Energieeffizienz in der Produktion in Kanada

Kanadas Kehrtwende in der Klimapolitik betrifft auch die Industrie

Kanada will bis 2030 seinen Treibhausgasausstoß um 30% senken. Dieses Ziel soll unter anderem durch die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen im Industriesektor erreicht werden. Die Öl- und Gasförderung, das Papiergewerbe und die Aluminiumproduktion bieten dabei das größte Einsparpotenzial. Die kanadischen Provinzen haben Förderprogramme für Unternehmen, die Energieaudits durchführen oder in energieeffiziente Ausrüstung investieren, aufgelegt.

17.10.2016

Kanadische Provinzen setzen sich Einsparziele

Im föderal gegliederten Kanada fällt die Energiepolitik in den Kompetenzbereich der Provinzen. Daher gibt es auch keine gesamtkanadische Energieeffizienzstrategie. Mit der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch die Liberal Party unter der Führung von Premierminister Justin Trudeau im Herbst 2015 wurde allerdings eine Kehrtwende bei der Klimapolitik eingeleitet.

So sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 30% auf 524 Mio. t CO2-Öläquivalent gegenüber dem Stand von 2005 reduziert werden. Dieses Ziel soll unter anderem durch eine Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden und in der Industrie erreicht werden. Auf föderaler Ebene gibt es aber kaum quantitative Vorgaben zur Energieeinsparung oder zur Senkung des Stromverbrauchs.

Strategische Reduktionsziele beim Treibhausgasausstoß in Kanada (Auswahl)

Ebene / Provinz

Basisjahr /

CO2-Öläquivalent

2020

2030

Bundesregierung

2005 / 749 Mio. t 

-17%

-30%

Ontario

 

1990 / 182 Mio. t

-15%

-37%

Quebec

 

1990 / 89 Mio. t

-20%

-37,5%

British Columbia

 

2007 / 70 Mio. t

-33%

-65%

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2016

Die Provinz Ontario hat im Juni 2016 ihren Aktionsplan zum Klimaschutz vorgestellt. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 37% gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden. Im Rahmen des geplanten „Cap and Trade“ Systems erhalten die Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie der Zement-, Kalk- und Stahlindustrie Anreize, in energiesparende Technologien zu investieren. Die Regierung will entsprechende Maßnahmen bis 2021 mit insgesamt 1 Mrd. kanadischen Dollar (kan$; 680 Mio. Euro; 0,68 Euro = 1 kan$) bezuschussen. Die Provinz hat zudem Stromeinsparziele formuliert. Demnach soll der Verbrauch bis 2032 um 16% auf 150 TWh sinken. Dies soll unter anderem durch Effizienzsteigerungen bei der Stromübertragung und -verteilung erreicht werden.

Die Provinz Quebec hat 2016 ebenfalls eine Klimaschutzinitiative ins Leben gerufen. Sie will bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 37% gegenüber dem Basisjahr 1990 senken. Zudem will die Regierung bis dahin die Energieeffizienz um 15% erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, soll Industrieunternehmen der Zugang zu energiesparenden Technologien erleichtert werden. Feste Reduktionsziele oder konkrete Maßnahmen werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Die westkanadische Provinz British Columbia will ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um rund zwei Drittel gegenüber dem Stand von 2007 senken. Auch hier ist ein Mix aus strengeren Vorschriften für den Energieverbrauch im Industriesektor sowie Unterstützung bei der Anschaffung energieeffizienter Ausrüstung vorgesehen. So sollen bis 2020 die Verbrauchsrichtlinien von gasbefeuerten Dampfkesseln für den industriellen Einsatz verschärft werden. Gleichzeitig wird das Anreizprogramm des Gasversorgers Fortis BC, das finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung energieeffizienter Boiler gewährt, ausgeweitet.

