Energieeffizienz im Gebäudebau in Polen

Chancen für Effizienzmaßnahmen in Polens Hochbau

Über 5 Mrd. Euro fließen in Polen jährlich in die Gebäudesanierung. Neu gebaute Bürohäuser haben ohne grünes Zertifikat kaum Chancen bei Mietern. Der unter Sparzwang stehende Einzelhandel lotet die Einsparpotenziale im Energiebereich stärker aus. Die öffentliche Verwaltung darf nur noch energieeffizient bauen und mieten. Dennoch besteht hauptsächlich bei Privatkunden noch großer Aufklärungsbedarf. Vor allem gilt es jedoch eine große Hürde zu überwinden - die alles entscheidende Geldfrage.

17.11.2016

Polnische Regierung erstellt 2017 neuen Aktionsplan für Energieeffizienz

Polen gilt in Umweltfragen nicht als treibende Kraft in der EU, ganz im Gegenteil. Insofern wundert es kaum, dass die Umsetzung der Energieeffizienz-Richtlinie des Europäischen Parlaments (2012/27/EU) ins polnische Recht fast vier Jahre in Anspruch genommen hat. Am 1. Oktober 2016 ist das neue Gesetz über Energieeffizienz vom 20.5.2016 (im Originallaut) in Kraft getreten. Zum einen ermöglicht es dem öffentlichen Sektor die Realisierung und Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen anhand von Verträgen nach dem European Code of Conduct for EPC. Zum anderen verpflichtet das Gesetz zum Kauf von energieeffizienten Produkten und Dienstleistungen. Öffentliche Stellen müssen zukünftig energieeffiziente Gebäude bauen oder mieten sowie Vorgaben zur Energieeffizienz bei Gebäudemodernisierungen befolgen. 

Spätestens Anfang des 2. Quartals 2017 sollte ein genauer Fahrplan der neuen Regierung im Bereich der Energieeffizienz vorliegen. Der laut Gesetz alle drei Jahre vom Energieminister zu erstellende landesweite Aktionsplan für Energieeffizienz muss bis zum 30. April 2017 an die Europäische Kommission übergeben werden.

Solange gelten noch die Vorgaben aus der letzten Ausarbeitung vom Oktober 2014 (im Originallaut). Demnach muss Polen bis 2020 eine Reduzierung des jährlichen Primärenergieverbrauchs gegenüber 2010 um 13,6 Mio. t Rohöleinheiten auf 96,4 Mio. t Rohöleinheiten erreichen. Energieversorger müssen zudem 1,5% der jährlich verkauften Energie einsparen, was sie durch den Kauf von sogenannten weißen Zertifikaten, die für Energieeffizienzmaßnahmen vergeben werden, belegen (mehr dazu in Kapitel 3. Staatliche Förderprogramme und Anreize).

Staat gibt Zuschuss von 20% zu Modernisierungsvorhaben im Gebäudebau

Die detailliertesten Angaben zur erwünschten Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebau liefert das Gesetz über die Förderung von Thermomodernisierung und Renovierungen vom 21.11.2008. Demnach werden 20% des für Modernisierungsvorhaben aufgenommenen Kredits vom Staat übernommen. Um den Zuschuss zu beanspruchen, müssen durch die ausschließliche Modernisierung des Heizsystems 10% des jährlichen Energiebedarfs eingespart werden. Bei einer ganzheitlichen Renovierung von Gebäuden, in denen das Heizsystem nach 1984 erneuert wurde, beträgt die Mindesteinsparquote 15%, bei älteren 25%.


Strategische Ziele

Land

2010

2014

2020

2030

Endenergieverbrauch der privaten Haushalte (in Mio. t Rohöleinheiten)

22,0

18,9

19,4

20,1

Anteil am Endenergieverbrauch des Landes (in %)

33,1

30,8

26,7

23,8

Stromverbrauch der Privathaushalte (in 1.000 t Rohöleinheiten)

2,5

2,4

2,8

3,3

Strompreis für Haushalt mittlerer Größe (in Euro je kWh)

0,1341

0,1421

0,1919

0,2380

Zielstellungen des Landes zur Reduktion Stromverbrauch (in %)

-

-

10,5% 1)

 

Zielstellungen des Landes zur Reduktion Endenergieverbrauch für Wärme (in %)

-

-

 

 

1) gegenüber 2010, ohne EU-ETS
Quellen: Eurostat; Energiepolitik Polens bis 2030; Wirtschaftsministerium


