Ausgangssituation Industrie

Ländervergleich Ausgangssituation Industrie

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17.10.2016

Anteil der Industrie am Endenergieverbrauch Frankreichs deutlich gesunken

Der spezifische Energieverbrauch in der französischen Industrie ist seit Jahren rückläufig. Das liegt zum einen an der Verbesserung der Effizienz der Fertigung, zum anderen aber auch am Wegfall großer Verbraucher etwa in der Eisen- und Stahlindustrie oder der Metallverarbeitung. In den Jahren 2001 bis 2012 hat sich Energieintensität in der französischen Industrie, also das Verhältnis von Energieverbrauch zur Produktion, nach Berechnungen des Generalkommissariats für nachhaltige Entwicklung am französischen Umweltministerium um 11,1% verringert. Dieser Wert ergibt sich aus einer Reduzierung des Endverbrauchs von Energie um 21,1% von 36,8 Mtoe auf 29,0 Mtoe bei einem gleichzeitigen Rückgang der Industrieproduktion um 11,2%. Im Jahr 2014 hatte die Industrie einen Anteil von 19,2% am Energieverbrauch in Frankreich.

Chemiesektor ist größter Energieverbraucher

Der höchste Anteil am Gesamtverbrauch entfällt mit über einem Viertel der in der französischen Industrie eingesetzten Energie auf die Chemiebranche einschließlich der Düngemittelherstellung vor der Eisen- und Stahlindustrie. Die hohe Position der Nahrungsmittelindustrie in der Aufstellung liegt nicht nur an der großen Bedeutung des Sektors in Frankreich, sondern auch an der Einbeziehung vorgelagerter Bereiche wie Zuckerfabriken oder der Molkereiwirtschaft.

Energieverbrauch der Industrie (Anteile in %)

Industriezweige

Anteil an der Bruttowertschöpfung 2014 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 *)

Chemie

2,18

26,2

28,0

Metalle

0,29

17,3

22,2

Nahrungsmittel

2,31

14,4

12,4

Mineralstoffe

0,38

k.A.

10,8

Papier und Pappe

0,21

9,7

9,2

Metallverarbeitung

1,02

4,4

2,8

*) Vergleichbarkeit ist eingeschränkt, da ab 2013 neue statistische Methode
Quelle: Insee

Preisregulierung auf dem Energiemarkt wird schrittweise aufgehoben

Im Zuge der Liberalisierung des französischen Energiemarktes seit dem Jahr 2000 werden die staatlich festgelegten "regulierten" Preise mehr und mehr zurückgefahren. Während private Verbraucher bisher noch die Wahl haben zwischen den stabilen regulierten Preisen und eventuell günstigeren freien Marktpreisen verschiedener Anbieter, müssen seit dem 1.1.16 gewerbliche Abnehmer grundsätzlich auf Angebote des nicht-regulierten Energiemarktes zurückgreifen.

Um die Versorgung zu stabilen Preisen zu gewährleisten, haben Unternehmen besonders energieintensiver Industriesparten 2007 das Konsortium Exeltium gegründet. Der Zusammenschluss von mittlerweile 27 Firmen hat mit dem Stromversorger EDF die Abnahme von 7 TWh im Jahr zu festgelegten Konditionen über eine Laufzeit von 24 Jahren vereinbart. Erste Stromlieferungen erfolgten 2010, der Preis ist orientiert an den Produktionskosten indexiert, wurde jedoch 2014 an die veränderten Marktpreise angepasst.

Nach Ansicht der Umweltagentur Ademe müssten sich insbesondere energieintensive Sparten mehr auf die Stellgröße Effizienz verlegen, anstatt sich vorrangig auf den Preis zu konzentrieren. Nach einer Studie der Agentur sind die größten Effizienzgewinne kurzfristig allerdings in der mechanischen Industrie (Fahrzeugbau, Maschinenbau, Metallverarbeitung) und in der Nahrungsmittelindustrie zu erreichen. Dort schätzt Ademe das Potenzial für Einsparungen bis 2030 auf rund 30%, während energieintensive Branchen wie Eisen- und Stahl (-8,1%) Baustoffe (-14,5%) oder Chemie (-18,0%) dahinter zurückfallen. Im Durchschnitt sieht Ademe das Sparpotenzial bei den im Gesetz geforderten 20% bis 2030.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

Auflagen und Kontrollen erhöhen Effizienz in Italiens Industrie

Italien ist gemessen an der Bruttowertschöpfung nach Deutschland das wichtigste Industrieland Europas. Insbesondere in den nördlichen Regionen Italiens arbeiten viele kleine und mittlere produzierende Unternehmen.

Der Energieverbrauch des Landes ist seit 2004 stark gesunken. Gründe dafür sind die Erfolge der Energiesparmaßnahmen, aber auch die lange Wirtschaftskrise, die seit 2008 andauert. Im Zuge der Krise ist die Binnennachfrage eingebrochen, viele Unternehmen mussten ihre Produktion drosseln oder sind in Konkurs gegangen - mit der Folge, dass der Energieverbrauch sank.

Gleichzeitig wurden im Bereich Energieeffizienz wichtige Fortschritte gemacht. In einer internationalen Vergleichsstudie des amerikanischen Vereins ANEEE (American Council for an Energy-Efficient Economy) von Juli 2016 kommt Italien beim Thema Energieeffizienz nach Deutschland weltweit auf den zweiten Platz. Die vier analysierten Kategorien der Studie sind Energieeffizienz im Baubereich, in der Industrie und im Transportwesen sowie die Rahmenbedingungen und Politik auf nationaler Ebene.

Vorbildliche Kraft-Wärme-Kopplung

Laut der Studie sind mehrere Faktoren für das gute Resultat verantwortlich. In der Industrie konnten Energieeinsparziele, Anforderung an Energiemanager, diese Ziele zu erreichen, sowie die regelmäßige Überprüfung des Zielerreichungsgrades zur Verbesserung der Energieeffizienz beitragen. Als vorbildlich bezeichnet die Studie den weitverbreiteten Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung.

Im Jahr 2015 wurden nach Angaben des Energy Efficiency Reports des Mailänder Polytechnikums insgesamt circa 5,6 Mrd. Euro in die Verbesserung der Energieeffizienz investiert, 10% mehr als 2014. Alleine die Industrie hat 2015 rund 1,8 Mrd. Euro für die Verbesserung der Energieeffizienz ausgegeben.

