Energieeffizienz im Gebäudebau in Ungarn

Ungarn investiert in Gebäudeeffizienz um EU-Vorgaben zu erfüllen

Der Bedarf nach Produkten und Lösungen für Energieeffizienz im Gebäudesektor ist in Ungarn sehr groß. Das Land muss in diesem Bereich viel investieren, um EU-Verpflichtungen zu erfüllen. Die Nachfrage auf dem Markt ist jedoch stark von staatlichen Subventionen abhängig. Für Energieeffizienzmaßnahmen stehen EU-Mittel zur Verfügung. Die staatlichen Förderprogramme werden von Experten aber als nicht ausreichend bewertet. Unterstützung kommt von den Geschäftsbanken.

17.11.2016

Ungarischer Heizenergiebedarf von Gebäuden soll bis 2030 um 30% sinken

Die Steigerung der Energieeffizienz und die Reduzierung des Energieverbrauchs wurden von der ungarischen Regierung zu wichtigen strategischen Zielen erklärt. Damit sollen die Abhängigkeit des Landes von Importen fossiler Energieträger und die Schwankungen der Energiepreise auf dem lokalen Markt reduziert werden. Der gesamte Primärenergieverbrauch belief sich 2014 auf rund 956 Petajoule (PJ). Über 60% des Bedarfs werden importiert. Derzeit wenden ungarische Haushalte etwa ein Viertel ihrer Ausgaben für Energie auf. Dabei zählen Ungarns Gas- und Strompreise nach Bulgarien zu den niedrigsten in der EU.

In der 2011 verabschiedeten Nationalen Energiestrategie bis 2030 wurde die Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudesektor als eines der vordringlichsten Ziele definiert. Mit gutem Grund, denn rund 40% des Primärenergieverbrauchs und 38% der CO2-Emissionen im Land entfallen auf diesen Bereich, davon zwei Drittel auf Heizung und Kühlung. Daher wurde im Gebäudebereich das größte Potenzial für Energieeinsparung identifiziert.

Das Budapester Forschungsinstitut Energiaklub schätzt das Einsparpotential im gesamten Wohngebäudesektor auf 152 PJ pro Jahr, davon 128 PJ bei Einfamilienhäusern (derzeitiger Jahresverbrauch von 292 PJ), 19 PJ bei traditionellen Mehrgeschosswohnhäusern (44 PJ) und etwa 5 PJ bei Wohnhäusern in Plattenbauweise (24 PJ).

Die nationale Energiestrategie gibt bis 2020 im Gebäudesektor eine Energieeinsparung von 49 PJ vor, davon 40 PJ durch die Renovierung von Wohn- und öffentlichen Gebäuden, die restlichen 9 PJ durch Maßnahmen bei Geschäftsgebäuden und eine höhere Sensibilisierung der Bevölkerung. Bis 2030 soll der Bedarf an Heizenergie in Gebäuden durch energieeffiziente Lösungen um rund 30% reduziert werden. Das wiederum soll zum Rückgang des gesamten Primärenergieverbrauchs um rund 10% führen.


Strategische Ziele der Energieeffizienz in Ungarn bis 2030

Ungarn

2008 (Ist-Werte)

2012 (Ist-Werte)

2020 *)

2030 *)

Endenergieverbrauch der privaten Haushalte (PJ)

233

215

207 bis 247

187 bis 284

Endenergieverbrauch des Landes (in PJ)

704

677

693 bis 766 bis

692 bis 840

Stromverbrauch der Privathaushalte (in GWh)

12.801

11.857

k.A.

k.A.

Strompreis für Haushalt mittlerer Größe in Euro je kWh

0,155

0,159

k.A.

k.A.

Stromverbrauch (in PJ)

k.A.

153

164 bis 170

181 bis 197

Endenergieverbrauch – Heizung, Kühlung und Warmwasser (in PJ)

431

k.A.

