Energieeffizienz in der Produktion in Mexiko

Mexikos Energiereform bringt auch die Energieeffizienz voran

Die 2013 angestoßene Energiereform wirbelt zurzeit den mexikanischen Energiemarkt durcheinander. Von der höheren Beachtung des Themas können Anbieter von effizientem Equipment profitieren. Bedarf an energiesparender Ausrüstung haben vor allem die Nahrungsmittel-, Kfz- und Metallindustrie. Häufig nachgefragte Produkte sind Pump-, Belüftungs- und Druckluftgeräte sowie Dampfkessel, Elektromotoren und hydraulische Systeme. Auch spielt die Steuerung von Anlagen eine immer größere Rolle.

17.10.2016

Zentrales Instrument Mexikos ist das PRONASE-Programm

Mexiko macht im Energiebereich zurzeit eine umfassende Transition durch. Die 2013 beschlossene Energiereform liberalisiert die Elektrizitätswirtschaft und die Öl- und Gasindustrie. Beide Bereiche waren bislang zum größten Teil in staatlicher Hand. Die Staatskonzerne Comisión Federal de Electricidad (Elektrizität) und Pemex (Öl und Gas) verlieren ihr Monopol, werden aber durch die Fortführung der bestehenden Aktivitäten wichtige Marktteilnehmer bleiben.

Die Verbesserung der Energieeffizienz ist ebenfalls ein erklärtes Ziel der Regierung, die Maßnahmen bleiben in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch hinter denen der Energiereform zurück. Zentraler Maßnahmeplan ist das Nationale Programm zur Nachhaltigen Nutzung von Energie (Programa Nacional para el Aprovechamiento Sustentable de Energía - PRONASE), das regelmäßig aktualisiert wird. Es richtet sich an die Bereiche Transport, Beleuchtung, Gebäudebau, Haushaltsgeräte, Kraft-Wärme-Kopplung, elektrische Motoren und Wasserpumpsysteme.

Um eine höhere Energieeffizienz zu erreichen, gibt die aktuelle Fassung (PRONASE 2014 - 2018) sechs Ziele vor: Die Einführung von Programmen und Maßnahmen zur Verbrauchsoptimierung, Verbesserung der Regulierung, Stärkung von relevanten Institutionen, Schulung von Energiemanagern in öffentlichen und privaten Einrichtungen, Bildungsarbeit und Unterstützung der Forschung. Für jedes Ziel gibt es Vorgaben, beispielsweise soll die Energieintensität - gemessen am Primärenergieverbrauch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt - bis 2018 gleichbleibend bei rund 667 Kilojoule/US$ und damit auf dem Niveau von 2012 liegen.

Bis 2029 rund 9,8 TWh weniger Verbrauch in der Industrie angestrebt

Damit verfügt Mexiko über einen konkreten Maßnahmekatalog, jedoch gibt das Programm keine Einsparziele vor. Das Energieministerium Sener leitet lediglich das Einsparpotenzial der Maßnahmen ab, und dies wiederum nur für die Elektrizitätsnachfrage. Demnach kann bis 2029 die Generierung von rund 49 TWh vermieden werden. Davon entfallen den Projektionen zufolge knapp 70% auf den Wohnungssektor und rund 20% auf die Industrie. Die restlichen 10% teilen sich Handel und Landwirtschaft.

Strategische Ziele

Mexiko

2010

2020

2029

Energieintensität der Wirtschaft (Barrel an Öläquivalent pro Einwohner  1)

7,0

7,2

8,6

Primärenergieverbrauch (in 1.000 Barrel an Öläquivalent) 1)

799.277

919.070

1.172.599

Reduktion des Primärenergieverbrauchs und Steigerung der Energieeffizienz

k.A.

k.A.

k.A.

Reduktion Stromverbrauch (in %) 2)

n.d.

-10%

2028: -10%

Reduktion Endenergieverbrauch für Wärme

k.A.

k.A.

k.A.

Reduktion Endenergieverbrauch Verkehr

k.A.

k.A.

k.A.