Industriezweige

Anteil am BIP 2014 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in %)

Industrie (insgesamt)

16,7

100

100

Eisen und Stahl

k.A.

18,8

19,3

Steine und Erden

k.A.

19,0

17,1

Chemie

k.A.

13,6

14,2

Maschinenbau

k.A.

12,5

12,7

Nahrungsmittel

k.A.

8,9

10,5

Papier und Druck

k.A.

7,7

8,6

Quelle: Eurostat

Beim Thema Energieeffizienz investieren die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich: Im Jahr 2015 flossen 50% der Investitionen der Industrie in Verbrennungsmotoren in der metallverarbeitenden Industrie. Nahrungsmittelindustrie, Chemiebranche und Maschinenbau hingegen haben vor allem auf Kraft-Wärme-Kopplung gesetzt und entsprechend jeweils circa 100 Mio. Euro investiert. Die Modernisierung der Beleuchtung stand bei allen Branchen auf der Agenda und schlug mit insgesamt 179 Mio. Euro zu Buche.

In Italien gibt es seit 2012 subventionierte Energiepreise für sogenannte „imprese energivori“, das sind Unternehmen, deren Energieverbrauch im Verhältnis zum Umsatz überproportional hoch ist. Um in den Genuss der reduzierten Energiepreise zu kommen, müssen die Firmen mindestens 2,4 GWh Strom im Jahr verbrauchen, gleichzeitig müssen die Ausgaben für Strom mehr als 2% des Umsatzes betragen. Die Subvention ist gestaffelt, sie fällt höher aus, wenn die Stromkosten 3% des Umsatzes übersteigen.

Text: Robert Scheid

17.10.2016

Belgien besitzt viele energieintensive Branchen

Belgiens Industrie hat 2014 etwa 9,3% weniger Energie verbraucht als 2010, obwohl ihre Bruttowertschöpfung im selben Zeitraum preisbereinigt um 4,9% gestiegen ist. Dennoch ist die Energieintensität im internationalen Vergleich hoch. Laut Eurostat fiel 2014 in Belgien ein Energieverbrauch von 141,4 kg an Öläquivalenten je 1.000 Euro  erwirtschaftetem BIP an. Das ist mehr als im Schnitt der EU (122,0 kg) und Eurozone (117,4 kg) und der nach Finnland höchste Wert aller Volkswirtschaften, die bereits vor der ersten Osterweiterung 2004 EU-Mitglied waren.

Belgiens Industrie prägen energieintensive Branchen. Raffinerien, Chemie- und Pharmahersteller haben 2014 etwa 2,0%, 15,4% und 12,6% der Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe erzeugt. Dazu entfielen 15,4% auf Nahrungsmittel- und Getränkeverarbeiter und 12,2% auf Metallerzeuger und -bearbeiter. Diese Sparten haben 2014 zusammen 70% aller Energie in der Industrie verbraucht. Eine Analyse von McKinsey kommt zum Schluss, dass Belgiens Industrie mit Investitionen von 5 Mrd. Euro den Jahresprimärenergieverbrauch von 2010 bis 2030 um 15 Millionen boe (Barrel Öläquivalente) senken kann. Weitere 14 Millionen boe lassen sich durch kostenneutrale Verbesserungen einsparen. Der Energiebedarf wäre dann um 20% geringer als 2005.

Höhere Stromkosten in Wallonien

Die Preisanreize für Effizienzsteigerungen variieren. Im zweiten Halbjahr 2015 kostete Gas belgische Industrieabnehmer 1,8 und 5,6 Eurocent je Kilowattstunde, je nach abgenommener Menge. Das war weniger als im Durchschnitt von EU und Eurozone (jeweils 3,1 bis 6,3 Eurocent) und niedriger als die meisten deutschen, französischen und niederländischen Tarife. Gleichzeitig kostete Strom belgischen Industriekunden 7,7 bis 21,4 Eurocent je Kilowattstunde. Auch diese Spanne war niedriger als im Mittel von EU (10,2 bis 23,4 Eurocent), Eurozone (10,1 bis 25,0 Eurocent) und Deutschland (13,0 bis 27,8 Eurocent), doch teurer als in den Niederlanden (8,1 bis 16,2 Eurocent) und Frankreich (6,6 bis 18,2 Eurocent).

Hinzu kommen in Belgien regionale Unterschiede. So zahlen insbesondere kleinere Stromkunden in Wallonien wegen höherer Steuern und Abgaben teurere Tarife als in Flandern und den Nachbarländern, so eine Studie von PriceWaterhouseCoopers 2016. Dies beeinträchtigt etwa Nahrungsmittel- und Getränkebetriebe. Aber auch Belgiens Chemieverband Essenscia fordert die Regionalregierung von Wallonien dringend auf, die Energiekosten zu verringern.


Energieverbrauch in belgischen Industriezweigen

Industriezweige

Anteil am BIP 2014 (in %) 1)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %) 2)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in %) 2)

Chemische Industrie

2,1

34,9

40,8

Stahlindustrie

1,8 3) 4)

20,0

20,6

Nahrungs- und Genussmittelindustrie

2,1

11,5

8,8

Verarbeitung nichtmetallischer Mineralstoffe

0,6 4)

12,2

7,3

Papier- und Druckindustrie

0,6 4)

6,1

5,6

1) Bruttowertschöpfung; 2) an Elektrizität und Wärme in Tonnen Rohöleinheiten; 3) Metallerzeugung und -bearbeitung; 4) Angabe für 2013
Quelle: Eurostat

Text: Torsten Pauly

17.10.2016

Chinas Industrie verbraucht drei Viertel der Energie des Landes

Rund 70% des jährlichen Energieverbrauchs entfielen in der Volksrepublik 2014 auf die Industrie. Zum Vergleich: Im industriestarken Deutschland lag der Anteil im gleichen Jahr bei 29%. Trotz kontinuierlicher Verbesserung arbeitet Chinas Wirtschaft erheblich energieintensiver als die anderen Industrieländer. Insgesamt sind zehn Industriebranchen für mehr als vier Fünftel des industriellen Energieverbrauchs verantwortlich.

