Energieeffizienz im Gebäudebau in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Die Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) wollen den stark wachsenden Energieverbrauch durch Effizienz auffangen

Grünes Bauen gewinnt in den Vereinigten Arabischen Emiraten an Bedeutung. Vor allem Abu Dhabi und Dubai wollen die Gebäudeeffizienz steigen, um dem rasant steigenden Energiebedarf entgegenzuwirken. Beide Emirate haben ein Zertifizierungssystem für Gebäude initiiert. Dem Vernehmen nach sind diese Richtlinien noch nicht strikt genug, um den Einsatz entsprechender Technik sprunghaft nach vorne zu treiben. Aber der Markt legt seit Kurzem deutlich zu.

17.11.2016

Dubai will bis 2030 Stromverbrauch um 30% senken

Über Jahrzehnte haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) das Thema Energiesparen wegen ihrer reichhaltigen Energiereserven nicht mit besonderem Nachdruck verfolgt. Jetzt treiben der rasant steigende Energiebedarf und die Ambitionen der Regierungen von Abu Dhabi und Dubai, ihre Städte grüner und gesünder zu machen, die Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen an. Die VAE haben weltweit die sechstgrößten, nachgewiesenen Öl- und fünftgrößten Gasreserven. Die Vorkommen konzentrieren sich auf das Emirat Abu Dhabi.

Der Energiebedarf in den VAE hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Bis 2020 soll der Verbrauch der privaten Haushalte von 103 TWh in 2014 weiter auf 141 TWh anziehen. Für den steigenden Bedarf sorgt einerseits die durch Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte schnell wachsende Bevölkerung. Andererseits ist Bedarf an Wasser und Strom wegen des Wüstenklimas hoch. Wasser wird zu einem großen Teil über Entsalzungsanlagen gewonnen, was den Strombedarf weiter antreibt.

Gebäude verbrauchen 80% der Energie, davon 70% für Kühlung

Zudem haben Gebäude in den VAE einen hohen Kohlenstoffdioxid Ausstoß. Schätzungen zufolge entfallen über 80% des gesamten Stromverbrauchs auf Gebäude. Vor allem der Energiebedarf für Kühlung ist hoch. Gebäudekühlung macht laut dem Emirates Green Building Council (EGBC) über 70% des gesamten Stromverbrauchs der Gebäude aus, weitere 18% entfallen auf Licht.

Abu Dhabi bereitet sich mit seiner Economic Vision 2030 auf den steigenden Energiebedarf vor. Ziel der Vision ist vor allem die Diversifizierung der Wirtschaft, in dem nicht-ölabhängige Sektoren gestärkt werden. Eine Schlüsselrolle im Bereich Energieeffizienz kommt der Masdar Initiative zu. In 2008 startete Abu Dhabi im Rahmen der Initiative den Bau der klimaneutralen Stadt Masdar City, die in mehreren Phasen bis 2030 fertiggestellt werden soll. Im Bereich Forschung setzt das Masdar Institute, das unter anderem auch mit der RWTH Aachen und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt kooperiert, Maßstäbe. Partnerschaften bestehen auch zwischen dem Institut und Großunternehmen wie Siemens. Das Bürogebäude von Siemens Middle East in der Masdar City war das erste Gebäude der VAE mit LEED Platinum-Zertifizierung. Masdar City ist außerdem der Hauptsitz der Behörde der Vereinten Nationen für Erneuerbare Energien, IRENA.

Dubai als grüner Vorreiter

In den letzten Jahren hat vor allem Dubai mit Grünen Strategien und Projekten von sich reden gemacht. Das Emirat verfolgt mit der 2011 beschlossenen Dubai Integrated Energy Strategy (DIES) 2030 das Ziel, bis 2020 seinen Energieverbrauch um 20% und bis 2030 um 30% zu senken. In 2015 folgte das Strategiepapier Dubai Clean Energy Strategy 2050, das Dubai bis 2050 nicht nur zum regionalen, sondern zum weltweiten Hub für saubere Energie und Umwelttechnologie machen soll. Dubais Smart City Initiative fördert ebenfalls Projekte im Energiebereich, denn wichtige Themen sind Energieeffizienz, Netzanbindung und die Entwicklung eines Smart Grid für die gesamte Stadt. Auch die Expo 2020 steht unter dem Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit und Smart City.