1) Energieverbrauch umfasst lediglich fossile Energieträger; 2) Stromeinsparung gegenüber 2012 durch Programm PRONASE als Anteil an Gesamtstromverbrauch

Quellen: Energieministerium Sener (Prospectiva Petroleo Crudo y Petroliferos 2015 - 2029, Prospectiva del Sector Electrico 2014 – 2028)

Die Nationale Kommission für die Effiziente Nutzung von Energie (Comisión Nacional para el Uso Eficiente de Energía - CONUEE) ist zuständig für die Umsetzung der Energieeffizienzmaßnahmen. Dazu erstellt sie Studien, legt Informationskampagnen auf und betreut sektorspezifische Unterprogramme, wie das Nationale Programm für Energiemanagementsysteme (Programa Nacional para Sistema de Gestión de la Energía - PRONASGEn) zusammen mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die CONUEE untersteht dem Energieministerium und ist der zentrale Ansprechpartner für Fragen der Energieeffizienz.

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Mexikanische Metallindustrie größter Energieverbraucher

Ausgangssituation in der Industrie im Bereich Energieeffizienz

Im Jahr 2014 entfiel auf die rund 600.000 produzierenden Unternehmen in Mexiko knapp ein Drittel des Energiekonsums von insgesamt 5.128 Petajoule. Für produzierende Unternehmen kommen je nach Verbrauch und benötigter Spannung zwei Tarifgruppen des staatlichen Stromversorgers CFE infrage: der für mittelständische Unternehmen und der für die Großindustrie. Ersterer lag 2015 mit umgerechnet 8,0 Euro-Cent/kWh über dem Durchschnittspreis. Kunden aus der Großindustrie zahlten hingegen mit 6,0 Euro-Cent/kWh weniger als der Durchschnitt.

Die niedrigen Weltmarktpreise für Öl und Gas führten 2015 im Vergleich zum Vorjahr zu einer Senkung der Tarife. Im Juli 2016 gab die CFE jedoch bekannt, die Tarife für Industriekunden aufgrund der wieder steigenden Brennstoffkosten teils deutlich zu erhöhen. Für die Zukunft gehen Marktexperten aufgrund des stärkeren Wettbewerbs auf dem Strommarkt davon aus, dass die Tarife in der Tendenz leicht sinken. Jedoch werden die Preise weiterhin volatil sein.

Die Strompreise werden subventioniert, die genaue Höhe der Zuschüsse für Unternehmenskunden ist aber schwer zu beziffern, da die Preise innerhalb der Tarifgruppen stark nach konkretem Verbrauch, Tages- und Jahreszeit sowie nach geografischer Lage differieren. Im Fall der Tarife für Privathaushalte, die 2015 bei durchschnittlich 6,8 Euro-Cent/kWh lagen, gehen Experten davon aus, dass sie zu wenigstens 50% subventioniert sind.

Energieverbrauch nach Industriezweig

Industriezweig

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in %)

Metallherstellung

14,1

13,7

Zementindustrie

8,4

10,0

Petrochemie (Pemex)

7,6

6,7

Chemieindustrie

6,0

6,6

Glasproduktion

3,6

3,8

Mineralverarbeitung

3,9

3,6

Papierherstellung

3,1

2,9

Zuckerindustrie

3,3

2,5

Getränkeindustrie

1,8

1,9

Fahrzeugindustrie

0,7

0,8

Bauindustrie

0,9

0,8

Gummi- und Kautschukproduktion

0,6

0,6

Düngerherstellung

0,2

0,1

Weitere Sektoren

45,8

46,0

Quellen: Energieministerium Sener (Sistema de Información Energética)

Großunternehmen dominieren energieintensive Branchen

Die GIZ untersuchte in einer Studie aus dem Jahr 2012 den Energiekonsum von mexikanischen KMU. Beim Elektrizitätsverbrauch waren demnach Motoren und andere Antriebsgeräte mit rund 45% die bei Weitem größten Energiefresser, gefolgt von Druckluftgeräten (15%), Beleuchtung (11%) und Kühlgeräten (9%). Im Bereich der thermischen Energie war den GIZ-Experten zufolge der Konsum von Dampf- und Heizkesseln, Trocknern, Warmwassergeräten sowie Öfen und Kochgeräten am höchsten.

Die größten Energieverbraucher waren 2014 die Metallindustrie, die Zementhersteller sowie die Petrochemie. In allen drei Bereichen herrscht eine hohe Konzentration von wenigen, einflussreichen Konzernen. Unter den Eisen- und Stahlproduzenten sind Mittal, Altos Hornos de México, Industrias Peñoles, Grupo México und Ternium führend. Zu den größten Zementherstellern zählen Cemex, Holcim, Cruz Azul und Cementos Fortaleza. Große Chemieunternehmen sind Mexichem und BASF. Speziell in der Petrochemie konzentriert sich das Angebot sogar auf ein einziges Unternehmen: Pemex hielt bislang das Monopol, das allerdings im Zug der Energiereform gelockert wird.