Energieverbrauch ausgewählter energieintensiver Produkte in China und Japan 2014 (in kgce/t)

 

Stahl

Aluminium 1)

Zement

Ethylen

Synthetischer Ammoniak

Papier u. Karton

China

654

13.596 3)

124

860

1.540

1.050

Japan

614 2)

12.900 3)

119 4)

629

990

583 2)

1) elektrolytisch hergestelltes Aluminium; 2) 2011; 3) in kWh/t; 4) 2012
Quelle: China Energy Statistical Yearbook 2015

Die Energiesparpotenziale sind gewaltig, gerade in den energieintensiven Branchen. Deren wichtige Industriestandards hat die Regierung in den vergangenen Jahren zu einem großen Teil erneuert und deutlich verschärft. Werden diese nicht eingehalten, können auf Grundlage des Energy Conservation Law Betriebsgenehmigungen verweigert werden.

Chinas Strompreise sind nach wie vor subventioniert und differenziert: nach Regionen, nach Privathaushalten und Industrie, nach verschiedenen Branchen, nach Groß- und Kleinunternehmen, nach Nutzungszeiten. Energieintensive Industrien erhalten in der Regel im Rahmen einer Quote billigeren Strom; bei Überschreitung steigt der Preis deutlich.

Festgelegt werden die Strompreise von der National Development and Reform Commission (NDRC) beziehungsweise von den Development and Reform Commissions (DRCs) auf Provinzebene. In Peking lagen die Strompreise für die Industrie (Stand: Januar 2016) zwischen 0,35 Renminbi Yuan (RMB; circa 0,05 Euro; 1 RMB = 0,140 Euro, umgerechnet zum Durchschnittskurs Januar 2016) pro kWh und 1,53 RMB/kWh, in Shanghai zwischen 0,27 RMB/KWh und 1,22 RMB/KWh (Stand: Juni 2016). Eine Reform des Strommarktes ist seit langem in der Diskussion. Ob sie 2017 tatsächlich kommt, bleibt abzuwarten. Im Rahmen von als Piloten eingerichteten 20 Handelsplattformen können seit Ende 2015 Stromproduzenten und Großabnehmer direkt miteinander verhandeln.

Chinas Top-10 Branchen mit dem größten Energieverbrauch 2014 (basierend auf Verbrauch in tce)

 

Anteil am Produktionswert Gesamtindustrie 2010 (in %)

Anteil am Energie-verbrauch der Industrie 2010 (in %)

Anteil am Energie-verbrauch der Industrie 2014 (in %)

Eisenmetall (Schmelzerei, Gießerei und Walzwerksprodukte)

7,42

25,60

23,45

Chemikalien und chemische Erzeugnisse

6,86

10,20

16,07

Nicht-metallische Mineralprodukte

4,59

12,44

12,38

Wärme- und Stromerzeugung

5,80

8,22

8,68

Erdölverarbeitung, Kokerei

4,19

6,84

6,84

Nichteisenmetall (Schmelzerei, Gießerei und Walzwerksprodukte)

4,03

5,21

5,92

Kohlebergbau

3,16

4,76

4,42

Textilindustrie

4,08

2,67

2,35

Metallwaren

2,88

1,46

1,63

Öl- und Gasförderung

1,42

1,53

1,44

Gesamt

43,01

77,40

81,74

Quelle: National Statistical Yearbook of China 2015, China Energy Statistical Yearbook 2015

Text: Corinne Abele

17.10.2016

Energieintensive Branchen in Deutschland wachsen schwächer

Generell hat sich im verarbeitenden Gewerbe die spezifische Energieintensität verringert. Von 2000 bis 2014 reduzierte sich der Endenergieverbrauch von 108,8 auf 92,4 t ROE/1.000 Euro Bruttowertschöpfung (zu Preisen von 2010), so Quellen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

2014 entfielen vom gesamten Endenergieverbrauch von rund 61 Mio. t ROE etwa 32,4% auf elektrischen Strom, 30,6% auf Naturgas sowie 13,2% auf Steinkohle, so Quellen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. Zu diesem Ergebnis trugen laut Prognos-Studie mehr importierte Vorprodukte sowie technische Verbesserungen einheimischer Industrien bei. Zudem wuchsen energieintensive Produktionszweige erheblich langsamer als alle übrigen Branchen.

Energieintensive Industriezweige

Industriezweig

Anteil an der Bruttowertschöpfung 2013

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in%)

Metalle

0,8

30,0

29,8

.Metallerzeugung

k.A.

21,0

20,8

.Metallbearbeitung

k.A.

4,3

4,6

.NE-Metalle, Gießereien

k.A.

4,7

4,4

Chemie

1,6

22,1

22,0

.Grundstoffchemie

k.A.

18,5

19,3

.Sonstige Chemie

k.A.

3,6

3,6

Steine, Erden, Glas, Keramik usw.

0,6

10,6

10,8

.Verarbeitung von Steinen und Erden

k.A.

7,3

7,5

.Glas, Keramik u.dgl.

k.A.

3,3

3,3

Papier, Pappe

0,4

9,4

8,9

Ernährung, Tabak

0,4

8,1

8,2

Fahrzeugbau

4,5

4,8

4,7

Quellen: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Statistisches Bundesamt

Stahlindustrie und Grundstoffchemie größte Energieverbraucher

In der deutschen Stahlindustrie ging parallel zum vermehrten Gebrauch von Schrott der spezifische Energieverbrauch von 1990 bis 2015 von 583 auf 473 kg ROE pro t Fertigerzeugnisse zurück, berichtete die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Jedoch zeigten sich seit etwa 2005 nur minimale Veränderungen beim Schrott- und Energiekonsum. Demgegenüber hat sich in dem Produktionszweig seit 2000 der Anteil des aus Abwärme usw. erzeugten elektrischen Stroms von 25,8 auf 48,6% erhöht. Im Jahr 2015 belief sich die Selbstversorgung auf 1.058 kt ROE von den insgesamt verbrauchten 2.175 kt ROE.

Was die Grundstoffchemie betrifft, so rechnet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit einem schwachen Produktionswachstum und einem entsprechend  stagnierenden Energieverbrauch. Die Effizienz lässt sich nur leicht steigern, da ein Großteil des Energieverbrauchs in diesem Bereich nicht variabel ist. Zudem seien wirkliche Verbesserungen nur mit neuen Anlagen zu realisieren. Ferner befürchtete der VCI, dass durch zu ehrgeizige politische Zielvorgaben der Druck auf die Energiekosten zunimmt.

