Energieeffizienz in der Produktion in Schweden

Energieaudits offenbaren erhebliche Einsparpotenziale in Schweden

Schweden will spätestens 2017 Energieeffizienzziele für den Zeitraum 2020 bis 2030 veröffentlichen. Eine Schlüsselrolle fällt bei der Energieeinsparung der Zellstoff- und Papierindustrie zu, auf die rund die Hälfte des industriellen Endenergieverbrauchs entfällt. Größere Unternehmen müssen alle vier Jahre ein Energieaudit durchführen. Kleinere, die das freiwillig tun, können bis zu 50% der Energieaudit-Kosten erstattet bekommen.

17.10.2016

Schweden will die Energieeffizienz bis 2020 um 20% gegenüber 2008 steigern

Schweden will den Ausstoß klimaschädlicher Gase bis 2020 um 40% gegenüber 1990 verringern. Ab 2045 sollen keine Klimagase mehr an die Atmosphäre abgegeben werden. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtenergieversorgung soll bis 2020 auf 50% steigen. Wärme will Schweden bis 2020 komplett ohne fossile Brennstoffe erzeugen, die Stromversorgung soll ab 2040 zu 100% aus erneuerbaren Quellen kommen. Laut Energieminister Ibrahim Baylan würden keine Kernkraftwerke zur Stilllegung gezwungen. Es dürfen sogar bis zu zehn neue Atomreaktoren gebaut werden.

Wegen der höheren Leistung in Kernkraftwerken und auch um den Strom aus Erneuerbare-Energieanlagen, insbesondere Windkraftanlagen, einspeisen zu können, will der staatliche Netzbetreiber Svenska Kraftnät auch weiterhin hohe Summen in den Ausbau der Übertragungskapazitäten investieren. Auch die internationale Anbindung des schwedischen Stromnetzes wird vorangetrieben. So wurde im Frühjahr 2016 das Seekabel NordBalt zwischen Schweden und Litauen in Betrieb genommen. Auch eine neue Verbindung zwischen Schweden und Deutschland (Hansa PowerBridge) ist geplant. 

2017 sollen spezifische Energieeffizienzziele veröffentlicht werden

Die Energieeffizienz soll bis 2020 sektorübergreifend um 20% gegenüber 2008 steigen. Außer diesem sowie den EU-Zielen, in diesem Zeitraum den Energieverbrauch um 20% zu senken und den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrsbereich auf 10% zu erhöhen sowie von 2008 bis 2016 rund 9% Endenergie gegenüber dem durchschnittlichen Endenergieverbrauch der Jahre 2001 bis 2005 einzusparen, verfolgt Schweden derzeit keine spezifischen Energieeffizienzziele. Solche Ziele werden für den Zeitraum 2020 bis 2030 noch entwickelt und voraussichtlich 2017 veröffentlicht.

Das schwedische Energieforschungsprogramm unterstützt Forschungsaktivitäten an Universitäten, Forschungsinstituten und im Privatsektor und fördert die Entwicklung neuer Technologien sowie deren Markteinführung. Dabei konzentriert es sich auf sechs thematische Schwerpunkte: Erforschung des Energiesystems, Gebäude als Energiesystem, Mobilität/Transport/Verkehr, energieintensive Industrien, Biomasse und Energiegewinnung für Elektrizität.

Um den Gesamtenergieverbrauch im Straßen- und Eisenbahnnetz deutlich zu senken, will Schwedens Verkehrsbehörde Trafikverket im Rahmen der Auftragsvergabe verstärkt auf die Anwendung moderner Baumaterialien und -methoden achten. Trafikverket erwirbt für Straßen- und Bahnprojekte alljährlich Produkte und Leistungen im Wert von mehr als 4 Mrd. Euro.

Strategische Ziele

 

2010

2020 1)

2030 2)

Energieintensität der Wirtschaft(Öläquivalent(ROE) in 1.000 kg pro 1.000 Einwohner)3)

157,1

k.A.

k.A.

Primärenergieverbrauch (in TWh)

552

441,6 4)

k.A.

Reduzierung des Primärenergieverbrauchs und Steigerung der Energieeffizienz(in %, gegenüber 2008)

k.A.