Text: Michal Wozniak

17.11.2016

Dynamik bei Bau von Wohnungen, Hotels, Lagerhallen und Industrieanlagen in Polen

Etwa jedes fünfte der über 6 Mio. Wohngebäude in Polen entstand nach der Wende. Innerhalb des Jahres 2015 wurden laut dem Statistischen Hauptamt (GUS) knapp 77.000 Immobilien gebaut, 5% mehr als im Vorjahr. Bei 93% der Investitionen handelte es sich um Einfamilienhäuser. Über 57% der knapp 884.000 erbauten Wohneinheiten wurden von Privatpersonen realisiert, knapp 40% waren für den Verkauf oder die Vermietung vorgesehen.

Baugenehmigungen steigen um 14%

Die gute Konjunktur hielt auch im 1. Halbjahr 2016 an: Die Anzahl der erteilten Baugenehmigungen stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 14% auf 98.100 Wohneinheiten. Die Anzahl der fertiggestellten Immobilien legte um über einen Prozentpunkt zu. Zur Mitte des Jahres befanden sich 733.200 Wohngebäude im Bau.


Altersstruktur der Wohngebäude (Stand: 2011; Anteile in %)

Baujahr

Wohngebäude *)

Wohneinheiten *)

vor 1918

7,3

9,0

1918 bis 1988

64,6

67,9

nach 1988

21,6

19,5

*) von 6,5% der Gebäude und 3,6% der Wohneinheiten konnte kein Baujahr ermittelt werden oder sie befanden sich im Bau
Quelle. Statistisches Hauptamt


Sehr erfolgreich entwickelten sich 2015 Investitionen im Bereich des Industrie- und Lagerbaus. Die Anzahl der Gebäudefertigstellungen nahm gegenüber dem Vorjahr um 17% zu. Hotel- und Wohnheimbau legte um ein Viertel zu. Nahezu um den gleichen Faktor auf 825 Einheiten ging hingegen die Anzahl fertiggestellter öffentlicher Nutzbauten zurück. Mit 3.399 Gebäuden für Einzelhandel und Dienstleistungen wurde das Vorjahresergebnis um knapp 6% unterboten. Auf dem Niveau des Vorjahres entwickelte sich der Bau neuer Bürohäuser.


Neubau von Gebäuden

Jahr

2013

2014

2015

Gebäude insgesamt, darunter

99.606

96.345

100.492

Einfamilienhäuser

73.663

68.880

71.558

Mehrfamilienhäuser

3.852

4.137

5.044

Hotels, Herbergen

1.051

1.075

1.342

Bürohäuser

593

650

649

Einzelhandels-, Dienstleistungsgebäude

3.237

3.606

3.399

Gebäude für Transport und Fernmeldewesen

6.926

6.470

6.544

Industrie-, Lagerbauten

3.250

3.085

3.611

Öffentliche Bauten

920

1.065

825

Sonstige nicht bewohnbare Gebäude

6.054

7.322

7.459

Quelle: GUS


Im 2. Quartal 2016 befanden sich laut der Immobilienberatung Jones Lang LaSalle knapp 1,5 Mio. qm Büroflächen im Bau, etwa 45% davon in der Hauptstadt Warschau. Die Hotelmarktexperten von STR Global sehen in Polen nach der Anzahl geplanter oder sich in der Realisierung befindlicher Vorhaben den europaweit fünftgrößten Bauplatz für Markenhotels. Darunter befinden sich 23 neue Häuser, welche die Hotelgruppe Orbisbis 2018 eröffnen will. Die Hotelkette Starwood will 2019 einen weiteren Standort in Warschau eröffnen und gab im August grünes Licht für die Modernisierung des ehemaligen Hotels Bristol in der polnischen Winterhauptstadt Zakopane. Bereits 2017 sollen zwei neue Hilton-Hotels  in Lublin und Gdansk eröffnet werden.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten:

Maximaler Primärenergieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser, in kWh/qm im Jahr

Gebäudeart

Ab 1.1.2014

Ab 1.1.2017

Ab 1.1.2021

Einfamilienhaus

120

95

70

Mehrfamilienhaus

110

90

70

Hotels, Wohnheime

110

90

70

Gesundheitseinrichtungen

390

290

190

Andere öffentliche Gebäude

80

70

60

Wirtschafts-, Lager- u. Produktionsbauten

110

90

70

Quelle: Landesplan für die Steigerung der Anzahl von Gebäuden mit niedrigem Energiebedarf (im Originallaut)