Die Autoren des Monitoringberichts 2015 der Bundesnetzagentur betonten, dass bei stromintensiven Industriekunden die Vielfalt der vertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle spielt. Für die individuellen Abnehmerpreise bestehen Möglichkeiten, Steuern und Abgaben zu reduzieren: Bei einer maximalen Ausnutzung der angebotenen Vergünstigungen ließen sich die Kosten um rund 10 Cent/kWh senken.

Text: Siegfried Ellermann

17.10.2016

Energieverbrauch der ägyptischen Industrie liegt über internationalem Durchschnitt

Ägypten ist das nach Südafrika am zweitstärksten industrialisierte Land Afrikas und verfügt über zahlreiche private und öffentliche Unternehmen. Zahlen der Internationalen Energieagentur von 2013 zufolge verbrauchte die Industrie 33% des Stroms und stand für 43% des Endenergieverbrauchs.

Die ägyptische Behörde New and Renewable Energy Authority (NREA) erwartet, dass die Industrie 2020 rund 50 Mtoe (Megatonnen Öleinheiten) Erdölprodukte, Erdgas und Strom benötigen wird, gegenüber 40 Mtoe in 2016. Der spezifische Energieverbrauch je produzierter Einheit lag 2010 laut einer Studie um 10 bis 50% über dem internationalen Durchschnitt, wurde aber durch die heruntersubventionierten Strompreise abgefedert.

Besonders energieintensive Zweige in Ägypten sind die Produktion von Stahl und Zement sowie Düngemitteln. Umweltminister Khaled Fahmy zufolge stellen die energieintensiven Branchen nur 1% der Betriebe des Landes, verbrauchen aber 65% des Stroms. Der Leiter des National Cleaner Production Centre schätzte im Februar 2016, dass allein durch mehr Energieeffizienz der Energiebedarf der Industrie um 20% gesenkt werden könnte.

Stromsubventionen werden mittelfristig voraussichtlich sinken

Bis zum Sommer 2014 steuerte Ägypten auf eine handfeste Energiekrise zu. Bevölkerung und Wirtschaftsleistung legten zu, während die Kraftwerkskapazitäten nicht mehr ausreichten und das veraltete Stromnetz die Anforderungen immer schlechter bewältigen konnte. Als Nettoimporteur von Erdgas und Erdöl musste Ägypten nun Devisen aufwenden, um den Brennstoffbedarf der Kraftwerke decken zu können. Zugleich belasteten Subventionen unter anderem der Strompreise, für Erdgas und Erdölprodukte den Staatshaushalt. In den vergangenen Jahren entfielen circa 25% des Etats auf Subventionen. Trotz einer Kürzung um 6,4% sieht das Budget für das  Finanzjahr 1.7.16 bis 30.6.17 noch immer 2,9 Mrd. Euro allein für Stromsubventionen vor.

In der auch politisch brisanten Stromkrise ließ die ägyptische Regierung alle Kraftwerke warten und plante umfangreiche neue Kapazitäten. Drei Großkraftwerke und ein Windpark von Siemens werden mit zusätzlichen 14,4 GW die Stromerzeugung des Landes um mehr als 50% steigern. Zudem erfolgt eine Modernisierung des Stromnetzes. Die Ausbeutung großer neuer Erdgasvorkommen dürfte ab 2018 schrittweise die Brennstoffversorgung der vorherrschenden Gaskraftwerke erleichtern.

Ein „weiter so“ in Sachen Energieverbrauch ist dennoch unwahrscheinlich. Von 2014 bis 2019 sollten die Stromsubventionen ursprünglich abgebaut werden, um zumindest die Erzeugungskosten decken zu können. Neuesten Plänen zufolge sollen die Stromtarife allerdings erst 2026 ganz ohne Subventionen auskommen. Dass an Beschlüssen immer wieder gerüttelt wird, erschwert auch eine genaue Berechnung der Amortisationszeit von Effizienzmaßnahmen.

Eine Orientierung zu den Energiepreisen bietet das Dekret 1257/2014, in dem die Entwicklung über fünf Jahre festgeschrieben wurde. Die Tarife für industrielle Stromkunden betrugen demnach im Finanzjahr 2014/15 zwischen 2,3 und 5,8 Cent pro Kilowattstunde. Bis 2018/19 sollten sie demnach auf 4 bis 6,9 Cent ansteigen. Damit ging auch eine stärkere Spreizung der Tarife zwischen Spitzenlastzeiten und Nebenzeiten einher. Das Dekret sah auch am Ende des Subventionsabbaus noch Sondertarife für den Chemieriesen KIMA und die Metro in Kairo vor.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Freiwillige Energieeffizienz-Verträge mit finnischer Industrie

Energieeffizienz ist in Finnland ein bekanntes Thema, sowohl in mittelständischen als auch in energieintensiven Großunternehmen, aber auch im Verkehrs- und Gebäudebereich sowie im öffentlichen Sektor. Freiwillige Verträge zur Verbesserung der Energieeffizienz werden in Finnland bereits seit 1997 geschlossen und von der staatlichen Energieeffizienzagentur Motiva koordiniert. In den freiwilligen Verträgen zwischen dem Wirtschaftsministerium und den Verbänden streben die teilnehmenden Unternehmen nach einem vom Verband vorgegebenen Energiesparziel.

Neue Vertragsperiode ab 2017

Nach den Plänen der Regierung soll die neue, ebenfalls auf dem Freiwilligkeitsprinzip aufbauende Energieeffizienz-Vertragsperiode von 2017 bis 2025 das Kerninstrument für die Energiesparmaßnahmen in der Industrie bis 2025 darstellen. Aktuell bereitet federführend der Zentralverband der finnischen Wirtschaft (EK) die Unterzeichnung der neuen Verträge mit dem Wirtschaftsministerium für Mitte Oktober 2016 vor. Folglich werben die Industrieverbände, wie der Verband der Technologieindustrien (Teknologiateollisuus), nun bei den Unternehmen für eine Teilnahme. Diese sollen bis 2025 etwa 7,5% ihres derzeitigen Energieverbrauchs einsparen.

