Umsetzung Audits

Ländervergleich Umsetzung Audits

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17.10.2016

Bedeutende Projekte in der türkischen Petrochemie und Zementindustrie

Die Erdölraffinerie-Gesellschaft Tüpras, ein Unternehmen der Koc-Holding, will zwischen 2016 und 2018 insgesamt 232 Mio. $ in die Steigerung der Energieeffizienz investieren. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) finanziert dieses Vorhaben mit 150 Mio. $. Experten bezeichnen das Projekt als das bisher größte Ressourcen-Effizienz-Programm in der türkischen Industrie: In den Raffinerien in Izmir und Kirikkale soll der CO2-Ausstoß insgesamt um 270.000 t (625.000 Barrel Erdöläquivalent) und der Wasserverbrauch um 120 Mio. cbm pro Jahr zurückgehen.

Das Programm umfasst darüber hinaus den Bau von neuen thermischen Kraftanlagen innerhalb der Raffinerie-Komplexe sowie die Errichtung von Wärmerückkopplungssystemen, Anlagen für die Abgasbehandlung und katalytische Cracking-Einheiten. Tüpras ist derzeit landesweit das einzige Ölraffinerie-Unternehmen und besitzt vier Werke in Izmit, Izmir, Kirikkale und Batman.

Das Zementunternehmen Cimsa (Sabanci Holding) führte in fünf Zementwerken Energie-Monitoring-Systeme ein, mit deren Hilfe die Lastspitzen reduziert wurden. Der Zementhersteller Akcansa (Joint Venture zwischen Sabanci Holding und HeidelbergCement) will durch den Einsatz von Mikroalgen bei der Rauchgasbehandlung die jährliche CO2-Emission um 500.000 t senken. Außerdem sollen mit fotosynthesefähigen Mikroalgen jährlich 365.000 t Sauerstoff gewonnen werden. Das Zementunternehmen Bursa Cimento konnte 2015 durch den Einsatz von 30.000 t Abfällen bei der Energieerzeugung den Verbrauch von Kohle um 15.000 t reduzieren. Etwa 25% der im Zementwerk von Bursa Cimento verbrauchten Elektrizität wird aus Wärmerückkopplungsanlagen gewonnen.

Auch einige Firmen aus der Lebensmittelindustrie haben Energieeffizienzprojekte abgeschlossen, wie die Deutsch-Türkische Industrie- und Handelskammer (AHK) berichtet. Dazu zählen unter anderem die Unternehmen Pakyürek Tarim Sanayi ve Ticaret (Fischereiprodukte) und Gülsan Gida (Fruchtsäfte, Milchprodukte), die im Rahmen des UNIDO Öko-Effizienzprogramms mit vergleichsweise geringen Investitionen in Technologien und Prozessverfahren innerhalb einer kurzen Amortisationsdauer erhebliche Einsparungen beim Wasser- und Stromverbrauch erzielt haben sollen.

Text: Necip C. Bagoglu

17.10.2016

Deutsche Energieaudits decken Einsparpotenziale auf

Circa 43% der Firmen, die das Institut für Energieeffizienz an der Universität Stuttgart (EEP) 2016 bei der Ausarbeitung seines Energieeffizienzindex befragte, bekundeten, die im ersten Energieaudit empfohlenen Maßnahmen durchzuführen. Weitere 22% wollten dies nicht tun. Die übrigen Firmen hatten sich an der 2015 durchgeführten Runde nicht beteiligt.

Erfahrungen des Beratungsunternehmens Ispex lassen darauf schließen, dass bei fast jedem Audit Einsparpotenziale zu identifizieren sind. Bei der überwiegenden Mehrheit der Firmen waren kleinere Probleme zu bereinigen, mit sehr geringem oder keinem monetären Aufwand. Teilweise handelte es sich bei den beobachteten Mängeln um bekannte aber ignorierte Zustände. Bei Vor-Ort-Terminen fanden die Ispex-Mitarbeiter selten ein energetisches Chaos vor, im Lauf der Zeit waren dennoch infolge von Betriebsblindheit und falschen Routinen echte Energiefallen entstanden.