20

k.A.

Reduzierung des Endenergieverbrauchs (in %, gegenüber Durchschnittsverbrauch 2001 bis 2005)

k.A.

9% (bis 2016)

k.A.

Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Verkehrsbereich (in %)

k.A.

10

k.A.

Anmerkungen: k.A. - keine Angabe; t - Tonnen; RÖE - Rohöleinheiten; BIP - Bruttoinlandsprodukt; KKP - Kaufkraftparitäten
1) gegenüber 2010; 2) Energieeffizienzziele für den Zeitraum 2020 bis 2030 werden laut dem Energie- und Klimaabkommen (Energiöverenkommelse) vom 10.6.16 spätestens 2017 beschlossen; 3) Bruttoinlandsenergieverbrauch an Energie geteilt durch BIP; 4) rechnerisch
Quellen: Schwedische Regierung, Statistikamt SCB, Energieagentur (Energimyndigheten), OECD

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Große Teile der schwedischen Produktionsanlagen stammen noch aus den 1960er und 1970er Jahren

Anteil an der Bruttowertschöpfung (BWS) 1) und am Energieverbrauch der Industrie und des Bergbaus 2)

Wirtschaftszweig (NACE Rev.2)

Anteil an der BWS 2015 3)

Anteil am Energieverbrauch 2010

Anteil am Energieverbrauch 2013

Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden (B05 bis B09)

0,6

3,2

3,9

Lebensmittel, Getränke, Tabakwaren (C10 bis C12)

1,3

3,3

3,4

Papier, Pappe und Waren daraus (C17)

1,2 4)

44,8

45,8

Kokerei und Mineralölverarbeitung (C19)

3,3 4)

7,4

6,9

Chemische und pharmazeutische Erzeugnisse (C20 bis C21)

3,0 4)

7,1

7,7

Gummi- und Kunststoffwaren (C22)

0,5 4)

1,0

0,9

Metallerzeugung und -bearbeitung (C24)

1,0 4)

17,9

16,7

Metallerzeugnisse (C25)

1,9 4)

1,5

1,5

Maschinenbau (C28)

2,4

1,9 5)

1,7 5)

Kraftwagen, Kraftwagenteile (C29)

2,2

2,0 6)

1,9 6)

1) Markt- und Nichtmarktproduktion für die eigene letzte Verwendung; 2) jeweils in %; 3) sofern nicht anders angegeben; 4) 2013; 5) Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, elektrischen Ausrüstungen, Maschinenbau (NACE 26 bis 28); 6) Transportausrüstungen (NACE 29 bis 30)
Quelle: SCB

Die schwedische Industrie steht für rund 39% (2014: 142,6 TWh) des landesweiten Endenergieverbrauchs (368 TWh). Rund 70% des Industrieanteils entfallen auf große Firmen, die übrigen 30% auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Nach Wirtschaftssektoren betrachtet, macht die Herstellung und Verarbeitung von Zellstoff und Papier rund die Hälfte des Industrieanteils aus, knapp 16% entfallen auf die Stahl- und Metall-, 9% auf die Chemieindustrie und 6% auf den Maschinenbau. Die energieintensivsten Bereiche der chemischen Industrie sind die Chemikalienproduktion und die Raffinerien.

Schwedens Bergbau ist bereits stark automatisiert und hat durch den Einsatz moderner Steuer- und Regeltechnik einen hohen Grad an Energieeffizienz erreicht. Auch die Stahlindustrie hat in den letzten Jahren stark in Energieeffizienzmaßnahmen, darunter in die Implementierung von Energiemanagementsystemen, investiert. Die Energieagentur (Energimyndigheten) finanziert im Zeitraum 2013 bis 2017 Forschungsprojekte zur Steigerung der Energieeffizienz in Stahlunternehmen (JoSEn) in Kooperation mit dem schwedischen Stahlverband (Jernkontoret) mit 85 Mio. Schwedischen Kronen (skr; circa 9,1 Mio. Euro, 1 Euro = 9,3535 skr im Jahresdurchschnitt 2015).

