieser informiert auf seinem französischen und niederländischem Internetauftritt umfassend über Energieeffizienzfragen und bietet auch einen Link zu einer englischen Zusammenfassung der Steuererleichterungen.

Detaillierte Darstellung der Förderung im Internet

Flandern bietet zusätzliche Förderungen für Energieeffizienzmaßnahmen. Zuständig in dieser Region ist die Flämische Energieagentur. Diese informiert Unternehmen über Unterstützungen auf Niederländisch. In Wallonien obliegt die Energieeffizienzförderung der Abteilung für Energie und nachhaltiges Bauen in der Operationellen Generaldirektion für Raumplanung, Wohnen, regionales Erbe und Energie. Einen Überblick über alle wallonischen Fördermaßnahmen gibt es auf Französisch und teilweise auf Deutsch. In der Hauptstadtregion Brüssel ist das Institut für Umweltmanagement IGBE/BIM für Energieeffizienzmaßnahmen zuständig.

Auch Industrievereinigungen offerieren Unterstützung bei Energieeffizienzfragen. So organisiert der Chemieverband Essenscia Seminare und weitere Veranstaltungen im Rahmen des europäischen Spice³-Programms. Der Technologieverband Agoria, der unter anderem Maschinen- und Anlagenbauer sowie Anbieter von Energietechnik umfasst, bietet einen praxisnahen Überblick über Unterstützungsmöglichkeiten in Belgien.

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Audit variieren in Belgien von Region zu Region

Auch die Rahmenbedingungen für Energieaudits sind in Belgien eine Angelegenheit der Regionen. Bisher wurden nur in Flandern entsprechend der Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von mindestens 50 Mio. Euro verpflichtende Energieaudits eingeführt. Informationen hierzu gibt die VEA auf Niederländisch.

In der Hauptstadtregion Brüssel existieren keine Mindestanforderungen bezüglich der Größe von Unternehmen, jedoch hinsichtlich des Gebäudeumfangs. So müssen alle Objekte mit einer Fläche von mindestens 3.500 qm Energieaudits durchführen, wobei Wohnraum nicht einzurechnen ist. Informationen auf Französisch.

Wallonien fördert freiwillige Audits

Wallonien setzt auf regionale Unterstützungen für Energieaudits, die aber bisher nicht verpflichtend sind. Im Rahmen des Programms AMURE können die Kosten für Energieaudits mit bis zu 320.000 Euro subventioniert werden, wobei kleine Betriebe 70%, mittlere Firmen 60% und alle größeren Unternehmen 50% der Aufwendungen erstattet bekommen können. Jährliche Nachfolgeuntersuchungen werden mit 50% beziehungsweise maximal 4.000 Euro unterstützt. Ein französischer Überblick findet sich hier.

In allen belgischen Regionen gibt es offiziell zugelassene Energieberater und entsprechende Online-Verzeichnisse für Flandern, Wallonien und die Hauptstadtregion Brüssel. Beratungen in Energiefragen bietet unter anderem auch der Technologieverband Agoria an.

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Standortwettbewerb zwingt belgische Unternehmen zu Energieaudits

Die stetige Effizienzsteigerung des Energie- und sonstigen Ressourceneinsatzes ist für größere Industriebetriebe im High-Tech- und Hochlohnland Belgien in der Regel schon aufgrund des globalen Wettbewerbs und somit auch ohne staatliche Vorgaben ein Muss. Die Beachtung dieser Vorschriften stellt dann nicht zuletzt wegen der möglichen Förderungen eher einen zusätzlichen Anreiz dar.

Gerade auch die großen belgischen Produktionsstätten internationaler Unternehmen in der Chemie-, Pharma-, Kfz- und Schwerindustrie stehen meist in einem starken konzerninternen Standortwettbewerb und investieren daher seit langem kontinuierlich in Energieeffizienzmaßnahmen. Für solche Fertigungsanlagen finden dann oftmals nicht nur ISO-50001-Zertifizierungen oder sonstige Vorgaben vor Ort Anwendung, sondern auch die jeweiligen konzernspezifischen Standards. Auch werden die Energieaudits in diesem Fall vielfach nicht nur von belgischen Beratern, sondern von spezialisierten Expertenteams der Unternehmensgruppe erstellt, die auf diese Weise nicht nur die belgischen, sondern alle europäischen und teilweise weltweiten Fertigungsanlagen analysieren. Internationale Konzerne beauftragen dann oft Unternehmen, die sich bereits an Standorten in anderen Ländern etabliert haben, mit der Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen in Belgien.