Beispielsweise hielten Verantwortliche im Winter die Türen in Eingangsbereichen offen, um an Überdachungen die Bildung von Eiszapfen zu verhindern. Beliebt war gelegentlich die Nutzung von Serverräumen zur Getränkekühlung – mit entsprechend niedrig eingestellten Raumtemperaturen. Oder ein Nebengebäude wurde ganzjährig beheizt, was während wärmerer Jahreszeiten bei einer wirkungsvollen Klimatisierung nicht weiter aufgefallen war.

Auditergebnisse als Grundlage zukünftiger Investitionen

In Fällen, die den Ersatz einer veralteten Technologie durch neuere und effizientere Verfahren nahelegten, scheiterte eine Entscheidung häufig an der Wirtschaftlichkeitsrechnung. Die 2015 vorherrschenden niedrigen Preise für elektrischen Strom und Gas begünstigten dabei Präferenzen für einen weiteren Gebrauch von Bestandsanlagen.

Andererseits lieferten durch externe Sachverständige ausgearbeitete Einspar- und Amortisationsrechnungen (inklusive der dazugehörigen Fehleranalysen) in zahlreichen Situationen einen guten Anknüpfungspunkt zur Präsentation von Verbesserungsvorschlägen. Bei Abschlussbesprechungen mit der Geschäftsführung vorgebrachte Handlungsempfehlungen fanden innerhalb kurzer Zeit Eingang in Entscheidungsvorlagen. 

Vorerst bestand kein Zwang, die Empfehlungen des Audits auch umzusetzen. In den Augen der Deutschen Energieagentur (dena) sollten durch ein Energieaudit die wesentlichen Energieflüsse eines Unternehmens erst einmal offengelegt sowie Energieeffizienzpotenziale identifiziert werden. Firmen erhielten dadurch zudem Möglichkeiten, ein solches Audit als Vorstufe für die Einführung eines komplexeren Energiemanagementsystems zu nutzen.

Text: Siegfried Ellermann

17.10.2016

Energieaudits finden meist in Chinas energieintensiven Branchen statt

Umfassende Energieaudits waren bislang nur für Firmen im Rahmen des „1.000-Unternehmen-Programms“ aus dem Jahr 2006 verpflichtend. Innerhalb des „10.000-Unternehmen-Programms“ von Ende 2011 sind rund 17.000 Firmen dazu angehalten. Erstmals sehen nun die „Measures for Cleaner Production“ vom Mai 2016 verbindliche Audits für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch vor. Dabei sollen die Ursachen des Energieverbrauchs bestimmt sowie technisch und umweltverträgliche Energiesparmaßnahmen entwickelt und implementiert werden. Gemäß dem „Plan für Energieaudits 2016“ des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) vom März 2016 stehen 2016 die Bereiche Stahl, Chemie, elektrolytische Aluminiumherstellung, Zement, Flachglas, Keramik, Acetylen und Eisenlegierung für die Durchführung von Energieaudits im Fokus. Die meisten Audits, Modernisierungs- und Retrofit-Maßnahmen größeren Umfangs wurden und werden daher in den energieintensiven Branchen durchgeführt.

Regionale Behörden drängen Schwerpunktindustrien zu Maßnahmen

In Shanghai werden Projekte in diesen Segmenten, aber auch im Automobilbau, in der Halbleiterindustrie oder in der Textilindustrie umgesetzt. Häufig drängen die Behörden vor allem in den jeweiligen Schwerpunktindustrien ihrer Region auf Energieeinsparmaßnahmen. Zu bereits realisierten größeren Projekten zählen in Shanghai beispielsweise die Gewinnung von Abgasrestwärme bei Hochöfen sowie Effizienzsteigerungen der Stromversorgung innerhalb der Baosteel Gruppe. Allein für insgesamt vier Projekte zur Einsparung von 39.000 tce jährlich erhielt die Gruppe 2015 knapp 3,5 Mio. Renminbi Yuan (RMB; circa 0,5 Mio. Euro; 1 RMB = 0,144 Euro, umgerechnet zum Durchschnittskurs 2015) - Gelder der Stadtregierung. Auch internationale Firmen können für Maßnahmen Zuschüsse in Anspruch nehmen.