Zellstoff- und Papierindustrie setzt sich als erste Branche konkrete Ziele

Nach einer Analyse der Ingenieurwissenschaftlichen Akademie (IVA) im Jahr 2013 ist es durchaus möglich, die Energieeffizienz bis 2050 um bis zu 50% zu steigern. Sektorspezifische Energieeffizienzziele hat sich bisher indes nur die Zellstoff- und Papierindustrie gesteckt: Sie will ihren Energieverbrauch bis 2020 gegenüber 2007 um mindestens 15% senken und ihre eigene Stromproduktion bis 2020 auf 2 TWh steigern.

Auch die Ressourceneffizienz spielt in Schweden eine wichtige Rolle. Das Land will unter anderem fossile Ressourcen zunehmend durch Biomasse ersetzen. Der Wald ist dabei ein bedeutender Rohstofflieferant. Um mehr Bioprodukte zu entwickeln, kooperieren insbesondere Chemieunternehmen in den letzten Jahren enger mit der heimischen Holzindustrie. So wollen der Bioethanolhersteller Sekab, Tetra Pak sowie die Holzkonzerne Holmen und Sveaskog gemeinsam Biopolymere aus nachwachsenden Rohstoffen, vor allem Holz, gewinnen.

Weitere Anwendungsbeispiele sind die Produktion von Umweltkraftstoffen, Biokunststoffen und nanokristalliner Zellulose. Potenzial für eine Erhöhung des Biomasseeinsatzes gibt es vor allem in der Transport-, Kfz-, Chemie- und Bauindustrie. 

Die Energiepreise in Schweden sind im internationalen Vergleich eher niedrig. Die Strompreise für industrielle Verbraucher mittlerer Größe mit einem Standard-Stromverbrauch von 500 bis 2.000 MWh im Jahr lagen in der EU-28 im 2. Halbjahr 2015 im Durchschnitt bei 8,79 Cent je kWh, in Schweden dagegen nur bei 5,85 Cent je kWh.

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Schweden bietet KMU monetäre Unterstützung für Energieaudits

Im Rahmen eines fünfjährigen Programms zur Energieeffizienzsteigerung (Program för energieffektivisiering; PFE) konnten Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von über 500 MWh, die ihren Energieverbrauch überwachen wollten, staatliche Beihilfen in Höhe von bis zu 50% der Kosten für Energieaudits erhalten, maximal jedoch 30.000 Schwedische Kronen (skr; beziehungsweise 50.000 skr in der Folgephase von 2010 bis 2014; 1 Euro = 9,0985 skr im Jahresdurchschnitt 2014). Im Gegenzug für die Aufstellung eines Energiesparplans und die Einleitung von Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs erhielten die rund 180 Teilnehmer Steuererleichterungen. Das Programm brachte allein Stromeinsparungen von rund 1,45 TWh pro Jahr im Wert von 0,5 Mrd. skr. Es wurde sodann für weitere fünf Jahre aufgelegt, nochmals knapp 100 Industriebetriebe nahmen teil.

Auditpflicht für Großunternehmen

Das Programm lief 2014 aus und wurde im Rahmen der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie durch eine Verpflichtung großer Unternehmen zu einem Energieaudit (energikartläggning) ersetzt. Solche sind seither gesetzlich dazu verpflichtet, mindestens alle vier Jahre von kompetenten und unabhängigen Experten ein Energieaudit durchführen zu lassen. Als große Unternehmen gelten dabei jene, die mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen und die entweder einen Jahresumsatz von mehr als 50 Mio. Euro erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf mehr als 43 Mio. Euro beläuft. Nur kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit einem jährlichen Energieverbrauch von mehr als 300 MWh können seit 15.7.15 wieder bis zu 50% der Energieauditkosten erstattet bekommen, maximal jedoch 50.000 skr.

Das wichtigste, fortbestehende Steuerinstrument für die Industrie sind die CO2- und Energiesteuer. Steuern werden auf Strom, Brennstoffe und CO2-Emissionen erhoben. Die Höhe hängt davon ab, ob Brennstoffe als Heiz- oder Kraftstoff verwendet werden und ob die Energie von Privathaushalten, Industriebetrieben oder im Energieumwandlungssektor eingesetzt wird. Außerdem gibt es regionale Unterschiede.