378 bis 499

353 bis 534

*) Prognose; Bandbreite - erste Zahl: Wert bei Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen, zweite Zahl: Wert ohne Energieeffizienzmaßnahmen
Quellen: Regierungsbeschluss über die Aktualisierung der Energieprognose der Nationalen Energiestrategie 1160/2015. (III.20.); Aktionsplan für Energieeffizienz; Enerdata; Nationale Energiestrategie, Stromnetzbetreiber Mavir


Text: Waldemar Lichter

17.11.2016

Ungarns Gebäude verbrauchen 25% mehr Energie als der EU-Durchschnitt

Rund 80% der Wohnungen in Ungarn entsprechen hinsichtlich ihrer technischen Ausstattung (spezifischer Energieverbrauch von mehr als 300 kWh/qm) nicht den modernen Energieeffizienzanforderungen. Ähnliches gilt für den öffentlichen Gebäudebestand. Sehr geringes Energieeffizienzniveau weisen vor allem Bauten auf, die zwischen 1946 und 1980 errichtet wurden. Dies trifft auf den Großteil der ungarischen Gebäude zu. Der spezifische Energieverbrauch der Gebäude ist in Ungarn nach Schätzungen von Experten 25% höher als der EU-Durchschnitt.

In Ungarn gibt es insgesamt 4,3 Mio. Wohnungen, nur ein geringer Teil davon wurde bislang energetisch saniert. Nach Berechnungen von Energiaklub sind 23% der Einfamilienhäuser, 21% der Mehrfamilienhäuser und 39% der großen Wohnblöcke energieeffizient isoliert worden. Neue Fenster sind entsprechend bei 21%, 33% beziehungsweise 39% eingebaut worden. Mit neuen energiesparenden Heizungsanlagen wurden 13%, 20% beziehungsweise 19% der Gebäude ausgestattet.

In den 1970er Jahren wurden in Ungarn über 88.000 Wohnungen pro Jahr gebaut. Seinen Höhepunkt erreichte der Bausektor 1995 mit 99.588 neu errichteten Einheiten. Seitdem gehen die Wohnungsfertigstellungen jedoch kontinuierlich zurück. Seit 2012 sank diese Zahl auf unter 10.000 jährlich und belief sich 2015 auf nur noch 7.612. Der Bau neuer Wohnungen, die günstige Energieeffizienzeigenschaften aufweisen, ist noch relativ gering.


Altersstruktur der Gebäude (Stand: 2015)

Gebäudeart  und Baujahr

Anteil am Gesamtbestand in %

Einfamilienhäuser, davon

 

vor 1945

13,4

1946 bis 1980

29

1981 bis 1990

8,9

1991 bis 2000

5

nach 2001

5,2

Gebäude mit 4 bis 9 Wohnungen, davon

 

vor 2000

6,4

nach 2001

1

Gebäude mit mehr als 10 Wohnungen, davon

 

vor 1945

5,6

1946 bis 2000

4,4

nach 2001

5

Plattenbauten, davon

 

1946 bis 1980

7,6

nach 1981

4,3

keine Angabe

4,2

Quelle: National Building Energy Performance Strategy


Seit 2016 ist im Wohnungsbausektor allerdings eine leicht steigende Tendenz zu verzeichnen. Im 1. Halbjahr 2016 wurden landesweit 3.420 Wohnungen gebaut - ein Anstieg von rund 11% im Vergleich zur Vorjahresperiode. Das ungarische Wirtschaftsministerium rechnet für 2016 mit insgesamt 13.000 neuen Wohneinheiten. Der positive Trend wird durch das staatliche Förderprogramm „Vergünstigung zum Schaffen des Familienheims“ (CSOK) begünstigt. Die ungarische Regierung rechnet in den nächsten Jahren mit 15.000 bis 20.000 Wohnungsfertigstellungen pro Jahr.


Vorgesehene Modernisierung und Neubau von Gebäuden in Ungarn (Stand 2015)

 

Zielwert für die Primärenergieeinsparung 2020 (in PJ)

Anzahl von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden, die bis 2020 renoviert werden sollen

geschätzter Investitionswert bis 2020 (in Mrd. Ft)

Einfamilienhäuser

17,6

130.000

743

Plattenbauten

12,8

380.000

536

Mehrfamilienhäuser

8,0

190.000

329

Wohngebäude insgesamt

38,4

700.000

1.608

öffentliche Gebäude

1,6

2.400

152

Quelle: National Building Energy Performance Strategy


Hinsichtlich der Fortschritte zur Steigerung der Energieeffizienz bei privaten Haushalten lag Ungarn im Zeitraum 2008 bis 2012 deutlich unter dem EU-Durchschnitt.


Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten in Ungarn 1)

Gebäudeart

ab 1.1.16

Wohngebäude (ohne Beleuchtung)

100

Hotels, Wohnheime (ohne Beleuchtung)

100

Büros und Einzelhandelsflächen mit maximal 1.000 qm (mit Beleuchtung)

90

Gebäude für Ausbildung oder Gebäude mit Ausstellungsräumen

85

1) Maximaler Primärenergieverbrauch für Heizung, Lüftung und Warmwasser (in kWh/qm pro Jahr)
Quelle: Verordnung über energetische Vorgaben für Gebäude Nr. 7/2006 (IV. 24.) TNM


Um das Energieeffizienzniveau an EU-Vorgaben anzupassen, müssten nach Schätzungen ungarischer Fachleute 40.000 bis 45.000 Wohnungen pro Jahr nach den Energieeffizienzvorschiften neu gebaut werden. Weitere 100.000 bestehende Einheiten müssten jährlich renoviert oder modernisiert werden. Davon ist der ungarische Bausektor derzeit jedoch noch weit entfernt.


Energetische Anforderungen an Bauteile im Neubau in Ungarn (in Umax)

Bauteil

bis 31.12.14

ab 1.1.15

Außenwand

0,45

0,24

Dach

0,25

0,17

Bodenplatte

 

 

Kellerdecke

0,5

0,26

oberste Geschossdecke

0,3

0,17

Fenster

 

 

aus Holz oder PVC

1,6

1,15

aus Metall

2

1,4

Dachfenster

1,7

1,25

Türen und Tore

 

 

Türen

1,8

1,45

Tore

3

1,8

U - Wärmedämmungskoeffizient
Quelle: Verordnung über energetische Vorgaben für Gebäude Nr. 7/2006 (IV. 24.) TNM


Text: Waldemar Lichter

17.11.2016

EU fördert Ungarns Gebäudeeffizienz bis 2020 mit rund 1,5 Mrd. Euro

Investitionen für Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich werden aus drei Quellen unterstützt. Für die Förderung stehen vor allem EU-Mittel im Rahmen diverser Operationeller Programme zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es Mittel aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten, welche für Energieeffizienzprojekte - darunter auch im Gebäudebereich - verwendet werden können. Diese fließen in das staatliche Förderprogramm „Warmes Zuhause“ („Otthon Melege“). Auch verschiedene Banken bieten spezielle Kredite für Investitionen im Baubereich an.

Aus EU-Töpfen stehen Ungarn in der Förderperiode 2014 bis 2020 mehr finanzielle Mittel für Energieeffizienz zur Verfügung. Nach Angaben des Instituts für Energieeffizienz (MEHI) kann das Land auf rund 450 Mrd. Forint (Ft; rund 1,5 Mrd. Euro; 1 Euro = 309,99 Ft; Stand: 13.9.16) zurückgreifen - gegenüber 225 Mrd. Ft aus dem EU-Haushalt 2007 bis 2013.

Aus diesen EU-Finanzierungen ist für Projekte im Bereich der öffentlichen Gebäude insbesondere das Operationelle Programm Umwelt und Energie KEHOP von Bedeutung. Ende 2015 sollen besonderes viele Vorhaben aus dieser Quelle realisiert worden sein, weil noch Restmittel der EU-Förderperiode 2007 bis 2013 ausgeschöpft werden mussten. Seither berichten Fachleute jedoch von einem Stillstand. Einen neuen Schub könnte es ihrer Einschätzung nach 2017 geben, wenn EU-Mittel aus der neuen Finanzperiode zum Tragen kommen.


Verfügbare EU-Mittel für Energieeffizienzprojekte (in Mrd. Ft)

Herkunft

EU-Finanzperiode 2007 bis 2013

EU-Finanzperiode 2014 bis 2020

EEEOP (Environment and Energy Operative Programme/ KEHOP)

156,0

181,1 1)

EDIOP (Development and Innovation Operative Programme/GINOP)

69,0

204,2 2)

TOP (Regional and Municipal Development Operative Programme)

k.A.