Angehalten und gefördert durch den Staat ersetzen derzeit viele Unternehmen Motoren, Industriekessel, Kompressoren, Klimaanlagen oder Beleuchtungen durch energiegünstigere Lösungen. Auch in den Bereichen Heizung, Ventilation, Klimaanlagen und konventionelle Beleuchtung sind nach wie vor hohe Energieeinsparungsmöglichkeiten enthalten. Längst seien diese Potenziale in China noch nicht ausgeschöpft, erklärt Volkmar Hasse, Direktor des Low Carbon Urban Development-Programms der GIZ.

Internationale Firmen verfolgen auch in China ihre unternehmenseigenen Energieeffizienzziele. An ihren Standorten in Nanjing und Chongqing setzt beispielsweise die BASF auf erprobte Verbundkonzepte, industrielle Symbiosen und Kraft-Wärme-Kopplung. VW baut derzeit in seinem neuen Werk in Ningbo den weltweit größten Solar-Carport. Nach Fertigstellung soll er eine Kapazität von 50 MW erreichen und damit an Sonnentagen rund die Hälfte des vom Werk benötigten Stroms liefern.

Text: Corinne Abele

17.10.2016

Energieaudits führen in Finnland zum Bau effizienterer, firmeneigener Kraftwerke

Vor allem bei energieintensiven Großunternehmen sorgen effizienzsteigernde Maßnahmen für deutliche Kostenvorteile. Viele Betriebe tragen ihre Erfolge wegen des starken Wettbewerbs jedoch nicht nach außen. Dagegen nutzen einige Unternehmen ihr Engagement, um sich positiv zu bewerben. Dazu gehört auch die petrochemische Produktion von Borealis Polymers in Kilpilahti, östlich von Helsinki. Dort beschäftigt das Unternehmen etwa 900 Mitarbeiter und verbraucht rund 3.700 GWh Energie jährlich. Im Dezember 2015 gab das Unternehmen bekannt, ein gemeinschaftliches Dampfkraftwerk mit Neste zubauen, das das bisherige Kraftwerk ersetzt. Mit der Investition von 400 Mio. Euro sollen 20% der aktuellen CO2-Emissionen eingespart werden. Das Dampfkraftwerk wird nach Fertigstellung von Veolia betrieben. Es soll voraussichtlich 2018 in Betrieb genommen werden und insgesamt etwa 480 MW erzeugen.

Borealis nimmt mit einem Energieeffizienzvertrag an der derzeit laufenden Vertragsperiode 2008 bis 2016 teil und setzt bei der Energieeffizienz vor allem auf die Ausbildung und den Beitrag der Mitarbeiter. In einem betrieblichen Vorschlagswesen werden die Angestellten für umgesetzte Sparmaßnahmen belohnt. Als Beispiele nennt das Unternehmen angepasste Laufzeiten von Geräten oder verbesserte Methoden beim Aufspüren von Kondensatableitern. Über die Echtzeit-Überwachung des Stromverbrauchs bleibt Energieeffizienz bei den Mitarbeitern präsent.

Auch bei Saint Gobain in Kirkkonummi wird ein Echtzeitsystem für den Stromverbrauch verwendet. Die Kalzinierungsanlage gehört zu den weltweit mehr als 100 Gips-Produktionsstandorten des Konzerns. Der Energieverbrauch macht etwa ein Drittel der Produktionskosten aus. Saint Gobain wendet seit 2011 ein ISO 500001-zertifiziertes Energiemanagementsystem mit einem zuständigen Team an. Dazu gehören monatliche Audits in je einem von zwölf Produktionsbereichen. Durch die Audits wurden auch Investitionen in eigene Bioenergie- und Windkraftanlagen interessant, um den Gas- und Stromverbrauch zu vergünstigen.

Zusätzlich stieß das Team durch die Audits auf die Einsparpotenziale durch Wärmerückgewinnung in der energieintensiven Trocknungsanlage. Durch den Einsatz eines verbesserten Systems konnte der vormals genutzte Gasheizkessel eingespart werden und dient nun als Standby-Lösung für Unterbrechungen im Winter.

Text: Marc Lehnfeld

17.10.2016

Energieaudits in Italien auch für energieintensive KMU Pflicht

Die obligatorische Durchführung eines Energieaudits wurde mit dem Gesetzesdekret 102/2014 eingeführt. Doch erst seit Ende 2015 müssen Großunternehmen und energieintensive kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Ergebnisse der Energieprüfung an die ENEA, die Italienische Agentur für neue Technologien, Energie und Nachhaltige Entwicklung, kommunizieren. Das Audit ist im Turnus von vier Jahren zu wiederholen. Als Großunternehmen gelten Gesellschaften mit einem Umsatz von mehr als 50 Mio. Euro und mindestens 250 Beschäftigten.