Schwächephase im Einzelhandel

Weniger erfreulich sind die kurzfristigen Perspektiven in den übrigen Hochbaubereichen. Nach einem Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen um knapp 6% im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr, brachte das 1. Quartal 2016 einen Rückgang von fast 9%. Bauaktivitäten sanken sogar um über 10%. Angespannt ist ebenfalls die Lage im Einzelhandel. Er profitiert zwar von den neu eingeführten Sozialleistungen für Kinder, muss gleichzeitig aber steigende Kosten durch neue sektorale Steuern stemmen. Die Anzahl von Verkaufsläden sinkt in Polen zudem alljährlich im mittleren vierstelligen Bereich. Die sich weiterhin verzögernde Vergabe von EU-Mitteln aus der EU-Förderperiode 2014-2020 hemmt derweil Bauvorhaben im öffentlichen Sektor und im Transportbereich.


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau (in Umax)

Bauteil

Ab 1.1.2014

Ab 1.1.2017

Ab 1.1.2021*)

Außenwand (t>16̊C)

0,25

0,23

0,20

Dach (t>16̊C)

0,20

0,18

0,15

Bodenplatte (t>16̊C)

0,30

0,30

0,30

Fenster (t>16̊C)

1,3

1,1

0,9

Dachfenster (t>16̊C)

1,5

1,3

1,1

Türen und Tore

1,7

1,5

1,3

U = Wärmedämmungskoeffizient
*) gelten für öffentliche Einrichtungen ab 2019
Quelle: Landesplan für die Steigerung der Anzahl von Gebäuden mit niedrigem Energiebedarf


Von der Verzögerung wird auch der Tiefbau beeinträchtigt, was sichtbare Spuren auf der Bilanz der gesamten Baubranche hinterlässt: In den ersten sieben Monaten 2016 sank die Bauleistung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 14%. Im Gesamtjahr 2015 wurden Bauinvestitionen im Wert von 88,6 Mrd. Zloty (Zl; etwa 21,2 Mrd. Euro; 1 Euro = 4,1841 Zl; Jahresdurchschnittskurs 2015) durchgeführt. Der Hochbaubereich strich die Hälfte dieser Summe ein, der Wohnungsbau alleine 12 Mrd. Zl. Auf mehr als das Doppelte beliefen sich die Kosten der durchgeführten Renovierungen.


Text: Michal Wozniak

17.11.2016

Polen fördert über weiße Zertifikate

Energieeffizienzmaßnahmen werden in Polen unter anderem über sogenannte weiße Zertifikate gefördert. Mit dem Inkrafttreten des neuen Energieeffizienzgesetzes ab dem 1. Oktober 2016 muss dafür ein Antrag beim Präsidenten des Regulierungsamtes für Energiewirtschaft (URE) gestellt werden.

Ab diesem Datum werden die Zertifikate nur noch für neue, nicht mehr für bereits abgeschlossene Vorhaben gewährt. Der Katalog der möglichen Maßnahmen ist breitgefasst und beinhaltet auch Umbau und Renovierungen von Gebäuden im Industrie- und im Wohnbereich. Für Maßnahmen, die nicht auf der Liste aufgeführt sind, aber Mindestanforderungen zur Energieeinsparung erfüllen, muss ein separater Antrag gestellt werden.

Weiterhin besteht eine Mindesthöhe der Energieeinsparung von 10 t Rohöleinheiten jährlich, um die Förderung in Anspruch nehmen zu können. Diese dient allerdings nur der Minimierung des administrativen Aufwands, weswegen es Einzelinvestoren freisteht, sich mit anderen zusammenzuschließen, um diese Grenze zu überschreiten.

Die erworbenen Zertifikate können an Energieproduzenten, -verkäufer und -verteiler sowie an ausgewählte Großabnehmer und Maklerhäuser veräußert werden. Diese belegen durch den Aufkauf die pflichtmäßige jährliche Einsparung von 1,5% der verkauften Energie.

EU- und staatliche Fonds

Im Bereich der monetären Förderung stehen mehrere Programme zur Verfügung, die aus zahlreichen Geldtöpfen schöpfen. Landesweit können aus dem Operationellen Programm Infrastruktur und Umwelt (mehr dazu in einem GTAI-Artikel) etwa 450 Mio. Euro für die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden abgerufen werden. Weitere 150 Mio. Euro stehen für Energieeffizienzprojekte bei Großunternehmen zur Verfügung. Diese Gelder werden in Form von Mischinstrumenten vergeben - die Bezuschussung ist an rückzahlungspflichtige Darlehen gekoppelt.