Die Provinz Alberta ist wegen der Ölsandförderung der mit Abstand größte Emittent von Treibhausgasen in Kanada. Die Regierung will mithilfe einer CO2-Steuer den Ausstoß eindämmen. Denn anders als in den übrigen Provinzen wird dieser in den kommenden Jahren aufgrund der wachsenden Ölförderung kontinuierlich ansteigen. Ab 2018 wird eine Abgabe in Höhe von 30 kan$ pro Tonne CO2 erhoben, die bis 2030 auf 100 kan$ steigen soll. Dadurch könnten 2030 rund 50 Mio. t weniger CO2 ausgestoßen werden als ohne die geplanten Klimaschutzmaßnahmen. Die Einnahmen aus der CO2-Steuer werden nach Plänen der Provinzregierung unter anderem für Programme zur Verbesserung der Energieeffizienz in der Öl- und Gasindustrie verwendet.

Text: Boris Alex

17.10.2016

Vier Branchen verbrauchen in Kanada 80% der Energie

Kanada bietet aufgrund seiner Industriestruktur interessante Marktchancen im Bereich Energieeffizienz. In Schlüsselbranchen wie der Öl- und Gasförderung, der chemischen Industrie, dem Papiergewerbe sowie der Aluminium- und Stahlproduktion hat das Thema in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Eine Unternehmensbefragung der Canadian Energy Efficiency Alliance (CEEA) aus dem Jahr 2014 ergab, dass 70% der befragten Industrieunternehmen bereits Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt hatten oder dies in naher Zukunft planten.

Anteil am Energieverbrauch nach Branchen in Kanada (Auswahl)

Industriezweig

Anteil am BIP 2013 (in %)

Anteil am Sekundärenergieverbrauch der Industrie 2009 (in %)

Anteil am Sekundärenergieverbrauch der Industrie 2013 (in %)

Öl- und Gasförderung

5,8

25,9

29,6

Papiergewerbe 

0,4

20,0

17,3

Eisen-, Stahl- und Aluminiumindustrie 

0,8

14,2

13,5

Erdölraffination

0,3

10,6

9,6

Chemische Industrie

0,8

7,3

7,9

Quellen: Statistics Canada, Natural Resources Canada, 2016

Der Sekundärenergieverbrauch im kanadischen Industriesektor ist seit 1990 um durchschnittlich 1,5% pro Jahr gewachsen und erreichte 2013 einen Wert von 3.525 Petajoules (PJ). Auf die vier energieintensivsten Branchen entfallen dabei fast 80% des gesamten Verbrauchs. Einer Prognose der Regulierungsbehörde National Energy Board (NEB) zufolge wird der Bedarf in diesem Segment bis 2040 um rund 1% per annum steigen. Als größter Wachstumstreiber gilt dabei die Öl- und Gasindustrie. So soll bis 2020 allein die tägliche Erdölfördermenge von zuletzt 3,9 Mio. Barrel auf 4,4 Mio. und bis 2030 auf knapp 5,0 Mio. Barrel steigen, so die Prognose der Canadian Association of Petroleum Producers (CAPP).

Energieintensive Öl- und Gasförderung in Kanada

Die Öl- und Gasbranche ist innerhalb des Industriesektors der mit Abstand größte Energiekonsument. Laut dem kanadischen Rohstoffministerium Natural Resources Canada hatte die Upstream-Förderung von Rohöl und Erdgas einen Anteil von 30% am industriellen Energiebedarf. Zudem hat sich seit dem Basisjahr 1990 der Verbrauch auf 1.056 PJ vervierfacht. Der Großteil der Öl- und Gasindustrie konzentriert sich in der Provinz Alberta. Hier liegt der Anteil der Öl- und Gasförderung am gesamten industriellen Energiebedarf sogar bei 70%.

In den nächsten Jahren wird die Förderung aus unkonventionellen Lagerstätten in den Ölsandgebieten Albertas mit Hilfe des energieintensiven Verfahrens der dampfunterstützten Schwerkraftdrainage (Steam Assisted Gravity Drainage, SAGD) stark wachsen. Laut einer Studie der Canadian Manufacturers and Exporters aus dem Jahr 2010 entfallen drei Viertel des Energieverbrauchs in der Branche auf direkte und indirekte Prozesswärme für die Dampferzeugung. Entsprechend wird der Energiebedarf in dieser Industriesparte weiter steigen. Mit der Einführung der CO2-Steuer ab 2018 dürften die Unternehmen jedoch verstärkt in energieeffiziente Technologien investieren, um ihr Öl auch weiterhin zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten zu können. Natural Resources Canada beziffert das Einsparpotenzial in diesem Sektor auf 10 bis 25%.