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Mexiko bietet zinsgünstige Kredite

In Mexiko existieren keine Steueranreize oder Subventionen für den Kauf energieeffizienten Equipments. Der Staat beschränkt sich darauf, über die öffentlichen Finanzinstitute günstige Kredite bereitzustellen und über Fortbildungsprogramme die Sensibilität der Unternehmen für ihren Energieverbrauch zu erhöhen.

Die beiden wichtigsten öffentlichen Kreditgeber sind die Entwicklungsbank Nafin und der Treuhandfonds für Energieeinsparung FIDE. Letzterer bietet Unternehmen günstige Zinskonditionen von rund 4% p.a. für Geräte, die als energieeffizient klassifiziert sind. Dazu werden zwei Arten von Gütesiegeln vergeben: eines für Geräte und Anlagen, die weniger Energie benötigen als durchschnittliches Equipment der gleichen Art und ein anderes Siegel für Produkte wie Dämmstoffe, die zu einer höheren Energieeffizienz beitragen.

Zu den geförderten Produktkategorien zählen Motoren, Klimaanlagen, Haushaltsgeräte, Pumpen, Beleuchtung, Photovoltaikausrüstung, Geschwindigkeitsregler und Gebäudehüllen. Die Siegel der FIDE haben für den Industriebereich aber nur eine begrenzte Wirkung: „Die Klassifizierung der FIDE legt einen Schwerpunkt auf Geräte für Haushalte und Handel. Als Konsequenz erfüllen etwa leistungsstarke Elektromotoren häufiger andere Standards wie NEMA, als die Vorgaben des FIDE-Siegels”, so Hendrick Muñoz, Geschäftsführer der Energieberatung Kinenergy.

Neben Nafin und FIDE bietet die staatliche Bank Banobras Unterstützung an. Darüber hinaus können über das Modell FIBRA E Finanzierungsfonds aufgelegt werden. Beide Institutionen/Modelle sind weniger auf Einzelmaßnahmen, sondern auf Großprojekte spezialisiert. Von deutscher Seite sind die KfW und ihre Tochtergesellschaft DEG in Mexiko aktiv.

Lernnetzwerke für mehr Energiebewusstein

Das Nationale Programm für Energiemanagementsysteme (PRONASGEn) arbeitet seit Mitte 2015 daran, Unternehmen aus energieintensiven Bereichen bei der Verbesserung ihrer Energieeffizienz zu unterstützen. Die Behörde CONUEE hat dazu zusammen mit der GIZ vier Lernnetzwerke eingerichtet, die sich unter anderem an Betriebe mit einem besonders hohen Verbrauch richten. Ziel der Netzwerke ist es, die Norm ISO 50001 im eigenen Unternehmen umzusetzen. Dabei steht die Optimierung von Ventilation, Klimatisierung, Wärme- und Kühlungsprozessen, Beleuchtung, Wärmedämmung, Solar- und Windenergie sowie Kraft-Wärme-Kopplung im Vordergrund.

Von deutscher Seite bietet die Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer seit 2013 eine Fortbildung zum European Energy Manager an. Der Kurs richtet sich vorrangig an mexikanische Unternehmensvertreter und bildet sie im effizienten Umgang mit Energie aus. Dabei bringt er den Teilnehmern durch Technologiebeispiele auch deutsche Produkte und Konzepte nahe.

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Consultants und Großfirmen evaluieren und beraten in Mexiko

In Mexiko gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Dienstleistern, die Energieaudits und -beratung anbieten. Das Angebot hat sich durch die Liberalisierung infolge der Energiereform und dem dadurch größeren Spielraum insbesondere für große Industriekunden noch einmal erhöht. Die Anbieter sind vorrangig im Mexikanischen Verband der Energiedienstleister (Asociación Mexicana de Empresas de Servicios Energéticos - AMESCO) und dem Mexikanischen Verband der Energiemanager (Asociación Mexicana de Empresas de Gestión Energética - Amexgen) organisiert.

