Start-Ups in der Schweiz

Junge Start-ups entdecken die Schweiz

In der Schweiz hat sich in den letzten Jahren eine lebhafte Start-up-Szene entwickelt. Das Land bietet auch innovativen Gründern aus dem Ausland gute Rahmenbedingungen.

28.01.2019

Die Schweiz bietet solide Basis für junge Firmengründer

Im Vergleich zu den hippen Start-up-Hotspots London und Berlin sind die schweizerischen Metropolen Zürich, Waadt und Luzern bislang weniger aufgefallen. Dennoch gedeiht dort und anderswo im Lande seit einigen Jahren eine lebhafte, innovative Jungunternehmerszene. Als Basis für ein solides Start-up-Ökosystem hat die Schweiz viel zu bieten. Dazu zählt ein erstklassiges Bildungsangebot. Die schweizerischen Hochschulen haben einen exzellenten Ruf. Viele der Top-Start-ups haben dort ihren Anfang genommen. Sie sind in allen Technologiefeldern vertreten.

Hochschulen als Start-up-Schmieden

Die Hochschulen verleihen dem Start-up-Ökosystem der Schweiz starke Dynamik. Darunter die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne (Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne, EFPL) mit ihrem Innovation Park. Mehr als 120 Start-ups sind dort heute ansässig. Auch das einzige schweizerische Einhorn (Einhörner sind Unternehmen, mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar), Mindmaze, ist der EFPL erwachsen. Das Unternehmen baut Hard- und Software, um Patienten nach Schlaganfällen mit Hilfe von Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) zu behandeln.

Eine weitere Gründerschmiede ist die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich (ETH). Auch sie kann auf große Erfolge als Startrampe für Jungunternehmen verweisen. In den letzten Jahren konnte die ETH bis zu 2.500 Arbeitsplätze mit ihren Unternehmensgründungen (Spin-offs) schaffen. 2017 haben laut einer Medienmitteilung der ETH 25 Firmen von dort aus ihre Unternehmungen gestartet, wie DataHow, Myoswiss (beide aus dem Gesundheitssektor), und das Biotechunternehmen Tolremo.

Auch die Schweizer Kantone stehen im Wettbewerb um junge Start-ups. Die Zentren der schweizerischen Start-up-Szene bilden Zürich und Waadt, wobei Zürich knapp die Hälfte aller Top-100-Start-ups beheimatet, die im September 2018 gekürt wurden.

Schweizer gelten eher als risikoscheu

In einem Bericht des Bundesrates zur Situation von Start-ups in der Schweiz stellen die Autoren fest, dass sich „die Situation der rasch wachsenden Jungunternehmen in der Schweiz insgesamt als gut bis sehr gut präsentiert.“ Danach zähle die Schweiz zu den Ländern mit den besten Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten.

Trotz der starken Gründungsdynamik der letzten Jahre fällt die Quote im internationalen Vergleich indes etwas geringer aus. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass potenzielle Gründer aufgrund der vergleichsweise hohen Lebenshaltungskosten und des kleinen schweizerischen Marktes eher zurückhaltend sind. Darüber hinaus haben Hochschulabgänger in vielen Berufszweigen sehr gute Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten. Das Bedürfnis, sich auf eine Start-up-Gründung und den damit verbundenen Risiken einzulassen, dürfte in der Schweiz im Vergleich mit Gründern aus den Nachbarländern geringer sein.

Staatliche und private Start-up-Förderung

Jordi Montserrat, Start-up-Berater und Leiter der Gründungsinitiative venturelab betont in einem Interview mit der Informationsplattform Swissinfo, dass der Bund, Universitäten und Private in den letzten Jahren zahlreiche Programme auf die Beine gestellt haben, um Jungunternehmen Kenntnisse, Methoden und finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um eine eigene Firma zu gründen. Im Bereich der Innovationsförderung habe sich laut Montserrat in den letzten 15 bis 20 Jahren in der Schweiz sehr viel getan.

Neben den privaten und kantonalen Finanzierungsangeboten bietet das gewerbeorientierte Bürgschaftswesen, die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) und der Technologiefonds auch auf Bundesebene Hilfen für Unternehmensgründer, leichter an Kredite oder Darlehen heranzukommen. Die Kommission für Technologie und Innovation KTI bietet Unternehmen Trainingsprogramme an und begleitet junge Firmengründer mit professionellen Coachings.

Crowdfunding gewinnt als Finanzierungsmöglichkeit an Relevanz

Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern - Bereich Wirtschaft, veröffentlicht jedes Jahr aktuelle Informationen über den Crowdfunding Markt innerhalb der Schweiz.