33,0 3)

CCHOP (Competitive Central Hungary Operative Programme/VEKOP)

k.A.

33,4 3)

Summe EU-Programme

225,0

451,7

Diverse staatliche Finanzierungen (darunter “Warmes Zuhause“)

11,6

20,4

1) davon 72,5 für öffentliche und 88,7 für Wohngebäude, 19,9 für Fernheizung, 2) davon 130,3 für Wohngebäude, der Rest für KMU, 3) öffentliche Gebäude
Quelle: MEHI


Zuschussprogramm für Investitionen von Privathaushalten

Um einen effizienteren Energieverbrauch bei Privathaushalten sicher zu stellen, bietet das staatliche Förderprogramm „Warmes Zuhause“ Zuschüsse für die Erneuerung und den Ersatz von Haushaltsgeräten an. Auch für die Erneuerung von Heizungen, für Wärmedämmung, Fenstereinbau und andere energetische Baumaßnahmen werden Finanzmittel vergeben. Seit der Einführung des Programms im November 2014 wurden nach Angaben des Ministeriums für Nationale Entwicklung insgesamt 85.000 Haushalte mit mehr als 15 Mrd. Ft gefördert.

Das Interesse an den Zuschüssen aus diesem Programm übersteigt dessen Volumen bei weitem. Ende August 2016 standen rund 5 Mrd. Ft für energetische Modernisierung von Einfamilienhäusern, die vor 1996 erbaut wurden und eine Wohnfläche von bis zu 135 qm haben, zur Verfügung. Der Zuschuss belief sich auf 40 bis 55% der anfallenden Kosten, jedoch höchstens 2 Mio. Ft. Der Fördertopf war innerhalb von wenigen Stunden ausgeschöpft.

Entwicklungsbank legt zinsloses Kreditprogramm auf

Die staatliche ungarische Entwicklungsbank MFB bereitet zudem ein Förderprogramm für Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudebereich vor. Ab Herbst 2016 soll für diesen Zweck ein zinsloses Kreditprogramm in Höhe von 115 Mrd. Ft zur Verfügung gestellt werden. Gefördert werden Bauvorhaben zur Verbesserung der Wärmeisolierung, des Heizungs- und Warmwassersystems sowie für die Installation von Solarenergieanlagen mit einem Höchstvolumen von bis zu 10 Mio. Ft für Einfamilienhäuser und 7 Mio. Ft für Wohnungen. Nach Einschätzung der Bank könnten von der Förderung rund 50.000 Wohneinheiten profitieren.

Auch Geschäftsbanken bieten entsprechende zinsgünstige Kredite an. Die Erste Bank Hungaria stellt in einem Programm im Bereich Energieeffizienz in Gebäuden rund 100 Mio. Euro zur Verfügung. Unterstützt werden Energieeffizienzvorhaben privater Wohnungseigentümer sowie von Genossenschaften und Gemeinden im Rahmen des EBRD-Programms Municipal Finance Facility Energy Efficiency sowie ESCO-Projekte.

Die Exportinitiative Energie des BMWi unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.


Text: Waldemar Lichter

17.11.2016

Ungarische Energiezertifizierungspflicht für Neubauten

Im Januar 2012 wurden Energiezertifikate für Gebäude eingeführt. Die so genannten grünen Zertifikate sind verpflichtend für Neubauten mit mindestens 50 qm Nutzfläche ab dem Zeitpunkt ihrer Nutzung sowie für bereits existierende Objekte, die ge- oder verkauft oder für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr vermietet werden. Auch öffentliche Gebäude mit mehr als 500 qm Nutzfläche müssen Energiezertifikate führen. Die Gültigkeit des Dokuments beträgt zehn Jahre. Seit 2013 werden die Zertifikate in einer elektronischen Datenbank erfasst. Die Einführung der Energiezertifikate basiert auf EU-Recht. Die EU-Richtlinie ist mit dem nationalen Gesetz LVII/2015, das am 7.6.15 in Kraft getreten ist, umgesetzt worden.