AMESCO hat rund 25 Mitgliedsfirmen, die sich damit beschäftigen, für ihren Kunden konkrete Einsparmöglichkeiten zu identifizieren und veraltete Geräte oder Ausstattung durch energieeffizientes Equipment zu ersetzen. Die Mitgliedsfirmen des Verbandes bieten auch Verträge an, wonach sie die zu installierende Ausstattung finanzieren und im Gegenzug einen Teil der eingesparten Kosten erhalten.

Neben kleineren Bratungsfirmen bieten große Ausrüstungsanbieter wie Siemens, Festo, Schneider Electric und ABB Unterstützung in der Optimierung des Energieverbrauchs für Industriekunden an. Diese Firmen leisten die Beratung in einigen Fällen als Vorstufe oder Teil eines Auftrags für energieeffiziente Ausrüstung. Das Unternehmen ABB gab an, in einigen Fällen mit Beratungsunternehmen des AMESCO-Verbands zusammenzuarbeiten.

Die Unterstützung von Unternehmenskunden bei der Schaffung eines firmenweiten Energie-Management-Systems (EMS) ist ein weiteres Geschäftsfeld von Beratungsunternehmen. Akteure wie Zitrone Energy sind in diesem Bereich bereits tätig. Im Rahmen des Programms PRONASGEn hat die CONUEE zusammen mit der GIZ ein Handbuch für die Einführung von EMS herausgegeben. Die Norm ISO 50001, die international Richtlinien über die Schaffung von EMS vorgibt, wird in Mexiko angewendet und wurde 2011 in das nationale Normensystem übernommen (als NMX-SAA-50001-ANCE-IMNC-2011).

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Mexikanische Energieeffizienz wurde mit Audits erhöht

Erfolgreiche Beispiele gibt es in Mexiko bislang vor allem in der Kfz-, Glas- und Pharmaindustrie. Auch Papier- und Zuckerfabrikanten haben teilweise bereits auf Equipment mit niedrigem Energieverbrauch umgerüstet. Ein gut dokumentiertes Beispiel des Glasherstellers Vitro zeigt, wie in den acht mexikanischen Werken des Konzerns durch die Installation von über 400 neuen Elektromotoren rund 6,9 GWh pro Jahr eingespart werden können. Das Projekt wurde von FIDE finanziert.

Dem Verband AMESCO zufolge gibt es gute Resultate beim Thema Beleuchtung. In einem Fall konnte ein produzierendes Unternehmen in seinen Werkshallen die Kosten der Beleuchtung um knapp 70% senken. Dazu wurden moderne Beleuchtungsmittel vom Typ T5-HO, transparente Dachpanelen sowie Bewegungssensoren installiert. Der Einspareffekt beträgt rund 400 MWh pro Jahr.

Im Bereich der EMS gibt es erfolgreiche Beispiele unter anderem im Transportsektor und in der Pharmaindustrie. „Vorreiter im Transportsektor ist das Busunternehmen ADO mit über 6.000 Bussen. Durch Schulungsmaßnahmen wurden Verbrauch und Verschleiß über die Gesamtflotte um über 10% reduziert“, berichtet Hans Kohlsdorf, geschäftsführender Gesellschafter des Stromhändlers Energy 2 Market. Laut CONUEE und GIZ konnte ein Pharmaunternehmen durch ein EMS seinen Energieverbrauch senken, indem es eine systematische Wartung der Produktionsanlagen etabliert hat.

Öffnung des Strommarktes wirbelt Preisgefüge durcheinander

Im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes startete Anfang 2016 die mexikanische Strombörse ihren Betrieb. Großkunden, die in der Lage sind, ihre Stromkapazitäten bei Bedarf nach unten anzupassen, können die frei gewordenen Kapazitäten veräußern. Für Beratungsfirmen kann es ein Geschäftsmodell sein, Equipment zur Verbrauchssteuerung zu installieren, damit der Stromkunde bei Spitzenbedarfen am Markt den eigenen Konsum herunterfahren kann.

Die Kalkulation hängt laut Edgar Sánchez, zuständig für energieeffiziente Produkte beim Automatisierungsanbieter ABB, davon ab, wie sich die Stromtarife voraussichtlich entwickeln und ob der Kunde durch den niedrigeren Verbrauch in eine günstigere Tarifgruppe fällt und so zusätzliche Einsparungen erzielen kann. „Momentan sind die Projekte mit einem großen Risiko behaftet, da die Öffnung des Strommarkts das Preisgefüge durcheinander wirbelt“, gibt Sánchez zu bedenken. Das mexikanische Energieministerium prüft mit Unterstützung der Weltbank die Einführung von Energieeffizienz-Zertifikaten (certificados blancos), um die Vergütung der Einsparungen stärker zu formalisieren.