Aus dem aktuellen Crowdfunding Monitoring-Schweiz 2018 geht hervor, dass im Jahr 2017 rund 375 Millionen Schweizer Franken (sfr; +192 Prozent) vermittelt wurden. Das größte Wachstum generierte der Bereich Crowdinvesting (+245 Prozent auf 135,2 Millionen sfr), gefolgt von Crowdlending (+239 Prozent auf 186,7 Millionen sfr), Invoice Trading (+38 Prozent auf 23,5 Millionen sfr) und Crowdsupporting/Crowddonating (+71 Prozent auf 29,1 Millionen sfr). Mittels Crowdfunding wurden in den vergangenen acht Jahren laut der Studie 568 Millionen sfr vermittelt. Ende April 2018 waren in der Schweiz 43 Crowdfunding-Plattformen aktiv.

Inkubatoren und Acceleratoren stehen bereit

In der Schweiz gibt es eine Vielzahl von Inkubatoren und Acceleratoren, die junge Unternehmen in der Startphase (early stage) ihres Unternehmens unterstützen, Geschäftsideen analysieren und Start-ups trainieren. Zu den Bekanntesten zählen die Swiss Startup Factory, venturelab, venture Kick,

kickstart accelerator sowie das Institut für Jungunternehmer IFJ.

Darüber hinaus unterstützen die Hochschulen junge Firmengründer. So bietet zum Beispiel der Switzerland Innovation Park (SIP) in Biel, Coaching sowie Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Forschungspartnern sowie Hilfen bei der Kapitalbeschaffung an und stellt Jungunternehmen Co-Working-Spaces zur Verfügung.

Auch der bereits genannte Innovation Park der technischen Hochschule Lausanne (EPLF) bietet ein ideales Umfeld für Start-ups. Auf 55.000 Quadratmetern Fläche gibt es Platz für Labore und Co-Working. Zudem verfügt der Park über zahlreiche Forschungs- und Entwicklungszentren. Laut der EPLF lassen sich hier rund 45 Start-ups pro Jahr nieder.

Auch den Start-ups der Fintech-Branche stehen in der Schweiz eine Vielzahl von Inkubatoren und Acceleratoren zur Verfügung.


Text: Karl-Heinz Dahm

28.01.2019

Schweiz meldet gute Nachrichten von der Finanzierungsfront

Schweizer Start-ups haben auch im ersten Halbjahr 2018 erfolgreich Risikokapital einspielen und damit an die Dynamik des Vorjahres anknüpfen können. Laut einer Analyse des Marktforschungsinstitutes EY akquirierten die Jungunternehmen im Alpenland von Januar bis Juni insgesamt 415 Millionen Euro in 124 Finanzierungsrunden. Das entspricht knapp dem Dreifachen des gleichen Vorjahreszeitraums (140 Millionen Euro in 71 Finanzierungsrunden).

Die Anzahl der Neufirmen, die sich im 1. Halbjahr 2018 in das Handelsregister der Schweiz eingetragen haben, stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent auf 22.247 Firmen und markierte damit einen neuen Höchststand.

Das durchschnittliche Alter von Gründerinnen und Gründern in der Schweiz beträgt laut dem Swiss Venture Capital Report 2018, der von der Swiss Private Equity & Corporate Finance Association (Seca) und Startupticker publiziert wurde, 41 Jahre und ist bei Männern und Frauen praktisch identisch. Der Anteil von Frauen/Männer bei Neugründungen beträgt 26,5 zu 73,5 Prozent. 2018 wurden 27 der TOP-100 Start-ups von Frauen gegründet, was für die Schweiz eine bemerkenswert hohe Quote darstellt.

Jordi Montserrat, Mitbegründer von Venture Lab, der junge Start-ups mit erfahrenen Gründern und Hochschulen zusammenbringt, betonte in einem Interview mit Swissinfo, dass sich die Investitionen in Start-ups in der Schweiz von 2012 bis 2017 nahezu verdreifacht haben und auf 1 Milliarde Schweizer Franken (sfr) pro Jahr angewachsen sind. Diese Entwicklung wird nach Meinung von Montserrat durch die guten Rahmenbedingungen im Lande begünstigt sowie durch private und öffentliche Förderprogramme, insbesondere im Umfeld von Universitäten und Fachhochschulen.