Grüne Projekte entstehen im Büro-, Wohnungs- und Hotelbau. Dubais Wasser- und Energieerzeuger DEWA bezog beispielsweise 2013 das flächenmäßig weltgrößte Regierungsgebäude mit LEED Platinum Zertifikat. In Dubai baut außerdem ein privater Projektentwickler, Diamond Developers, ein neues, nachhaltiges Stadtviertel, The Sustainable City.

Trotz föderaler Agenda gehen Initiativen von den einzelnen Emiraten aus

Auf föderaler Ebene veröffentlichten die Emirate 2014 einen Siebenjahresplan für nachhaltiges Wachstum, die National Agenda 2021. Programmziele in Hinblick auf Energieeffizienz sind unter anderem eine Senkung des Energieverbrauchs bei gleichzeitig effizienterer Nutzung, der Einsatz erneuerbarer Energien, ein geringerer Kohlenstoffausstoß, die Verbesserung der Luftqualität, der Erhalt der Wasserressourcen und der Aufbau eines eigenen Wirtschaftszweiges im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Der EGBC soll das Thema energieeffizientes Bauen auf föderaler Ebene vorantreiben.

Trotz der National Agenda 2021 und föderalen Organisationen, verfolgen die sieben Emirate in der Regel individuelle Strategien und Implementieren eigene Richtlinien und Maßnahmen. Dabei tun sich die Emirate Abu Dhabi und Dubai besonders hervor, die deshalb auch hier beispielhaft betrachtet werden.


Text: Katrin Pasvantis

17.11.2016

Ausgangssituation im Gebäudebereich in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Der Gebäudebestand in den Emiraten ist relativ jung. Ältere Gebäude werden tendenziell eher abgerissen als saniert. In Abu Dhabi entschied beispielsweise die Stadtverwaltung Ende 2015 mehr als 390 Wohn- und Gewerbegebäude, die älter als 25 Jahre waren, aus Sicherheitsgründen abzureißen.

In Dubai gibt es dem EGBC zufolge derzeit rund 120.000 Gebäude. Mehrheitlich (nach Fläche) dürften diese in den letzten zwanzig Jahren entstanden sein. Anders als Abu Dhabi setzt Dubai stärker auf die Renovierung von Gebäuden. Über 30.000 öffentliche Gebäude wurden bereits ausgewählt, die im Rahmen des Retrofitting Programms der DIES bis 2030 größerer Sanierungen bedürfen und deren Energieeffizienz um 10 bis 40% (je nach Alter und Design) verbessert werden soll.

Den Büroflächenbestand in Abu Dhabi schätzt der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle (JLL) Ende 2015 auf 3,5 Mio. m2 GLA (gross leasable area) und im Jahresverlauf 2016 sollen 145.000 m2 GLA hinzu kommen. Im Wohnungsmarkt sollen etwa 4.000 Wohnungseinheiten fertig gestellt werden und den Bestand bis Ende 2016 auf 246.000 erhöhen. Der Immobilienmarkt entwickelt sich wegen des Ölpreisverfalls derzeit vergleichsweise schwach. In Dubai erwartet JLL ein Plus der Bürofläche um 257.000 m2 GLA auf 8,5 Mio. m2 bis Jahresfrist 2016. Gleichzeitig sollen 23.000 Wohneinheiten hinzukommen und den Bestand auf 462.000 erhöhen.

Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten

Eine bessere Energieeffizienz könnte bis zu 20% des Energieverbrauchs eines Gebäudes einsparen, schätzt der EGBC. Die bestehenden Gebäude in den VAE würden derzeit jährlich zwischen 220 und 360 kWh/m2 verbrauchen. Der Richtwert für Neubauten beläuft sich auf 160 bis 260 kWh/m2 und viele Gebäude werden saniert, um ebenfalls diesen Standard zu erfüllen. Die energieeffizientesten Gebäude in den Emiraten hätten einen Verbrauch von 110 bis 160 kWh/m2.