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Größte Chancen in Mexiko bei Beleuchtung, Klima und Pumpen

Die GIZ führte 2012 eine Studie über die Energiesparpotenziale von mittelgroßen Unternehmen (31 bis 250 Mitarbeiter) in Mexiko durch. Danach lasse sich der Energieverbrauch der Beleuchtung mit 30% am stärksten reduzieren. Nach dem LED-Boom geht die Nachfrage langsam hin zu Plasmaleuchtmitteln. Es folgen Klimaanlagen (20%) sowie Druckluftgeräte und Pumpen (jeweils 15%). Kühlgeräte und Elektromotoren kommen auf Einsparpotenziale von 10 beziehungsweise 5%.

Hinsichtlich der Chancen in verschiedenen Industriesektoren besteht einer Einschätzung des Konzerns ABB zufolge in Mexiko das größte Absatzpotenzial für energieeffiziente Produkte in den folgenden Branchen:

  • Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie: Pump-, Belüftungs- und Kühlgeräte
  • Automobilindustrie und Metallverarbeitung: Pump- und Belüftungsgeräte, Druckluft- und hydraulische Einspritzsysteme
  • Bergbau: Pump- und Belüftungsgeräte
  • Kunststoffindustrie: Pump- und Belüftungsgeräte, Spritzgussmaschinen
  • Papierherstellung: Pump- und Belüftungsgeräte, Dampfkessel.

Die folgenden beiden Branchen haben laut ABB ebenfalls einen hohen Ausrüstungsbedarf, jedoch sind sie in Mexiko größtenteils in staatlicher Hand. Dies erschwert den Markteinstieg, insbesondere für mittelständische Equipmentanbieter:

  • Petrochemie: Pump- und Belüftungsgeräte, Druckluftsysteme
  • Wasser und Abwasser: Wasserreinigungsanlagen, Pumpsysteme.

Bedeutung energieeffizienter Baumaterialien nimmt zu

Daneben bestehen interessante Absatzchancen in weiteren Bereichen: „Effizienzsteigernde Baumaterialien können im Industriebau künftig eine wichtige Rolle spielen“, so Lucía Martínez, Environmental & Renewable Energy Manager des Energieberaters Iniciativa Energía. Unter anderem der US-Konzern Dupont bietet in Mexiko Polymere und andere Stoffe für energieeffiziente Fabrikbauten an.

Industrieunternehmen können nicht nur als Stromkunden, sondern auch als -erzeuger tätig werden, zum Beispiel durch Investitionen in die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Hinsichtlich der Anlagengröße und dem Nutzungsschwerpunkt (Strom oder Wärme) gibt es in Mexiko eine breite Palette an Projekten. Unter den großen Anlagen (über 100 MW) befinden sich vor allem Projekte von Pemex, wofür der Staatskonzern eigens das Tochterunternehmen Pemex Cogeneración y Servicios gegründet hat. Im verarbeitenden Gewerbe besteht laut einer Studie des Energieministeriums Sener aus dem Jahr 2012 ein KWK-Potenzial von rund 6 GW. Dampfbedarf wird verstärkt durch Motoren und Turbinen mit Generatoren bedient. Auch große Kühl- und Gewächshäuser setzen verstärkt Wärmetauscher ein. Der Ausbau des Pipelinenetzes in ganz Mexiko und verstärkter Einsatz von Biogas fördern diesen Trend.

Die Preisvolatilität und der Stromhandel stimulieren voraussichtlich den Bedarf an Sensorik und Gebäudesteuerung: „Betriebe, die ihren Strombedarf nennenswert  kontrollieren und anpassen können, sind im Vorteil. Sie können auf die volatilen Preise reagieren und gegebenenfalls überschüssige Kapazitäten an der Strombörse verkaufen“, sagt Hans Kohlsdorf von Energy 2 Market. Bislang bieten Kohlsdorf zufolge unter anderem Siemens, Pepperl+Fuchs, Rockwell Automation und Schneider Electric entsprechende Systeme an.