Einsparmöglichkeiten in Kanadas Papier- und Aluminiumindustrie

Die Papier- und Zellstoffindustrie ist der zweitgrößte Energieverbraucher im Industriesektor. Allerdings ist ihr Anteil am Gesamtbedarf in den letzten Jahren zurückgegangen. Die kanadischen Papiermühlen haben aufgrund der wachsenden Konkurrenz aus der VR China und der sinkenden Weltmarktpreise für Papier ihre Produktion herunterfahren müssen. Um global wettbewerbsfähig zu bleiben, wollen die Firmen durch eine effizientere Produktion ihre Herstellungskosten drücken. In den letzten Jahren ist der Energiebedarf im Papierherstellungsprozess - vor allem durch den Einsatz von Biomasse - um ein Drittel auf 610 PJ zurückgegangen. Trotz dieses Erfolgs, dürfte das Thema Energieeffizienz auch in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle in der kanadischen Papier- und Zellstoffbranche spielen. Natural Resources Canada beziffert das Einsparpotenzial auf 10 bis 35%.

Kanada ist mit einem jährlichen Output von 3 Mio. t der drittgrößte Produzent von Aluminium nach der VR China und Russland. Laut dem Nachhaltigkeitsbericht des Verbandes Aluminium Industry Association hat sich der Energiebedarf pro Tonne produziertes Aluminium seit dem Jahr 1990 landesweit um 10% reduziert. Nach Angaben des Verbands ist die kanadische Aluproduktion mit einer Stromintensität von 16 MWh pro Tonne eine der effizientesten weltweit. In der Stahlindustrie ist der Energiebedarf in den letzten zehn Jahren um 16 % zurückgegangen, was allerdings auf den Rückgang der Stahlproduktion in diesem Zeitraum zurückzuführen ist. Natural Resources Canada beziffert das Einsparpotenzial in diesem Sektor auf 10 bis 30%.

Potenzial trotz niedriger Energiepreise

Generell liegen die Energiepreise in Kanada im internationalen Vergleich unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten. So zahlten laut einer Erhebung von Hydro Quebec gewerbliche Großabnehmer mit einem Jahresverbrauch von mehr als 20.000 MWh im April 2016 im Schnitt 8,47 kanadische Cent pro kWh. Allerdings sind Steuern und Sonderabgaben - beispielsweise für die Instandhaltung der Netzinfrastruktur - in den letzten Jahre deutlich gestiegen und dürften auch künftig die Energiekosten für die Unternehmen nach oben drücken.

Der Preis für Erdgas in Kanada hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu halbiert, was vor allem auf den Ausbau der Schiefergasförderung in den USA zurückzuführen ist. Für industrielle Abnehmer lag der Preis für den Kubikmeter Erdgas 2015 im Schnitt bei knapp 14 kanadischen Cents. Allerdings gibt es auch hier starke regionale Unterschiede. Während die Abnehmer in Alberta, Manitoba, Saskatchewan und British Columbia nur um die 10 kanadische Cent zahlen, waren es in Ontario und Quebec rund 25 Cent pro Kubikmeter.

Text: Boris Alex

17.10.2016

Kanada hat mehrere Förderprogramme aufgelegt

Um die Energieeffizienz in der Industrie zu verbessern, gibt es auf Bundes- sowie auf Provinzebene eine Reihe von Förderprogrammen. Dabei erhalten Unternehmen, die in energieeffiziente Technologien investieren, finanzielle Unterstützung sowie Steuererleichterungen. Zudem werden Maßnahmen wie Schulungen von Energieexperten, technische Unterstützung und Wissensaustausch unterstützt. Einen Überblick über die existierenden Programme bietet der Anhang zum aktuellen Klimaschutzbericht der kanadischen Regierung.