Energetische Anforderungen im Neubau

Gebäude, Bauteil

Aktuelle Vorgabe

Best Practice

Gebäude

160-260 kWh/m2

110-160 kWh/m2

Undurchsichtige Wand

0,57 W/m2 K

0,2-0,3 E/m2 K

Dach

0,3 W/m2 K

0,15-0,2 W/m2 K

Fenster

2,1 W/m2 K

1,4-1,6 W/m2 K

Luftdichtigkeit

10 m3/h/m2 bei 50 Pa

5 m3/h/m2 bei 50 Pa

Quelle: Emirates Green Building Council; Okt. 2015


Ziel sei es jedoch, langfristig einen Energiebedarf von Gebäuden von nahezu Null zu erzielen, was unter den lokalen Gegebenheiten laut EGBC etwa 40 bis 60 kWh/m2 im Jahr entspräche und mit den vorhandenen Technologien umzusetzen sei. Einen Zeithorizont oder konkrete Pläne für die Umsetzung gibt es nicht.

Die Entwicklung eines Cleantech-Sektors in den VAE wird stark von der Implementierung verpflichtender, strikterer Maßnahmen abhängen. Viel getan hat sich beispielsweise im VAE Beleuchtungsmarkt. LED-Lampen ersetzen zügig konventionelle Glühbirnen, da diese seit 2015 im Handel nicht mehr angeboten werden dürfen. Energieeffiziente Technologien hatten im Beleuchtungsmarkt 2014 einen Anteil von nur 20%.

Auf der Internetseite des EGBC sind Richtlinien für energieeffizientes Bauen auf föderalen Ebene und der einzelnen Emirate einsehbar.


Text: Katrin Pasvantis

17.11.2016

Vereinigte Arabische Emirate erwägen Anreize für Gebäudeeffizienz

Förderprogramme oder andere staatliche Anreize für den Bau energieeffizienter Gebäude oder die Sanierung zum Effizienzhaus gibt es in den VAE noch nicht, werden dem Vernehmen nach aber diskutiert. Die VAE konzentrieren ihre Bemühungen im Bereich Energie noch auf erneuerbare Energien, insbesondere auf Solarenergie.

Die Exportinitiative Energie des BMWi unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.


Text: Katrin Pasvantis

17.11.2016

Vorgaben und Ratings für Neubauten in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Die bestehenden Regelungen zum Bau energieeffizienter Gebäude beschränken sich in der Regel auf Basisvorgaben, die die Einhaltung absoluter Mindestkriterien gewährleisten sollen. Darüber hinausgehende Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind weitgehend freiwillig und werden durch Zertifikate belohnt.

In Abu Dhabi wurde im Mai 2010 das "Pearl Building Rating System" (Estidama, arabisch für Nachhaltigkeit) verabschiedet. Neubauten müssen bestimmte Richtlinien erfüllen und werden nach einem Ratingsystem mit Perlen bewertet. Grundsätzlich müssen Neubauten mindestens eine von fünf möglichen Perlen erreichen, für öffentliche Gebäude werden zwei verlangt. Es ist damit zu rechnen, dass Bauherrn verstärkt mit entsprechenden Bauvorschriften konfrontiert werden.

Dubai regelt insbesondere Energie- und Wasserverbrauch

Dubai hat 2011 eigene Richtlinien für Grüne Gebäude (Green Building Regulations and Specifications) verabschiedet, die seit März 2014 nicht mehr nur für öffentliche Projekte gelten, sondern auch bei allen privaten Objekten berücksichtigt werden müssen. Geregelt sind vor allem der Energie- und Wasserverbrauch, das Baumaterial und die Abfälle. Gültig sind die Regeln im gesamten Emirat, einschließlich Freihandelszonen. Die Anwendung der Richtlinien auf bestehende Gebäude ist beschränkt. Bei Aus- oder Umbauten müssen sie nur berücksichtigt werden, wenn diese einer Baugenehmigung der Dubai Municipality bedürfen.

Seit 2010 sind der Dubai Stadtverwaltung zufolge 1.433 Grüne Projekte fertig gestellt worden. Außerdem seien zwischen März 2014 und Ende Juni 2016 17.438 Gebäude lizenziert worden. Anders als PEARLS sehen Dubais Richtlinien jedoch erst seit September 2016 ein Ratingsystem, genannt Al Safat, vor. Es gilt für alle neuen Gebäude und solche, die nach März 2014 gebaut wurden, diese müssen erneut zertifiziert werden. „Al Safat“ stuft Gebäude in eine von vier möglichen Kategorien ein, angefangen mit einem Bronze-Status, der die Erfüllung der Mindestanforderungen bescheinigt. Etwa 90% aller Gebäude, die nach 2001 entstanden sind, sollen laut EGBC die Auflagen für den Bronze-Status erfüllen.