Für deutsche Unternehmen lohnt es sich gerade jetzt, auf den finnischen Markt zu schauen, wie aus der Einschätzung von Kati Ruohomäki, Expertin für Klima, Energie und Materialeffizienz bei EK hervorgeht: „Die meisten Unternehmen beteiligen sich jetzt an den Verträgen für die neue Periode. Durch den Start in 2017 ist das Thema im Moment wieder sehr präsent.“

Freiwillige Verträge führten zu Investitionen etwa 300 Mio. Euro in Effizienz

Die Erfahrungen mit den freiwilligen Energieeffizienz-Verträgen sind gut. Einer Auswertung von Motiva für 2014 zufolge investierten die teilnehmenden Industrieunternehmen seit 2008 bereits circa 301 Mio. Euro in effizienzsteigernde Maßnahmen und sparen dadurch jährlich bereits 8,8 TWh. Die energieintensiven Industrien, vor allem die Papier- und Metallhersteller sowie Bergbau- und Chemieunternehmen, verantworten nach EK-Informationen mit circa 69% den größten Anteil der Energieeinsparungen.

Trotz der bisher erreichten Erfolge ist die Energieeffizienz gerade für Industrieunternehmen kein Selbstläufer. Das Strompreisniveau ist im europäischen Vergleich äußerst niedrig. Bei einem Jahresverbrauch von 20 bis 70 GWh zahlten finnische Betriebe mit 5,34 Euro-Cent pro kWh 2015 den drittniedrigsten Durchschnittspreis in der Europa. Günstiger sind nur Schweden und Norwegen, die durch ihre Stromexporte nach Finnland mitverantwortlich für das niedrige Kostenniveau sind.

Hinzu kommt, dass energieintensive Unternehmen gemeinschaftliche Energieprojekte realisieren, um sich Strompreise zum Produktionspreis zu sichern. Dazu gehört auch das seit kurzem in Bauvorbereitungen befindliche Kernkraftwerk Hanhikivi I von Fennovoima im nordfinnischen Pyhäjoki. An dem Joint Venture ist unter anderem der Stahlhersteller Outokumpu beteiligt.

Papier- und Zellstoffindustrie größter industrieller Energiekonsument

Andererseits sorgt der Strukturwandel in der finnischen Forstwirtschaft, die immerhin 55,4% des industriellen Endenergieverbrauchs 2014 ausmachte, für ein neues Interesse an der Energieeffizienz. Unter dem internationalen Kostendruck rüsten immer mehr Zellstoffproduktionsanlagen auf energiesparendere Verfahren um. In Äänekoski investiert der Hersteller Metsä Fibre derzeit etwa 1,2 Mrd. Euro in eine effizientere Zellstoffproduktion, die durch die energetische Verwendung der Produktionsabfälle nach Fertigstellung 2017 das 2,4-fache des eigenen Energiebedarfs erzeugt, also Strom in das finnische Netz einspeisen wird. Die geplante Zellstofffabrik von Finnpulp in Kuopio soll ab 2019 etwa 1 TWh Strom in das Netz einspeisen.

Energieverbrauch in ausgewählten Industriezweigen

Industriezweige

Anteil an industrieller Bruttowertschöpfung 2014 (in %) *)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in %)

Herstellung von Papier, Pappe, Zellstoff und Druckerzeugnissen

7,1

54,5

55,4

Metallerzeugung und -bearbeitung

2,6

15,9

13,2

Herstellung chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse

6,5

8,5

9,1

Herstellung von Holzwaren

2,5

4,6

4,9

Bauwirtschaft

23,4

3,1

3,8

Herstellung von Lebensmitteln, Getränken und Tabak

5,6

3,5

3,6

*) Industrie umfasst die NACE-Kategorien B-F, also Bergbau (B), verarbeitendes Gewerbe (C), Energieversorgung (D), Wasserversorgung (E) und Bauwirtschaft (F)
Quellen: Eurostat, Finnisches Statistikamt

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Große Teile der schwedischen Produktionsanlagen stammen noch aus den 1960er und 1970er Jahren

Anteil an der Bruttowertschöpfung (BWS) 1) und am Energieverbrauch der Industrie und des Bergbaus 2)

Wirtschaftszweig (NACE Rev.2)

Anteil an der BWS 2015 3)

Anteil am Energieverbrauch 2010

Anteil am Energieverbrauch 2013

Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden (B05 bis B09)

0,6

3,2

3,9

Lebensmittel, Getränke, Tabakwaren (C10 bis C12)

1,3

3,3

3,4

Papier, Pappe und Waren daraus (C17)

1,2 4)

44,8

45,8

Kokerei und Mineralölverarbeitung (C19)

3,3 4)

7,4

6,9

Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse (C20 bis C21)

3,0 4)

7,1

7,7

Gummi- und Kunststoffwaren (C22)

0,5 4)

1,0

0,9

Metallerzeugung und -bearbeitung (C24)

1,0 4)

17,9

16,7

Metallerzeugnisse (C25)

1,9 4)

1,5

1,5

Maschinenbau (C28)

2,4

1,9 5)

1,7 5)

Kraftwagen, Kraftwagenteile (C29)

2,2

2,0 6)

1,9 6)

1) Markt- und Nichtmarktproduktion für die eigene letzte Verwendung; 2) jeweils in %; 3) sofern nicht anders angegeben; 4) 2013; 5) Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, elektrischen Ausrüstungen, Maschinenbau (NACE 26 bis 28); 6) Transportausrüstungen (NACE 29 bis 30)
Quelle: SCB

Die schwedische Industrie steht für rund 39% (2014: 142,6 TWh) des landesweiten Endenergieverbrauchs (368 TWh). Rund 70% des Industrieanteils entfallen auf große Firmen, die übrigen 30% auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Nach Wirtschaftssektoren betrachtet, macht die Herstellung und Verarbeitung von Zellstoff und Papier rund die Hälfte des Industrieanteils aus, knapp 16% entfallen auf die Stahl- und Metall-, 9% auf die Chemieindustrie und 6% auf den Maschinenbau. Die energieintensivsten Bereiche der chemischen Industrie sind die Chemikalienproduktion und die Raffinerien.