Fachausbildung zum Energieberater

Der Berufsstand der Energieberater ist in Ungarn noch im Entstehen. Angebote für eine Weiterbildung zum Energiemanager, vor allem für Produktionsunternehmen und Firmen der Facilitymanagement-Branche, bietet das Wissenszentrum der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (AHK Ungarn) an. Sie besitzt als einzige die Lizenz zur Durchführung der EUREM-Fachausbildung (European Energy Manager) für ganz Ungarn.

Zertifizierung von Gebäuden

Grüne Zertifikate zur Bewertung der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz von Gebäuden finden auf dem ungarischen Markt immer mehr Zuspruch. Das populärste Zertifizierungssystem ist das so genannte BREEAM gefolgt von dem LEED-System. Das deutsche System DGNB findet vergleichsweise selten Anwendung. Angetrieben wird die Nachfrage vor allem von Investoren und Architekten von Büro- und Geschäftsimmobilien, die ihre Investition gern mit dem Label versehen. Nach Angaben der Immobilienberater von Colliers International hat sich die „grün zertifizierte“ Bürofläche in Budapest zwischen 2011 und 2015 von rund 100.000 qm auf 866.700 qm mehr als verachtfacht. In Budapest gehört das Zertifikat inzwischen zu einer Standardanforderung; in anderen Städten des Landes findet es deutlich weniger Zuspruch, jedoch mit einer steigenden Tendenz.


Text: Waldemar Lichter

17.11.2016

Chancen für deutsche Unternehmen und Handwerker in Ungarns öffentlichem Bereich

Der ungarische Markt für energieeffiziente Produkte und Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich dürfte in den nächsten Jahren tendenziell wachsen. Der Bedarf ist sehr groß, die Anforderungen - bedingt durch EU-Vorgaben - können nur mit erheblichen Investitionen erfüllt werden. Nach Schätzungen von Experten müssten 4,4 Mrd. Euro investiert werden, um den Energiebedarf im Gebäudebereich um 20% zu senken.

Allerdings sind die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel begrenzt. Private Haushalte sind ebenso wie öffentliche Einrichtungen dem Thema zwar aufgeschlossen, ihre Bereitschaft, Energieeffizienzprojekte aus eigener Tasche zu finanzieren, ist jedoch begrenzt. Entsprechende Angebote von Banken werden nur zögerlich angenommen.

Auch die niedrigen Preise für Wärme und Strom in Ungarn werden als Investitionsbremse bewertet. Infolge einer Regierungsmaßnahme zur Senkung der Wohnnebenkosten, welche 2013 und 2014 durchgeführt wurde, sind die Strom-, sowie Gas- und Fernwärmepreise um über 20% im Vergleich zu den Preisen von Ende 2012 zurückgegangen. Baumaßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung scheinen dadurch wenig rentabel.

Abhängigkeit von staatlichen Subventionen

In einer Umfrage des Budapester Forschungsinstituts Energiaklub und des Instituts für Energieeffizienz MEHI haben zwei Drittel der Befragten angegeben, dass sie keine Wohnungsmodernisierung in Angriff nehmen, wenn dafür eigene Ersparnisse oder Bankkredite in Anspruch genommen werden müssen. Die Nachfrage auf dem Markt ist deshalb stark von Subventionen abhängig. Viele potenzielle Investoren verzögerten ihre Investitionsentscheidung, weil sie auf finanzielle Zuschüsse vom Staat warten.

Eine ähnlich niedrige Investitionsbereitschaft stellen die beiden Institute für den öffentlichen Bereich fest. Dennoch sind die Chancen für Projekte insbesondere im öffentlichen Bereich gut. Vor allem Gemeindeverwaltungen sind für ESCO-Projekte offen. So bieten Vorhaben, die von Energieversorgern zusammen mit Banken im Bereich der Verbrauchssteuerung, Gebäude-, Klima- und Heiztechnik umgesetzt werden, gute Perspektiven für Anbieter von entsprechenden Ausrüstungen und Technologien.