Schweden nimmt am Motor Challenge Programm der Europäischen Kommission zur Verbesserung des energetischen Wirkungsgrads ihrer Motorsysteme teil. Mit dem Beitritt verpflichten sich Firmen zur Bestandsaufnahme ihrer motorgetriebenen Systeme, zur Erstellung eines Maßnahmenkatalogs und Durchführung entsprechender Schritte zur Verringerung des Energieverbrauchs. Einer der wenigen schwedischen Teilnehmer bisher war der Bergbaukonzern LKAB, der infolgedessen acht Elektromotoren zum Antrieb von Transportbändern in seinem Werk in Kiruna außer Betrieb nahm.

Die Exportinitiative Energie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt deutsche Anbieter nachhaltiger Energielösungen aus den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien, intelligente Netze und Speicher auf dem Weg in neue Auslandsmärkte.

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Audits bewirkten in Schweden deutliche Stromeinsparungen

Auch nach Auslaufen des fünfjährigen Programms zur Energieeffizienzsteigerung (Program för energieffektivisiering; PFE) haben in Schweden zahlreiche Unternehmen Energieaudits durchgeführt, vor allem größere, die seither gesetzlich dazu verpflichtet sind. Ein Online-Verzeichnis über Energieberater bietet die Energieagentur nur für den kommunalen Bereich an, in dem die Gebäudeeffizienz im Mittelpunkt steht. Solche Berater sowie regionale Energiemanagement-Agenturen (regionala energikontor) können aber auch über die richtigen Schritte bei geplanten Energieaudits im gewerblichen Sektor informieren.

Das Ingenieur-Planungsbüro WSP hat Energieaudits bei der schwedischen Niederlassung des französischen Industriekonzerns Saint-Gobain in Billesholm, beim Energieversorger Göteborg Energi und beim Abfallentsorgungsunternehmen Sysav durchgeführt. Energieaudits nehmen unter anderem auch die Beratungsunternehmen AF (zu den größeren Industriekunden beispielsweise Volvo zählt), Greencon (Siemens, Boliden) und Ragn-Sells Miljökonsult (Stora Enso, mehrere Energieversorger) vor. Hierauf eingeleitete Maßnahmen haben zu teils erheblichen Energie-, vor allem Stromeinsparungen geführt. LRF Konsult bietet Energieaudits speziell für Landwirtschaftsbetriebe an.

Energieeffizienz-Netzwerk für KMU

Beobachter rechnen damit, dass sich in Zukunft auch Kleinunternehmen verstärkt um Energieeffizienzverbesserungen bemühen werden. Denn es gibt ein neues Programm, über das schwedische Gemeinden ab Herbst 2016 Unterstützung für sogenannte Energie- und Klimatrainer (Coacher för energi och klimat; CEK) beantragen können. Es umfasst circa 50 Teilprojekte. Die CEK sollen Kleinunternehmen mit einem Energieverbrauch von weniger als 300 MWh beraten. Es handelt sich dabei um eine Förderleistung zusätzlich zur bereits bestehenden Unterstützung für Energieaudits. CEK kann sowohl ein Energieberater als auch ein Angestellter der Gemeinde mit entsprechenden Fähigkeiten sein. Wissenschaftliche Analysen deuten auf ein Energieeinsparpotenzial in schwedischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) von bis zu 20%.

Unternehmen können sich auch an einem Energieeffizienz-Netzwerk der Energieagentur beteiligen. Das ist ein regionales Netzwerk von acht bis 16 KMU mit einem Energieverbrauch von mehr als 1 GWh. Die Energieagentur wählt einen Koordinator für das Netzwerk aus und stellt dafür einen Energieexperten aus dem eigenen Hause zur Verfügung. Die Teilnahme am Netzwerk kostet 10.000 Schwedische Kronen (skr; 1 Euro = 9,3535 skr im Jahresdurchschnitt 2015) im Jahr. Das System baut auf den LEEN (Lernende Energieeffizienz-Netzwerke) in Deutschland und Österreich auf, die unter anderem vom Fraunhofer ISI entwickelt und erprobt wurden.