Bewusstsein ändert sich nur langsam

Im Gespräch mit Germany Trade & Invest betonen alle befragten Experten, dass sich das Bewusstsein für Energieeffizienz in Mexiko erst nach und nach entwickelt. „Besonders die mittelgroßen Unternehmen sind sehr umsatzorientiert. Investitionen in die Energieeffizienz stehen unternehmensintern in Konkurrenz zu anderen Zielen, wie der Produktionsausweitung. Ein hoher Return of Investment ist sehr wichtig, wir rechnen in der Regel mit einem Amortisationszeit von maximal zwei Jahren,“ sagt Edgar Sánchez von ABB. Darüber hinaus seien attraktive Finanzierungsbedingungen ein wichtiges Verkaufsargument.

Für den Markteinstieg rät Hendrick Muñoz von Kinenergy zu einer Doppelstrategie: „Für Technologielieferanten macht es Sinn, sowohl den Kontakt zu Energieberatungsfirmen und anderen Integratoren als auch zu den Endkunden zu suchen. Bei einem Projekt geben die beauftragten Energieberater oft Produktempfehlungen ab. Die Entscheidung wird aber vom Kunden selbst getroffen. Man sollte daher auf dessen Lieferantenliste stehen.“

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Mexiko: Gesetzliche Grundlagen

Mexiko ist Mitglied diverser internationaler Abkommen zum Klimaschutz, unter anderem des Pariser Klimaabkommens und der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen sowie des Protokolls von Kyoto.

Die effiziente Nutzung von Energie ist in Mexiko ein wichtiges Ziel der nationalen Energiestrategie. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bilden in erster Linie das Gesetz zur Nachhaltigen Energienutzung (Ley para el Aprovechamiento Sustentable de la Energía) sowie die dazu gehörende Durchführungsbestimmung. Die Nationale Kommission für Energieeinsparung CONUEE (Comisión Nacional del Uso Eficiente de Energía) ist zuständige Behörde für den Erlass der offiziellen mexikanischen Energieeffizienznormen, die für die Bereiche Transport, Beleuchtung, Gebäudebau, Haushaltsgeräte, Kraft-Wärme-Kopplung, elektrische Motoren und Wasserpumpsysteme bundesweit zu beachten sind. Neben den offiziellen mexikanischen Normen können die Bundesstaaten ebenfalls eigene Standards, Normen und Zertifizierungen implementieren.

Das Energiewendegesetz (Ley de Transición Energética), das den neuen Rechtsrahmen für den Energiemarkt darstellt, fördert zudem die freiwillige Kennzeichnung energieeffizienter Produkte, Anlagen, Prozesse und Gebäude sowie die freiwillige Selbstverpflichtung energieintensiver Unternehmen, den Energieverbrauch zu senken. Die Gesetze können hier abgerufen werden.

Verschiedene staatliche Programme, wie das Programm zur Energieeinsparung im Stromsektor und das Nationale Programm für den nachhaltigen Energieverbrauch, sind weitere Instrumente zur Förderung eines effizienteren Einsatzes von Energien. Sie legen Strategien, Ziele und konkrete Maßnahmen fest, die einen optimalen Energieeinsatz erreichen sollen, wobei auch die Entwicklung und Einführung von Normen für Anlagen dazugehört. Finanziert werden Energieeffizienzprojekte durch einen auf Energieeffizienz spezialisierten Treuhandfonds zur Förderung der Stromeinsparung.

Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien werden ebenfalls durch staatliche Fonds finanziert, wie zum Beispiel durch den Fonds zur Energiewende und den nachhaltigen Energieverbrauch.

Text: Corinna Päffgen

17.10.2016

Mexiko: Wichtige Messen und Internetadressen

Messe/Institution

 

Beleuchtungstechnikmesse ELA - Expo Lighting America (Mexiko-Stadt)

www.expolightingamerica.com

Elektromesse Expo Eléctrica International (Mexiko-Stadt)

www.expoelectrica.com.mx

Klimatechnik AHR EXPO MEXICO (Monterrey)

www.ahrexpomexico.com

Umwelttechnik- und Energieeffizienzmesse The Green Expo (Mexiko-Stadt)

www.thegreenexpo.com.mx

Energieministerium

www.sener.gob.mx

Bundesamt für Energieeffizienz

www.conuee.gob.mx

Staatlicher Stromkonzern CFE

www.cfe.gob.mx

Verband der mexikanischen Energiedienstleister

http://amesco.org.mx

Verband der mexikanischen Energiemanager

www.amexgen.com.mx

Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer (AHK Mexiko)

http://mexiko.ahk.de

Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

http://www.giz.de/mexiko

Text: Florian Steinmeyer

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