Forschungslandschaft

Steigende FuE-Aufwendungen

In Deutschland werden enorme Summen in die Entwicklung neuer Technologien und Innovationen investiert. Kein anderes europäisches Land gibt mehr für Forschung und Entwicklung (F&E) aus. Bereits seit über zehn Jahren steigen die deutschen F&E-Ausgaben kontinuierlich an.

Im Jahr 2018 wendeten Staat, Hochschulen und Wirtschaft für Forschungsprojekte am Standort Deutschland ca. 104,7 Mrd. Euro auf. Das entspricht 3,1 Prozent des BIP. Mit diesem Anteil belegt Deutschland im EU-Vergleich den dritten Platz, hinter Schweden und Österreich, und deutlich vor Frankreich, dem EU-Durchschnitt oder dem Vereinigten Königreich.

Damit hat die Bundesrepublik das von der Europäischen Union vorgegebene 3-Prozent-Ziel bereits erreicht. Mehr als zwei Drittel der Aufwendungen werden von der forschungsstarken Privatwirtschaft getragen.

Balkendiagramm: Ausgaben für F&E in Deutschland
Balkendiagramm: Ausgaben für F&E in Deutschland | © GTAI-Berechnungen nach Eurostat 2020

Einsteins Erben

Die Stärke des Forschungsstandorts Deutschland bringt stets auch bedeutende Wissenschaftler von Weltrang hervor. Albert Einsteins Karriere z.B., die 1921 zur Verleihung des Nobelpreises für Physik führte, begann in Deutschland.  Nicht nur Max Planck und Robert Koch, sondern auch die jüngeren Nobelpreisträger Thomas C. Südhof (2013) und Harald zur Hausen (2008) unterstreichen die Kontinuität der Forschungsqualität in Deutschland: Mehr als 80 Nobelpreise in Medizin oder den Naturwissenschaften wurden an Deutsche vergeben. Deutschland beherbergt die größte Anzahl an Forschern in Europa – 21 Prozent der Wissenschaftler in der EU leben und arbeiten hier. Deutsche Forscher wirken darüber hinaus an Projekten in der ganzen Welt mit. So erarbeitet die Max-Planck-Gesellschaft ihre Forschungsergebnisse mit Wissenschaftlern aus mehr als 110 Ländern der Welt.

Anteil der Wissenschaftler in der EU (2018)
Anteil der Wissenschaftler in der EU (2018) | © Eurostat 2020

Bewährter Wissenschaftstransfer

Die deutsche F&E-Landschaft zeichnet sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aus. Grundlage hierfür bildet das dichte und dezentrale Netz aus über 400 Universitäten und Fachhochschulen. Nicht nur die leichte Verfügbarkeit von hochqualifizierten Hochschulabsolventen wird damit deutschlandweit sichergestellt.

Auch die wertvollen Kooperationsmöglichkeiten und Zugangskanäle zu Grundlagen-, und angewandter Hochschulforschung werden von der Privatwirtschaft genutzt. Dort erarbeitete Erkenntnisse werden so effektiv zur industriellen Umsetzung vorangetrieben. Wissenschaftler können problemlos in die unternehmenseigenen Teams aus Entwicklern und Forschern integriert werden. Zudem wird die Laboreinrichtung vermehrt von den Instituten gestellt.

In den vergangenen Jahren konnte Deutschland auch beim formalen Technologietransfer beeindruckende Fortschritte verzeichnen. Hierzu zählen vor allem die seit dem Jahr 2001 geschaffenen Patentverwertungsagenturen, mit deren Hilfe schutzrechtlich gesicherte Hochschulergebnisse kommerzialisiert und in die Wirtschaft übertragen werden können. Auch die Einrichtungen der außeruniversitären Forschung verfügen über eigene Verwertungsstellen.

Es verwundert also nicht, dass internationale Entscheidungsträger dem Wissenstransfer zwischen Unternehmen und Universitäten in Deutschland ein gutes Zeugnis ausstellen.

Renommierte Forschungsinstitute

Deutschland besitzt durch seine öffentlich geförderten außeruniversitären Forschungsinstitute ein im weltweiten Vergleich absolutes Alleinstellungsmerkmal.

Die anwendungsorientierten Einrichtungen, Fraunhofer-Gesellschaft und Leibniz-Gemeinschaft, ermöglichen vor allem kleinen und mittleren Unternehmen eine Beteiligung an den Ergebnissen der Spitzenforschung. Mit 72 Einrichtungen und mehr als 26.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielt die Fraunhofer-Gesellschaft pro Jahr ein Forschungsvolumen von 2,6 Milliarden Euro. Davon entfallen 2,2 Milliarden Euro auf den Bereich der Vertragsforschung.