Handbuch zu technischen Richtlinien im Retrofit

Der EGBC hat ein Handbuch zu technischen Richtlinien für die Sanierung von Gebäuden herausgegeben ("Technical Guidelines for Retrofitting Existing Buildings"), welches beim EGBC Büro in Dubai erworben werden kann.

In den VAE wird vielfach auf internationale Regelwerke, insbesondere die LEED-Standards des US Green Building Councils (USGBC), Bezug genommen. Nach Angaben des USGBC gab es im Januar 2016 in den VAE 122 LEED-zertifizierte Objekte, davon 14 mit der Höchstwertung Platinum, 63 Gold, 31 Silber und 14 galten als zertifiziert. Weitere 748 Projekte waren im Januar zur LEED-Zertifizierung angemeldet, aber ein Großteil dürfte den Zertifizierungsprozess nicht (erfolgreich) zu Ende führen.

Experten beobachten seit einigen Jahren einen Anstieg der Projekte, die freiwillig eine LEED oder PEARLS Zertifizierung anstreben. Aus Kostengründen wird auf fortgeschrittene Gebäudetechnik aber auch im Hochpreissegment weiterhin oft verzichtet. Das wichtigste Argument für Investitionen in entsprechende Technik, die Einsparung von Energiekosten, besitzt nach Einschätzung der Deutsch-Emiratischen Industrie- und Handelskammer (AHK VAE) noch nicht genügend Überzeugungskraft.

Etihad ESCO akkreditiert Energiedienstleister

Energieberatung wird in Dubai in der Regel über Energy Performance Contracting (EPC) finanziert. Die Energiedienstleistungsunternehmen (ESCO) müssen sich zunächst von einem Gremium, bestehend aus Mitarbeitern des Regulation & Supervision Bureau (RSB) und der Etihad Energy Services Company (Etihad ESCO), akkreditieren lassen. Etihad ESCO ist ein Tochterunternehmen von Dubais Strom- und Wassererzeuger DEWA und eine Super ESCO, deren Aufgabe es ist, andere ESCOs zu zertifizieren und den EPC-Markt in den VAE zu ermöglichen.

Deshalb ist Etihad ESCO für die Ausschreibung von Projekten zur Verbesserung der Energieeffizienz von mehr als 30.000 öffentlichen Gebäuden zuständig, die als sanierungsbedürftig identifiziert wurden. Die Richtlinien für die Umsetzung gibt das RSB vor. Das RSB hat zwei Standardverträge, einen für die Finanzierung durch das Dienstleistungsunternehmen, den anderen für eine Finanzierung durch den Kunden. Rechtliche Streitigkeiten, die sich ausschließlich auf technische Aspekte beziehen, können durch von der RSB ernannte Experten bearbeitet werden. Meist sind sich die Parteien über die Messung der Energieeinsparung uneins, von der letztlich das Honorar des ESCO abhängt.


Text: Katrin Pasvantis

17.11.2016

Vereinigte Arabische Emirate bieten Chancen bei Wärmedämmung und Smart Grid

Nachhaltigkeit, Grünes Bauen und umweltfreundliches Design mit Fokus auf nachhaltige, kosteneffiziente und pflegeleichte Produkte erfreuen sich seit kurzem hoher Nachfrage. Für eine steigende Nachfrage nach energieeffizienten Lösungen sorgen einerseits die Bestrebungen Abu Dhabis und Dubais, ihren Stromverbrauch deutlich zu reduzieren.

Allerdings sind nach Einschätzung von Experten die verpflichtenden Auflagen im Estidama System oder Dubais Regelwerk zum Grünen Bauen nicht streng genug, um den Einsatz energieeffizienter Technik mit voller Sprungkraft nach vorne zu bringen. Zu den Herausforderungen zählen zudem die hohen Anfangsinvestitionen grüner Lösungen. Erschwerend kommt hinzu, dass einzelne Emirate Öl- und Gaspreise kräftig subventionieren. Teilweise liegt der Strompreis 35% unter dem Marktpreis und die Anreize, energieeffiziente Technik einzusetzen, sind damit nochmals geringer.