Schwedens Bergbau ist bereits stark automatisiert und hat durch den Einsatz moderner Steuer- und Regeltechnik einen hohen Grad an Energieeffizienz erreicht. Auch die Stahlindustrie hat in den letzten Jahren stark in Energieeffizienzmaßnahmen, darunter in die Implementierung von Energiemanagementsystemen, investiert. Die Energieagentur (Energimyndigheten) finanziert im Zeitraum 2013 bis 2017 Forschungsprojekte zur Steigerung der Energieeffizienz in Stahlunternehmen (JoSEn) in Kooperation mit dem schwedischen Stahlverband (Jernkontoret) mit 85 Mio. Schwedischen Kronen (skr; circa 9,1 Mio. Euro, 1 Euro = 9,3535 skr im Jahresdurchschnitt 2015).

Zellstoff- und Papierindustrie setzt sich als erste Branche konkrete Ziele

Nach einer Analyse der Ingenieurwissenschaftlichen Akademie (IVA) im Jahr 2013 ist es durchaus möglich, die Energieeffizienz bis 2050 um bis zu 50% zu steigern. Sektorspezifische Energieeffizienzziele hat sich bisher indes nur die Zellstoff- und Papierindustrie gesteckt: Sie will ihren Energieverbrauch bis 2020 gegenüber 2007 um mindestens 15% senken und ihre eigene Stromproduktion bis 2020 auf 2 TWh steigern.

Auch die Ressourceneffizienz spielt in Schweden eine wichtige Rolle. Das Land will unter anderem fossile Ressourcen zunehmend durch Biomasse ersetzen. Der Wald ist dabei ein bedeutender Rohstofflieferant. Um mehr Bioprodukte zu entwickeln, kooperieren insbesondere Chemieunternehmen in den letzten Jahren enger mit der heimischen Holzindustrie. So wollen der Bioethanolhersteller Sekab, Tetra Pak sowie die Holzkonzerne Holmen und Sveaskog gemeinsam Biopolymere aus nachwachsenden Rohstoffen, vor allem Holz, gewinnen.

Weitere Anwendungsbeispiele sind die Produktion von Umweltkraftstoffen, Biokunststoffen und nanokristalliner Zellulose. Potenzial für eine Erhöhung des Biomasseeinsatzes gibt es vor allem in der Transport-, Kfz-, Chemie- und Bauindustrie. 

Die Energiepreise in Schweden sind im internationalen Vergleich eher niedrig. Die Strompreise für industrielle Verbraucher mittlerer Größe mit einem Standard-Stromverbrauch von 500 bis 2.000 MWh im Jahr lagen in der EU-28 im 2. Halbjahr 2015 im Durchschnitt bei 8,79 Cent je kWh, in Schweden dagegen nur bei 5,85 Cent je kWh.

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Hoher Modernisierungsbedarf in verschiedenen Industriezweigen der Türkei

Die Industrie ist am gesamten Primärenergieverbrauch des Landes zu 24% und am Elektrizitätsverbrauch zu 47% beteiligt, so die Angaben der Generaldirektion für erneuerbare Energien (YEGM), die auch für Fragen der Energieeffizienz zuständig ist. Vom industriellen Stromverbrauch werden wiederum rund 70% für den Antrieb von elektrischen Motoren verwendet. Der Einsatz von Elektromotoren erfolgt vornehmlich beim Betrieb von Pumpen (29%), Ventilatoren (22%) und Kompressoren (7%). Schätzungsweise 90% der zurzeit eingesetzten Motoren sind nicht energieeffizient. Der Modernisierungs- und Rationalisierungsbedarf ist dementsprechend groß. Aufgrund dieser Erkenntnis konzentrieren sich die Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung in der Industrie auf Elektromotoren, die in verschiedenen Produktionszweigen eingesetzt werden.

Hohe Präsenz energieintensiver Branchen

Energieintensive Branchen wie die Zement-, die Glas- und Keramik- sowie die Eisen- und Stahlindustrie nehmen im produzierenden Gewerbe des Landes eine wichtige Stellung ein. Der Anteil der Energiekosten an den gesamten Produktionskosten bewegt sich in diesen Betrieben zwischen 20 und 55%. Die Lebensmittel- und Textilindustrie weisen dagegen vergleichsweise geringe Anteile von 10 bis 12% auf.

Anteil der Energiekosten an den gesamten Produktionskosten nach Branchen (in %)

Branche/Produktgruppe

Energiekostenanteil

Zement

55

Ammoniak

49

Aluminium

30

Eisen und Stahl

30

Glas

30

Düngemittel

25

Papier

25

Keramik

20

Metallurgie

15

Textil

12

Lebensmittel

10

Ölraffination

8

Quelle: Koc-Universität

Die Zementindustrie, die in den letzten Jahren massiv vom Bauboom profitierte, verfügte 2015 über Produktionskapazitäten von 126,1 Mio. t Zement und 76,5 Mio. t Klinker. Der Umsatz der Branche wird mit 3,2 Mrd. $ beziffert, wobei 550 Mio. $ durch Exporte erwirtschaftet werden. Landesweit gibt es 71 Zementfabriken (darunter 52 integrierte Anlagen). Größere Branchenunternehmen sind Akcansa (Joint Venture zwischen Sabanci Holding und HeidelbergCement), Oyak Cimento, As Cimento, Adocim, Cimsa, Cimentas, Nuh Cimento und Baticim.

Die Stahlproduktion dürfte bis 2025 von circa 40 Mio. t (2014) auf 68 Mio. t steigen, schätzt der Fachverband TCÜD, wenn auch die jüngste Entwicklung dieses Ziel fraglich erscheinen lässt. Im Vergleich zu internationalen Konkurrenten wie  der VR China, Brasilien, Russland und der Ukraine leidet die Branche unter höheren Energiekosten. Mehr als 70% des türkischen Rohstahls werden in elektrischen Lichtbogenöfen erzeugt, der Rest in integrierten Werken. Die größten Branchenunternehmen sind Erdemir, Ictas und Colakoglu.

Die Keramik- und Glasbranche ist ein bedeutender Industriezweig in der Türkei. Bei keramischen Boden- und Wandplatten sowie Kacheln und Fliesen gehört das Land zu den zehn größten Produzenten weltweit. Nach Angaben der Keramikföderation SERFED fertigen landesweit 28 Firmen Platten, Kacheln und Fliesen aus Keramik. Die gesamte Jahreskapazität beträgt 406 Mio. qm. Auf dem Inlandsmarkt wurden 2015 rund 230 Mio. qm Wand- und Bodenplatten, Kacheln und Fliesen sowie 11 Mio. sanitäre Keramikprodukte abgesetzt. Wichtige Kachel- und Plattenhersteller sind Eczacibasi (Vitra), Kale Seramik, Ege Seramik, Yurtbay Seramik, Kütahya Seramik, Usak Seramik, Yüksel Seramik und Hitit Seramik.