Die Regionalen Operationellen Programme der 16 Woiwodschaften stellen 7,3 Mrd. Euro für die Bereiche Energieeffizienz, Umwelt- sowie Kulturschutz bereit. In Niederschlesien konnten sich KMU im August 2016 um insgesamt knapp 5 Mio. Euro unter anderem für die tiefgreifende Energiemodernisierung von Bauobjekten bewerben. Der Wettbewerb für eine ähnliche, vom Volumen aber doppelt so große Maßnahme der Woiwodschaft Ermland-Masuren läuft bis zum 28. September 2016.

Landesweites Netz von Beratern

Bei einzelnen Wettbewerben wird nur ein Teil der zur Verfügung stehenden Mittel vergeben. Mit Informationen zu den jeweils aktuellen Möglichkeiten dient der Nationale Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft (NFOSiGW), der zu diesem Zweck ein polenweites Netz von 76 Beratern aufgebaut hat. Die Kontaktdaten sind nach den 16 Woiwodschaften gestaffelt.

Der NFOSiGW ist ebenfalls für die Verteilung staatlicher Mittel für Energieeffizienzprogramme verantwortlich. Allerdings wurde im Juni 2016 entschieden, die einzelnen Programme umzugestalten. Zum Redaktionsschluss lagen die Umfänge und Voraussetzungen der neuaufgestellten Förderung noch nicht vor.

Die Exportinitiative Energie des BMWi unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.


Text: Michal Wozniak

17.11.2016

Keine polnischen Fördermittel ohne Audit

Jegliche Inanspruchnahme von Fördermitteln für Energieeffizienzmaßnahmen bedingt die Durchführung eines Energieaudits. Dieser soll die Erfüllung der Effizienzziele nachweisen und wird anhand der Verordnung des Infrastrukturministers vom 17.3.2009 (im Originallaut) mit späteren Änderungen (im Originallaut) durchgeführt.

Gemäß dem neuen Energieeffizienzgesetz ist der Minister für Energie verpflichtet, binnen eines Jahres nach dem Inkrafttreten, also bis zum 30.09.2017, eine neue Verordnung über die Rahmenbedingungen des Energieaudits herauszugeben.

Die gleiche Frist gilt auch für die Durchführung eines Energieaudits bei Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, über 50 Mio. Euro Jahresumsatz oder einer Bilanzsumme von über 43 Mio. Euro. Dieser muss alle vier Jahre wiederholt werden. Von der Pflicht ausgenommen sind nach ISO 50001 zertifizierte Firmen.

Eine Liste der Energieauditoren, gestaffelt nach Woiwodschaften, stellt die Vereinigung der Energieauditoren zur Verfügung.

Ökozeugnis für Wohnimmobilien

Für den Wohnungsbau gilt seit Anfang 2009 eine Zeugnispflicht für den Energiecharakter von Gebäuden. Die Vorgaben sowie die technischen Voraussetzungen regelt die Verordnung des Infrastrukturministers vom 12.4.2002 (Einheitstext im Originallaut). Demnach müssen alle neu gebauten Mehrfamilienhäuser sowie Immobilien, die verkauft oder vermietet werden, ein entsprechendes Zertifikat erlangen. Ausgenommen von der Pflicht sind Einfamilienhäuser, die für den Eigengebrauch erbaut werden sowie freistehende Gebäude mit weniger als 50 qm Wohnfläche oder einer Wohndauer von weniger als vier Monaten im Jahr. Die sogenannten grünen Zertifikate haben eine Geltungsdauer von zehn Jahren und müssen danach erneuert werden.

Büros mit grünem Gewissen

Immer mehr Bauherren kommerzieller Gebäude entdecken die Anziehungskraft der energetischen Gebäudecharakteristik. Das erste grüne Zertifikat wurde in Polen Anfang 2010 vergeben. Innerhalb von sechs Jahren wurden laut der Polish Green Building Council (PLGBC) 327 weitere Zertifikate ausgestellt; Alleine 2015 waren es 100 Stück.