Abu Dhabi hat jedoch Anfang 2015 die Strom- und Wasserpreise deutlich erhöht und damit sind auch die Anreize für Hauseigentümer zum Einsatz energiesparender Lösungen größer geworden.

Junger Markt bietet schnellen Einstieg

Der Markt für Energieeffizientes Bauen ist in den VAE noch recht jung und eröffnet deshalb auch Absatzchancen für Anbieter aus dem Ausland, wie deutsche Unternehmen. Im Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz können sich deutsche Unternehmen jedoch nicht mehr allein auf das „Made in Germany“ Label verlassen. Die Konkurrenz hat erfolgreich die Qualität ihrer Produkte verbessert und steckt häufig viel Geld in Forschung und Entwicklung. Nur wenn „Made in Germany“ als Synonym für neueste Spitzentechnologie steht, bleibt es ein starkes Verkaufsargument. Die AHK sieht Absatzchancen für deutsche Unternehmen zum Beispiel in den Bereichen Wärmedämmung, Fenster und Türen, Gebäudemanagement und Smart Grid.

Ältere Gebäude sind meist nicht energieeffizient. Etwa ein Viertel des Gebäudebestands in Dubai erfüllt Schätzungen zufolge keinerlei Auflagen zur Wärmedämmung. Dubais Regelwerk zu Grünen Gebäuden trat erst 2011 in Kraft. Zudem hat das Emirat mehr als 30.000 Gebäude identifiziert, die mit einem Budget von 544 Mio. $ bis 2030 saniert werden sollen. Die Sanierungen können auch Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen eröffnen. Außerdem haben in den letzten Monaten mehrere Brände in Hochhäusern in Dubai eine Diskussion über Brandschutz und die Sicherheit von Dämmmaterial und Bauweise entfacht, weil das Feuer in der Dämmung weiter geleitet wurde. Im Gespräch ist eine verpflichtende Sanierung gefährdeter Gebäude.

Doppelglasfenster in Dubai Pflicht

Der Markt für Fenster und Türen wächst kräftig, insbesondere weil neue Regelungen in Kraft getreten sind. In Dubai müssen in Neubauten nun Doppelglasfenster verwendet werden. Lange aktiv im Markt ist der deutsche Fenster- und Türenanbieter Schüco, außerdem bei Türen im Geschäft Geze Middle East und Tamco, ein deutsch-emiratisches Joint Venture.

Branchenkennern zufolge werden derzeit mehr Experten aus den Bereichen Facility Management (FM) und Building Management in Hinblick auf Energieeffizienz benötigt. Der FM Markt ist zwar stark umkämpft, aber lokale FM-Unternehmen böten oft keine Komplettlösungen inklusive Energieeffizienz an. Dies eröffne Unternehmen Chancen, sich gegen die Konkurrenz abzusetzen. Den Markt anheizen dürfte zudem die neue Initiative Dubais zur Akkreditierung von ESCOs. Ein führendes deutsches FM-Unternehmen ist beispielsweise Dussmann.

Geschäftschancen könnte auch der geplante Aufbau von Smart Grids in Dubai und in Abu Dhabis Masdar City bieten. In Dubai sollen unter anderem die zu sanierenden 30.000 Gebäude an ein Smart Grid angeschlossen werden.


Text: Katrin Pasvantis

17.11.2016

Vereinigte Arabische Emirate: Gesetzliche Grundlagen

Als Emirat ist Dubai kein Mitglied eines internationalen Klima- beziehungsweise Umweltabkommens. Gleichwohl sind die Vereinigten Arabischen Emirate als Bundesstaat sowohl Mitglied des Pariser Klimaabkommens als auch der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen.

Darüber hinaus besitzt das Emirat Dubai ein eigenständiges Regelwerk, das die Kriterien bestimmt, die an einen grünen Gebäudebau gestellt werden – namentlich die Green Building Regulations and Specifications (Green-BuildingVO). Dies ist eine Verordnung, welche die Emiratsverwaltung von Dubai (Dubai Municipality) im Jahr 2011 verabschiedet hat. Der Strategieplan 2015 sowie die Ausrichtung der Expo 2020 gaben den Anlass, um die Green-BuildingVO zu verabschieden.