Insgesamt fallen circa 7.000 Unternehmen unter die seit Ende 2015 geltenden Bestimmungen. Die Firmen bewerten diese unterschiedlich: Manche Unternehmen erkennen die Chancen, die durch das Energieaudit entstehen, andere sehen es als eine weitere bürokratische Maßnahme der Regierung, die Zeit und Geld kostet. Die Regierung will die neuen Bestimmungen auf weitere produzierende Unternehmen ausdehnen.

Bis zum 31.12.19 stellt die Regierung jährlich 15 Mio. Euro für die Mitfinanzierung der Durchführung von Energieaudits von KMU und für die entsprechende Zertifizierung (ISO 50001) bereit.

Text: Robert Scheid

17.10.2016

Erste erfolgreiche Beispiele zur Umsetzung von ägyptischen Energieaudits

Auch ohne einheitlich organisierte Audits in Ägypten existieren Beispiele von Unternehmen, die durch Effizienzmaßnahmen Einsparungen erzielen konnten. Auf der Basis von EUREM-Projekten zur Energiemanagerausbildung sind Zahlen verfügbar. Im Mittel sparte jedes Vorhaben dieser Initiative jährlich 750 MWh beziehungsweise 30.000 Euro ein. Bei durchschnittlich 100.000 Euro Investitionssumme betrug die Amortisationszeit rund drei Jahre.

EUREM-Industrieprojekte wurden von Anfang 2012 bis Mitte 2013 bei sieben Unternehmen im Großraum Kairo umgesetzt. Die Energiemanager setzten an den Punkten elektrische Antriebe, Prozesswärme und Wärmerückgewinnung sowie bei nicht netzgebundener Fotovoltaik an. Vier dieser untersuchten Unternehmen waren Keramikhersteller, eines produzierte Teppiche und ein weiteres stellte Nahrungsmittel her.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) förderte über die Initiative EgyptSEFF unter anderem die Beschaffung eines neuen Ofens für einen führenden Glashersteller, mit dessen Hilfe der Energieverbrauch um zwei Drittel gesenkt wurde. Ein Produzent von Pappverpackungen für Getränke und Eiscreme reduzierte mit neuer Ausrüstung seinen Energiebedarf und erhöhte den Ausstoß deutlich. Ein Düngemittelhersteller leitet nun die entstehende thermische Energie in einen Abhitzekessel und deckt mittels Turbinen den Großteil seines Strombedarfs aus Dampf. Die Amortisationszeit dieses Vorhabens betrug weniger als ein Jahr.

Ein Pionier bei Energiemanagementzertifizierungen nach ISO 50001 in Ägypten war 2014 Sidi Kerir Petrochemicals. Der Ethylenhersteller schaffte es, 10% der in der Produktion eingesetzten Energie einzusparen. In der Presse lobte der Vorstandsvorsitzende die niedrigen Kosten und einfachen Maßnahmen, mit denen dieses Ergebnis erzielt werden konnte. Das International Roads Department des Bauunternehmens Arab Contractors besitzt ebenfalls eine entsprechende Zertifizierung. Diese Abteilung verarbeitet im Rahmen ihrer Aufträge große Mengen Asphalt und konnte diese Prozesse effizienter gestalten.

In punkto Kontinuität unterscheidet sich die Denkweise in ägyptischen Unternehmen dem Vernehmen nach stark. Während in manchen Fällen das Energiemanagement als eine dauerhafte Aufgabe gesehen wird, genügen anderen einmalige Maßnahmen oder das Aufhängen eines repräsentativen Zertifikats zur Imagepflege. Auch die Informationspolitik und -verfügbarkeit ist sehr verschieden. Manche Unternehmen gehen offensiv mit ihren Anstrengungen an die Öffentlichkeit, während andere lediglich als anonyme Beispiele zitiert werden.