Mit einem Marktanteil von rund 75% ist das sogenannte BREEAM das populärste Zertifizierungssystem in Polen. Mit Ausnahme von vier Gebäuden mit dem HQE-Siegel wurden die restlichen nach dem sogenannten LEED-System zertifiziert. Die größten Kunden sind Bürogebäudebauer - sie machen über die Hälfte des Marktes aus. Ein weiteres Drittel wurde an Handelsimmobilien vergeben. In den Bereichen Hotels und Industriebauten sind nur Einzelfälle zu verzeichnen. Jedes zweite Ökogebäude steht in der Hauptstadtregion Warschau, etwa 30 Zertifikate jeweils in den Woiwodschaften Kleinpolen und Großpolen.

Die Zahl zertifizierter Gebäude könnte sich laut PLGBC in nächster Zukunft mehr als verdoppeln: Über 340 Projekte warten auf die Zertifizierung. Die meisten, 194 Neubauten, haben sich für die BREEAM-Zertifizierung, 146 für die LEED-Zertifizierung beworben. Lediglich ein Gebäude wartet auf die Prüfung nach der deutschen DGNB-Norm.


Text: Michal Wozniak

17.11.2016

Bürobauten, Hotels und Einzelhandel als interessante Felder in Polen

Kommerzielle Bauten bieten die größten Geschäftschancen für deutsche Anbieter von Komplettlösungen und komplexer Beratung. Ihr Hauptvorteil liegt in der langjährigen Erfahrung mit der Einführung neuester Technologien. Besonders starker Nachfrage erfreuen sie sich bei Bürobauten, deren Investoren im hart umkämpften Markt selbst kleinste Alleinstellungsmerkmale aufgreifen.

Der Einzelhandel lotet wegen zunehmender Steuerbelastung und niedriger Margen ebenfalls alle zur Verfügung stehenden Einsparmöglichkeiten aus. Am meisten verbreitet sind Energiesparbeleuchtung und effiziente Kühlsysteme. Aber auch erneuerbare Quellen, darunter Geothermie oder Wärmetauscher finden Anwendung.

Der Trend ist ebenfalls im Hotelbau und bei industriellen Immobilien unverkennbar. Vor allem die letzteren haben mit dem letztjährigen Fast-Blackout (mehr dazu) und alles andere als optimistischen Prognosen eine starke Motivation zum Energiesparen erhalten.

Öffentliche Hand muss effizienter werden

Als Markteinstiegshilfe ist das Zurückgreifen auf bekannte Partner, die bereits in Polen agieren empfehlenswert. Die vorhandene Markterfahrung kommt vor allem bei öffentlichen Aufträgen zum Tragen. Polen hat zwar ein relativ offenes und transparentes Vergabesystem, die Formalitäten bereiten ausländischen Anbietern aber teilweise große Kopfschmerzen. Dabei können kleine Fehler bei der Angebotsabgabe den Ausschluss vom Verfahren bedeuten. Zu bedenken ist ebenfalls, dass laut dem neuen Vergaberecht (mehr dazu) Firmen mit Festangestellten in Polen bevorzugt werden.

Der Markt der öffentlichen Aufträge im Bereich der Energieeffizienz wird wachsen. Das neue Energieeffizienzgesetz verpflichtet Einheiten der Verwaltung nicht nur zum entsprechenden Bauen und Renovieren. Es vereinfacht auch die Aufnahme von Öffentlich-Privaten Partnerschaften (Public Private Partnership; PPP) in diesem Bereich. Siemens hat bereits mehrere solcher Vereinbarungen getroffen, zuletzt in Plock für die Thermomodernisierung von 24 Gebäuden im Wert von knapp 8 Mio. Euro. Die Firma wird ihre Aufwendungen aus den Energieeinsparungen refinanzieren. Wegen der angespannten Haushaltslage vieler öffentlicher Körperschaften dürfte PPP zukünftig eine breitere Anwendung finden.

Durchschnittspole setzt auf Einzellösungen

Im Gegensatz zu öffentlichen Partnern brauchen private Verbraucher noch Aufklärung in Bezug auf die Vorteile. Trotz der bereits 2021 bevorstehenden Pflicht zur Niedrigenergiebauweise hält sich das Interesse an entsprechenden Lösungen vor allem im Wohnungsbau in Grenzen. Zudem ist bei kleineren Projekten die preisliche Konkurrenz der vielzähligen lokalen Berater von deutschen, meist teureren Anbietern kaum überwindbar.

Laut dem Zentrum für Branchenanalysen weist jedes fünfte in Polen verkaufte Fenster einen Wärmeübergangskoeffizienten von unter 0,9W/qmK auf. Viel Wert wird auf entsprechende Wärmedämmung der Außenwände gelegt. Komplettlösungen, wie die Passivhausbauweise fassen auf dem Markt jedoch kaum Fuß. Zum einen scheuen Bauherren jegliche Mehrkosten, welche die Kredithöhe steigern. Zum anderen trifft die zuweilen sehr moderne Architektur solcher Häuser nicht unbedingt den polnischen Geschmack.