Top-100-Start-ups gekürt

Eine Jury aus 100 Experten kürte im September 2018 die erfolgreichsten Start-ups der Schweiz. Die „Top 100 Swiss Startup Awards“ werden jedes Jahr von Venturelab vergeben, einem Programm, das von der schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) in Zusammenarbeit mit den Universitäten, den eidgenössischen technischen Hochschulen und den Fachhochschulen initiiert wurde. Rund 800 innovative Jungunternehmen, die innerhalb der letzten fünf Jahre gegründet wurden stehen dabei jedes Jahr zur Wahl. Die Liste der Top 100 findet sich im Internet.

Die 100 besten Start-ups der Schweiz sind überwiegend in den Sparten Bio- und Medizintechnik sowie Informatik und Ingenieurwesen unterwegs. Hier macht sich unter anderem die langjährige Tradition der Pharmaforschung in der Schweiz bemerkbar. In der Top-100-Liste finden sich bislang noch wenige Fintech-Unternehmen, wenngleich in den letzten Jahren in der Schweiz zahlreiche Finanztechnologiefirmen gegründet wurden.

Ein Unternehmen, dass dieses Jahr zum zweiten Mal auf dem Siegerpodest stand ist laut dem Start-up-Magazin der schweizerischen Handelszeitung das Medtech-Unternehmen Ava, das einen Cyclus-Tracker für Frauen entwickelt hat, mit dem Daten über Fruchtbarkeit und Schwangerschaft erfasst werden können. Rang 2 konnte sich das Start-up Bestmile sichern, eine Softwarefirma mit 60 Mitarbeitern, die ein Programm für cloudbasiertes Flottenmanagement entwickelt hat. Laut dem World Economic Forum zählt die Lausanner Firma zu den 61 vielversprechendsten Technologiepionieren 2018.

Schweizer Start-ups, die in den vergangenen 12 Monaten *) das meiste Risikokapital sichern konnten

Start-up

Sparte

Risikokapital (in Mio. sfr)

GetyourGuide

Online

75

Neurimmune

Biopharma

50

Ava

Medizintechnik

30

Climeworks

Cleantech

30

Scandit

Software/App

30

Abionic

Medizintechnik

20

*) September 2017 bis September 2018
Quelle: Startup Magazin der Handelszeitung


Text: Karl-Heinz Dahm

28.01.2019

Auch deutsche Gründer zieht es in die Schweiz

Die Schweizer Start-up-Szene ist auch für ausländische Investoren attraktiv. Dies zeigt das Interesse an Unternehmensansiedlungen und der Präsenz internationaler Geldgeber vor Ort. So haben nicht nur die Topinvestoren aus dem Silicon Valley wie Google Ventures einen Fokus auf die schweizerische Gründerszene gelegt sondern zunehmend auch Unternehmen aus China, die sich im Lande niederlassen, darunter Tencent und das Onlineportal Alibaba. Letzteren findet man etwa unter den Early-Stage-Investoren, die 17 Millionen Schweizer Franken (sfr) in Wayray investiert haben. Das Start-up entwickelt holographische Augmented Reality für Autos. In den vergangenen Jahren haben chinesische Firmen über 50 Mrd. US$ in der Schweiz investiert. Im Jahr 2017 stammten laut dem Swiss Venture Capital Report 2018 über 70 Prozent des in Start-ups investierten Kapitals von ausländischen Investoren.

Längst haben auch deutsche Gründer die Schweiz entdeckt. Die politischen Rahmenbedingungen, die Sprache sowie Arbeitseinstellung und Mentalität sind vertraut. Sowohl Fintech-Start-ups, oder Jungunternehmen aus anderen Technologiesparten: immer mehr junge innovative Firmengründer zieht es in die Schweiz. Aufgrund der überschaubaren Szene lassen sich dort schnell Netzwerke aufbauen.

Anfang Juni 2018 fand erstmalig das sogenannte "Market Entry Bootcamp" im Kraftwerk Zürich statt. Angesprochen waren internationale Start-ups mit innovativen Geschäftsideen in den Bereichen Finanztechnologien (Fintech und Crypto), Lifesciences, Nahrungsmittel sowie Infrastruktur und Mobilität. Laut Bericht des startupticker, einem schweizerischen Informationsportal rund um die Start-up-Szene, waren 50 internationale Start-ups aus über 21 Ländern in der Schweiz, um das Schweizer Start-up Ökosystem kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Das Programm fand in dieser Form zum ersten Mal in der Schweiz statt und hatte unter anderem zum Ziel, den Innovationsplatz Schweiz international zu positionieren.


Text: Karl-Heinz Dahm

Suche verfeinern

Trends

Funktionen