Zielgruppe effizienzunerfahrene kleinere Industriebetriebe

Es gibt aber in ganz Belgien noch viele, meist kleinere Industriebetriebe, die bisher keine Energieaudits durchgeführt haben und auch rechtlich nicht dazu verpflichtet sind. Für diese geben die öffentlichen Förderanreize oft den entscheidenden Ausschlag, einen offiziell zugelassenen belgischen Energieberater zu beauftragen. Dies bietet deutschen Anbietern von Energieeffizienztechnik vor allem dann hervorragende Geschäftschancen, wenn gleichwertige Lösungen in Belgien nicht vorhanden sind. Oft stellt die Zusammenarbeit mit vor Ort etablierten Baufirmen, Planern oder Energieberatern in dem Fall einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil dar.

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Belgischer Energieeffizienz-Markt bietet Chancen

Der belgische Markt für energieeffiziente Industrielösungen eröffnet Anbietern aus Deutschland vielfältige Absatzmöglichkeiten. Dies gilt sowohl für Produzenten als auch für Ingenieure, Architekten, Baufirmen, Handwerker oder IT-Spezialisten. Deutsche Anbieter haben in Belgien in der Regel eine sehr gute Wettbewerbsposition, dank der Innovationskraft, Effizienz und Langlebigkeit ihrer Produkte und ihres hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses. Tendenziell ist das belgische Kostenniveau deutlich höher als das deutsche. So lagen die Verbraucherpreise in Belgien 2015 um 7,1% über dem EU-Durchschnitt, in Deutschland dagegen um 0,2% darunter.

Zum einen ist in Belgien mit einem steigenden Bedarf an energieeffizienteren Maschinen, Anlagen und sonstigen Lösungen zur Prozessautomation zu rechnen. Auch für Hersteller von modernster Heiz-, Kühl- und Klimatechnik eröffnet Belgien viele Geschäftschancen. Das Thema Industrie 4.0 wird dabei zunehmend eine Rolle spielen, da sich mit der digitalen Vernetzung von Logistik- und Produktionsprozessen ein großes Potenzial für weitere Energieeinsparungen ergeben kann.

Die wichtigsten Abnehmerbranchen ergeben sich aus der belgischen Industriestruktur. Diese sind neben der vor allem in Flandern präsenten (Petro-)Chemie der flämische und wallonische Pharmasektor, die vornehmlich wallonische Stahlindustrie, die landesweit verstreuten Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, die Kfz-Branche mit den Autowerken in Gent und Brüssel sowie die landesweiten Kunststoff- und Gummiverarbeiter, Baumaterialhersteller und Elektronikbetriebe. Auch das belgische Logistikgewerbe ist mit Europas zweitgrößtem Hafen Antwerpen ein sehr interessanter Kundensektor für Energieeffizienzlösungen. In Antwerpen befindet sich auch Europas größtes Chemiecluster. Ein Energiepreisvergleich der Standorte legt nahe, dass vor allem wallonische Verbraucher von Strom aufgrund des Wettbewerbsdrucks an Kosteneinsparungen interessiert sind.

Chancen auch in der Energieerzeugung

Die Energieerzeugung selber bietet ebenfalls viel Spielraum für Effizienzsteigerungen. Hier sind etwa moderne Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen für Betriebe sowie Wärmepumpen, Photovoltaik und sonstige erneuerbare Energieträger zu nennen. Auch die Netze zur Übertragung beziehungsweise Verteilung von Strom und Wärme sind in Belgien vielerorts modernisierungsbedürftig. Dabei werden die Möglichkeiten von Smart Grids und Smart Cities im Hinblick auf Energieeffizienzgewinne eine zunehmende Rolle spielen. Nicht zuletzt steigt auch in Belgien das Interesse an modernen Lösungen zur Speicherung von Energie rasch an.

Einen weiteren wichtigen Absatzmarkt bilden die Gebäude von Unternehmen. Viele belgische Fertigungsstätten, Lagerhallen und Büroflächen haben einen sehr hohen Energiebedarf und benötigen dringend moderne Wand- und Dachisolierungen, Fenster oder Zugangsbereiche. Im Jahr 2015 waren 68% aller belgischen Gebäude, die weder zu Wohn- noch zu Handelszwecken genutzt wurden, älter als 35 Jahre. Immerhin 16% aller Objekte sind sogar vor 1945 errichtet worden.

Im Jahr 2015 wurden in Belgien 5.109 Anträge zur Modernisierung von Nicht-Wohngebäuden bewilligt, das waren 9,7% mehr Projekte als 2014. Auch das Volumen der entsprechenden Neubau-Genehmigungen ist 2015 um 6,1% auf 39,5 Mio. cbm gestiegen. Bei neu zu errichtenden Wirtschaftsgebäuden gewinnen Passiv- und Nullenergiehäuser auch im Königreich zunehmend an Attraktivität. Zudem gewinnt der traditionelle Werkstoff Holz wieder mehr Wertschätzung. Diese Trends eröffnen deutschen Projektentwicklern mit ihrer oft langjährigen Erfahrung spezielle Geschäftschancen.