Kanadas Einkommensteuergesetz bietet Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in Ausrüstung zur Erhöhung der Energieeffizienz. Die Einordnung erfolgt je nach Effizienz der Anlage in zwei Klassen (Capital Cost Allowance Class 43.1 und 43.2), die Abschreibungsmöglichkeiten von 30 bis 50% bieten. Weitere Informationen zum Programm sowie eine Auflistung der förderfähigen Anlagen sind auf der Homepage von Natural Resources Canada erhältlich.

Auf föderaler Ebene bietet Natural Resources Canada im Rahmen des „Energy Efficiency for Industry“ Programms kanadischen Unternehmen finanzielle Unterstützung bei der Implementierung von ISO 50001 Standards an. Daneben gibt es mit dem „Canadian Industry Program for Energy Conservation“ und dem „CanmetENERGY’s Industrial Systems Optimization Program“ zwei Outreach-Initiativen, die Unternehmen dabei unterstützen, Energiekosten zu sparen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermindern. Die Verbesserungen sollen durch einen ständigen Austausch der teilnehmenden Unternehmen über bewährte Methoden zum Energiemanagement erzielt werden.

Auch auf Provinzebene gibt es eine Reihe von Förderprogrammen. Im Rahmen der „Process and Systems“ Initiative unterstützt die Provinz Ontario Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie, die Energieeffizienzmaßnahmen innerhalb ihres Produktionsprozesses umsetzen wollen. So erhalten die Firmen bis zu 70% der Investitionskosten oder 230 kan$ pro eingesparter MWh pro Jahr. Einen Überblick über die von den Provinzen angebotenen Förderprogrammen bietet die Publikation „Industrial Energy Efficiency Programs Available Across Canada“ .

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.

Text: Boris Alex

17.10.2016

Anreize für freiwillige Audits in Kanada

In einer Unternehmensbefragung des Fachmagazins „Canadian Manufacturing“ aus dem Jahr 2015 gaben 85% der Firmen, die ein Energieaudit durchgeführt hatten, an, dass sich daraus Kosteneinsparungen realisieren ließen. Da es in Kanada kaum verbindliche Vorgaben hinsichtlich der Energieeffizienz in industriellen Prozessen gibt, werden Energieaudits auf Initiative des Unternehmens durchgeführt. Sie sind eher ein betriebswirtschaftliches Controlling-Instrument, mit dessen Hilfe die Firmen Informationen über ihre Energieprofile einholen und Kostensenkungspotenziale erheben können. Natural Resources Canada bietet zusammen mit CIPEC einen Leitfaden für Unternehmen an, die ein Inhouse-Energieaudit durchführen wollen.

Auf Provinzebene gibt es eine Reihe von Initiativen, die Unternehmen bei der Analyse ihres Energieprofils unterstützen. In Ontario erhalten Firmen im Rahmen des „Save on Energy“ Programms finanzielle Unterstützung für ein Energieaudit. Allerdings beschränkt sich die Analyse nur auf den Energieverbrauch des Gebäudes und nicht auf den Produktionsprozess. In Quebec können Unternehmen im Rahmen des „Eco Performance“ Programms eine finanzielle Förderung für Energieaudits beantragen.

Der Beruf des Energieberaters ist in Kanada nicht reglementiert. Es gibt eine Vielzahl von Anbietern, die Kurse und Zertifikate zum Thema anbieten. Einer der bekanntesten Anbieter ist das Canadian Institute for Energy Training (CIET). Das Institut bietet den Abschluss zum „Certified Energy Manager“ (CEM) an, der sich an den Standards der Association of Energy Engineers (AEE) in den USA orientiert. Der Verband bietet ein Online-Verzeichnis aller in Kanada zertifizierten CEM an.

Text: Boris Alex

17.10.2016

Steigende Energiekosten und Auflagen machen Kanada interessanter

Der kanadische Markt für Energieeffizienz in der Industrie ist vom Volumen her im Vergleich zu Deutschland zwar kleiner, bietet wegen der steigenden Energiekosten und einer schrittweisen Verschärfung der Vorschriften zum Energieeinsatz in der Produktion allerdings Potenzial für deutsche Anbieter von Ausrüstung, technischen und IT-Lösungen sowie Beratungsdienstleistungen. Die Alberta Energy Efficiency Alliance (AEEA) schätzt, dass durch Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen zwischen 2014 bis 2020 Kosteneinsparungen von 650 Mio. kan$ im Industriesektor der Provinz realisiert werden können.