Text: Oliver Idem

17.10.2016

Großes Potenzial von Abwärmenutzung in Frankreich festgestellt

Das erste Energieaudit musste von den großen Unternehmen in Frankreich im Jahr 2015 durchgeführt werden. Die Abgabefrist hat das Umweltministerium jedoch von Dezember 2015 auf den 30.6.16 verlängert. Eine erste Analyse der Ergebnisse legte im September 2016 die Firma Schneider Electric vor, die über 350 Audits in 130 Unternehmen durchgeführt hat.

Fünf Einsparstrategien traten dabei als besonders effektiv hervor: Die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik, eine Optimierung der Kontrolle der Energieverbraucher sowohl im Gebäude als auch in den Prozessen, die Verbesserung der Heizung, Klimatisierung und Lüftung insbesondere durch die Nutzung von Prozesswärme, die Anpassung falsch dimensionierter oder schlecht gesteuerter Druckluftanlagen und schließlich die genaue Messung und Aufbereitung der Daten, die im Zuge der Sparmaßnahmen gewonnen werden.

Einen guten Einblick in die gewählten Strategien der Unternehmen bietet auch das seit 2008 laufende Programm der Umweltagentur Ademe zusammen mit dem Energieunternehmen Total zur Förderung von Pilotprojekten im Bereich Verbesserung der Energieeffizienz in der Industrie. Angenommen zur Förderung wurden in den Jahren 2008 bis 2013 insgesamt 60 Projekte aus verschiedensten Branchen, eingereicht von großen wie kleinen Unternehmen und Planungsbüros. Unter den geförderten Projekten waren auch Vorschläge ausländischer Unternehmen wie Johnson Controls oder Kelvion. Thematisch wurde ein breites Feld von der Materialentwicklung bis zu konkret einsatzfertigen Aggregaten abgedeckt. Ein Schwerpunkt der Arbeiten ist die Nutzung der in der Produktion anfallenden Abwärme.

Nutzung von Prozesswärme

Mehrere Projekte widmen sich der Erzeugung von Elektrizität aus Prozesswärme. Eine Strategie ist die Verwendung des Organic Rankine Cycles (ORC). Die Firma Enogia hat dafür zusammen mit dem Forschungsinstitut Ifpen komplette Aggregate entwickelt, die in Industrieanlagen eingesetzt werden können. Weiter gehen die Arbeiten der Université François Rabelais und der Unternehmen Crismat und Hutchinson, die die Entwicklung thermo-elektrischer Materialien mit Nanostrukturen zum Ziel haben, mit deren Hilfe sich auch Wärme geringer Temperaturen (unter 200° C) nutzen lassen soll.

Die Verbesserung der thermischen Verhältnisse in Destillationsanlagen will die Firma LGC mit der Technik InTherCoMM erreichen, die hierzu Elemente aus Metallschaum verwendet. Einen geringen Wärmeaustausch sollen auch spezielle Rohre für Flüssiggas sichern, die im Rahmen des Projektes Diestra-Tubeside entwickelt werden. Koordinator ist hier der Energieanlagen-Spezialist Technip.

Bei etlichen Arbeiten steht die direkte Verbesserung der Energiebilanz der eingesetzten Maschinen im Vordergrund. So wollen die Firmen PCI Scemm und MPM zusammen mit den Forschungsinstituten Cetim und Ifma unter dem Titel Green HSM Werkzeugmaschinen sparsamer machen. Das Unternehmen Idhelio entwickelt eine Semisol genannte Trocknungsanlage, die auf Basis von Solarenergie arbeitet. Aixma Réfrigération hat sich die Verringerung des Energieverbrauchs von Kühlanlagen zum Ziel gesetzt.

Großes Einsparpotenzial ergibt sich aber in vielen Fällen schon ohne Investitionen in neue Anlagen durch Optimierung der Prozesse. Zu den geförderten Projekten gehört deshalb beispielsweise auch die Entwicklung von Analyse-Software, die speziell auf die Bedürfnisse von Produktionsanlagen zugeschnitten ist. Koordinator ist hier das Büro Prosim, Partner sind unter anderen Michelin und Total.