Textilindustrie setzt auf Kraft-Wärme-Kopplung

Wichtiges Element zur Steigerung der Energieeffizienz ist der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Bei der sektoralen Aufteilung der eingesetzten Anlagen liegt die Textilindustrie mit einem Kapazitätsanteil von 41% an erster Stelle, gefolgt von der Keramikindustrie (25%), der Lebensmittelindustrie (13%), der holzbearbeitenden Industrie (13%) und der Papierindustrie (8%), so eine Studie der Gazi-Universität in Ankara.

Unternehmen in der Türkei können ihre Elektrizitätskosten durch zeitliche Anpassungen reduzieren. Neben dem zeitunabhängigen Stromtarif gibt es drei tageszeitabhängige Tarife, die beim Vorliegen der technischen Voraussetzungen in Anspruch genommen werden können. Zwischen 17:00 und 22:00 Uhr gilt der teuerste und zwischen 22:00 und 6:00 Uhr der preisgünstigste Tarif. Der Strompreis für Industriebetriebe beträgt im zeitunabhängigen Tarif 0,31 TL/kWh.

Durch die günstige geografische Lage als Transitland können türkische Energieunternehmen ihren Kunden einen günstigen Erdgaspreis anbieten, der für industrielle Kunden im einfachen Tarif umgerechnet 32,01 Euro-Cent/kWh beträgt.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Mexikanische Metallindustrie größter Energieverbraucher

Ausgangssituation in der Industrie im Bereich Energieeffizienz

Im Jahr 2014 entfiel auf die rund 600.000 produzierenden Unternehmen in Mexiko knapp ein Drittel des Energiekonsums von insgesamt 5.128 Petajoule. Für produzierende Unternehmen kommen je nach Verbrauch und benötigter Spannung zwei Tarifgruppen des staatlichen Stromversorgers CFE infrage: der für mittelständische Unternehmen und der für die Großindustrie. Ersterer lag 2015 mit umgerechnet 8,0 Euro-Cent/kWh über dem Durchschnittspreis. Kunden aus der Großindustrie zahlten hingegen mit 6,0 Euro-Cent/kWh weniger als der Durchschnitt.

Die niedrigen Weltmarktpreise für Öl und Gas führten 2015 im Vergleich zum Vorjahr zu einer Senkung der Tarife. Im Juli 2016 gab die CFE jedoch bekannt, die Tarife für Industriekunden aufgrund der wieder steigenden Brennstoffkosten teils deutlich zu erhöhen. Für die Zukunft gehen Marktexperten aufgrund des stärkeren Wettbewerbs auf dem Strommarkt davon aus, dass die Tarife in der Tendenz leicht sinken. Jedoch werden die Preise weiterhin volatil sein.

Die Strompreise werden subventioniert, die genaue Höhe der Zuschüsse für Unternehmenskunden ist aber schwer zu beziffern, da die Preise innerhalb der Tarifgruppen stark nach konkretem Verbrauch, Tages- und Jahreszeit sowie nach geografischer Lage differieren. Im Fall der Tarife für Privathaushalte, die 2015 bei durchschnittlich 6,8 Euro-Cent/kWh lagen, gehen Experten davon aus, dass sie zu wenigstens 50% subventioniert sind.

Energieverbrauch nach Industriezweig

Industriezweig

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2010 (in %)

Anteil am Endenergieverbrauch der Industrie 2014 (in %)

Metallherstellung

14,1

13,7

Zementindustrie

8,4

10,0

Petrochemie (Pemex)

7,6

6,7

Chemieindustrie

6,0

6,6

Glasproduktion

3,6

3,8

Mineralverarbeitung

3,9

3,6

Papierherstellung

3,1

2,9

Zuckerindustrie

3,3

2,5

Getränkeindustrie

1,8

1,9

Fahrzeugindustrie

0,7

0,8

Bauindustrie

0,9

0,8

Gummi- und Kautschukproduktion

0,6

0,6

Düngerherstellung

0,2

0,1

Weitere Sektoren

45,8

46,0

Quellen: Energieministerium Sener (Sistema de Información Energética)

Großunternehmen dominieren energieintensive Branchen

Die GIZ untersuchte in einer Studie aus dem Jahr 2012 den Energiekonsum von mexikanischen KMU. Beim Elektrizitätsverbrauch waren demnach Motoren und andere Antriebsgeräte mit rund 45% die bei Weitem größten Energiefresser, gefolgt von Druckluftgeräten (15%), Beleuchtung (11%) und Kühlgeräten (9%). Im Bereich der thermischen Energie war den GIZ-Experten zufolge der Konsum von Dampf- und Heizkesseln, Trocknern, Warmwassergeräten sowie Öfen und Kochgeräten am höchsten.

Die größten Energieverbraucher waren 2014 die Metallindustrie, die Zementhersteller sowie die Petrochemie. In allen drei Bereichen herrscht eine hohe Konzentration von wenigen, einflussreichen Konzernen. Unter den Eisen- und Stahlproduzenten sind Mittal, Altos Hornos de México, Industrias Peñoles, Grupo México und Ternium führend. Zu den größten Zementherstellern zählen Cemex, Holcim, Cruz Azul und Cementos Fortaleza. Große Chemieunternehmen sind Mexichem und BASF. Speziell in der Petrochemie konzentriert sich das Angebot sogar auf ein einziges Unternehmen: Pemex hielt bislang das Monopol, das allerdings im Zug der Energiereform gelockert wird.

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Vier Branchen verbrauchen in Kanada 80% der Energie

Kanada bietet aufgrund seiner Industriestruktur interessante Marktchancen im Bereich Energieeffizienz. In Schlüsselbranchen wie der Öl- und Gasförderung, der chemischen Industrie, dem Papiergewerbe sowie der Aluminium- und Stahlproduktion hat das Thema in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Eine Unternehmensbefragung der Canadian Energy Efficiency Alliance (CEEA) aus dem Jahr 2014 ergab, dass 70% der befragten Industrieunternehmen bereits Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt hatten oder dies in naher Zukunft planten.