Das Netzwerk der Leibniz-Gemeinschaft umfasst 93 Einrichtungen mit ca. 19.700 Beschäftigten. Auch die weltweit renommiertesten Institute der Grundlagenforschung sind in Deutschland beheimatet. Die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft erlauben Unternehmen, eine kostspielige Grundlagenforschung auszulagern. Sie mindern damit das Risiko der Entwicklung von neuen Produkten und senken die Kosten für F&E.

Das Zusammenspiel von Universitäten, Forschungsorganisationen, Industrieforschung und weiteren Akteuren stellt eine international einzigartige Arbeitsteilung in der Wertschöpfung neuen Wissens dar. Die differenzierte Aufgabenwahrnehmung der beteiligten Institutionen füllt das gesamte Spektrum von vorwettbewerblicher, meist von öffentlicher Hand unterstützter Grundlagenforschung bis zu industriefinanzierter, kommerzialisierbarer Anwendungsforschung.

Diagramm: F&E-Aufwendungen (Mrd. EUR, 2017) nach Forschungscharakter und Akteuren
Diagramm: F&E-Aufwendungen (Mrd. EUR, 2017) nach Forschungscharakter und Akteuren | © Statistisches Bundesamt 2020

Effektive Kompetenzzentren

Deutschland zeichnet sich zudem durch eine ausgereifte Struktur hochinnovativer regionaler Netzwerke und Cluster aus, die Unternehmen einen exzellenten Zugang zu Wissen, Technologien und Wertschöpfungsketten bietet. Interaktive Forschungs- und Lernprozesse sorgen dabei für eine schnellere Technologiediffusion mit anschließender Markteinführung.

Als besonderes Qualitätssiegel gilt dabei die Mitgliedschaft in der Initiative „go-cluster“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Hier wurden rund 100 Cluster aufgenommen, die harte Kriterien erfüllen. Dabei wird unter anderem die Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft genau begutachtet und überprüft, wie stark sich das Netzwerk seinem Innovationsschwerpunkt widmet. Die Initiative ermöglicht auch Förderungen, um besondere Clusterdienstleistungen zu entwickeln.

Kooperative Gemeinschaftsforschung findet außerdem in den Forschungsnetzwerken der industriegetragenen „Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF)“ statt. Mehr als 50.000 kleine und mittelständische Unternehmen haben sich in ca. 100 Forschungsvereinigungen organisiert und führen technologiefeldrelevante Forschungsvorhaben durch. Neben der Überwindung von strukturbedingten Nachteilen von KMU im Bereich von F&E, wird die Partnersuche sowie der Zugang zu Universitätsnetzwerken vereinfacht.

Zukunftsweisende Reformen

Auf dem Weg in die Wissensökonomie stellen der Bund und die Länder die Weichen, um den Herausforderungen eines intensiven, globalen Innovationswettbewerbs zu begegnen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Exzellenzstrategie, mit der die universitäre Spitzenforschung in Deutschland gestärkt werden soll.

Sie besteht aus zwei Teilen: der Förderung von Exzellenzclustern und der Förderung von Exzellenzuniversitäten.

Mit den Exzellenzclustern werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten beziehungsweise Universitätsverbünden projektbezogen gefördert. In den Exzellenzclustern arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Institutionen an einem Forschungsvorhaben zusammen. Die Förderung gibt ihnen die Möglichkeit, sich intensiv auf ihr Forschungsziel zu konzentrieren, wissenschaftliche Nachwuchskräfte auszubilden und internationale Spitzenkräfte zu rekrutieren. Exzellenzcluster werden für die Dauer von sieben Jahren gefördert. Eine zweite Förderperiode von wiederum sieben Jahren ist möglich.

Die Förderung von Exzellenzuniversitäten dient der Stärkung der Universitäten beziehungsweise eines Verbundes von Universitäten als Institution und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung auf Basis erfolgreicher Exzellenzcluster. Um sich als Exzellenzuniversität bewerben zu können, müssen Universitäten daher mindestens zwei, als Universitätsverbünde mindestens drei Exzellenzcluster eingeworben haben. Exzellenzuniversitäten werden dauerhaft gefördert, müssen sich aber alle sieben Jahre einer Überprüfung der Fördervoraussetzungen stellen. Das heißt, die Exzellenzuniversitäten müssen regelmäßig alle sieben Jahre im Wettbewerb mit Neuanträgen die für die Förderung notwendige Anzahl von Exzellenzclustern erfolgreich neu einwerben.

Von Bedeutung sind darüber hinaus der Pakt für Innovation und Forschung, mit der die großen außeruniversitären Forschungsorganisationen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gestärkt werden sollen, und der Qualitätspakt Lehre, in dem es um die Betreuung der Studierenden und die Verbesserung der Qualität der Lehre an den Hochschulen geht.

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