Text: Marcus Knupp

17.10.2016

In Schweden bestehen mit Abstand größte Einsparpotenziale bei der Prozessenergie

Prozessbezogene Maßnahmen bieten nach den im Rahmen des Programms zur Energieeffizienzsteigerung (Program för energieffektivisiering; PFE) durchgeführten Audits das größte Potenzial zur Verbesserung der Energieeffizienz. Doch auch durch den Einsatz neuer Motoren, Pumpensysteme und Lüftungstechnik lässt sich viel erreichen.

Der Folienhersteller Riflex Film aus Ronneby hat noch vor seiner Übernahme gegen Jahresende 2014 durch den deutschen KAP Beteiligungskonzern ein Energieaudit durchgeführt. Dabei wurden 20 mögliche Maßnahmen zur Energieeinsparung aufgedeckt. Zwei wesentliche davon waren der Austausch eines veralteten Kompressors durch einen neuen frequenzgesteuerten mit Wärmetauscher zur Energierückgewinnung und die Umstellung auf LED-Leuchten. Der jährliche Energieverbrauch ist dadurch um 17 bis 18% von 8,5 GWh (2008) auf unter 7 GWh gesunken.

Auch der Hersteller und Lieferant von Schleif- und Pflegesystemen für Fußböden HTC aus Söderköping hat ein Energieaudit vorgenommen. Neben zahlreichen weiteren identifizierten Maßnahmen zur Energieeinsparung wurden die Leerlaufzeiten von Schleifwerkzeugen optimiert, Reflektorlampen durch neue energiesparende LED-Beleuchtung und zehn alte Server durch Cloud Services ersetzt. Dasselbe soll noch bei acht weiteren Servern geschehen, weitere sollen durch energieeffizientere, neue Modelle ausgetauscht werden. Durch die bisherigen Maßnahmen sank der Jahresenergieverbrauch um 11% auf nur noch knapp 1,7 GWh. Das Audit sei so erfolgreich gewesen, dass bald noch ein neues beabsichtigt sei.

Ergebnisse der Audits bei Energieagentur einzusehen

Die Energieagentur veröffentlicht auf ihrer Homepage noch Ergebnisse einer Reihe weiterer Energieaudits und energieeffizienzverbessernder Maßnahmen, die in Folge der Audits ergriffen wurden, darunter bei den Unternehmen UBAB Ulricehamns Beton (Betonfabrik), SPM Instrument (Anbieter von Systemen zur Energieüberwachung), Lamtech (Hersteller von Massivholzplatten) und Gense (Anbieter von Edelstahlbesteck). Durch die Audits können in der Produktion zukünftig erhebliche Strommengen eingespart werden. Die Berichte gibt es nur auf Schwedisch.

Ferner veröffentlicht die Energieagentur auf ihrer Website eine Liste der Unternehmen, die gesetzlich zu einem Energieaudit verpflichtet sind. Bis Anfang Februar 2016 waren darin rund 1.100 von schätzungsweise 1.500 bis dahin registrierten Firmen erfasst. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert - Schaltflächen „Energieffektivisering“, „Lagen om energikartläggning i stora företag“, „Registrerade företag som omfattas av lagen”.

Text: Heiko Steinacher

17.10.2016

Mexikanische Energieeffizienz wurde mit Audits erhöht

Erfolgreiche Beispiele gibt es in Mexiko bislang vor allem in der Kfz-, Glas- und Pharmaindustrie. Auch Papier- und Zuckerfabrikanten haben teilweise bereits auf Equipment mit niedrigem Energieverbrauch umgerüstet. Ein gut dokumentiertes Beispiel des Glasherstellers Vitro zeigt, wie in den acht mexikanischen Werken des Konzerns durch die Installation von über 400 neuen Elektromotoren rund 6,9 GWh pro Jahr eingespart werden können. Das Projekt wurde von FIDE finanziert.

Dem Verband AMESCO zufolge gibt es gute Resultate beim Thema Beleuchtung. In einem Fall konnte ein produzierendes Unternehmen in seinen Werkshallen die Kosten der Beleuchtung um knapp 70% senken. Dazu wurden moderne Beleuchtungsmittel vom Typ T5-HO, transparente Dachpanelen sowie Bewegungssensoren installiert. Der Einspareffekt beträgt rund 400 MWh pro Jahr.