Anteil am Energieverbrauch nach Branchen in Kanada (Auswahl)

Industriezweig

Anteil am BIP 2013 (in %)

Anteil am Sekundärenergieverbrauch der Industrie 2009 (in %)

Anteil am Sekundärenergieverbrauch der Industrie 2013 (in %)

Öl- und Gasförderung

5,8

25,9

29,6

Papiergewerbe 

0,4

20,0

17,3

Eisen-, Stahl- und Aluminiumindustrie 

0,8

14,2

13,5

Erdölraffination

0,3

10,6

9,6

Chemische Industrie

0,8

7,3

7,9

Quellen: Statistics Canada, Natural Resources Canada, 2016

Der Sekundärenergieverbrauch im kanadischen Industriesektor ist seit 1990 um durchschnittlich 1,5% pro Jahr gewachsen und erreichte 2013 einen Wert von 3.525 Petajoules (PJ). Auf die vier energieintensivsten Branchen entfallen dabei fast 80% des gesamten Verbrauchs. Einer Prognose der Regulierungsbehörde National Energy Board (NEB) zufolge wird der Bedarf in diesem Segment bis 2040 um rund 1% per annum steigen. Als größter Wachstumstreiber gilt dabei die Öl- und Gasindustrie. So soll bis 2020 allein die tägliche Erdölfördermenge von zuletzt 3,9 Mio. Barrel auf 4,4 Mio. und bis 2030 auf knapp 5,0 Mio. Barrel steigen, so die Prognose der Canadian Association of Petroleum Producers (CAPP).

Energieintensive Öl- und Gasförderung in Kanada

Die Öl- und Gasbranche ist innerhalb des Industriesektors der mit Abstand größte Energiekonsument. Laut dem kanadischen Rohstoffministerium Natural Resources Canada hatte die Upstream-Förderung von Rohöl und Erdgas einen Anteil von 30% am industriellen Energiebedarf. Zudem hat sich seit dem Basisjahr 1990 der Verbrauch auf 1.056 PJ vervierfacht. Der Großteil der Öl- und Gasindustrie konzentriert sich in der Provinz Alberta. Hier liegt der Anteil der Öl- und Gasförderung am gesamten industriellen Energiebedarf sogar bei 70%.

In den nächsten Jahren wird die Förderung aus unkonventionellen Lagerstätten in den Ölsandgebieten Albertas mit Hilfe des energieintensiven Verfahrens der dampfunterstützten Schwerkraftdrainage (Steam Assisted Gravity Drainage, SAGD) stark wachsen. Laut einer Studie der Canadian Manufacturers and Exporters aus dem Jahr 2010 entfallen drei Viertel des Energieverbrauchs in der Branche auf direkte und indirekte Prozesswärme für die Dampferzeugung. Entsprechend wird der Energiebedarf in dieser Industriesparte weiter steigen. Mit der Einführung der CO2-Steuer ab 2018 dürften die Unternehmen jedoch verstärkt in energieeffiziente Technologien investieren, um ihr Öl auch weiterhin zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten zu können. Natural Resources Canada beziffert das Einsparpotenzial in diesem Sektor auf 10 bis 25%.

Einsparmöglichkeiten in Kanadas Papier- und Aluminiumindustrie

Die Papier- und Zellstoffindustrie ist der zweitgrößte Energieverbraucher im Industriesektor. Allerdings ist ihr Anteil am Gesamtbedarf in den letzten Jahren zurückgegangen. Die kanadischen Papiermühlen haben aufgrund der wachsenden Konkurrenz aus der VR China und der sinkenden Weltmarktpreise für Papier ihre Produktion herunterfahren müssen. Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, wollen die Firmen durch eine effizientere Produktion ihre Herstellungskosten drücken. In den letzten Jahren ist der Energiebedarf im Papierherstellungsprozess - vor allem durch den Einsatz von Biomasse - um ein Drittel auf 610 PJ zurückgegangen. Trotz dieses Erfolgs, dürfte das Thema Energieeffizienz auch in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle in der kanadischen Papier- und Zellstoffbranche spielen. Natural Resources Canada beziffert das Einsparpotenzial auf 10 bis 35%.

Kanada ist mit einem jährlichen Output von 3 Mio. t der drittgrößte Produzent von Aluminium nach der VR China und Russland. Laut dem Nachhaltigkeitsbericht des Verbandes Aluminium Industry Association hat sich der Energiebedarf pro Tonne produziertes Aluminium seit dem Jahr 1990 landesweit um 10% reduziert. Nach Angaben des Verbands ist die kanadische Aluproduktion mit einer Stromintensität von 16 MWh pro Tonne eine der effizientesten weltweit. In der Stahlindustrie ist der Energiebedarf in den letzten zehn Jahren um 16 % zurückgegangen, was allerdings auf den Rückgang der Stahlproduktion in diesem Zeitraum zurückzuführen ist. Natural Resources Canada beziffert das Einsparpotenzial in diesem Sektor auf 10 bis 30%.

Potenzial trotz niedriger Energiepreise

Generell liegen die Energiepreise in Kanada im internationalen Vergleich unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten. So zahlten laut einer Erhebung von Hydro Quebec gewerbliche Großabnehmer mit einem Jahresverbrauch von mehr als 20.000 MWh im April 2016 im Schnitt 8,47 kanadische Cent pro kWh. Allerdings sind Steuern und Sonderabgaben - beispielsweise für die Instandhaltung der Netzinfrastruktur - in den letzten Jahre deutlich gestiegen und dürften auch künftig die Energiekosten für die Unternehmen nach oben drücken.

Der Preis für Erdgas in Kanada hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu halbiert, was vor allem auf den Ausbau der Schiefergasförderung in den USA zurückzuführen ist. Für industrielle Abnehmer lag der Preis für den Kubikmeter Erdgas 2015 im Schnitt bei knapp 14 kanadischen Cents. Allerdings gibt es auch hier starke regionale Unterschiede. Während die Abnehmer in Alberta, Manitoba, Saskatchewan und British Columbia nur um die 10 kanadische Cent zahlen, waren es in Ontario und Quebec rund 25 Cent pro Kubikmeter.

Text: Boris Alex

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