 

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

In Schweden bestehen mit Abstand größte Einsparpotenziale bei der Prozessenergie

Prozessbezogene Maßnahmen bieten nach den im Rahmen des Programms zur Energieeffizienzsteigerung (Program för energieffektivisiering; PFE) durchgeführten Audits das größte Potenzial zur Verbesserung der Energieeffizienz. Doch auch durch den Einsatz neuer Motoren, Pumpensysteme und Lüftungstechnik lässt sich viel erreichen.

Der Folienhersteller Riflex Film aus Ronneby hat noch vor seiner Übernahme gegen Jahresende 2014 durch den deutschen KAP Beteiligungskonzern ein Energieaudit durchgeführt. Dabei wurden 20 mögliche Maßnahmen zur Energieeinsparung aufgedeckt. Zwei wesentliche davon waren der Austausch eines veralteten Kompressors durch einen neuen frequenzgesteuerten mit Wärmetauscher zur Energierückgewinnung und die Umstellung auf LED-Leuchten. Der jährliche Energieverbrauch ist dadurch um 17 bis 18% von 8,5 GWh (2008) auf unter 7 GWh gesunken.

Auch der Hersteller und Lieferant von Schleif- und Pflegesystemen für Fußböden HTC aus Söderköping hat ein Energieaudit vorgenommen. Neben zahlreichen weiteren identifizierten Maßnahmen zur Energieeinsparung wurden die Leerlaufzeiten von Schleifwerkzeugen optimiert, Reflektorlampen durch neue energiesparende LED-Beleuchtung und zehn alte Server durch Cloud Services ersetzt. Dasselbe soll noch bei acht weiteren Servern geschehen, weitere sollen durch energieeffizientere, neue Modelle ausgetauscht werden. Durch die bisherigen Maßnahmen sank der Jahresenergieverbrauch um 11% auf nur noch knapp 1,7 GWh. Das Audit sei so erfolgreich gewesen, dass bald noch ein neues beabsichtigt sei.

Ergebnisse der Audits bei Energieagentur einzusehen

Die Energieagentur veröffentlicht auf ihrer Homepage noch Ergebnisse einer Reihe weiterer Energieaudits und energieeffizienzverbessernder Maßnahmen, die in Folge der Audits ergriffen wurden, darunter bei den Unternehmen UBAB Ulricehamns Beton (Betonfabrik), SPM Instrument (Anbieter von Systemen zur Energieüberwachung), Lamtech (Hersteller von Massivholzplatten) und Gense (Anbieter von Edelstahlbesteck). Durch die Audits können in der Produktion zukünftig erhebliche Strommengen eingespart werden. Die Berichte gibt es nur auf Schwedisch.

Ferner veröffentlicht die Energieagentur auf ihrer Website eine Liste der Unternehmen, die gesetzlich zu einem Energieaudit verpflichtet sind. Bis Anfang Februar 2016 waren darin rund 1.100 von schätzungsweise 1.500 bis dahin registrierten Firmen erfasst. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert - Schaltflächen „Energieffektivisering“, „Lagen om energikartläggning i stora företag“, „Registrerade företag som omfattas av lagen”.

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Schweden bietet Geschäftschancen bei der Optimierung von Prozesskomponenten

Anbieter innovativer Beratungs- und Dienstleistungen sowie von Geräten, Ausrüstungen und Technologien für die Verbesserung der Energieeffizienz haben in Schweden gute Chancen auf einen erfolgreichen Markteinstieg. Deutsche Unternehmen sind dabei in einer guten Startposition, da Know-how und Technik aus Deutschland in Schweden traditionell einen guten Ruf haben.

Bereits eine erste Bestandsaufnahme offenbart einen erheblichen Modernisierungsbedarf in den nächsten Jahren. So stammen nach einem Bericht der Deutsch-Schwedischen Handelskammer große Teile der Produktionsanlagen in Schweden noch aus den 1960er und 1970er Jahren.