Die Kostenfrage dürfte auch Investitionen in erneuerbare Energien hemmen. Der im Frühling 2015 angekündigte Feed-in-Tarif wurde wieder verworfen, die jetzigen Regelungen können den finanziellen Mehraufwand nicht ausgleichen (mehr dazu). Solarwärme wird weiterhin durch sinkende Preise und eine relativ umfangreiche Förderung wachsen, andere Lösungen vorerst wohl nur eingefleischte Fans begeistern.


Text: Michal Wozniak

17.11.2016

Polen: Gesetzliche Grundlagen

Auf den ersten Blick erscheinen die Vorschriften zur Energieeffizienz in Polen als ein undurchdringliches Dickicht aus Paragraphen. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht, da alle Vorschriften auf europäische Vorgaben zurückzuführen sind. Kernstück des Rechtsrahmens ist dabei die Europäische Richtlinie 2010/31/EU über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Ziel dieser Richtlinie ist die Senkung des Energieverbrauchs von Gebäuden bei gleichzeitiger Stärkung der Energienutzung aus erneuerbaren Quellen, um hierdurch auch den internationalen Verpflichtungen wie dem Kyoto-Protokoll zum Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen nachzukommen.

Die Richtlinie gibt dabei selbst vor, wie diese Vorhaben umzusetzen sind. Einer dieser Eckpunkte ist dabei ein gemeinsamer allgemeiner Rahmen für eine Methode zur Berechnung der integrierten Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden und Gebäudeteilen. Die Richtlinie sieht darüber hinaus auch vor, dass seitens der zuständigen Behörden unentgeltliche oder subventionierte technische Hilfe und Beratung oder direkte Zuschüsse angeboten werden können, die zur Erhöhung der Energieeffizienz zu bauender beziehungsweise bereits bestehender Gebäude beitragen können. Behörden oder andere Institutionen, die diese finanziellen Maßnahmen anbieten, können ihren Einsatz an die Empfehlungen der Ausweise über die Gesamtenergieeffizienz knüpfen.

Die Vorgaben der EU-Richtlinie hat Polen in erster Linie in Form des Gesetzes über den Energiecharakter von Gebäuden (Ustawa o charakterystyce energetycznej budynków) umgesetzt. Im Vergleich zur alten Rechtslage ist anzumerken, dass jetzt alle Gebäude der Pflicht zu einer Energieeffizienzuntersuchung unterliegen. Vorher galt diese Pflicht beispielsweise erst für Gewerbegebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 1.000 qm. Auch gibt es in Polen jetzt ein Zentrales Register der Energieeigenschaft von Gebäuden, in dem unter anderem die Energieberater sowie die Vorgaben zur Vorgehensweise bei der Bemessung der Energieeffizienz von Gebäuden aufgeführt sind.

Bei der Berechnungsmethode der Gesamtenergieeffizienz wurde mit der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 244/2012 vom 16.1.12 ein Rahmen für eine Vergleichsmethode zur Berechnung kostenoptimaler Niveaus von Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz geschaffen.


Text: Roland Fedorczyk

17.11.2016

Polen: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

Energietab, Bielsko-Biala

alljährliche internationale Energiemesse; nächste Ausgabe 13.-15.09.2016

Warsaw Build, Warschau

www.warsawbuild.pl; alljährliche Baumesse; nächste Ausgabe 16.-18.11.2016

Budma, Posen

www.budma.pl/de; alljährliche internationale Baumesse; nächste Ausgabe 7.-10.02.2017

Instalacje, Posen

www.instalacje.mtp.pl/en, alljährliche internationale Installationsmesse; nächste Ausgabe voraussichtlich April 2017

AHK Polen

polen.ahk.de; www.econet-poland.pl; Anlaufstelle für deutsche Unternehmen; Sonderportal für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Ministerium für Umweltschutz

www.meos.gov.pl

Nationaler Fonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft

www.nfosigw.gov.pl; beaufsichtigt Mittelvergabe für Umweltprojekte

Polish Green Building Council

www.plgbc.org.pl

Vereinigung der Energieauditoren

www.zae.org.pl

Verband der Energieauditoren und -prüfer

www.certyfikatorzy.org.pl


Text: Michal Wozniak

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