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Belgien: Gesetzliche Grundlagen

Belgien hat am 22.4.2016 das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. Das Land hat am 16.1.1996 die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen ratifiziert, die am 15.4.1996 in Kraft trat.

Die europäische Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU wurde bisher nur in Flandern für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von mindestens 50 Mio. Euro umgesetzt. Energieeffizienz ist eine Angelegenheit der Regionen: Diese sowie der Föderalstaat haben eigene Regelungen.

Auf föderaler Ebene bestehen Steuervergünstigungen. Nach Art. 69 des Einkommensteuergesetzbuches können Unternehmen neu erworbene materielle und immaterielle Aktiva steuerlich geltend machen. Die Abzüge betragen unter anderen 13,5 % für Patente und Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen, 3% für wiederverwertbares Verpackungsmaterial, 20,5% für Investitionen in Sicherheit. Zudem können die Verbrauchsteuern reduziert werden.

Das Energiedekret Flanderns (unter anderem Stimulierung von Energieeffizienz, Energiesparen, Entwicklung nachhaltiger Energiequellen) finden Sie im Internet, andere relevante Gesetzgebung zum Thema Energie ebenfalls. Die Region bietet verschiedene Vergünstigungen für energieeffiziente Maßnahmen. Mit der Ökologieprämie übernimmt die flämische Regierung einen Teil der zusätzlichen Investitionskosten. Eine Verringerung der Steuerlast gibt es auch beim Gewerbeimmobilienerwerb. Die Höhe ist abhängig vom Jahr des Bauantrags und dem Energieverbrauch. Vorgesehen ist auch eine Unterstützung für nachhaltige technologische Entwicklung. Nimmt ein kleines oder mittleres Unternehmen eine Energieberatung in Anspruch, kann es eine Subvention bis zu 15.000 Euro erhalten. Weitere Vergünstigungen bestehen für den Erwerb von Zertifikaten für grünen Strom oder von Wärmekraftzertifikaten durch die Erzeuger. Auch in Landwirtschaft und Gartenbau bestehen Vergünstigungen.

Wallonien bietet technische Informationen, um Installation in Unternehmen zu optimieren. Es wird regionale Förderung angeboten. Unternehmen erhalten Beihilfen bei Investitionen in erneuerbare Energien, Innovationen, bei CO2 Mappings. Zudem werden Umweltzertifikate vergeben.

Das Luft-, Klima- und Energiegesetz von Brüssel Hauptstadt behandelt unter anderem Themen wie Energieeffizienz in Gebäuden, Transport, rationeller Energieverbrauch. Die Region informiert über Förderungen hier. Unternehmen erhalten Beihilfen bei Gebäude- und Dachisolierungen, für Isolationsverglasung, Installationen zur Ventilation, Gaskonvektoren, Kondensationsheizkessel, bestimmte Generatoren, Aerothermie, Wärmepumpen, bestimmte Heizungsinstallationen sowie Solarthermie.

Text: Ingeborg Kozel

17.10.2016

Belgien: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

 

Bau und Energiemesse "Energiesplus" vom 18.bis 20.11.16 in Marche-en-Famenne

www.energiesplus.be

Führende belgische Baumesse "Batibouw" vom 16.bis 26.2.17 in Brüssel

www.batibouw.be

Industrieausrüstungs- und Instandhaltungsmesse "Maintenance" vom 29. bis 30.3.17 in Antwerpen

www.easyfairs.com/maintenance-industry-environment2017/maintenance-2017/

Föderaler Dienst für Wirtschaft, kleine und mittlere Betriebe, Mittelstand und Energie; Generaldirektorat Energie

http://economie.fgov.be/fr/entreprises/energie

Flämische Energieagentur VEA (Vlaams Energieagentschap)

www.energiesparen.be

Operationelle Generaldirektion für Raumplanung, Wohnen, regionales Erbe und Energie von Wallonien (Direction générale opérationnelle de l'Aménagement du territoire, du Logement, du Patrimoine et de l'Énergie);

Abteilung für Energie und nachhaltiges Bauen (Département de l’Energie et Bâtiment durable)

http://energie.wallonie.be

Brüsseler Institut für Umweltmanagement IGBE/BIM (Institut Bruxellois pour la Gestion de l'Environnement)

www.environnement.brussels;

Elektrizitäts- und Gasregulierungskommission CREG (Commission de Régulation de l'Electricité et du Gaz)

www.creg.be

Flämische Regulierungsinstanz für den Elektrizitäts- und Gasmarkt VREG (Vlaamse Reguleringsinstantie voor de Elektriciteits- en Gasmarkt)

www.vreg.be

Wallonische Kommission für Energie CWaPE (Commission Wallonne Pour l'Energie)

www.cwape.be

Regulierungskommission für Energie der Region Brüssel-Hauptstadt (Commission de Régulation pour l'Energie en Région de Bruxelles-Capitale)

www.brugel.be

Text: Torsten Pauly

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