Elektromotoren generieren laut der Energieagentur rund 70% der Stromversorgung innerhalb der schwedischen Industrie. Neben der Wahl der richtigen Motoren lassen sich auch durch geeignete Turbinen, Pumpen- und Steuerungstechnik sowie weitere Prozesskomponenten (Beleuchtung, Ventilation) erhebliche Energiemengen einsparen. Experten schätzen, dass sich der Stromverbrauch in der Industrie des nordischen Landes allein durch die Optimierung von Prozesskomponenten bis zu 50% reduzieren lässt.

Daher dürften schwedische Unternehmen in den nächsten Jahren noch stärker in Energieeinsparung und Nachhaltigkeit investieren. Einen wichtigen Aspekt in der Nachhaltigkeitsberatung bilden Lebenszyklusanalysen, welche die Stoff- und Energieströme für ein bestimmtes Produkt von der Herstellung über den Vertrieb, die Nutzung, Stilllegung bis hin zur Auflösung berücksichtigen. Die Deutsch-Schwedische Handelskammer verweist darauf, dass vor allem größere schwedische Firmen die energetische Analyse technischer Prozesse oft in die Hände ihrer Produktlieferanten legen und diese dann anschließend auch mit Verbesserungsmaßnahmen betrauen.

Wärmenutzung mit viel Potenzial

Auch Technologien der Wärmerückgewinnung und Abwärmenutzung werden in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen, wobei Nutzungsmöglichkeiten nicht nur innerhalb der Unternehmen bestehen. So soll zum Beispiel im Rahmen der Fernwärmeversorgung mehr Abwärme aus industriellen Prozessen genutzt werden. Energieerzeuger müssen im Rahmen bestimmter Investitionen Kosten-Nutzen-Analysen durchführen und dabei unter anderem zunächst prüfen, ob im Rahmen des Produktionsprozesses industrielle Abwärme genutzt werden kann, bevor neue Energie erzeugt wird.

Betroffen sind hiervon der Bau neuer sowie Umbauten an bestehenden Produktionsanlagen mit einer thermischen Nennleistung von mehr als 20 MW, die Heizenergie in bestehende Netze einspeisen, sowie der Bau neuer Fernwärme- und -kältenetze. Eine Studie zeigt, dass sich zum Beispiel im Raum Gävleborg die Systemkosten der Unternehmen durch Einspeisung industrieller Abwärme in Fernwärme- und Fernkältenetze deutlich senken ließen.

Immer mehr Player treten in den schwedischen Fernwärmemarkt ein. In den letzten Jahren haben insbesondere IT-Dienstleistungen und Softwarelösungen an Bedeutung gewonnen, zum Beispiel Alarmsysteme zur Leckageüberwachung an Rohrleitungen. Gerade hier besteht in Schweden großer Investitionsbedarf, da viele Netze aus den 1950er und 1960er Jahren stammen und daher nachgerüstet werden müssen.

Ein Einstieg in den schwedischen Markt sollte sorgfältig geplant sein. Trotz kultureller Nähe unterscheidet sich das Arbeits- und Führungsverhalten dort von dem in Deutschland. In den Unternehmen herrscht ein moderner, kollegialer Führungs- und Umgangsstil. Selbstständigkeit sowie Planungs- und Handlungsspielraum der Angestellten sind verhältnismäßig groß. Der Geschäftseinstieg sollte auf der Arbeitsebene zum Beispiel beim Projektleiter beginnen.

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Schweden: Gesetzliche Grundlagen

EU-Verordnungen mit Auswirkungen im Bereich der Energieeffizienz in der industriellen Produktion sind die Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU) und die beiden Richtlinien zur Energieeffizienz von Produkten: die EU-Richtlinie 2010/30/EU zur Kennzeichnung und Angabe von Standardproduktinformationen zum Energieverbrauch und anderen Ressourcen für alle energiebezogenen Produkte, die einen wesentlichen direkten oder indirekten Einfluss auf den Energieverbrauch haben und die Richtlinie 2009/125/EG bezüglich Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte.