Vor allem in der Ölförderung dürfte die Nachfrage nach Energieeffizienzlösungen in den kommenden Jahren weiter wachsen. Denn bei der Bitumen-Gewinnung ist ein hoher Energieeinsatz nötig, um das Ölgemisch aus dem Boden zu extrahieren. Vor allem beim In-Situ-Verfahren besteht Einsparpotenzial, da die Ausrüstung oft auf veralteter Technik beruht und nicht für die Anforderungen der Ölsandindustrie optimiert ist. So könnte schon durch den Einsatz moderner Dampferzeuger, die auch unter den klimatischen Bedingungen in Alberta mit Temperaturen bis minus 40 Grad optimale Leistung erbringen, der Energieerbrauch deutlich gesenkt werden.

Chancen auch abseits von Erdöl und -gas

Aber auch in weniger energieintensiven Industriezweigen dürfte die Nachfrage nach effizienzsteigernder Ausrüstung und Lösungen wachsen. In Ontarios Kfz- und Zulieferbranche beispielsweise machen die Energiekosten nur zwischen 8 und 20% der gesamten Betriebskosten aus. Angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks ist aber auch in dieser Branche das Interesse an Energieeffizienzprojekten groß. Dabei sind schnell zu realisierende Maßnahmen wie die Installation von energiesparender Beleuchtung oder der Austausch von ineffizienten Klimaanlagen besonders gefragt. Auch die Überprüfung der Druckluftsysteme auf Lecks sowie die Nachrüstung der Geräte oder die Neuanschaffung effizienterer Anlagen bieten Geschäftschancen. Die Nachfrage nach Steuerungs- und Automatisierungstechnik ist vor allem bei Expansionsvorhaben groß. Unter anderem sind die deutschen Anbieter Festo und Siemens mit entsprechenden Produkten auf dem kanadischen Markt vertreten.

Einige Markteintrittsbarrieren

Kanadische Unternehmen sind nach Einschätzung der Canadian Energy Efficiency Alliance stark an Lösungen aus einer Hand interessiert. Idealerweise bietet das Unternehmen, das die technische Ausrüstung liefert, auch die Analyse der bestehenden Anlage und Prozesse sowie die regelmäßige Kontrolle des neuen effizienteren Systems an. Da die Themen Industrie 4.0 und Smart Manufacturing in Kanada zunehmend eine Rolle spielen, ist das Interesse auf Unternehmensseite an einer Integration von Energieeffizienzaspekten - sei es durch IT-Lösungen oder Beratungsdienstleistungen - in den Upgrade von Fabriken, ebenfalls groß.

Auch wenn der kanadische Markt für Energieeffizienz vielversprechend für deutsche Unternehmen ist, gibt es eine Reihe von Markteintrittsbarrieren. Die größte Hürde sind die von deutschen Normen abweichenden Produktstandards und die damit verbundene kosten- und zeitintensive Zertifizierung. Zudem ist angesichts der niedrigen Energiepreise die Bereitschaft der Unternehmen, in effizienzsteigernde Technologien zu investieren, geringer. Die hohen Kapitalkosten und in der Regel längeren Amortisationszeiten von Effizienzprojekten schrecken viele Unternehmen ab. Steigende Energiekosten und höhere Anforderungen an die Energieintensität in der Industrie dürften jedoch langfristig zu einem Umdenken führen.

Text: Boris Alex

17.10.2016

Kanada: Gesetzliche Grundlagen

Kanada hat das Klimaschutzabkommen von Paris (COP21) unterzeichnet und sich darin zu einer Reduktion seiner Treibhausgasemissionen um 30% gegenüber dem Stand von 2005 verpflichtet. Ein wesentlicher Bestandteil der kanadischen Klimapolitik ist der „Energy Efficiency Act“ aus dem Jahre 1992. Auf Grundlage dieses Gesetzes darf Natural Resources Canada regulierende Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz ergreifen und Standardwerte festlegen.