Im Bereich der EMS gibt es erfolgreiche Beispiele unter anderem im Transportsektor und in der Pharmaindustrie. „Vorreiter im Transportsektor ist das Busunternehmen ADO mit über 6.000 Bussen. Durch Schulungsmaßnahmen wurden Verbrauch und Verschleiß über die Gesamtflotte um über 10% reduziert“, berichtet Hans Kohlsdorf, geschäftsführender Gesellschafter des Stromhändlers Energy 2 Market. Laut CONUEE und GIZ konnte ein Pharmaunternehmen durch ein EMS seinen Energieverbrauch senken, indem es eine systematische Wartung der Produktionsanlagen etabliert hat.

Öffnung des Strommarktes wirbelt Preisgefüge durcheinander

Im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes startete Anfang 2016 die mexikanische Strombörse ihren Betrieb. Großkunden, die in der Lage sind, ihre Stromkapazitäten bei Bedarf nach unten anzupassen, können die frei gewordenen Kapazitäten veräußern. Für Beratungsfirmen kann es ein Geschäftsmodell sein, Equipment zur Verbrauchssteuerung zu installieren, damit der Stromkunde bei Spitzenbedarfen am Markt den eigenen Konsum herunterfahren kann.

Die Kalkulation hängt laut Edgar Sánchez, zuständig für energieeffiziente Produkte beim Automatisierungsanbieter ABB, davon ab, wie sich die Stromtarife voraussichtlich entwickeln und ob der Kunde durch den niedrigeren Verbrauch in eine günstigere Tarifgruppe fällt und so zusätzliche Einsparungen erzielen kann. „Momentan sind die Projekte mit einem großen Risiko behaftet, da die Öffnung des Strommarkts das Preisgefüge durcheinander wirbelt“, gibt Sánchez zu bedenken. Das mexikanische Energieministerium prüft mit Unterstützung der Weltbank die Einführung von Energieeffizienz-Zertifikaten (certificados blancos), um die Vergütung der Einsparungen stärker zu formalisieren.

Text: Florian Steinmeyer

17.10.2016

Standortwettbewerb zwingt belgische Unternehmen zu Energieaudits

Die stetige Effizienzsteigerung des Energie- und sonstigen Ressourceneinsatzes ist für größere Industriebetriebe im High-Tech- und Hochlohnland Belgien in der Regel schon aufgrund des globalen Wettbewerbs und somit auch ohne staatliche Vorgaben ein Muss. Die Beachtung dieser Vorschriften stellt dann nicht zuletzt wegen der möglichen Förderungen eher einen zusätzlichen Anreiz dar.

Gerade auch die großen belgischen Produktionsstätten internationaler Unternehmen in der Chemie-, Pharma-, Kfz- und Schwerindustrie stehen meist in einem starken konzerninternen Standortwettbewerb und investieren daher seit langem kontinuierlich in Energieeffizienzmaßnahmen. Für solche Fertigungsanlagen finden dann oftmals nicht nur ISO-50001-Zertifizierungen oder sonstige Vorgaben vor Ort Anwendung, sondern auch die jeweiligen konzernspezifischen Standards. Auch werden die Energieaudits in diesem Fall vielfach nicht nur von belgischen Beratern, sondern von spezialisierten Expertenteams der Unternehmensgruppe erstellt, die auf diese Weise nicht nur die belgischen, sondern alle europäischen und teilweise weltweiten Fertigungsanlagen analysieren. Internationale Konzerne beauftragen dann oft Unternehmen, die sich bereits an Standorten in anderen Ländern etabliert haben, mit der Durchführung von Energieeffizienzmaßnahmen in Belgien.

Zielgruppe effizienzunerfahrene kleinere Industriebetriebe

Es gibt aber in ganz Belgien noch viele, meist kleinere Industriebetriebe, die bisher keine Energieaudits durchgeführt haben und auch rechtlich nicht dazu verpflichtet sind. Für diese geben die öffentlichen Förderanreize oft den entscheidenden Ausschlag, einen offiziell zugelassenen belgischen Energieberater zu beauftragen. Dies bietet deutschen Anbietern von Energieeffizienztechnik vor allem dann hervorragende Geschäftschancen, wenn gleichwertige Lösungen in Belgien nicht vorhanden sind. Oft stellt die Zusammenarbeit mit vor Ort etablierten Baufirmen, Planern oder Energieberatern in dem Fall einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil dar.

Text: Torsten Pauly

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