Diese Richtlinien sind in nationales schwedisches Recht umgesetzt worden. Hier sind insbesondere das Gesetz über die Energieberichtspflicht für große Unternehmen (Lag (2014:266) om energikartläggning i stora företag) und die Gesetze zur Kennzeichnungspflicht von energiebezogenen Produkten (Lag (2011:721) om märkning av energirelaterade produkter) sowie das Ökodesign-Gesetz (Lag (2008:112) om ekodesign) zu nennen. Zu allen drei Gesetzen sind jeweilige Verordnungen vorhanden.

Nach dem Gesetz über die Energieberichtspflicht für große Unternehmen müssen große Unternehmen alle vier Jahre einen Energieplan beziehungsweise Bericht erstellen, der eine genaue Darstellung des Energieverbrauchs des Unternehmens und Vorschläge zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung des Energieverbrauchs beinhalten soll. Betroffen sind davon aber nur Unternehmen, die mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von über 50 Mio. Euro oder einen Bilanzumsatz von über 43 Mio. Euro im Jahr haben.

Ziel der beiden Gesetze zur Produktkennzeichnungspflicht ist es, für den Verbraucher die nötige Transparenz auch im Bereich des Energieverbrauchs und der umweltgerechten Gestaltung energiebetriebener Produkte zu schaffen. Hierbei sind bei den verschiedenen neu hergestellten Produkten Angaben bezüglich des Energieverbrauchs und des Verbrauchs sonstiger Ressourcen wie Wasser und Chemikalien zu machen. Das soll sowohl durch Kennzeichnung des Produkts selbst als auch durch Angaben in einer beigefügten Produktbeschreibung für den Verbraucher geschehen. Die Gesetze gelten nicht für gebrauchte Produkte.

Energiebezogene Produkte oder Teile dürfen nur auf dem Binnenmarkt in Verkehr gebracht werden, wenn die umweltbezogenen Anforderungen erfüllt sind. In Schweden werden diese umweltbezogenen Anforderungen von der Regierung beziehungsweise der Behörde, die von der Regierung hierzu bestimmt wird, bekannt gegeben. Der Hersteller des Produkts hat eine Einschätzung abzugeben, ob das Produkt mit den genannten Anforderungen übereinstimmt. Auch hier wird durch die schwedische Regierung beziehungsweise die hierzu beauftragte Behörde festgelegt, wie diese Einschätzung durchzuführen ist.

Text: Dr. Kerstin Kamp-Wigforss, AHK Schweden

17.10.2016

Schweden: Wichtige Messen und Internetadressen

Messe/Institution

 

Messe für Hydraulik, Pneumatik, Elektronik, Transmissionstechnik und Regeltechnik, Scanautomatic und parallele Fachmesse für Konstruktions-, Prozess- und Fertigungstechniken, ProcessTeknik

www.svenskamassan.se

Messe für Elektrotechnik, Energiegewinnung und -verteilung sowie Beleuchtung, ELFACK

www.svenskamassan.se

Fachmesse für Wasser- und Abwassertechnik, VA-Mässan

www.svenskamassan.se

Fachmesse für Bauelemente und Baugruppen der Elektronik, Elektronik-Fertigung, Messinstrumente, Labor- und Prozesskontroll-ausrüstung, S.E.E. Scandinavian Electronics Event

www.stockholmsmassan.se

Elmia Automation

www.elmia.se

Wirtschaftsministerium

www.regeringen.se/sveriges-regering/naringsdepartementet

Staatliche Energieagentur

www.energimyndigheten.se

Koordinierungsstelle lokaler Energieagenturen

http://energikontorensverige.se

Deutsch-Schwedische Handelskammer (AHK Schweden)

www.handelskammer.se

AHK-Zielmarktanalyse Energieeffizienz in der Industrie: Pumpen und Steuer- und Regeltechnik der AHK (Stand: Februar 2014):

www.efficiency-from-germany.info (Mediathek/Publikationen)

Amt für wirtschaftliches und regionales Wachstum

www.tillvaxtverket.se

Staatliche Agentur für wachstumspolitische Auswertungen und Analysen

www.tillvaxtanalys.se

Zusammenschluss schwedischer Energieberater

www.energiradgivarna.com

Gemeinsame Plattform für Unternehmen, die energieeffiziente Produkte anbieten

www.eef.se

Text: Heiko Steinacher

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