Im Jahr 2008 verabschiedete die kanadische Regierung zudem den „Federal Sustainable Development Act“, in dem sie sich zu einer ökologisch nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung verpflichtet. Unter anderem sollen die kanadischen Unternehmen zu einer nachhaltigen Geschäftstätigkeit motiviert werden. Diese soll mittels einer zentralen Steuerung und stetiger Überprüfung der relevanten Messdaten begleitet und gewährleistet werden. Auf Provinzebene gibt es zum Teil ergänzende Regelungen zum Energieverbrauch von Geräten. In Ontario beispielsweise wird dies durch den „Green Energy Act“ aus dem Jahr 2009 geregelt.

Daneben gibt es eine Reihe von Standards, Normen und Zertifizierungen im Bereich Energieeffizienz. In allen Provinzen gelten die Standards der Canadian Standards Association (CSA). Ein mit dem CSA-Zeichen versehenes Produkt zeigt dem Verbraucher, ähnlich wie das deutsche TÜV-Siegel, dass das Produkt unabhängig getestet wurde und den allgemein anerkannten Sicherheits- und Leistungsstandards entspricht. Diese Standards haben keinen rechtsverbindlichen Charakter, sondern sollen in den Bereichen Orientierung bieten, wo keine Rechtsvorschriften greifen.

Neben Produktsicherheit geht es dabei auch um Fragen der Energieeffizienz. Die CSA entwickelt Standards, stellt diese in elektronischer Form zur Verfügung und bietet Schulungen und Beratungen an. Standards existieren unter anderem für Industrieausrüstung und Konstruktionsmaterialien. Weitere Informationen.

Eine wichtige Zertifizierung, insbesondere für industrielle Ausrüstung wie Boiler und Wärmepumpen ist das international anerkannte „Energy Star“ Label der US-Umweltbehörde Environment Protection Agency. Das Label wird auf kanadischer Seite seit 2001 von Natural Resources Canada verwaltet. Um die Kennzeichnung zu erhalten, werden die Produkte nach einem vorgeschriebenen Verfahren geprüft und müssen die festgelegten Energieeffizienzvoraussetzungen erfüllen, ohne dabei die Leistung des Produktes zu beeinträchtigen. Der „ISO 50001 Energy Management Systems Standard“ ist ebenfalls in Kanada etabliert. Dieser bietet Unternehmen ein strukturiertes Gerüst zur Implementierung von Energieeffizienzmaßnahmen. Weitere Informationen sind auf der Homepage von Natural Resources Canada abrufbar.

Text: Boris Alex

17.10.2016

Kanada: Wichtige Messen und Internetadressen

Messe/Institution

Maschinenbaumesse Canadian Manufacturing Technology Show ((25.9. bis 28.9.17 in Toronto)

www.cmts.ca

Maschinenbaumesse Fabtech Canada (20.3. bis 22.3.18 in Toronto)

www.fabtechcanada.com

Umwelttechnikmesse Americana (21.3. bis 23.3.17 in Montreal)

www.americana.org

Bergbaumesse CIM Convention (30.4. bis 3.5.17 in Montreal)

www.cim.org

Rohstoffministerium

www.nrcan.gc.ca

Regulierungsbehörde für den Energiesektor (NEB)

www.neb-one.gc.ca

Bundesministerium für Umwelt und Klimawandel

www.ec.gc.ca/cc

Statistikbehörde

www.statcan.gc.ca

Verband für Energieeffizienz in Kanada

www.energyefficiency.org

Energieeffizienzinitiative der Provinz Ontario

www.saveonenergy.ca

Exzellenz-Konsortium für Hersteller

www.emccanada.org

Verband der Aluminiumindustrie

www.aluminium.ca

Verband der Elektrotechnikindustrie

www.electricity.ca

Verband der exportierenden Industrieunternehmen

www.cme-mec.ca

Ausbildungseinrichtung für Energiemanager

www.cietcanada.com

 

Text: Boris Alex

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