Anfangs verpflichtete die Verordnung lediglich die Träger öffentlicher Bauprojekte. Durch den Runderlass Nr. 198/2014 aus 2014 bindet sie auch private Bauträger. Räumlich gilt die Green-BuildingVO für das gesamte Emiratsgebiet, einschließlich der Freizonen. Inhaltlich werden alle neuen Bauvorhaben an den Vorgaben der Green-BuildingVO gemessen – ebenso Erweiterungen und Renovierungen vorhandener Gebäude. In den letzten beiden Fällen jedoch nur insoweit, als die jeweilige Baumaßnahme eine Baugenehmigung erfordert. Dabei müssen nur die Teile des Gebäudes den Spezifikationen genügen, um die das Gebäude erweitert oder renoviert wird. Schließlich erwähnt die Green-BuildingVO selbst einige existierende Gebäude, die ihren Vorgaben nicht entsprechen müssen.

Bestimmte Bauvorhaben entziehen sich dem Anwendungsbereich der Green-BuildingVO. Hierfür muss der Bauträger einen Antrag auf Befreiung bei der Dubai Municipality stellen. Ausnahmen gelten für besonders große Gebäude oder für Gebäudearten, bei denen die Umsetzung der Green-BuildingVO aus technischen Gründen scheitert. Als Beispiele nennt die Verordnung folgende Gebäude: hohe Türme, große Shopping Malls, Labore oder Krankenhäuser.

Die Green-BuildingVO enthält kein Zertifizierungssystem. Bauträger konnten eine Zertifizierung nach dem US-Amerikanischen LEED (Leadership and Energy and Environmental Design) oder BREEAM (British Building Research Establishment Environment Assessment Methodology) einholen. Mit dem Al Safat-System verfügt Dubai nunmehr über ein eigenes Zertifizierungssystem. Die Dubai Municipality hat Al Safat im Juli 2016 verabschiedet. Anfang September 2016 wird es in Kraft treten. Die neue Zertifizierung unterteilt die Gebäudeleistung in die Kategorien Bronze, Silber, Gold und Platin. Relevant wird die Einordnung in einer der Kategorien auch im Hinblick auf die Baugenehmigung sein. Letztere wird erst ab einer Einordnung in Bronze erteilt.


Text: Sherif Rohayem

17.11.2016

Vereinigte Arabische Emirate: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

 

Big Five, Dubai, jährlich: 21.-24.11.2016

www.thebig5.ae

Light Middle East, Dubai; jährlich; 31.10.-2.11.2016;

www.lightme.net

WETEX - Water, Energy Technology and Environment Exhibition,Dubai; jährlich, 15.-17.4.2017;

www.wetex.ae

Emirates GBC Annual Congress, Dubai; jährlich; 25.-26.10.2016

http://www.worldgbc.org/activities/calendar/mena

World Future Energy Summit, Abu Dhabi; jährlich, 16.-19.1.2017;

www.worldfutureenergysummit.com

World Green Economy Summit, Dubai, jährlich, 5.-6.10.2016;

www.wges.ae

Arab Future Cities Summit Dubai; jährlich; 8.-9.11.2016;

www.smartcitiesdubai.com

Emirates Green Building Council (GBC)

http://emiratesgbc.org

ESMA - Autority for Standardization and Metrology

www.esma.gov.ae

Masdar Institute

http://masdarcity.ae

International Renewable Energy Agency (IRENA)

www.irena.org

Abu Dhabi Urban Planning Council (UPC)

http://upc.gov.ae,

http://estidama.upc.gov.ae

Abu Dhabi Water & Electricity Authority (ADWEA)

www.adwea.ae

Dubai Supreme Council of Energy (DSCE)

www.dubaisce.gov.ae

Dubai Electricity and Water Authority (DEWA)

www.dewa.gov.ae

Etihad Energy Services Company (Etihad ESCO)

www.etihadesco.ae


Text: Katrin Pasvantis

Suche verfeinern

Trends

Funktionen