Deutsche Energieeffizienzprodukte genießen einen guten Ruf in Ungarn. Die Fachkompetenz deutscher Unternehmen ist in fast allen Sektoren der Energieeffizienzsteigerung gefragt und bietet nach Einschätzung der AHK Ungarn großes Potential zur Vermarktung und zum Einsatz von komplexen energieeffizienten Systemen. Allerdings stellt der Preis eine Hürde dar. Einfache Lösungen und preiswertere Technik werden stärker nachgefragt.

Passivhäuser im Kommen

Die steigende Nachfrage nach energieeffizientem Bauen hat nach Feststellung der AHK Ungarn auch zu einer Belebung der Nachfrage nach Passivhäusern geführt. Diese Gebäudeart ist zwar noch nicht weit verbreitet - es gibt derzeit erst einige Dutzend davon im Land. Der Bau solcher Gebäude wird jedoch stärker nachgefragt. Die ungarische Baustoffbranche signalisiert deshalb zunehmenden Bedarf nach isolierenden und wärmedämmenden Materialien. Für deutsche Anbieter bieten sich auch gute Absatzchancen für Anlagetechnik, erneuerbare Energien, Wärmeisolierung und Fenster.


Text: Waldemar Lichter

17.11.2016

Ungarn: Gesetzliche Grundlagen

Seit dem 1.1.12 sind Energiezertifikate für Gebäude verpflichtend. Das gilt für neu gebaute Immobilien mit mindestens 50 qm Nutzfläche ab dem Zeitpunkt der Nutzung sowie für bereits existierende Objekte, die ge- oder verkauft oder für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr vermietet werden. Betroffen sind auch öffentliche Gebäude mit mehr als 1.000 qm Nutzfläche. Die Gültigkeit des Dokuments beträgt zehn Jahre. Die Zertifikate dürfen von dafür autorisierten Firmen ausgestellt werden. Mit der Einführung der Energiezertifikate in Ungarn wurde geltendes EU-Recht umgesetzt (Rechtliche Grundlagen: Regierungsdekret Nr. 176/2008 über Energieparameter von Gebäuden und EU-Richtlinie 2002/91/EK).

Am 7.6.15 ist außerdem das Energieeffizienzgesetz Nr. LVII/2015 vom 22.5.15 in Kraft getreten. Es setzt die europäische Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU) um. Es verpflichtet Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, über 50 Mio. Euro Jahresumsatz oder einer Bilanzsumme von über 43 Mio. Euro zur Durchführung eines Energieaudits. Dieser muss alle vier Jahre wiederholt werden (Gesetz „2015. évi LVII. Törvény az energiahatékonyságról“).

Weitere Informationen bieten die Reports "Die Energiestrategie bis 2030" sowie die „National Building Energy Performance Strategy“ Ungarns. Hinweise auf Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind auch im Aktionsplan für erneuerbare Energien bis 2020 enthalten.

 

Text: Waldemar Lichter und Kornélia John (AHK Ungarn)

17.11.2016

Ungarn: Wichtige Messen und Internetadressen

Messen/Institutionen

 

Costruma Baumesse, nächster Messetermin: 5. bis 9.4.17

http://construma.hu/en,

Ministerium für Nationale Entwicklung

www.nfm.gov.hu

Ministerium für Wirtschaft

http://www.ngm.gov.hu

Ungarische Regulierungsbehörde für Energie und öffentliche Versorgung

www.mekh.hu

Ungarisches Institut für Energieeffizienz

http://www.mehi.hu

Forschungsinstitut Energiaklub

www.energiaklub.hu

EMI - Gesellschaft für Qualitätskontrolle und Innovation im Gebäudesektor; Prüfung und Zertifizierung von Bauwerken und Baumaterial

https://www.emi.hu

Hungarian Green Building Council HuGBC

http://www.hugbc.hu

Hungarian Alliance of Building Material Producers MEASZ

http://www.measz.hu

Passivhaus-Assoziation

http://www.paosz.hu

Negajoule - Forschungsprojekt zum Energieeffizienzpotenzial im Gebäudebereich in Ungarn

http://negajoule.eu/en


Text: Waldemar Lichter

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